Wirtschaft
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epa04557360 Participants in a rally with the Anti-Islamic Pegida (Patriotic Europeans against the Islamization of the West) movement hold up a picture of Chancellor Merkel wearing a headscarf written with the words 'Mrs. Merkel - here is the people' and flags in Dresden, Germany, 12 January 2015. Pediga has called again for a demonstration in the Saxon capital. Islam is part of German life, Chancellor Angela Merkel said 12 January 2015, even as a group of anti-Islam and anti-refugee protesters geared up for controversial marches that have become a weekly fixture in the eastern city of Dresden.  EPA/ARNO BURGI

Pediga-Demonstration gegen die Flüchtlingspolitik von Angela Merkel. Bild: EPA/DPA

Vom Neoliberalismus zum wirtschaftlichen Nationalismus

Die dominierende Wirtschaftslehre der letzten drei Jahrzehnte hat in die Sackgasse geführt – und lebt als Bastard weiter.

29.12.16, 13:39 29.12.16, 21:06


In der angelsächsischen Welt tobt derzeit ein heftiger Streit über die Zukunft des Neoliberalismus. «Wir werden Zeugen vom Ende der neoliberalen Ära. Sie ist noch nicht vorbei, befindet sich aber im Todeskampf, ähnlich wie die sozialdemokratische Ära in den Siebzigerjahren», postuliert der Politologe Martin Jacques im «Guardian».  

Dem widerspricht George Monbiot, ebenfalls im «Guardian». «Der Neoliberalismus ist so allgegenwärtig geworden, dass wir ihn kaum noch als Ideologie wahrnehmen», sagt er. «Wir akzeptieren ihn als ein biologisches Gesetz, wie Darwins Theorie von der Evolution.»  

Eine kurze Geschichte des Neoliberalismus

Zunächst aber stellt sich die Frage: Was versteht man überhaupt unter Neoliberalismus? Am Anfang steht ein Buch von Friedrich Hayek mit dem Titel «Der Weg zur Knechtschaft». Hayek stammt ursprünglich aus Wien und war ein Schüler von Ludwig von Mises. Beide flüchteten vor den Nazis. Hayek verschlug es an die London School of Economics.  

Die Kampfschrift gegen den Sozialstaat von Friedrich Hayek.

Von Mises und Hayek sind die herausragenden Vertreter der «österreichischen Schule» der Ökonomie. Sie steht für einen radikalen Liberalismus und lehnt praktisch jeden Eingriff des Staates in den Markt ab. Hayek schrieb «Der Weg zur Knechtschaft» gegen Ende des Zweiten Weltkrieges und verstand das Buch als Kampfschrift gegen den Sozialstaat.  

«Wir sind jetzt alle Keynesianer»

Lange blieb das Buch ohne Wirkung. Nach dem Zweiten Weltkrieg stand die Wirtschaftspolitik im Zeichen von John Maynard Keynes, dem grossen Gegenspieler von Hayek. Anders als die Österreicher vertritt Keynes die These, wonach der Staat in Krisen der Wirtschaft unter die Arme greifen und mit Ankurbelungsprogrammen eine Rezession verhindern muss.  

Mit Erfolg. Die Wirtschaftspolitik aller führenden Nationen stand im Zeichen seiner Theorie. «Wir sind jetzt alle Keynesianer», erklärten einst sowohl der US-Präsident Richard Nixon wie auch der deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt.  

Wie der Keynesianismus vor die Hunde ging

In den Siebzigerjahren geriet der Keynesianismus jedoch allmählich in Verruf, vor allem im Vereinigten Königreich und in den USA. Beide Länder litten unter einer hohen Inflation. Das Pfund stürzte ab, und die britische Regierung musste gar beim Internationalen Währungsfonds (IWF) um einen Notkredit ersuchen.   Das Rezept, Wirtschaftseinbrüche mit Staatsinterventionen zu beheben, funktionierte offensichtlich nicht mehr. «Das Vertrauen schwand, dass die Regierung in der Lage sei, entscheidende soziale Probleme mit grossen Programmen zu lösen», stellen Daniel Yergin und Joseph Stanislaw in ihrem Buch «The Commanding Heights» fest.  

FILE- In this file photo dated Sept. 29, 1983, US President Ronald Reagan shakes hands with British Prime Minister Margaret Thatcher after their meeting, at the White House in Washington. In a secret White House tape recording made public Monday Nov. 10, 2014, Ronald Reagan apologized to Margaret Thatcher for not telling her before U.S. troops had invaded the tiny Caribbean island of Grenada in 1983, saying that total secrecy was needed because of fears that an information leak on the American side might endanger the military operation. (AP Photo/Ed Reinke, FILE)

Verstanden sich blendend: Margaret Thatcher und Ronald Reagan. Bild: Ed Reinke/AP/KEYSTONE

Nun schlug die Stunde von Hayek. Sowohl Margaret Thatcher als auch Ronald Reagan hatten «Der Weg zur Knechtschaft» gelesen – Spötter behaupten allerdings, bei Reagan sei es bloss die Reader’s Digest-Version für Dummies gewesen – und waren entschlossen, den ihrer Meinung nach aufgeblähten Staat zurückzustutzen. Die neoliberale Revolution hatte begonnen.  

Deregulierung, Privatisierung, Steuern senken und Handelshemmnisse abbauen – das waren die dominierenden Themen der neoliberalen Wirtschaftspolitik, die bald überall angewandt wurden. In den reichen Nationen begann der Siegeszug des Shareholder Value. Die armen Länder mussten sich den Geboten des «Washingtoner Konsens» unterwerfen, wenn sie vom IWF Kredit erhalten wollten.  

US-Milliardäre investieren in Hayek & Co.

Auch ideologisch rüstete der Neoliberalismus massiv auf. Milliardäre wie die Koch-Brüder finanzierten in den USA Denkfabriken wie das Cato Institute, die Heritage Foundation oder das American Interprise Institute, um die Vorherrschaft des keynesianischen Denkens zu brechen.  

16583 - Dr. Milton Friedman of the University of Chicago, who won the 1976 Nobel Prize for economics, is a recognized leader of the conservative Chicago School of Economics, shown Nov. 29, 1976. He is associated with laissez-faire, or hands-off policy toward business and trade. (AP Photo/Eddie Adams)

«Chicago-Boy» Milton Friedman ist ein Vordenker des Neoliberalismus. Bild: AP NY

An den vorwiegend linksliberalen Universitäten wurden ganze Fakultäten gesponsert, verbunden mit der Auflage, das Gedankengut der Österreicher und ihrem Lieblingsschüler Milton Friedman zu verbreiten.  

Euphorie in der Dotcom-Blase

Nach dem Fall der Berliner Mauer war der Triumph des Neoliberalismus komplett. An den Universitäten wurden die Bücher von Keynes in die Mottenkisten verpackt. In den Medien verdrängten Börsen-Gurus die Intellektuellen und in der Euphorie der Dotcom-Blase begannen sich selbst Hausfrauen und Taxifahrer für Puts und Calls zu begeistern.  

epa04469615 (FILE) A file photo dated 11 November 1989 shows people celebrating the opening of the border between East and West Germany on the Berlin Wall in Berlin, Germany. After the border was opened, millions of East Germans streamed across the border into West Berlin. The 25th anniversary of the fall of the Berlin Wall will be celebrated in Berlin on 09 November 2014.  EPA/STR

Der Fall der Berliner Mauer war der Durchbruch für den Neoliberalismus. Bild: EPA/DPA

Auf der Strecke blieb immer mehr das Gemeinschaftsgefühl. «So etwas wie eine Gesellschaft gibt es nicht», hatte Margaret Thatcher einst erklärt. Unter dem Motto «Leistung muss sich lohnen» wurde es auf breiter Ebene umgesetzt. Der Lohn der «Leistungsstarken» wurde mit einem Bonus veredelt. Die Börsen boomten und «Sozialstaat» wurde zu einem schmutzigen Wort.  

Auch die Linke wurde vom neoliberalen Fieber erfasst. In den USA kürzte Bill Clinton die ohnehin schon spärlichen Sozialleistungen. Im Vereinigten Königreich konnte sich Margaret Thatcher rühmen, ihre beste Leistung sei Tony Blair gewesen, und in Deutschland packte Gerhard Schröder den Hammer der Agenda 2010 aus.  

Eine globale Elite entsteht

Drei Jahrzehnte Neoliberalismus haben die Gesellschaft gründlich umgekrempelt. Manager, die einst 20 Mal so viel verdienten wie ein gewöhnlicher Arbeitnehmer, kassieren heute 200 Mal so viel. Die Ungleichheit hat – wie Thomas Piketty nachwies – bald das gleiche Ausmass wie vor dem Ersten Weltkrieg erreicht.  

Weltweit ist eine schmale superreiche Elite entstanden, die in eigener Welt lebt. Sie schickt ihre Kinder in private Internate und an für den Mittelstand unerschwingliche Universitäten. Ihre Geschäfte verhandelt sie am WEF in Davos, sozial trifft man sich beim Tennis in Wimbledon.  

epa05418456 Mayor of London Sadiq Khan, in the Royal Box on Centre Court prior to the men's singles final between Andy Murray and Milos Raonic during the Wimbledon Championships at the All England Lawn Tennis Club, in London, Britain, 10 July 2016.  EPA/ANDREW COULDRIDGE / POOL EDITORIAL USE ONLY/NO COMMERCIAL SALES

Die globale Elite trifft sich in Wimbledon.  Bild: EPA/REUTERS POOL

Die Linke hat dem Neoliberalismus wenig entgegenzusetzen. Nach dem Debakel der UdSSR sind Kommunismus und Klassenkampf diskreditiert. Der «Sozialismus mit chinesischen Eigenschaften» ist im Westen ebenfalls nicht wirklich populär, und selbst der Keynesianismus ist als Wachstumsphilosophie im Zeitalter der Klimaerwärmung zum Problem geworden.

Wo Maggie Thatcher sich geirrt hat

Doch auch der Neoliberalismus hat ein Problem. Margaret Thatcher und die Österreicher irren sich mit ihrem überdrehten Individualismus. Der Mensch ist ein soziales Wesen und es gibt so etwas wie eine Gemeinschaft. Individualismus und Leistungsdenken allein führen in eine Sackgasse. Der Neoliberalismus hat uns deshalb eine atomisierte, sinnentleerte Gesellschaft beschert.

Gegen diese Gesellschaft ist ein Aufstand im Gang. Aus Mangel an Alternativen wird die Gemeinschaft wieder in der Nation, der Religion oder gar in der Rasse gesehen. Gleichzeitig sind der Egoismus und das Pseudo-Leistungsdenken ungebrochen. Das Resultat ist ein Bastard: Ein wirtschaftlicher Nationalismus, der jedes einzelne Land «wieder gross» machen und alles Fremde von ihm abhalten soll. Wenn das mal gut geht.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Schneider Alex 02.01.2017 07:03
    Highlight Tempo der Globalisierung reduzieren!

    Dass die Globalisierung mit den fallenden Handelsschranken und der Personenfreizügigkeit durch die politischen Führer zu schnell und zu umfassend vorangetrieben wurde, ist heute offensichtlich. Es gibt viele Globalisierungsverlierer, die sich mit Recht gegen diese Entwicklung wehren. Dabei aber gleich von Abschottung und von geschlossenen Grenzen zu reden, wird der Sache nicht gerecht. Es geht um eine Reduktion der Tempos der Globalisierung im Interesse der von ihr negativ betroffenen Bevölkerung.
    1 3 Melden
  • Rebel#193 01.01.2017 13:28
    Highlight Freier kostenverursacher gerechter globaler Warenverkehr würde wahrscheinlich schon funktionieren. Aber globaler Finanzverkehr? Das Geldsystem ist im Prinzip eine staatliche Dienstleitung für die produzierende Industrie. Es ermöglicht effizienten Gütertausch. Globalisiertes Geldsystem entzieht sich dem Staatseinfluss und kann so gegen die Wirschaft und Staat missbraucht werden (z.b Überbewertung CHF) Auch Euro wurde vom globalen Finanzsystem misbraucht und hat ganze Regionen z.b Südeuropa ins Verderben gestürzt. Lokale Geldsysteme ermöglichen z.b durch Abwertung Ungleichgewichte Korrektur
    2 3 Melden
  • Rebel#193 01.01.2017 12:58
    Highlight Globale kostenverursacher gerechte (Transport, Grundwasser, Ressourcen) Gütermarktwirtschaft würde wahrscheinlich schon funktionieren. Wenn richtig angewand, wären zerstörische Systeme gar nicht möglich. Weil was verbraucht/zerstört (Umwelt, Rohstoffe) wird, muss bezahlt/ersetzt werden. Dies hätte z.b. zur Folge, dass Landwirtschaft wieder viel mehr lokal wäre, ohne Subventionen. Weil marktwirtschaftlich nicht rentabel hätte es Atomkraftwerke gar nie gegeben.
    4 1 Melden
  • Rebel#193 01.01.2017 12:32
    Highlight Ein anderes Zentrales Problem dünkt mich das heutige Geldsystem. Vermögensgeld soll von Industriegeld entkoppelt sein.
    Gibt es wirklich Industriekrisen oder waren es immer nur Finanzkrisen? Welche durch das durchgängige Geldsystem die reele Wirschaft mit in den Abgrund reissen? Wahrscheinlich würde gelebte Marktwirtschaft das Geldsystem schon disziplinieren; Stichwort Gewinne dem Geldsystem Verluste dem Staat/Steuerzahler. Merke die Finankriese ist auch nach 10 Jahren immer noch nicht überwunden. Das Banksystem hängt an der EZB Infusion.
    5 2 Melden
  • Rebel#193 01.01.2017 12:02
    Highlight Danke Herr Löpfe für diese wichtige Berichtsserie. Umbedingt weiterführen auch im Zusammenhang mit der kommenden Abstimmung der Steuerreform.
    Aber ist die Analyse vollständig? Vielleicht würde die globale Marktwirtschaft viel gerechter funktionieren, wenn Sie denn wirklich auch gelebt würde? Dies auch vor allem bezüglich der globalen Umweltbelastung. So z.b. jeder qm Meerwasser, Luft, Grundwasser, etc. welcher durch den globalen Transport/Industrie verschmutzt/zerstört wird wieder gereinigt/ersetzt werden. Müsste die Geldindustrie die Verluste selber finanzieren und nicht der Staat.
    6 2 Melden
  • voe 31.12.2016 14:05
    Highlight der kapitalismus wird sich wie alle ismen früher oder später selbst zerstören. vielleicht ist unsere festgefahrene vorstellung, dass es ein system geben muss, der grund weshalb keines funktioniert. die probleme dieser welt sind reflektionen unserer inneren herausforderungen, möglicherweise sollten wir dort beginnen.
    9 4 Melden
  • R&B 31.12.2016 12:04
    Highlight Es ist an der Zeit, dass die Schweiz sich wieder der alten erfolgreichen Volkswirtschaftspolitik zuwendet: Mittelweg zwischen Keynes und Friedmann. Denn beide haben recht, aber nicht in deren Extremen.
    Das Parlament sollte auch endlich die Schuldenbremse aufgeben. Der Bund ist zu tief verschuldet und investiert so nicht in die Zukunft der Schweizer Wirtschaft. Das aktuelle Sparprogramm kann nur als kompletter Blödsinn bezeichnet werden.
    10 7 Melden
  • rodolofo 31.12.2016 09:35
    Highlight Als "Realist" bin ich (auch aufgrund schmerzlicher Erfahrungen von Feindschaft, Betrug, und Verrat) in meinem Leben zur Einsicht gekommen, dass es ein "Ideales System" niemals geben wird, weil sich die Menschen, welche in diesen Systemen leben sollen, niemals ideal verhalten werden!
    Ein Rest von Wildheit bleibt immer...
    In der Wirtschaftstheorie werden solche der Allgemeinen Theorie entgegen laufenden Verhaltensweisen notdürftig integriert, indem sie in Spezialgesetze gepackt werden, wie zum Beispiel den "Snob-Effekt", bei dem sich jemand damit brüstet, etwas besonders Teures gekauft zu haben.
    8 3 Melden
  • Olmabrotwurst 30.12.2016 14:43
    Highlight Wieso habt ihr alle angst... hey leute man lebt nur einmal geniesst es...
    10 22 Melden
  • fiodra 30.12.2016 12:03
    Highlight Das Grundproblem heute ist die Angst vor der Zukunft, darum wollen (zu) viele in die verklärte religiöse oder nationalistische Vergangenheit zurück. Natürlich sind das keine Lösungen für die zunehmend und vielfältigt vernetzte Welt. Doch die Einsicht fehlt, darum werden die Schwierigkeiten zunehmen.
    Angst ist ein schlechter Ratgeber, doch sie wird durch die Medien aus ökonomischen Gründen und durch die Populisten aus politischen Gründen geschürt und bewirtschaftet.
    23 5 Melden
    • R&B 31.12.2016 11:38
      Highlight @fiodra: Angst? Nein. Es ist der Umstand, dass von den untersten Einkommen bis zum Mittelstand alle verloren haben und zusehen müssen, wie die Reichen sich schamlos immer höhere Löhne und Boni zuschanzen und sich bei den Staatskassen bedienen. Dies auf Kosten der Arbeitnehmer, die weniger Sozialleistungen erhalten und dazu noch mehr Steuern zahlen müssen. Das sind die Auswirkungen des Neoliberalismus in der Schweiz. Die SVP und FDP spielen ein cleveres Spiel: sie leiten die Frustration über den Einkommensverlust in Nationalismus und Rassismus um und bereichern sich persönlich noch mehr.
      26 2 Melden
  • stadtzuercher 30.12.2016 10:54
    Highlight Rückblickend kann man feststellen: Die Demokratin Clinton wäre eine typische Bewahrerin des neoliberalen Regimes gewesen. Die US-Bevölkerung hatte jedoch einfach genug davon. So einfach wie das. Leider gabs nur Trump als Alternative. Die Linke hat schlicht seit 20-30 Jahren ausser Gender- und Identitätspolitik für Minderheiten keine Rezepte für die breite Bevölkerung mehr. Auch in der Schweiz.
    41 10 Melden
    • FrancoL 30.12.2016 15:25
      Highlight Und hat den diese Rezepte? Das Resultat einiger Rezepte ist niederschmetternd und so kannst Du die griffigen Rezepte posten.
      Es ist einfach zu posten dass die SP keine Rezepte hat, der Beleg wäre das Posten von Rezepten sonst könnte man dich fragen: wieso hat die SP keine Rezepte?
      18 15 Melden
    • rodolofo 31.12.2016 18:25
      Highlight Dass die SP keine einfachen Rezepte hat, stärkt jetzt eher mein Vertrauen in diese Partei!
      Denn die "Einfachen Rezepte" hatten an allen Orten dieser Welt und zu allen Zeiten katastrophale Auswirkungen, die bis in die Gegenwart hinein reichen.
      Was also Not tut, ist nicht Einfachheit, sondern Flexibilität! Das Denken in Netzwerken ist sehr wichtig: Wenn ich A verändere, wie verändern sich dann B, C, D und E? Was für Rückwirkungen haben diese Veränderungen auf B, C und K?
      Das Spiel Sim City ist sehr geeignet dafür, vernetztes Denken spielerisch einzuüben.
      8 1 Melden
  • Posersalami 30.12.2016 08:45
    Highlight "Das Rezept, Wirtschaftseinbrüche mit Staatsinterventionen zu beheben, funktionierte offensichtlich nicht mehr.

    Genau hier erwarte ich von einem Wirtschaftsjournalisten endlich mal etwas Fleisch am Knochen. Weil offensichtlich ist diese Aussage falsch. Man schaue sich an, wie die USA die letzte Krise gemeistert haben (Staatliche Investitionen) vs. die Europäische Lösung (Sparen). Natürlich ist auch in den USA nicht alles toll, aber Lichtjahre besser als in Griechenland, Italien oder Spanien ist die Lage allemal.
    20 6 Melden
    • Philipp Löpfe 30.12.2016 09:24
      Highlight Da hast du Recht. Es geht hier aber um die langfristige Perspektive. Im Zeitalter der Klimaerwärmung wird ungebremstes Wachstum, ob mit oder ohne Staatshilfe, ein Problem.
      24 14 Melden
    • Posersalami 30.12.2016 09:48
      Highlight Wenn wir kein (ungebremstes) Wachstum mehr wollen, reden wir aber eh über ein völlig anderes Wirtschaftssystem, als den Kapitalismus. Da hat weder Hayek, Keynes noch sonst ein Kapitalist eine Antwort.

      Wobei Wachstum auch nicht gleich Wachstum ist. Gewisse Dienstleistungen zB., die kaum endliche Ressourcen verbrauchen, können ja im Prinzip unendlich wachsen, es wäre hier nur die Frage zu klären, wie die Energie dafür bereitgestellt werden soll und ob das dann auch Sinn macht.
      20 2 Melden
    • Posersalami 30.12.2016 09:54
      Highlight Was mir in den Zusammenhang auch noch einfällt, ist die Frage nach der Organisation der Wirtschaft. Solange die nicht demokratisiert ist sehe ich sowieso dunkelschwarz. Die aktuelle Organisationsform der Wirtschaft steht diametral gegen die Errungenschaften des Humanismus und der Aufklärung. Das wäre auch so ein Punkt, wo man mal einen ganz grossen Hebel ansetzen müsste.
      24 8 Melden
    • Jol Bear 30.12.2016 23:11
      Highlight Es ist stets zu definieren, von was für Wachstum geredet wird. Evtl. wird dank technologischem Fortschritt, intelligenter Speicherung und Verteilung in Zukunft erneuerbare CO2-neutrale Energie massiv billiger und in riesigen Mengen weltweit verfügbar. Allein das führte zu einer Basis für enormes Wirtschaftswachstum. Wachstum per se ist nicht negativ, insbes. wenn es monetär definiert ist. Ein Wachstum, das irgendwann sicher an Kapazitätsgrenzen führt, ist jenes der Weltbevölkerung. Da bei steigendem Wohlstand die Geburtenraten sinken, besteht aber auch hier Hoffnung.
      4 0 Melden
    • voe 31.12.2016 14:12
      Highlight viele wollen veränderung, keiner jedoch die mühen der veränderung auf sich nehmen. das verständnis, dass im konkurrenzkampf gegeneinander mehr erreicht werden kann als durch zusammenarbeit ist ein grundlegender denkfehler. miteinander statt gegeneinander!
      3 0 Melden
    • Jol Bear 31.12.2016 16:37
      Highlight @voe: auf die Wirtschaft bezogen zeigt die Erfahrung, dass der Wettbewerb (Konkurrenz) das beste Verfahren ist, um Fortschritt zu erreichen, der der Gemeinschaft zugute kommt. Der freie Wettbewerb der Ideenführt zu Innovationen, von denen letztlich alle zu erschwinglichen Preisen profitieren. Der Staat setzt Rahmenbedingungen, soll aber den Wettbewerb nicht behindern.
      0 0 Melden
  • Schneider Alex 30.12.2016 07:27
    Highlight Die Theorie hat immer nahegelegt, dass Globalisierung wirtschaftspol. begleitet werden muss. Ein Konzept verantwortlicher Globalisierung könnte folg. Elemente enthalten: (i) die Wirtschaftspol. entschädigt und befähigt die Verlierer; (ii) Umweltschäden werden in Kosten einbezogen und durch Innovationen gesenkt; (iii) technischer Fortschritt wird umgelenkt von arbeitssparend zu energie- und rohstoffsparend, (iv) eine Steuerref. reduziert die Unterschiede in den Markteinkommen und entlastet Arbeit, (v) Finanztransaktionen werden besteuert und senken den Zwang zu hohen Renditen in der Industrie.
    24 1 Melden
  • E7#9 30.12.2016 00:20
    Highlight Herr Löpfe, ich habe ja bei Inhalten aus Ihrer Feder nicht selten etwas auszusetzen. Doch bei Themen der Weltwirtschaft spielen Ihre Artikel echt in einer eigenen Liga. Muss auch mal gesagt werden. Wirklich sehr beeindruckend und lehrreich.
    28 5 Melden
    • Philipp Löpfe 30.12.2016 09:25
      Highlight Danke für die Blumen.
      10 5 Melden
  • Raphfa 29.12.2016 23:52
    Highlight Alle diese Wörter für die verschiedenen Flickwerke am heutigen korrupten Geldsystem dienen nur der Verschleierung. Keynes gab dem Patienten Kapitalismus Medikamente mit Nebenwirkungen, Von Hayeks Theorien kann man nicht wirklich ernst nehmen und der Bolschewismus führte in die totalitäre Aussichtlosigkeit.

    Ein Geldsystem, das aufgrund leistungsloser Kapitalerträge und Spekulationsgewinne das erwirtschaftete Sozialprodukt so ungleich verteilt, war von Anfang an zum Scheitern verdammt.

    Mich beschäftigt mehr die Frage, warum die 99 Prozent sich diese Ungerechtigkeit so lange gefallen lassen.
    23 7 Melden
    • Posersalami 30.12.2016 09:51
      Highlight Weil von den 99% vielleicht 1% versteht, dass das System überhaupt ungerecht ist. Wo in der Schule bekommt man denn den Zusammenhang zwischen Schulden und Sparen beigebracht, um nur mal ein Beispiel von vielen zu nennen. Genau, das ist nie ein Thema, das muss man sich selbst anlesen. Ich kenne Absolventen der Uni Zürich mit Master in Wirtschaft, die kennen den Zusammenhang nicht!
      24 3 Melden
    • Datsyuk * 01.01.2017 10:45
      Highlight Posersalami, die liegst komplett richtig.
      3 0 Melden
  • canoe58 29.12.2016 22:55
    Highlight Der Neoiberalismus hat nicht einmal dort funktioniert wo er eine Wirtschaft von Grund auf (from the scratch) aufbauen konnte: in Chile nach dem Putsch Pinochets gegen Allende. Diese Umkrempelung der Chilenischen Wirtschaft erfolgte durch die Chicago Boys, die grösstenteils bei den Gurus F.A. Hayek und Milton Friedmann selber studiert hatten.
    16 9 Melden
    • Oberlehrer 30.12.2016 10:35
      Highlight Waren Sie schon in Südamerika?Verglichen mit anderen lateinamerikanischen Staaten geht es Chile sehr gut.
      13 11 Melden
    • Raphfa 30.12.2016 17:05
      Highlight @Oberlehrer: Wo ist die Kurve der Verteilung der Vermögen unter der Bevölkerung. Die USA sind superreich: eine Minderheit lebt in Saus und Braus, doch die Mehrheit hat die Schulden auf dem Buckel.
      20 4 Melden
  • Majoras Maske 29.12.2016 19:46
    Highlight Schon als ich heute von der Einzelperson, welche das MEI-Referentum ergreift, gelesen habe, dachte ich mir: "Endlich". Endlich überlässt man unser Schicksal nicht mehr irgendwelchen Parteien oder Lobbyisten. Vielleicht sollte das mit dem Kapitalismus auch so gehen, indem sich Kunst und Gesellschaft dem langsam bewusst entziehen. Es ist ja unsere Zuschau-Gesellschaft, welche das ganze Debakel erst ermöglicht. Eine kulturelle Neuerung täte uns gut, auch das Weglassen des Pseudoleistungsgedanken. Nicht jede Leistung wird vergütet, aber wertlos ist es trotzdem nicht.
    10 9 Melden
  • Nicolas Flammel 29.12.2016 19:11
    Highlight Ich finde es falsch Neoliberalismus mit der liberalen Wirtschaftstheorie und der österreichischen Schule gleichzusetzen.
    Ziel des Wirtschaftsliberalismus ist es, allen Menschen den Zugang zum Markt zu ermöglichen und den Markt vor Verzerrungen durch die Politik zu schützen.
    Heute haben wir aber genau das Gegenteil: Staatsanleihen werden durch die EZB aufgekauft. Globale Konzerne erkaufen sich Sonderrechte (TTIP, CETA, etc) und werden nicht besteuert.
    Als kleiner Unternehmer wird man aber hoch besteuert und hat viele Auflagen zu erfüllen.
    Das alles hat nichts mit freien Märkten zu tun.
    40 5 Melden
    • FrancoL 29.12.2016 20:11
      Highlight Ich sehe Branchen bezogen keine Unterschiede zwischen grossen in kleinen Unternehmen bei den Auflagen. Kleinere UN haben zB bei der MwSt vereinfachte Berechnungen mit den Saldosteuersatz, ebenso sind zB bei Vergaben die Anforderungen zB im Lehrlingswesen für die kleinen KMUs angepasst. Und mit der Besteuerung kann der kleine UN etliches optimieren was dem Grossen nur mit Spezialabmachungen möglich ist. Der Markt ist nicht frei nicht wegen den Auflagen und Steuern sondern wegen den gelenkten Vergaben, dem Marktzugang und den Auftragsabwicklungen, DA wird mit 2 Ellen gemessen und vergeben.

      5 3 Melden
    • phreko 29.12.2016 20:21
      Highlight Heute "Liberale" kommen halt Hand in Hand mit dem Sozialdarwinismus, wobei letztere offensichtlich wichtiger als Chancengleichheit ist.



      10 9 Melden
    • Raphfa 30.12.2016 00:48
      Highlight Die freien Märkte sind ebenfalls Illusion, sieht man einmal von Niedriglohnbranchen mit meist kleinen Unternehmen ab (Restaurants, Friseure etc.), die dann auch regelmässig ins Elend stürzen, weil man sich gegenseitig ausbootet. Natürlich gibt es auch selbstverschuldete Konkurse.

      Aber sonst werden die Märkte durch meist seit Jahrzehnten im Markt stehende, kapitalstarke Konzerne oder die Branche reguliert. Welches Unternehmen will schon in einem ruinösen Preiskampf Konkurs gehen?

      Unternehmen brauchen Planungssicherheit (Budgets), das widerspricht schon in sich der freien Marktwirtschaft.
      10 0 Melden
  • 90er 29.12.2016 18:55
    Highlight Ich hab den Artikel noch nicht gelesen und nur kurz die Kommentare überflogen.
    Ich finds einfach toll das auf Watson in den Kommentaren auf so hohem Niveau über komplizierte Themen diskutiert werden kann.
    Wollte ich einfach mal los werden.
    26 3 Melden
    • Philipp Löpfe 30.12.2016 00:03
      Highlight Finde ich auch. Auch wenn es Oberlehrer manchmal übertreibt
      17 5 Melden
  • sowhatopinion 29.12.2016 18:51
    Highlight Dem gibt es noch anzufügen, dass die über Jahre ultralockere Geldpolitik nicht dazu geführt hat, Wachstum zu generieren. Vielmehr wurden üppig Dividenden bezahlt und Kapitalrückzahlungsprogramme lanciert. Die Aktienmärkte boomen ohne dass die Unternehmen ihre cash flows für produktive Investitionen nutzen. Trump hat zumindest Investitionsprogramme angekündigt und dies wäre durchaus im Sinne Keynes. Die führungslosen Europäer dagegen hoffen weiterhin auf Draghi und glauben dass die EURO-Zone überlebt, schlicht naiv in Anbetracht der Ungleichgewichte.
    14 2 Melden
  • Sophia 29.12.2016 17:51
    Highlight Nach Popper kann jede Ideologie falsch sein, weshalb also Theorien in der Gesellschaft umsetzen?
    Wir sollten nur versuchen, die Welt gerecht zu gestalten und anerkennen, dass kein Mensch wie der andere sein kann und es daher nötig ist, einen sozialen Staat (Welt) zu schaffen, indem alle nach ihrer Art leben können. Das Recht regelt das Zusammenleben und die Ökonomie. Freiheit kann keine Narrenfreiheit sein. Freiheit kann nur unter Regeln gedeihen. Nationalismus entzweit die Staaten wie Menschen. Kommunismus verneint die Individualität der Menschen. Neoliberalismus ist regellose Ausbeutung.
    36 6 Melden
    • phreko 29.12.2016 20:23
      Highlight Da bleibt bloss noch die Sozialdemokratie übrig,
      auf der Basis von John Rawls "Gerechtigkeitstheorie".
      16 6 Melden
    • Sophia 30.12.2016 09:45
      Highlight Sehr gut beobachtet, phrego! Du hast also auch eine Theorie!
      8 0 Melden
    • phreko 30.12.2016 12:17
      Highlight Kennst du sie?

      Als ob irgendwas in der Welt ohne Theorie funktionieren würde. Jede Vorstellung/Voraussehung die man hat ist eine "Theorie". Was danach kommt ist deren überprüfung. Was du aufgeschrieben hast, ist auch ein ganzes Bündel von Theorien...
      3 3 Melden
    • Sophia 30.12.2016 17:15
      Highlight Im Gegensatz zu dir, behaupte ich jedoch nicht, dass meine Theorie stimmt.
      Aber im Grunde hast du Recht, phrego, aber ich meinte unter Theorie auch nur das, was die Menschen unter einen Hut zwängt.
      Jeder soll seine eigene Welt haben, aber niemandem seine Welt aufzwingen!
      Das Nötige tun, das Unnötige lassen. Schau die SP-Schweiz an, sie bekämpft zur Zeit die USR III. Setzt sich also für den Mittestand und Kleinunternehmer ein, die bisher alles was nach SP roch in Grund und Boden verdammten. Das meine ich mit ideologiefrei!
      8 2 Melden
    • Sophia 31.12.2016 00:32
      Highlight Phrego@ Ja, und da bin ich etwas frei mit den Begriffen Ideologie und Theorie umgegangen. Ohne Theorien geht nichts, zumindest in der Wissenschaft. Ideologien braucht keiner!
      1 1 Melden
  • demokrit 29.12.2016 17:01
    Highlight "Anders als die Österreicher vertritt Keynes die These, wonach der Staat in Krisen der Wirtschaft unter die Arme greifen und mit Ankurbelungsprogrammen eine Rezession verhindern muss.
    Mit Erfolg."

    Falsch: Neuere Studien haben längst ans Licht gefördert, dass niedrige Zinsen zur sogenannten Wirtschaftsankurbelung von den Unternehmen keineswegs wie angenommen in die Infrastruktur oder Mitarbeiter investiert werden, sondern für Firmenübernahmen (womit dann weiter Arbeitsplätze abgebaut werden).
    26 11 Melden
    • meine senf 29.12.2016 17:06
      Highlight Halbfalsch.

      Keynes verstand unter Wirtschaftankurbelung wohl anderes als niedrige bis negative Zinsen.

      Wenn das so wäre, wären wir ja jetzt absolut in einem keynesianistischem Zeitalter.
      24 3 Melden
    • opwulf 29.12.2016 17:27
      Highlight Meine Senf: Sind wir ja eigentlich auch - ich sehe keinen Friedman'schen aka Österreichische Schule Kapitalismus! Diese Verschuldung wie wir sie heute haben, wäre unter denen so nicht machbar gewesen!
      20 6 Melden
    • demokrit 29.12.2016 17:28
      Highlight Hitlers Autobahnen? ;-)
      6 5 Melden
    • FrancoL 29.12.2016 18:51
      Highlight Autobahnen sind nicht die Erfindung Hitlers. Aber das kann ja auch zur Ankurbelung führen. Frage mich häufig wieso zB viele Gemeinden just in dem Moment wo der private Tiefbau bestens läuft durch Projekte der Gemeinde eine Ueberhitzung herbei geführt wird ohne Not zu haben, nur um das Gemeindebudget jeweils auszuschöpfen anstelle diese Arbeiten für einen Beschäftigungsausgleich zu nutzen.
      15 3 Melden
    • demokrit 29.12.2016 22:33
      Highlight Habe ich nicht gesagt, aber Hitler verfolgte natürlich sehr wohl Keynes Programm, was insbesondere heutige Sozialisten nur ungern hören.
      8 6 Melden
    • FrancoL 29.12.2016 23:31
      Highlight @demokrit; Du scheinst ja einen echten Alptraum mit dem Wort Sozialisten zu erleben. Ich könnte mir vorstellen dass Du sogar bei einem Brotaufstrich mit "S" am Anfang irgend eine Geschichte mit den Sozialisten assoziieren würdest. Irgendwie lächerlich und etwas kindisch.
      11 2 Melden
    • Raphfa 30.12.2016 00:19
      Highlight Keynes hat wohl als erster vage auszudrücken gewagt, dass das Modell in sich nicht funktioniert. Die Ehre kommt dem Aussenseiter Silvio Gesell zu, der aufzeigte, dass die zwangsläufige Akkumulation der Vermögen der Anlass für die Probleme im Spätkapitalismus sind (Krise, extreme Armut, Nationalismus, Gewalt und Krieg). Er sah die Ursachen im Zinseszinssystem und der Bodenrente. (Das ist für mich etwas einfach gegriffen).
      Aber Gesell hat schon damals gesehen, dass der Zins das Hortungsproblem nicht löst. Seither scheint die Suche nach echten Alternativen im dogmatischen Sumpf zu ersticken.


      9 1 Melden
    • Sophia 30.12.2016 10:03
      Highlight Siehst du, demokrit, du hast auch eine, eine etwas simple, aber umso leichter eingehende Ideologie. Alles, was nicht deiner Vorstellung entspricht, ist Sozialismus. Nach Popper kann jede Ideologie falsch sein. Auch seine eigene, also nun fang mal an zu denken! Viel Vergnügen dabei.
      Zu Francol: Auch Apple hat das Telefon nicht erfunden, aber sieh mal, was die daraus gemacht haben. Die Frage ist immer: Wie nutze ich das? Und Autobahnen eignen sich nun mal zum schnellen Transport von Gerät. Hitler hat nichts erfunden, er wusste es einfach zu nutzen. Irgendwie banal, so was erklären zu müssen.
      7 0 Melden
    • FrancoL 30.12.2016 10:56
      Highlight @Sophia; Es geht nicht um die Nutzung der Autobahnen sondern um wirtschaftlichen Effekt dieses Autobahnbaus, wenn man von Ankurbelungsprogrammen spricht.
      Man sollte nicht die geschichtliche Aufbereitung der Nutzung bei einem Artikel der die Wirtschaftliche Ausrichtung betrifft in den Vordergrund stellen.
      Hitler ist da eh der falsche Aufhänger; man kennt ja solche Beschäftigungsprogramme nicht nur von NAZI-Deutschland und diese tun in der Diskussion nichts zur Sache.
      Es ist durchaus sinnvoll Beschäftigungsreserven für Uebebrückungszeiten zu haben, dies ohne Ideologie.
      6 0 Melden
    • demokrit 30.12.2016 12:50
      Highlight Hitler ist historisch ganz und gar nicht der falsche Aufhänger. Er hat Geringverdiener und den unteren Mittelstand gezielt entlastet, die Klassengesellschaft abgeschafft, sein Beschäftigungsprogramm mit dem Ziel der Vollbeschäftigung ist historisch völlig beispiellos (Arbeitslosenzahlen von 1933-35 von 6 Mio auf 1 Mio, danach Vollbeschäftigung aufgrund Rüstungswirtschaft.. ja, wo gab es das denn sonst?). Da sind in der Tat viele sozialistische Elemente dabei inkl. der Überhöhung der Kooperative, was im Diskurs um den National*sozialismus* natürlich fast völlig ausgeblendet wird. Zu unrecht.
      2 2 Melden
    • FrancoL 30.12.2016 13:57
      Highlight @demokrit; die Finanzierung hast Du wohl unter den Tisch gekehrt, wie war die genau? Auch sozial verträglich.
      Die ganze Sicht soll sozial sein nicht nur die Beschäftigung.
      Ich kann dir aber auch gerne die Finanzierung in Norditalien für das ebenfalls soziale Beschäftigungsprogramm Mussolinis 1 zu 1 darlegen, da meine Familie einen ordentlich Teil unfreiwillig mit finanziert hat.
      Es ist einfach sozial zu sein mit geklautem Geld.
      6 1 Melden
    • Sophia 30.12.2016 16:50
      Highlight Francol@ Du siehst die Sache der deutschen Autobahnen etwas einseitig. Hitler hat sie nicht erfunden, sagst du, dann aber leitest du daraus ein NS-Arbeitsprogramm ab, also hat er sie doch erfunden, um die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen? Nein, er hat sie als Transportstrassen gebraucht. Keiner in Europa konnte in derart kurzer Zeit so viel und so schnell Kriegsmaterial und Soldaten befördern, wie die Nazis. Das widerlegt auch These von deinem *Sozialismus*. Die Nazis verstanden darunter Volksgenossen! National kann niemals sozialistisch sein. Du redest, wovon du offenbar keine Ahnung hast.
      3 3 Melden
    • Sophia 30.12.2016 17:02
      Highlight Jetzt hoffe ich doch sehr, dass ich Francol nicht mit demokrit verwechselt habe!!! Aber aus dem Text kann man ja sehen, wen ich meinte.
      Nochmals, alles was Hitler wollte, war Krieg, dem hatte sich alles unterzuordnen. Wenn dabei Arbeitsprogramme nötig waren, umso besser. Dass darauf heute noch einer hereinfällt und glaubt der Hitler, der als erste Massnahme nach dem Ermächtigungsgesetz alle Gewerkschaftsbüros schliessen lies, hätte irgendetwas mit Sozialdemokratie zu tun, der fällt heute noch auf die Nazipropaganda herein. "Nationalsozialismus" ist ein Oximoron!
      4 2 Melden
    • FrancoL 30.12.2016 17:13
      Highlight @Sophia; Ich war etwas verwirrt aber Du hast ja offensichtlich Demokrit mit Deinem Post gemeint alles in.
      3 1 Melden
    • FrancoL 30.12.2016 19:34
      Highlight @Sophia; Ich weiss nicht ob Demokrit auf die Propaganda immer noch rein fällt, aber er disqualifiziert sich mit seinen Statements und seinem abgrundtiefen Hass gegen die SP. Erinnert mich irgendwie an Köppel. Stand wohl mal links und wurde nicht befriedigt, dann hat er sich Rache auf seinen Fahnen geschrieben. Grundsätzlich versteht er allerdings nicht im Ansatz was Sozialismus heisst wenn er dies auf die hintere Hälfte des Nationalsozialismus reduziert. Habe schon fast Angst dass er die Steinbrucharbeit für KZ-Häftlinge ebenfalls als innovatives Beschäftigungsprogramm propagiert.
      3 2 Melden
  • meine senf 29.12.2016 16:40
    Highlight Das Traurige ist, man beginnt so langsam zu verstehen, dass "Deregulierung, Privatisierung, Steuern senken und Handelshemmnisse abbauen" doch nicht immer nur das Gelbe vom Ei sind.
    Aber jene, die sich deswegen abgehängt fühlen wählen jetzt ausgerechnet solche, die sich für "Deregulierung, Privatisierung und Steuern senken" einsetzen. Nur weil sie zusätzlich zu diesen Punkten noch "Grenze zu!" brüllen.
    Vielleicht lernen die Ärmeren in den USA etwas daraus, wenn sie nun ihre Krankenkasse wieder verlieren.
    68 6 Melden
    • Firefly 29.12.2016 18:35
      Highlight Wahrscheinlich wählen die meisten so, weil es keine Alternativen gibt und/oder sich die Rechten in Europa und die Trumpisten in den USA geschickt als Protest-Partei zu positionieren wissen, welche eben mangels Alternativen, gewählt werden.

      Es fehlt eine mehrheitsfähige Vision für die Zukunft wie sie zum beispiel der New Deal war. Der Protest wird wenig bringen, wenn er keine Vision hat und das hat er offensichtlich nicht... folglich werden die Spannungen noch grösser werden.
      11 2 Melden
    • Sophia 30.12.2016 10:17
      Highlight Du hast Recht, senf, das auf irgendwelchen Theorien basierende "der Markt regelt alles", kann nicht funktionieren. Vor zwanzig Jahren verdiente ein CIO noch das zwanzigfache eines Arbeiters, heute das 200-fache! Blocher soll im 2016 zwei Milliarden CHF verdient haben, Warren Buffet 12 Milliarden Dollar. Die Frage ist keine sozialdemokratische, sondern eine ganz praktische, woher kommt diese Geld? Wer hat es erwirtschaftetet? Gehört nicht wenigstens ein Teil davon denen, die keine Chance im Leben haben und gerade wegen dieses Absahnens auch nie eine bekommen werden?
      15 1 Melden
    • meine senf 30.12.2016 11:02
      Highlight @Firefly: Ja, das ist wohl das Problem. Neben der nur bedingt vorhanden Auswahl ist es heute so, dass die Leute bereit wären, sich selbst aus Protest in den Fuss zu schiessen. Man muss ihnen nur (mittels teurer PR) weissmachen, dass sie damit ein Zeichen gegen das Establishment setzen würden.

      Eigentlich ein geschicktes Ausnutzen vom umgekehrter Psychologie.

      Vielleicht sollte ich das auch mal bei einem klassischen Rechts-Wutbürger probieren: "Die EU/die Classe Politique/die Sozialisten wollen nicht, dass du mir dein ganzes Geld überweist! Los, setz ein Zeichen gegen die!"
      4 1 Melden
    • Firefly 30.12.2016 12:05
      Highlight Auffallend ist, dass meist im gleichen Athemzug mit Russland sympathisiert wird welches eine elitäre Regierung sondergleichen hat. Entweder ist man dort in der Classe Politique und dient Putin oder nicht. Mann stellt also die Scweiz und die EU als elitäre hin, dabei sind diese im Vergleich zu anderen Staaten geradezu anti elitär
      7 1 Melden
  • Pitsch K. Matter 29.12.2016 15:37
    Highlight Guter Artikel. Es scheint wirklich, als würde alles in Richtung wirtschaftlicher Nationalismus gehen. Ich denke aber das Finanzsystem lässt sich nur mit einer fortschreitender Globalisierung am Leben erhalten, da sonst das Wachstum einbricht und dies das Ende des Finanzsystems bedeuten würde.
    25 8 Melden
  • Monti_Gh 29.12.2016 15:36
    Highlight Sadiq Khan, der Bürgermeister von London, aus einfachen Verhältnis, gehört zur Weltelite??
    9 14 Melden
    • Hoppla! 29.12.2016 16:21
      Highlight Teilweise reicht es schon Erfolg zu haben und/oder in einem Gebiet ein überdurchschnittliches Wissen oder Können zu haben um zur verhassten Elite gezählt zu werden. Absurd!
      12 11 Melden
  • genoni 29.12.2016 14:50
    Highlight Ich stehe voll hinter dem Inhalt dieses Artikels und danke vielmals für diese Lektüre. Man kann so die Dinge viel besser einordnen.

    Ich als junger Mensch, der beim besten Willen nicht von der ökonomischen Entwicklung benachteiligt wurde (hatte das Glück, zufällig in eine wohlhabende Familie hineingeboren worden zu sein), bin trotzdem frustriert über die Entwicklung, die wir momentan erleben.

    Nachdem wir ja alle wissen, dass der Neoliberalismus genauso ein Irsinn ist wie der nun entstehende Bastard, fragt man sich, was denn die Alternative sein kann.
    Haben Sie, Herr Löpfe, ein Konzept?
    52 9 Melden
    • Philipp Löpfe 29.12.2016 15:19
      Highlight Ich habe zusammen mit Oliver Fiechter ein Buch über die digitale Stammesgesellschaft geschrieben. (NZZ Verlag)
      32 5 Melden
    • genoni 29.12.2016 17:15
      Highlight Danke vielmals für die Antwort! Mir ist gerade aufgefallen, dass mein obiger Kommentar ein wenig negativ tönt. Das war nicht beabsichtigt ;-).
      10 0 Melden
  • dracului 29.12.2016 14:30
    Highlight Der Neoliberalismus erreichte vor allem ein Ziel: Jemand anderes macht ein Geschäft und woanders wird Geld verdient. Dies kann zwar als globale Verbreitung des "American Dreams" und als wirtschaftliche "Chance" aufgefasst werden, aber in Realität zeigt sich nur eine fortschreitende Umverteilung der Vermögen, zu Ungunsten des normalen Kleinbürgers. Jedes System scheitert, wenn es nicht zum Wohlstand einer Mehrheit führt. Beim Neoliberalismuss gibt es eben zunehmend mehr Verlierer als Gewinner.
    51 6 Melden
    • JoeyOnewood 29.12.2016 14:54
      Highlight da verschweigst du aber einen gewaltigen Anstieg der einkommen seit den 70er Jahren. Bin überhaupt kein Fan vom Neoliberalismus. Bin der Meinung, er will zu viel und macht die Welt kaputt. Wir haben genug, jetzt müssen wir uns ans Verteilen machen. aber gerade in der Schweiz führte das Wirtschaftswachstum seit den 70er Jahren zu einer sehr breiten und relativ reichen Mittelschicht. Wer hatte in den 70ern zwei Autos und drei Fernseher? Zu sagen, der Neoliberalismus hätte den meisten nichts gebracht, ist einfach falsch. Die Frage, ob uns dieser Reichtum glücklich macht, schon eher.
      27 22 Melden
    • Hoppla! 29.12.2016 15:45
      Highlight Nicht nur in der Schweiz. Man betrachte viele Schwellenländer oder Länder des ehemaligen Ostblocks. Ausnahmen bestätigen die Regel, aber allgemein betrachtet ist der Wohlstand des Durchschnittsbürgers höher als früher.

      Aber vielleicht hat der Herr Kollege/die Frau Kollegin noch mehr davon profitiert. Das stimmt natürlich.
      15 11 Melden
    • bernd 29.12.2016 16:04
      Highlight @Joey Onewood: Dabei dürfte man aber auch nicht ganz ausblenden, dass viele Märkte seit dieser Zeit massiv ausgedehnt wurden, zuerst durch Freihandelsabkommen, Abbau von Handelshemmnissen und später durch das Internet. Dass dies kurzfristig zu Wachstum führt ist klar, allerdings ist unklar, wie es weitergehen soll. Mehr als weltweit vernetzen geht nicht. Wie dann das System, das zum Funktionieren zwingend auf Wachstum angewiesen ist am Laufen gehalten werden soll, wird spannend. Wenn der Kuchen nicht mehr wächst, wird wohl nicht viel übrig bleiben, ausser die Verteilkämpfe zu intensivieren.
      12 1 Melden
    • Hoppla! 29.12.2016 16:18
      Highlight @ Benot

      Die Bankenrettung; ja. Da hätte man konsequenter sein können.

      Das Problem war aber nicht primär das Guthaben der Kunden, das ist für den "Kleinsparer" eh gesichert, sondern der ganze Zahlungstransfer der Zusammengebrochen wäre. Dem kann man gleichgültig gegenüberstehen, die Auswirkungen wären aber immens.

      Ich persönlich finde eine "Hexenjagd", vor allem wenn man jahrelang profitiert hat, nun irgendwie unnötig. Alles hat Vor- und Nachteile.

      Btw: Wieso, dass der Fakt, dass der Lebensstandard höher ist als früher Blitze gibt kann ich mir nicht erklären. Jemand anderer Meinung?
      8 5 Melden
  • BennyG 29.12.2016 14:27
    Highlight Wo bleibt die Mont Pelerin Society in diesem Beitrag? Wenn schon über Hayek, Mises und Think Tanks geschriben wird ist dies ein Zentrales Element des Neoliberalismus. Erst durch diese Geimeinschaft von Interlektuellen wurde der Neoliberalismus zuerst geformt dann Benannt und in die Welt getragen.

    Zusätzlich würde ich nicht sagen das sich der Neoliberalismus im Todeskampf befindet, sondern sich weiterentwickelt, zum Neokapitalismus in dem der Nationalismus wichtiger wird. Das Kapital hat immer noch, wenn nicht noch mehr, Priorität.

    Ansonnsten ein genialer Beitrag, Hut ab!
    30 4 Melden
  • Meitlibei 29.12.2016 14:20
    Highlight Guter Bericht aber definitiv keine Breaking News.
    17 2 Melden
  • Slavoj Žižek 29.12.2016 14:18
    Highlight Klingt wie bei RT
    2 20 Melden
  • milkdefeater 29.12.2016 14:09
    Highlight *hust*Merkantilismus*hust*
    17 3 Melden
  • Der Zahnarzt 29.12.2016 14:03
    Highlight Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass FA Hayek mit dem Massenmörder und Diktator A Pinochet sympathisiert hat. Die Liberalen leugnen das gerne und reden es klein.

    Ein anderer Liberaler, Karl R. Popper, der mit Hayek befreundet war, hat darauf hingewiesen, dass die Vorstellungen von van MIses und Hayek in einen Diktatur der Märkte / der Ökonomie führen.

    Die gesellschaftlichen Kosten des Liberalismus können übrigens in den Büchern von M Houellebecq besichtigt werden (insbesondere Elementarteilchen).

    Roger Köppel ist übrigens Mitglied der FA Hayek Gesellschaft. Von dort weht der Wind!
    47 15 Melden
  • Raphael Stein 29.12.2016 13:58
    Highlight ... verdrängten Börsen-Gurus die Intellektuellen und in der Euphorie der Dotcom-Blase begannen sich selbst Hausfrauen und Taxifahrer für Puts und Calls zu begeistern...
    Für mich eine der Kernaussagen, was die geschickte und schleichende Uebernahme der herschenden Finanzklasse erreicht hat.
    Eine gute Zusammenfassung!
    34 1 Melden
  • Stachanowist 29.12.2016 13:57
    Highlight "Hayek [...] verstand das Buch als Kampfschrift gegen den Sozialstaat."

    'Der Weg zur Knechtschaft' ist eine Schrift gegen die Planwirtschaft. Ein Sozialstaat ist mit einer Planwirtschaft nicht gleichzusetzen.

    Das Buch entstand während des 2. WK unter dem Eindruck der ersten drei stalinschen Fünfjahrespläne & der nationalsozialistischen Form der zentralen Planung. Es ist in erster Linie eine Kampfschrift gegen diese Wirtschaftsformen & vertritt die These, dass Sozialismus und Nationalsozialismus ökonomisch verwandt sind, weil sie die individuelle ök. Freiheit durch zentr. Planung ausschalten.
    30 10 Melden
    • Philipp Löpfe 29.12.2016 15:20
      Highlight Nein, das Buch ist eine Kampfschrift gegen den Sozialstaat. Sorry
      13 9 Melden
    • Stachanowist 29.12.2016 16:51
      Highlight @ Löpfe

      Ich zitiere mal aus Road to Serfdom:

      "The successful use of competition does not preclude some types of government interference. For instance, to limit working hours, to require certain sanitary arrangements, to provide an extensive system of social services is fully compatible with the preservation of competition."

      Klingt so eine Kampfschrift gegen den Sozialstaat?
      15 0 Melden
    • Philipp Löpfe 29.12.2016 17:06
      Highlight Lieber Stachanowist: Hayek hat das Buch 1944 in England geschrieben, weil er Angst vor einer Labour-Regierung hatte (die nach dem Krieg dann auch Tatsache wurde). Aber wir müssen daraus kein Prestige-Duell machen.
      6 6 Melden
    • nib 29.12.2016 18:05
      Highlight Hayek betrachtet Sozialismus und Faschismus wegen ihrer Planwirtschaft als gescheiterte Ideologien. Und sagt, dass Planwirtschaft und Demokratie nicht zusammen passen. Daher sehe ich das auch nicht als Kampfschrift gegen den Sozialstaat.
      6 3 Melden
    • Der Zahnarzt 29.12.2016 19:01
      Highlight @nib: Sie sollten nicht vergessen, dass Hayek bereit war, die Demokratie zugunsten der Wirtschaft einzuschränken. Welche Art von Politiker an die Oberfläche gespült werden, wenn man das Primat der Wirtschaft fordert, können Sie jetzt in den USA beobachten.

      @Stachanowist: Hayek war gegen den Sozialstaat, den er aber für ein notwendiges Übel hielt. Er wusste genau: ohne Sozialstaat würde sein geliebter freier Markt innert kürzester Zeit verschwinden, weil er monströse Ungerechtigkeiten erzeugt. Hayek hasste die Gerechtigkeit.
      4 4 Melden
    • Oberlehrer 29.12.2016 19:11
      Highlight @ Löpfe: Das Buch wurde zwischen 1940 und 1943 geschrieben, nicht 1944.

      Ausserdem richtet sich das Buch gegen die zentrale Planwirtschaft, nicht gegen den Sozialstaat per se (siehe Vorbemerkung von 1971). Das Buch befasst sich nur am Rande mit Ökonomie, das Hauptargument gegen die zentrale Planwirtschaft ist gesellschaftlicher Natur (vereinfacht: Anfälligkeit für Machtmissbrauch; Entfernung politischer Abweichler von den Futtertrögen). Gerade weil es kein Ökonomie-Buch ist, wurde es auch von Keynes und Orwell gelobt. Anders als Keynes / Friedman spielt Hayek in der VWL heute keine Rolle mehr.
      5 0 Melden
    • Oberlehrer 29.12.2016 19:22
      Highlight Wie passt dieses Hayek-Zitat zur behaupteten Ablehnung des Sozialstaats?

      Zitat: "There is no reason why, in a society which has reached the general level of wealth ours has, the first kind of security should not be guaranteed to all without endangering general freedom; that is: some minimum of food, shelter and clothing, sufficient to preserve health. Nor is there any reason why the state should not help to organize a comprehensive system of social insurance in providing for those common hazards of life against which few can make adequate provision."
      3 1 Melden
    • Oberlehrer 29.12.2016 19:48
      Highlight @ Der Zahnarzt: Hayek sprach sich nicht für politische Unfreiheit zugunsten von ökonomischer Freiheit aus. Er verglich die vier möglichen Kombinationen (ökonom. Freiheit: ja / nein, pol. Freiheit: ja / nein), wobei er abstritt, dass die Kombination Planwirtschaft + politische Freiheit möglich sei.

      Seine Argumentation (z.B. betr. Chile) war: WENN SCHON(!) politische Unfreiheit herrscht, dann besser in Kombination mit ökonomischer Freiheit (da politische Abweichler dann zumindest die Chance haben, in der Privatwirtschaft ihren Lebensunterhalt zu bestreiten) als in einer Planwirtschaft.

      5 3 Melden
    • Der Zahnarzt 29.12.2016 20:23
      Highlight @Oberlehrer: Sie irren sich. - Hayek war der Ansicht, dass die Freiheit des Marktes Voraussetzung politischer Freiheit ist. - Wer die Unternehmen / Marktteilnehmer einschränkt, schränkt seiner Ansicht nach die politische Freiheit ein. Dies steht im Einklang mit seiner Theorie von Marktpreis und Information. Die Wirtschaft muss vor Politik geschützt werden. - In der VWL spielt er keine grosse Rolle mehr, in der Politik jedoch hat er immer noch unglaublichen Einfluss. - Er lehnte Gerechtigkeit ab, war aber äusserst selbstgerecht.
      4 2 Melden
    • Oberlehrer 29.12.2016 21:23
      Highlight @ Der Zahnarzt: "Hayek war der Ansicht, dass die Freiheit des Marktes Voraussetzung politischer Freiheit ist."

      Genau das habe ich ja geschrieben!

      Es gibt vier theoretisch mögliche Kombinationen aus politischer (P.F.) und ökonomomischer Freiheiheit (Ö.F.):

      A: P.F. = nein, Ö.F. = nein
      B: P.F. = nein, Ö.F. = ja
      C: P.F. = ja, Ö.F. = nein
      D: P.F. = ja, Ö.F. = ja

      Hayek behauptete, dass Kombination C in der Realität nicht vorkomme. Weiter stellte er folgende "Rangliste" auf:
      D > B > A

      Was denken Sie: Gibt es einen Konsens in der CH, was Gerechtigkeit ist? Ich denke: Eher nicht.


      6 3 Melden
    • Der Zahnarzt 30.12.2016 08:53
      Highlight @Oberlehrer:
      Geschätzter Oberlehrer: Dass Sie die Frage der Gerechtigkeit zu einer Frage des Konsens machen, zeigt, dass Sie bis zum Hals in der Liberalismus Scheisse stecken (verzeihen Sie mir die etwas vulgäre Ausdrucksweise). - Denken Sie nochmals darüber nach und Sie werden sehen, wie klein der Schritt vom Liberalismus zu Faschismus, Kapitalismus und Ausbeutung ist.
      2 7 Melden
    • Oberlehrer 30.12.2016 10:25
      Highlight @ Der Zahnarzt: Beantworten Sie mir doch drei Fragen:

      1) Wer soll denn genau bestimmen, welches der unendlich vielen Gerechtigkeitskonzepte richtig ist? Sie? Die Bevölkerung? Das Parlament? Ein Revolutionsrat?

      2) Wie lässt sich dieses Gerechtigkeitskonzept rechtsstaatlich-demokratisch verwirklichen? Oder braucht es das nicht, weil unfehlbare "Gerechtigkeitstruppen" Jagd auf Volksfeinde, Bonzen und Scheiss-Liberale machen?

      3) Was passiert mit Menschen, die das Konzept per se oder dessen Umsetzung ablehnen? Was, wenn dies die Bevölkerungsmehrheit ist?
      6 2 Melden
    • Der Zahnarzt 30.12.2016 14:36
      Highlight @Oberlehrer: Ach Herr Oberlehrer, nichts haben Sie verstanden.
      Ihr Vorbild Hayek hat doch alle 3 Fragen beantworte:

      1) Der Markt hat sich spontan durch Evolution entwickelt und die Verteilung der Güter durch den Markt ist einzig richtige und gerechte.
      2) Lässt sich verwirklichen, indem Milliardäre und Grosskonzerne Lobbyisten und Think Tanks beauftragen Hayeks kranken Ideen unters Volk zu bringen. Mit Geld lässt sich das schon machen.
      3) Wer das Hayek Konzept ablehnt, wird fertig gemacht (Vietnam durch USA, J. Ziegler durch Banken etc. etc.)

      Träumen Sie weiter in ihrer Matrix!
      3 5 Melden
  • Karl33 29.12.2016 13:56
    Highlight Interessant auch die Tatsache, dass das neoliberale System erstmalig (mit Hilfe der USA, whatelse) in einer Militärdiktatur etabliert wurde, in Chile. Für alle jene, die meinen, der gelobte freie Markt würde automatisch mehr Freiheit bringen.

    Und irritiertend, dass in den letzten Jahren, wer gegen Neoliberalismus kämpfte, rechts beinahe mehr Unterstützung fand als links. Hätten die Demokraten in den USA Sanders portiert, hätten wir heute eine linke Alternative zum Neoliberalismus. Jetzt kommt sie halt von rechts. Wird in Europa genauso sein.
    37 3 Melden
    • bernd 29.12.2016 15:55
      Highlight "Und irritiertend, dass in den letzten Jahren, wer gegen Neoliberalismus kämpfte, rechts beinahe mehr Unterstützung fand als links."

      Das hat zwar etwas, allerdings war diese Unterstützung meiner Ansicht nach höchstens bei der Benennung der Probleme vorhanden. Solange einzelne negative Auswirkungen des Neoliberalismus genannt wurden, waren tatsächlich eher die Rechten damit einverstanden. Hat man jedoch den Neoliberalismus als Ursache dieser Probleme benannt und konkrete Massnahmen vorgeschlagen, sind die Rechten dann rasch wieder als Befürworter genau dieser Ursachen aufgeflogen.
      11 2 Melden
  • Erdling.Nik 29.12.2016 13:52
    Highlight Toller Artikel!
    21 9 Melden
  • Soulrider 29.12.2016 13:48
    Highlight Oha. Mal ein richtig guter Artikel.
    53 10 Melden

Warum Portugal das bessere Deutschland ist

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