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Moto 2 rider Dominique Aegerter of Switzerland celebrates on the podium after winning the San Marino Motorcycle Grand Prix at the Misano circuit in Misano Adriatico, Italy, Sunday, Sept. 10, 2017. (AP Photo/Antonio Calanni)

Dominique Aegerter feiert in Misano seinen zweiten GP-Sieg. Bild: AP/AP

Ein Löwe auf der Rennpiste – aber ein schutzbedürftiges Schaf im Töff-Business

Dominique Aegerter hat es im Töff-Business schwerer als Tom Lüthi. Nun steht er vor der schwierigsten Entscheidung seiner Karriere.



Am Himmel über Rohrbach bleibt es am Montag ruhig. Kein Helikopter knattert über dem Dorf mit knapp 1500 Einwohnern im oberen Tal der Langeten.

Das war vor drei Jahren im Juli 2014 bei gleichem Anlass noch anders gewesen. Da hatte die Gemeinde am Montag nach dem ersten GP-Sieg von Dominique Aegerter (26) eine grosse Party zelebriert. Über 1000 kamen um den Helden aus dem Dorf zu feiern. Auf Kosten der kommunalen Kasse gab es Freibier und Bratwurst und ein Freund flog den Star des Abends mit dem Helikopter ein.

Gemeindepräsidentin Elisabeth Spichiger sagt, warum es für den zweiten Triumph keine Feier gibt. «Der erste Sieg war etwas ganz Besonderes und deshalb haben wir gefeiert. Die nächste Feier richten wir aus, wenn er Weltmeister wird …»

Es ist ja nicht so, dass die Gemeinde nun untätig geblieben wäre. Elisabeth Spichiger sorgte dafür, dass am Sonntag an der Fassade des Gemeindehauses bereits zehn Minuten nach dem Sieg das grosse Gratulations-Spruchband prangte, das damals im Juli 2014 fabriziert worden war. «Wir haben immer an Domi geglaubt und so haben wir dieses Spruchband im Werkhof der Gemeinde versorgt. Damit wir es beim nächsten Sieg wieder aufhängen können.»

Gefeiert wurde dafür in Misano. Dominique Aegerter erzählt, er sei am Montagmorgen so gegen vier Uhr ins Bett gekommen. Es war eine Party mit der Familie im kleinen Kreis des Teams. Zum ersten Mal in dieser Saison war Mutter Beatrice vor Ort. Grad zum richtigen Zeitpunkt.

Als der grosse Sieger zu Bett ging, war Tom Lüthi (30) schon daheim in Linden. Er hatte das Fahrerlager in Misano gleich nach dem Rennen verlassen. «Er hat mir gratuliert und sich für mich gefreut», sagt Dominique Aegerter.

Immer an sich geglaubt

Viel ist passiert zwischen dem ersten Sieg 2014 und dem Triumph am letzten Sonntag. Die meisten Rennfahrer wären an den Rückschlägen und Anfeindungen zerbrochen. Erst ein schwerer, nicht verschuldeter Rennunfall im Herbst 2015, dann ein Jahr später im Herbst 2016 vier Rennen vor Schluss der Rausschmiss aus dem Team.

epa06196241 Swiss rider Dominique Aegerter of Kiefer Racing celebrates with teammates after winning the Moto2 Grand Prix of San Marino and Riviera of Rimini at Misano circuit, in Misano Adriatico, Italy, 10 September 2017.  EPA/Fabrizio Petrangeli

Dominique Aegerter und sein Team lassen es nach dem Triumph so richtig krachen. Bild: EPA/ANSA

Aber Dominique Aegerter hat sein Selbstvertrauen und seinen Optimismus nie verloren. «Es mag arrogant tönen. Aber ich habe immer gewusst, dass ich in der Lage bin, zu gewinnen, wenn alles stimmt.» In den 47 Rennen nach seinem ersten Sieg reichte es bloss zu zwei Podestplätzen (zwei dritten Rängen).

Am späten Montagnachmittag ist Dominique Aegerter wieder nach Hause gekommen. Bereits morgen Mittwoch folgt eine schicksalsschwere Besprechung mit seinem Manager und Freund Robert Siegrist. Es geht um den wichtigsten Entscheid seiner Karriere.

Dominique Aegerter hat inzwischen für die nächste Saison nur noch zwei Optionen. Entweder bleibt er im bewährten, aber chronisch unterfinanzierten Team der Gebrüder Jochen und Stefan Kiefer. Oder er kehrt zum letztjährigen Team zurück, das nun neu von KTM ausgerüstet wird. KTM möchte, da Tom Lüthi nicht mehr zur Verfügung steht, unbedingt Dominique Aegerter. Sein Manager bestätigt: «Ja, das sind die einzigen Optionen. Alle anderen Verhandlungen haben zu keinem Resultat geführt.»

Ein Sieger der Herzen

Es wird wohl ein Entscheid des Herzens. Auch Robert Siegrist rät zum Verbleib im Kiefer-Team. Bei den Gebrüdern Kiefer fühlt sich «Domi» wohl und er ahnt, dass er bei einem Wechsel zurück in sein letztjähriges Team wieder in ein «Haifischbecken» geraten und untergehen würde. Zumal dort mit dem britischen Bruchpiloten Sam Lowes bereits ein Fahrer für nächste Saison unter Vertrag steht, der für sich die Nummer 1 in Anspruch nimmt. Und alle fähigen Techniker gehen – Tom Lüthi nimmt sie mit in die «Köngisklasse». Und die wichtigsten Geldgeber auch.

Nach aussen wirkt Dominique Aegerter härter, mutiger, emotionaler und wilder als der eher ruhige, introvertierte, sanfte «Kopfmensch» Tom Lüthi. Er ist auf der Rennpiste ein Löwe, der weder Tod noch Teufel noch Gegner fürchtet. Das macht ihn populär und am Sonntag war er ein charismatischer Sieger der Herzen.

Moto2 rider Dominique Aegerter of Switzerland sits in his pit garage before a free practice ahead of Sunday's Malaysian Motorcycle Grand Prix in Sepang, Malaysia, Friday, Oct. 24, 2014. (AP Photo/Lai Seng Sin)

Ein sensibler Rock'n'Roller – auch das ist Dominique Aegerter:  Bild: AP/AP

In der unerbittlichen Wirklichkeit des internationalen Töff-Business setzen Tom Lüthi und sein Freund und Manager Daniel M. Epp abseits der Piste ihre Interessen viel härter, kompromissloser und erfolgreicher durch als der sensible, manchmal naive und gerade deshalb sympathische Rock’n’Roller aus Rohrbach. Deshalb hat Tom Lüthi in seiner Statistik bereits 15 Grand Prix gewonnen und 57 Podestplätze herausgefahren. Deshalb kann er diese Saison zum zweiten Mal Weltmeister werden und deshalb wird er nächste Saison die «Königsklasse» MotoGP fahren.

Wenn hingegen Dominique Aegerter vom Töff steigt, wird aus dem Löwen der Piste im rauen internationalen Töff-Business oft ein schutzbedürftiges Schaf. Deshalb feierte er bei ungefähr gleich viel Talent wie Tom Lüthi erst zwei GP-Siege und acht Podestplätze und deshalb hatte er noch nie eine Chance auf den WM-Titel.

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