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Switzerland's Roger Federer, centre, poses for a selfie with supporters, during a pre-events of the Laver Cup, in Geneva, Switzerland, Friday, February 8, 2019. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Im Mittelpunkt: Roger Federer rührt in Genf die Werbetrommel für den Laver Cup, der im September in der Palexpo-Halle stattfindet. Bild: KEYSTONE

Der «Tanzbär» Federer will eine magische Marke knacken

Roger Federer strebt in dieser Woche in Dubai den 100. Turniersieg an. Aber für den 37-Jährigen geht es am Persischen Golf um mehr – denn der Baselbieter will nicht zur Attraktion im Tenniswanderzirkus verkommen.

simon häring / Aargauer Zeitung



Es waren schon sonderbare Blüten, die das Werben um Roger Federer in den vergangenen Wochen trieb, nachdem der Baselbieter angekündigt hatte, in diesem Frühling wieder auf Sand zu spielen. Da war zum Beispiel Rom, das Pizza als Argument ins Feld räumte. Oder Genf, das hoffte, Federer wolle dort die Werbetrommel für den Laver Cup rühren, der im Herbst dort über die Bühne geht und ihm so sehr am Herzen liegt.

Nur zu gerne hätte man sich hier und dort mit dem erfolgreichsten Spieler der Geschichte geschmückt, verknüpft mit dem Auftrag, Federer möge dort bitteschön auch gleich seinen 100. Titel feiern.

Swiss tennis player Roger Federer (R) and Spaniard Rafael Nadal pose with their trophies at the end of their Madrid Masters 1000 final match, at Magic Box pavilion, in Madrid, central Spain, 17 May 2009. Federer won 6-4 and 6-4. (KEYSTONE/EPA/SERGIO BARRENECHEA)

In Madrid hat Federer auch schon Nadal geschlagen. Bild: EPA

Federer aber wählte Madrid für die Rückkehr auf Sand nach drei Jahren Unterbruch und damit jenen Ort, an dem er 2006, 2009 und 2012 den Titel gewonnen hatte. Das Turnier in Spanien beginnt am 5. Mai. Federer widerstand damit all den Sirenengesängen, Millionengagen und Ködern, die man nach ihm ausgeworfen hatte. Denn an den Mastersturnieren werden keine Antrittsgagen bezahlt, die Entscheidung, dort zu spielen, ist eine sportliche, keine monetäre.

Federer ist eine Attraktion, wenn er auf den Platz geht

Madrid liegt einfach günstig. Es erlaubt ihm eine adäquate Pause nach den Hartplatzturnieren in Nordamerika und vor den French Open Ende Mai. Das hält die Veranstalter indes nicht davon ab, den Coup gebührend zu feiern. «Ein Geschenk», frohlockte Feliciano Lopez, ein Jahrgänger Federers, eigentlich noch Spieler, aber auch schon Turnierdirektor in Madrid. Spaniens Tennisikone Manolo Santana griff in die Nostalgiekiste, als er sagte: «Es macht nichts, dass er schon 37 ist. Er hat immer noch das angeborene Talent, das ihn zu einem der Besten überhaupt gemacht hat.»

Spain's Feliciano Lopez hits a forehand return to Australia's Jordan Thompson during their first round match at the Australian Open tennis championships in Melbourne, Australia, Monday, Jan. 14, 2019. (AP Photo/Kin Cheung)

Feliciano Lopez ist der Turnierdirektor in Madrid. Bild: AP/AP

Es klingt ein bisschen so, als wäre es bereits eine Attraktion, wenn Federer auf den Platz geht. Er hat diese Sichtweise selber geprägt, indem er sagt, es sei ein Geschenk, in diesem Alter auf diesem Niveau spielen zu können. Doch darin schwingt wohl auch ein bisschen Koketterie mit, die man sich leisten kann, wenn man auch immer noch grosse Titel gewinnt. So, wie er das in den vergangenen zwei Jahren tat. Doch nun ist er erstmals nirgendwo mehr Titelhalter an einem wichtigen Turnier.

Für Turnierdirektoren aber bleibt Federer Attraktion, Tanzbär und Trophäe. Wie viele Titel er hält, ist für sie unerheblich. Nicht aber für Federer, der kein Freund von Sentimentalitäten ist. Einst darauf angesprochen, wie er sich denn das Ende der Karriere vorstelle, sagte er: «Ich muss nicht auch noch kitschig aufhören.» Ihm ist nicht entgangen, dass sich die Konkurrenz jüngst noch viel wohlwollender über ihn äussert, als sie das ohnehin schon immer tat. Und das dürfte ihm zu denken geben.

Mehr Legende als Konkurrent

Zwischen 2012 und 2017 war er schon einmal in diese Spirale geraten, in der er in der Wahrnehmung viel mehr lebende Legende als Aspirant auf grosse Titel war. Es war eine Zeit, in der er an Grand-Slam-Turnieren weder Novak Djokovic noch Rafael Nadal bezwingen konnte. Er gewann zwar immer noch Titel, doch Stück für Stück zerbröselte die Aura, die ihn jahrelang umgeben hatte. Für Federer geht es in dieser Woche in Dubai deshalb um mehr als um die magische Marke von 100 Titeln, die vor ihm nur Jimmy Connors erreicht hatte. Connors gewann 109 Titel.

Nach Wimbledon und Basel ist Dubai der logischste Schauplatz für dieses Szenario. Seit 13 Jahren hat Federer dort einen Wohnsitz, sein Bezug zum Emirat ist eng. Weil er in der Meydan Tennis Academy jeweils seine Saisonvorbereitung bestreitet, feiert er seit Jahren in Dubai Weihnachten. Er bekommt dort etwas, das er sonst nur in der Schweiz erfährt: Anonymität. Selbst einen wie ihn schluckt diese Stadt der Superlative, in der Geld keine Rolle spielt.

Im Gegenzug liess sich Federer in der Vergangenheit immer wieder für Werbezwecke einspannen. Einmal spielte der Baselbieter auf der Plattform des Burj Al Arab auf über 300 Metern Tennis, ein anderes Mal liess er sich ablichten, als er im Motorboot durch den Hafen fuhr, oder als er mit dem Helikopter über die künstlichen Inseln von Jumeirah flog. Die Bilder machen Federer, ob gewollt oder nicht, zum Botschafter des Emirats. Doch um nicht zur Attraktion im Tenniswanderzirkus zu verkommen, braucht Federer nun vor allem eines bald: grosse Titel.

Wo Federer schon überall Tennis gespielt hat

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