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Champagner mit dem Vorgänger: Geraint Thomas (links) und Chris Froome.
Champagner mit dem Vorgänger: Geraint Thomas (links) und Chris Froome.Bild: EPA/AFP POOL

Wo geht's weiter? Tour-Sieger Thomas hat noch keinen Vertrag für nächste Saison

Geraint Thomas war Olympiasieger, dann Wasserträger, beendete die Tour de France als Zweitletzter – und gewann sie nun als erster Waliser. Wie geht die bewegte Karriere des 32-Jährigen weiter?
30.07.2018, 08:26
Valentin Oetterli/keystone-sda

Geraint Thomas holte sich Anfang Juni mit dem Sieg in der Dauphiné-Rundfahrt viel Selbstvertrauen. Einen Monat später in der Tour de France war der zweimalige Bahn-Olympiasieger auf den Punkt bereit und zeigte während den 21 Etappen keine Schwäche.

Kultiger Mic Drop: «Vive le tour!»Video: streamable
«Kinder, denkt gross! Wenn ihr hart arbeitet, dann könnt ihr etwas erreichen.»
Geraint Thomas

Als Bradley Wiggins im Juli 2012 als erster Brite die Tour de France gewann, da schickte sich sein Sky-Teamkollege Geraint Thomas gerade an, bei den Sommerspielen in London zum zweiten Mal Olympiasieger zu werden. Vier Jahre zuvor in Peking hatte auch Wiggins noch zum siegreichen britischen Bahn-Quartett gehört. Als dann Chris Froome im Juli 2013 erstmals die «Grande Boucle» gewann, da belegte Thomas mit fast vier Stunden Rückstand auf seinen Team-Captain gerade mal den 140. Rang.

Trotzdem war diese Leistung ebenfalls bemerkenswert, hatte sich doch der Waliser bereits in der 1. Etappe bei einem Sturz eine kleine Fraktur im Becken zugezogen. Entgegen allen Erwartungen und trotz der anfänglich grosser Schmerzen schaffte es Thomas in der Jubiläums-Tour bis nach Paris, wo er mit Froome und den anderen Sky-Teamkollegen ausgelassen den Gesamtsieg feierte.

Zum Abschluss in neuem, dem Anlass angepassten Dress: Das Team Sky.
Zum Abschluss in neuem, dem Anlass angepassten Dress: Das Team Sky.Bild: AP

Von Unglück und Schwächephasen verschont

Seither nahm er in jedem Sommer an der Frankreich-Rundfahrt teil. Regelmässig liess Thomas dabei auch sein Können aufblitzen. So im vergangenen Jahr mit dem Triumph im Auftakt-Zeitfahren in Düsseldorf vor Stefan Küng und den folgenden vier Tagen in Gelb. Fast ebenso regelmässig hatte er jedoch auch schwierige Momente zu überstehen. Die letztjährige Tour musste der damalige Gesamt-Zweite in der 9. Etappe und nach einem Sturz in der Abfahrt vom Col de la Biche wegen eines Schlüsselbeinbruchs aufgeben.

2017 endet Thomas' Tour mit diesem Sturz.Video: streamable

Auch ganz schlechte Tage, an welchen er jeweils viel Zeit auf die Spitzenfahrer einbüsste, zog der 32-Jährige aus der walisischen Hauptstadt Cardiff in den dreiwöchigen Rundfahrten immer mal wieder ein. So fiel er 2015 am drittletzten Tour-Tag vom 4. in den 15. Rang zurück.

Elf Jahre nach seiner ersten Tour de France, die er als Vorletzter beendet hatte («Das war hart damals, aber es gehörte zum Lernprozess.»), und fünf Jahre nach Froomes erster Feier darf sich Thomas nun über seinen eigenen Triumph freuen. Auf den 3351 km vom Tour-Auftakt auf der Atlantikinsel Noirmoutier-en-l'Île bis zur Ziellinie auf den Pariser Champs-Élysées blieb er im Gegensatz zu seinen Konkurrenten von Unglück und auch Schwächephasen verschont.

Die Zusammenfassung der letzten Etappe nach Paris, welche Alexander Kristoff im Sprint gewann.Video: streamable

Ob im hektischen Finish der Flachetappen, auf Kopfsteinpflaster, in den Alpen und den Pyrenäen, oder auch im Zeitfahren: Thomas zeigte sich – im Gegensatz zum eigentlichen Team-Leader Froome – immer auf der Höhe des Geschehens. Bei den zwei Etappensiegen in den Alpen zeigte er der Konkurrenz eindrucksvoll auf, wer der Stärkste ist. «In L'Alpe d'Huez im Gelben Trikot zu gewinnen, das war der Wahnsinn.» Zweifel verspürte Thomas in den vergangenen Wochen nicht wirklich, Druck allerdings schon und zwar «an jedem Berg. Doch ich habe versucht, stark zu bleiben. Das ist mir gelungen und hat mir zusätzlichen Schwung verliehen.»

Der Sky-Express hinauf auf die Alpe d'Huez.
Der Sky-Express hinauf auf die Alpe d'Huez.Bild: AP

Jetzt ist die Zeit, um den Triumph zu versilbern

Thomas machte auf den Tour-Zweiten Tom Dumoulin in sieben Etappen Zeit gut. Erst im langen Zeitfahren am vorletzten Tag war der Niederländer erstmals um ein paar Sekunden schneller. «Geraint ist ein grosser Kämpfer, der nie aufgibt und der schon als Junior immer gewinnen wollte», sagt David Brailsford. Für den Sky-Generaldirektor war der Schlüssel zum Tour-Triumph der Dauphiné-Sieg: «Das gab seinem Selbstvertrauen den nötigen Schub.»

Wie Froome steht auch Thomas seit 2010, als das britische Team gegründet worden ist, bei Sky unter Vertrag. Ende Jahr läuft dieser nun aus. Der Dominator der 105. Tour de France mochte sich am Wochenende seines grössten Triumphs nicht in die Karten blicken lassen, wie es für ihn weitergeht: «Darum kümmere ich mich später. Jetzt will ich nur feiern.» Brailsford allerdings glaubt, dass Thomas bei Sky bleiben wird: «Er war immer loyal, da hatte ich nie den geringsten Zweifel. Wenn das Team ihn brauchte, war er immer da. Nach all den Jahren des Gebens wurde er nun selbst belohnt.»

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