Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
ARCHIVBILD ZUR ABERKENNUNG DES SIEGES VON DOMINIQUE AEGERTER IN MISANO, AM SONNTAG, 15. OKTOBER 2017 - epa06196235 Swiss rider Dominique Aegerter of Kiefer Racing celebrates on the podium after winning the Moto2 Grand Prix of San Marino and Riviera of Rimini at Misano circuit, in Misano Adriatico, Italy, 10 September 2017.  EPA/Fabrizio Petrangeli

Schöne Erinnerungen, aber bloss noch Muster ohne Wert: Aegerters Sieg in Misano wurde ihm aberkannt. Bild: EPA ANSA

Dominique Aegerter – ein Töff-Star steht da wie ein Ölgötz

Töffstar Dominique Aegerter ist in der«technischen Dopingkontrolle» hängen geblieben. Sein schöner Sieg in San Marino ist futsch. Alles halb so schlimm.



Natürlich ist es ärgerlich, dass Dominique Aegerter seinen wunderbaren Sieg von Misano nun nachträglich wegen einer Lappalie verliert. Ach, der erste, der historische, der grandiose Schweizer Doppelsieg ist dahin!

Aegerter – er gewann das Rennen vor Tom Lüthiwurde wegen der Verwendung von nicht korrektem Öl disqualifiziert. Und das in der Einheitsklasse Moto2, in der alle die gleichen Motoren, die gleichen Reifen, das gleiche Benzin und das gleiche Öl geliefert bekommen.

Nach dem Rennen werden Maschinen der Podest-Platzfahrer erst einmal im «Parc fermé» zur «technischen Dopingkontrolle» abgestellt. Mit einem Routinetest wird überprüft, ob die Töffs dem Reglement entsprechen. Unter anderem geht es um Gewicht und um die chemische Zusammensetzung des Benzins und des Öls.

Das Team weist jegliche Schuld von sich

Da steht Dominique Aegerter wahrlich da wie ein Ölgötz. Wie ist das möglich? Hier die offizielle Stellungnahme seines Teams: «Bei der Analyse der Ölprobe wurden Unregelmässigkeiten festgestellt, die sich bei einer B-Probe bestätigten. Laut technischem Reglement bedeutet das die Disqualifikation im Rennen von Misano, mit der Folge, dass der Sieg von Dominique Aegerter und Kiefer Racing bei diesem Grand Prix nachträglich annulliert wird.»

Das Team müsse diese Entscheidung notgedrungen hinnehmen, da bei beiden analysierten Proben die gleiche Unregelmässigkeit aufgetreten sei. «Allerdings ist es für uns nicht nachvollziehbar, wie es zu dieser Unregelmässigkeit im Öl gekommen sein soll, da wir nachweislich das vorgeschriebene Öl verwendet haben. Wir versichern ausdrücklich, keinerlei Additive beigemischt zu haben. Die Entscheidung der FIM ist niederschmetternd für uns alle. Wir müssen sie akzeptieren, weisen aber jegliche Schuld von uns.»

ARCHIVBILD ZUR ABERKENNUNG DES SIEGES VON DOMINIQUE AEGERTER IN MISANO, AM SONNTAG, 15. OKTOBER 2017 - epa06196241 Swiss rider Dominique Aegerter of Kiefer Racing celebrates with teammates after winning the Moto2 Grand Prix of San Marino and Riviera of Rimini at Misano circuit, in Misano Adriatico, Italy, 10 September 2017.  EPA/Fabrizio Petrangeli

Gemeinsam jubeln sie, gemeinsam haben sie den Sieg nun wieder verloren. Bild: EPA ANSA

Das dürfte die Wahrheit sein. Wissentlich hat da niemand anderes Öl verwendet oder Zusätze ins Öl geschüttet. Es würde ja auch keinen Sinn machen. Ein spürbarer Leistungsgewinn des Motors ist mit illegalem Öl nicht zu erreichen. Und beim Regenrennen in Misano spielte die Motorenleistung sowieso keine zentrale Rolle. Da ging es nur um den Heldenmut des Fahrers.

Wenn dieses Team beim nordkoreanischen Raketenprogramm arbeiten würde, müsste die Welt keine Angst mehr haben.

Was könnte es dann sein? Mit ziemlicher Sicherheit schludrige Arbeitsweise. Es kann nämlich sein, dass Öl nicht sachgemäss in einem properen Gefäss verwahrt worden ist – da genügen kleinste Unsauberkeiten. Diese Saison hat es bereits den Italiener Mattia Pasini erwischt – er musste seinen zweiten Platz beim GP von Katalonien abgeben und Tom Lüthi rutschte nach.

Dominique Aegerter fährt halt nun einmal in einem deutschen «Bastler-Team». Hier fühlt er sich wohl, hier wird er optimal betreut, hier kann er seine fahrerische Klasse ausspielen. Aber das Geld ist chronisch knapp und das limitiert das Personal-, Test- und Entwicklungsbudget.

Mal kühlt der Motor nicht richtig und der Fahrer wird fast geröstet (wie in Barcelona), mal gibt’s einen Kurzschluss in den nicht sorgfältig verlegten Kabel (wie auf dem Sachsenring) und mal wird beim Öl gepfuscht (wie in Misano). Wenn dieses Team beim nordkoreanischen Raketenprogramm arbeiten würde, müsste die Welt keine Angst mehr haben.

Hauptsache, es wird über einen geredet

Die «Ölpanne» ist nun ein Stresstest für das Team. Es müsste möglich sein, den Lapsus zu verarbeiten, ohne dass der innere Friede zerstört wird. Es wäre fatal, wenn nun der Zusammenhalt leiden würde. Es genügt, die Arbeitsabläufe noch einmal durchzugehen um herauszufinden, wie das passieren konnte. Sündenböcke braucht es keine. Es ist keine der technischen Unachtsamkeiten, die im richtigen Leben dazu führen, dass Flugzeuge abstürzen und Züge entgleisen.

Aber so schlimm ist diese «Ölpanne» ja gar nicht. Niemand ist zu Schaden gekommen. Den Doppelsieg von Misano haben wir so oder so ausgiebig gefeiert. Wir haben uns gefreut und Dominique Aegerter und seine Werbepartner hatten wunderbare Medienpräsenz.

epa05275876 Swiss Moto2 rider Thomas Luethi (L), of Derendinger Interwetten, followed by countryman, Dominique Aegerter, of Technomag Interwetten, in action during the Spanish Motorcycling Grand Prix held in Jerez Circuit, southern Spain, on 24 April 2016.  EPA/ROMAN RIOS

WM-Anwärter Lüthi vor Landsmann Aegerter. Bild: EPA/EFE

Ob Aegerter diesen Sieg noch in der Statistik hat oder nicht, ist egal. Weltmeister wird er so oder so nicht. Zudem erbt nun Lüthi den Sieg und fünf Punkte, sein Rückstand im Titelkampf auf Franco Morbidelli verringert sich deshalb von 24 auf 19 Punkte.

Und da ist noch etwas: Obwohl Dominique Aegerter keinerlei Chancen mehr auf den WM-Titel hat, wird er in den nächsten Tagen mit seinem «Ölskandal» wieder mehr Medienpräsenz haben als Tom Lüthi, der doch nach wie vor zumindest theoretisch Weltmeister werden könnte. Was das Öl im Motor, ist die Medienpräsenz in diesem Geschäft: Es hält es wie geschmiert am Laufen und die Sponsoren sind happy – in diesem Falle natürlich mit Ausnahme von Dominique Aegerters Öl-Sponsor.

Erinnerungen an den weissen Kenianer von der schwäbischen Alb

Mit bloss ein wenig Geschick kann der «Rohrbach-Rossi» die «Ölpanne» durch ein paar dunkle Andeutungen als eine Verschwörung des Lüthi-Clans darstellen. Könnte es nicht sein, dass Anhänger von Tom Lüthi nachts in die Box geschlichen sind und ein wenig illegales Öl zugemischt haben?

Wie war das doch mit der famosen Ausrede des deutschen Leichtathletik-Olympiasiegers Dieter Baumann? Als er des Dopings überführt wurde, behauptete er, jemand habe die illegale Substanz heimlich in seine Zahnpasta gemischt.

Da können wir ja sagen: Gottseidank hatte Dominique Aegerter in der Zahnpasta nicht auch noch illegales Öl.

abspielen

Legendär: Dieter Baumann kämpft sich durch und wird in Barcelona sensationeller Olympiasieger über 5000 m. Video: YouTube/Hackstock86

Wenn wir gerade dabei sind: Wer braucht schon einen Zahnarzt?

Diese Sportler machen es vor: Abwechslung ist das halbe Leben

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

Erster Corona-Fall in der Super League

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

4
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • ujay 16.10.2017 09:33
    Highlight Highlight Nett. Nach Eismeister Zaugg sind also Nichtwerksmannschaften Bastlerteams. Die sind nicht auf Rosen gebettet und müssen ihre Budgets bei Sponsoren zusammenbetteln und mangelndes Geld durch Leidenschaft kompensieren. Ohne diese Teams wäre dieser Sport etwa so langweilig wie die Formel 1.
  • Therealmonti 16.10.2017 03:55
    Highlight Highlight MotoGP meldet: Die Ölprobe bei Aegertes Töff wurde nach der im Trockenen gefahrenen Quali genommen und nicht nach dem Regen-Rennen im Parc Fermé. Der Gotthelf-Verschnitt sollte sich besser informieren, ehe er in die Tasten greift und um Zeilen zu schinden (wird von watson wohl pro Buchstabe, resp. Anschlag bezahlt) auch noch Zahnpasta-Baumann bemüht und sogar eine eventuelle Verschwörung des Lüthi-Clans heraufbeschwört. Schuster, bleib bei Deinen Leisten oder im Fall vom selbsternannten Eismeister: Bleib bei Deiner Zamboni.
  • the_dooris 15.10.2017 22:15
    Highlight Highlight Alles halb so schlimm? Echt jetzt Herr Zaugg? Diesen Artikel hätten sie sich sparen können.
  • Zerschmetterling 15.10.2017 20:51
    Highlight Highlight Langsam aber sicher wird die Moto GP der gleiche überteglementierte Sch**## wie die Formel 1. Trotzdem haben diese Piloten Eier aus Stahl 🙂

GP von Assen

Aegerter verpokert sich im Regen – Lüthi als Sechster bester Schweizer

Dominique Aegerter erlebt in Assen ein (Regen-)Rennen zum Vergessen. Der Berner Moto2-Fahrer bleibt wegen falscher Reifenwahl ohne WM-Punkte. Tom Lüthi wird Sechster, der Sieg geht an Anthony West.

Kurz vor dem Start zum Moto2-Rennen setzte über dem Circuit in Holland starker Regen ein, der teils sogar in Hagel überging. Der Start zum Moto2-Rennen wurde deshalb um 20 Minuten verschoben. Als dann endlich gestartet werden konnte, schien wieder die Sonne. Dies verleitete Dominique Aegerter und …

Artikel lesen
Link zum Artikel