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Roger Staub: Die Geschichte des Olympiasiegers und Pioniers aus Arosa

Swiss Roger Staub, winner of Men's Giant Slalom events in Winter Olympics.

Ralph Crane/The LIFE Picture Collection

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Roger Staub bei der Siegerehrung, das olympische Feuer in seinem Rücken.Bild: www.imago-images.de

Über die Pisten hinaus: Die faszinierende Lebensgeschichte von Ski-Star Roger Staub

Am Wochenende gastiert der Ski-Weltcup im amerikanischen Palisades Tahoe. 1960, als der Ort noch Squaw Valley hiess, wurde dort ein Bündner mit schillernder Biographie Olympiasieger: der viel zu früh verstorbene Roger Staub.
23.02.2024, 16:4923.02.2024, 17:35
Ralf Meile
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Palisades Tahoe. Kein Name mit besonders grossem Klang. Aber der Ort in Kalifornien heisst auch erst seit 2021 so. Und sein alter Name ist in der Wintersport-Welt durchaus bekannt. Schliesslich richtete Squaw Valley 1960 die Olympischen Spiele aus.

Marco Odermatt versucht dort am Samstag (19.00 und 22.00 Uhr), auch den siebten Riesenslalom des Winters zu gewinnen. Saisonübergreifend hat der Olympiasieger und Weltmeister in dieser Disziplin sogar die letzten neun Weltcuprennen gewonnen. Die letzte Niederlage? Im vergangenen Winter in Palisades Tahoe, als der Österreicher Marco Schwarz drei Hundertstel schneller war.

Das Multitalent aus Arosa

Odermatt, der in dieser Saison zum dritten Mal in Folge den Gesamtweltcup gewinnen wird, hat mit der dreieinhalb Auto-Stunden von San Francisco entfernten Ski-Station also noch eine Rechnung offen. Sollte er gewinnen, wäre er nicht der erste Schweizer Sieger dort: Roger Staub wurde 1960 in Squaw Valley Riesenslalom-Olympiasieger.

Ski racer Roger Staub after he won the men's giant slalom race in Squaw Valley, USA. To his left, with the number 21, stands Swiss ski racer Nando Pajarela, pictured on February 21, 1960, at the  ...
Roger Staub mit der Kappe, die nach ihm benannt wurde. Man konnte den Rand so herunterrollen, dass nur ein Sehschlitz ausgespart blieb.Bild: PHOTOPRESS-ARCHIV

Der Bündner war ein Mann mit einem höchst eindrücklichen Lebenslauf. Da war einerseits die Tatsache, dass der Sohn eines Malers ein Multitalent war. Staub spielte zunächst auch Eishockey, er wurde mit dem EHC Arosa zwei Mal Schweizer Meister und setzte erst mit 19 Jahren ganz auf die Karte Ski.

Im Winter darauf verpasste Staub an den Olympischen Spielen 1956 in Cortina d'Ampezzo in der Abfahrt als Vierter knapp das Podest, aber an den Weltmeisterschaften 1958 in Bad Gastein schlug er zu: Silber in der Abfahrt, jeweils Bronze im Riesenslalom und in der Kombination.

Frieda Daenzer und Roger Staub, aufgenommen bei den Ski Alpin Schweizermeisterschaften im Winter 1957 in Adelboden. (KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Str)
Der Sonnyboy an der Seite von Frieda Dänzer, die an der WM 1958 einen kompletten Medaillensatz gewann.Bild: PHOTOPRESS-ARCHIV

Gold dank Mut und Risikobereitschaft

Zwei Jahre später schlug im fernen Amerika seine grösste Stunde auf Skis. Am 21. Februar 1960 wurde Roger Staub, dem bereits das Etikett des «ewigen Zweiten» angeheftet worden war, Olympiasieger.

«Er begnügte sich nicht nur mit einer Demonstration seiner aussergewöhnlichen Klasse, sondern kämpfte auch verbissen», lobte ihn die NZZ für die Fahrt am Hang namens KT-22. Der Riesenslalom wurde in einem einzigen Durchgang ausgetragen, hinter Staub gingen Silber und Bronze an die Österreicher Pepi Stiegler, den Vater von Resi Stiegler, und Ernst Hinterseer, den Vater von Hansi Hinterseer.

Ski racer Roger Staub at full speed during the Swiss championships 1959 in Engelberg, Switzerland, where he won the gold medal in the giant slalom race. (KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/STR)

Der Skirennfa ...
Roger Staub an den Schweizer Meisterschaften 1959 in Engelberg.Bild: PHOTOPRESS-ARCHIV

Der Zeitungsreporter beschrieb, wie sowohl Staub, in seinem leuchtend roten Pullover, als auch alle anderen im Ziel zunächst glaubten, dass er hinter Stiegler wieder nur Zweiter geworden sei. «Die im Lautsprecher verkündeten Zeiten wurden aber noch den Startdifferenzen entsprechend korrigiert, so dass schliesslich für Staub die Bestzeit herauskam.»

Gold eroberte er dank seiner technischen Fähigkeiten, aber auch dank des nötigen Mutes und Risikos. Anders als heute war es eher unüblich, die Torstangen zu attackieren. Staub hingegen wählte eine enge Linie und nahm es beim Anschneiden der Tore auch in Kauf, an der Schulter durch die Aluminiumstangen getroffen zu werden.

Bewegte Bilder vom Olympiasieg.Video: YouTube/Lucio Celletti archeosport telesciando

Ein Pionier der Lüfte

Ohne es zu wissen, sollten Metallrohre in seinem Leben später noch einmal eine, in diesem Fall tragische, Rolle spielen. Doch zuvor machte Staub noch ein Kleidungsstück populär, das er vom norwegischen Militär abgeschaut hatte. Die Roger-Staub-Mütze, zuerst zu kaufen im Sportgeschäft von ihm und Bruder Hans, schützte das Gesicht vor Kälte, nur die Augen blieben frei. Sie war daher nicht nur bei Wintersportlern gefragt, sondern auch bei Bankräubern.

Swiss ski racer and sports store owner Roger Staub poses with two models dressed in fashion designed by himself in Arosa, Switzerland, in 1962. (KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Str)

Der Schweizer Skirennf ...
Skigeschäftsbesitzer Staub (rechts) posiert 1962 in Arosa mit Models, die von ihm designte Kleidung tragen.Bild: PHOTOPRESS-ARCHIV

Der Tausendsassa wurde nach seinem Rücktritt als Skifahrer 1961 nochmals Schweizer Meister auf zwei Latten – im Wasserski. Und er war ein Pionier der Lüfte. Roger Staub entdeckte in den USA, wo er im damals noch kleinen Skigebiet Vail (Colorado) eine Skischule aufbaute, einen neuen Sport: das Deltasegeln. Er erwarb die Schweizer Generallizenz, mit dem Ziel, das Vergnügen in der Heimat populär zu machen.

Einen Tag vor dem 38. Geburtstag, an einem Sonntagmorgen im Sommer 1974, bezahlte er seinen Experimentiergeist mit dem Leben. In Verbier erlitt Roger Staub Materialschaden. Er stürzte aus 150 Metern Höhe ab und war auf der Stelle tot.

TV-Ansagerin als Ehefrau

«Ein tragischer Tod – aber wenigstens ein Tod in den Bergen. In den Bergen, von denen Du kamst, auf denen Du gelebt und gesiegt hast», schrieb die «Schweizer Illustrierte» zum Abschied. Staub hinterliess seine Ehefrau – die populäre Fernseh-Ansagerin Lilo Haussener hatte er während einer Ferienreise im mexikanischen Acapulco geheiratet – und einen kleinen Sohn.

Lilo Haussener TV-Ansagerin Fernsehansagerin SRF SF DRS Ehefrau von Roger Staub
Ehefrau Lilo Haussener war Ansagerin beim Schweizer Fernsehen.Bild: SRF

Roger Staubs Goldmedaille in Squaw Valley war die insgesamt 50. für die Schweiz an Olympischen Spielen, die erste im Riesenslalom der Männer. Auf ihn folgten 1976 Heini Hemmi, 1984 Max Julen, 2010 Carlo Janka und 2022 Marco Odermatt.

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quelle: epa/keystone / gian ehrenzeller
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