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Federer-Coach Lüthi: «Niemand jubelt zuhause, wenn sein Rekord gebrochen wird»



Switzerland's Roger Federer, left, talks with his coaches Ivan Ljubicic right, and Severin Luthi during a practice session ahead of the Australian Open tennis championships in Melbourne, Australia, Friday, Jan. 15, 2016.(AP Photo/Mark Baker)

Nicht zum Lachen zu Mute: Lüthi und Federer. Bild: Keystone

Federer-Coach und Davis-Cup-Captain Severin Lüthi glaubt, dass Roger Federer nicht lange brauchen wird, um über die überraschende Niederlage am Australian Open gegen Stefanos Tsitsipas hinwegzukommen.

Drei Tage nach Federers Niederlage weilt Severin Lüthi noch immer in Melbourne. Aus persönlichen Gründen, nicht in erster Linie, um Tennisspiele zu schauen. «Ich habe Mühe, das Turnier noch zu verfolgen, wenn Roger ausgeschieden ist», gibt der Berner entschuldigend zu. «Du musst aber auch versuchen, auf dem neuesten Stand zu sein.»

Sorgen macht er sich keine um seinen Schützling und langjährigen Freund. «Es ist schwierig einzuschätzen, wie enttäuscht er ist.» Es sei ein gutes Zeichen, wenn die Enttäuschung da ist. «Sonst hast du das Feuer nicht mehr und solltest bald aufhören.» Eine der Stärken von Federer sei aber: «Er kann sehr schnell einen Schnitt machen und nach vorne schauen.»

«Es gab natürlich verschiedene Gründe für die Niederlage»

Dass Rafael Nadal in Melbourne mit einem 18. Grand-Slam-Titel bis auf zwei an Federers 20 herankommen könnte, spiele für die Motivation des 37-jährigen Baslers kaum eine Rolle. «Keiner jubelt zuhause oder öffnet eine Flasche Champagner, wenn sein Rekord gebrochen wird», ist sich Lüthi zwar sicher. «Ich glaube aber nicht, dass Roger um jeden Preis seinen Rekord verteidigen will. Der Gewinn eines Grand-Slam-Turniers ist alleine schon so ein überragendes Gefühl, da ist anderes weniger wichtig.»

Das sind die wichtigsten Rekorde von Roger Federer

Die überraschende Niederlage am Sonntagabend gegen den 20-jährigen Aufsteiger Tsitsipas analysierten Lüthi und Federer noch am Montag, bevor der 20-fache Grand-Slam-Champion aus Australien abreiste. «Es gab natürlich verschiedene Gründe für die Niederlage», erklärt er. «Tsitsipas hat sehr gut gespielt. Er war frech, hat einen etwas anderen Stil als die meisten.» Es sei aber auch klar, dass Federer einiges hätte besser machen können. «Irgendwann mal einen Breakball verwerten zum Beispiel. 0 von 12 ist sicher nicht normal. Aber es hat diesmal nie richtig Klick gemacht.» Etwas ist Lüthi aber aufgefallen: «Von aussen hat man das Gefühl gehabt, dass Tsitsipas nichts zu verlieren hat. Roger hat im Vergleich etwas kontrollierter gespielt.» Er könne natürlich nicht mehr wie ein 21-Jähriger spielen. «Aber man muss versuchen, wieder einen Teil des Jungen zurückzuholen.»

«Ich bin nicht zufrieden, wie sie sich entwickelt haben»

Üblicherweise ist dies bei Federer kein Problem. Lüthi ist sich im Klaren, dass dieser nicht noch jahrelang weiterspielen wird. Wann er zurücktreten werde, wisse er aber auch nicht. «Wenn man wüsste, dass er Ende Jahr aufhört, könnte man anders trainieren. Weniger mittel- und langfristig.» Das habe man insbesondere mit Fitnesscoach Pierre Paganini besprochen. «Und im Moment trainiert und plant Roger immer noch mittel- und langfristig.»

Enttäuscht von Davis-Cup-Spielern

epa07024845 Switzerland's Davis Cup Team captain Severin Luethi reacts during the fourth match of the Davis Cup world group playoffs between Switzerland and Sweden at the Swiss Tennis Arena in Biel, Switzerland, on Sunday, September 16, 2018.  EPA/PETER SCHNEIDER

Bild: EPA/KEYSTONE

Am Donnerstag reist Severin Lüthi nun zurück in die Schweiz. Seine unmittelbare Zukunft heisst Davis Cup. Er hat mit Swiss Tennis für ein 15. Jahr als Captain verlängert. Er weiss, dass sein Team am übernächsten Wochenende in Biel gegen ein starkes Russland – ohne Federer und Stan Wawrinka – klarer Aussenseiter ist. Im Kader hat er einen Schnitt gemacht und Luca Margaroli, Antoine Bellier und Adrian Bodmer nicht mehr aufgeboten. «Ich bin nicht zufrieden, wie sie sich entwickelt haben», sagt er über die mittlere Schweizer Generation. «Ich erwarte keine Wunder, aber manchmal sind die Ansprüche an sich selber zu tief. Ich möchte aber gerne, dass mir einer zeigt, dass ich unrecht habe.»

Stattdessen nominierte er erstmals den Aargauer Jérôme Kym, der im Dezember mit noch nicht einmal 16 Jahren im Final der Schweizer Meisterschaft stand und dort dem Davis-Cup-Teamleader Henri Laaksonen unterlag. «Er ist natürlich noch weit davon entfernt, für die Schweiz ein Star zu sein, aber ich hoffe, er kann von der Woche profitieren.» (aeg/sda)

«Chum jetz, Roger, tritt ändlich zrugg!»

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