Wirtschaft
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epa04843420 Workers shout slogans and hold posters that read 'to get the minimum wage 4,000 Kyats (3.5 US dollars)' during a protest in Hlaing Thar Yar, Yangon, Myanmar, 12 July 2015. Hundreds of workers participate in the protest to get the minimum wage for an eight-hour day. Manufacturers from Myanmar Garment Manufacturers Association (MGMA), which represents 280 factories employing approximately 200,000 workers, has warned the possible shut-downs of their factories following the announcement of Myanmar's National Minimum Wage Committee on 29 June 2015 proposing that the minimum wage be set at 3,600 Kyats (3 US dollars) for an eight-hour day. Manufacturers said the minimum wage, claiming the increase could force at least over one hundred factories to close on September 2015.  EPA/NYEIN CHAN NAING

Selbst in Myanmar wird für einen höheren Mindestlohn demonstriert.
Bild: NYEIN CHAN NAING/EPA/KEYSTONE

Warum der Mindestlohn weltweit ein spektakuläres Comeback feiert

Grossbritannien führt den höchsten Mindestlohn der Welt ein. In US-Bundesstaaten wie Kalifornien und New York werden die tiefsten Löhne ebenfalls massiv in die Höhe geschraubt – und auch Deutschland macht damit beste Erfahrungen.



In diesen Tagen werden im Vereinigten Königreich die Mindestlöhne erhöht – und zwar drastisch. 7,20 Pfund Sterling beträgt die neue Untergrenze, das entspricht ziemlich genau zehn Franken. Der Lohn für die am schlechtesten bezahlten Angestellten wird damit vier Mal mehr erhöht als die übrigen Löhne. Bis ins Jahr 2020 wird der Mindestlohn gar auf neun Pfund angehoben werden.

«Eine erste Analyse zeigt, dass die schlecht bezahlten Arbeiter nun mehr Geld in der lokalen Wirtschaft ausgeben.»

Financial Times

Die Briten sind in bester Gesellschaft. In Kalifornien haben der Gouverneur Jerry Brown und die Gewerkschaften soeben einen Deal ausgehandelt, der vorsieht, den Mindestlohn bis 2022 stufenweise auf 15 Dollar (16,35 Franken) anzuheben. Nur so nebenbei: Die kalifornische Volkswirtschaft ist die achtgrösste der Welt.

Seattle macht gute Erfahrungen

Auch der Staat New York will die Untergrenze von 15 Dollar einführen. Der demokratische Präsidentschaftskandidat Bernie Sanders will sie zum nationalen Standard erheben (derzeit beträgt die Untergrenze 7,25 Dollar). Hillary Clinton plädiert für 12 Dollar, unterstützt aber die 15-Dollar-Grenze in Kalifornien.

Einzelne Städte wie Seattle oder San Francisco haben bereits die 15-Dollar-Grenze eingeführt – und machen damit gute Erfahrungen. «Eine erste Analyse zeigt, dass die schlecht bezahlten Arbeiter nun mehr Geld in der lokalen Wirtschaft ausgeben, so die lokale Nachfrage erhöhen und einen tugendhaften Kreislauf für Arbeitgeber und Arbeitnehmer in Gang setzen», schreibt die «Financial Times».

Gute Erfahrungen mit dem Mindestlohn macht derzeit auch Deutschland. Allen Unkenrufen zum trotz – bei der Verkündung des neuen Lohns von acht Euro heulten Arbeitgeber und konservative Ökonomen auf – befindet sich die deutsche Wirtschaft in Höchstform und die Arbeitslosigkeit auf einem Tiefststand.

«Der Mindestlohn war noch nie so populär wie heute. Die nächste Frage lautet daher: Wie weit kann man die Untergrenze noch anheben?»

Richard Dickens, Ökonom Uni Sussex

Höhere Mindestlöhne machen auch politisch Sinn

Höhere Mindestlöhne sind rund um den Globus ein brandaktuelles Thema geworden. Ob in konservativ regierten Ländern (GB) oder linksliberalen (Kalifornien), ob Japan oder Malaysia, überall werden die Untergrenzen angehoben. Wirtschaftsprofessor Richard Dickens von der Sussex University erklärt deshalb: «Der Mindestlohn war noch nie so populär wie heute. Die nächste Frage lautet daher: Wie weit kann man die Untergrenze noch anheben?»

Höhere Mindestlöhne sind nicht nur ökonomisch sinnvoll, sie sind auch politisch gerechtfertigt. Die Globalisierung hat den am schlechtesten bezahlten Arbeitern am meisten zugesetzt. Seit Jahrzehnten stagnieren deren Löhne im besten Fall, meist sinken sie sogar.

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Erklärt, warum das Prekariat zur neuen gefährlichen Klasse wird: Guy Standing.
YouTube/GUDU KASSA

Und die Anzahl der Menschen, die von dieser Entwicklung betroffen sind, nimmt weiterhin zu. Im Vereinigten Königreich bewegen sich neun Prozent im Bereich des Mindestlohns, in Deutschland leben gar 15 Prozent aller Erwerbstätigen in so genannt prekären Verhältnissen, will heissen: Sie verdienen lausig, sind mangelhaft versichert und können kurzfristig gefeuert werden.

epa05235620 Businessman and US Republican presidential candidate Donald Trump smiles as he participates in a Republican presidential candidates Town Hall event at the Riverside Theater in Milwaukee, Wisconsin, USA, 29 March 2016. Voters in Wisconsin go the polls in the winner take all Wisconsin primary on 05 April.  EPA/TANNEN MAURY

Held der neuen Entrechteten: Donald Trump.
Bild: TANNEN MAURY/EPA/KEYSTONE

Allmählich beginnt auch die Politik zu realisieren, dass mit dem Prekariat eine «neue gefährliche Klasse» entstanden ist, wie das der britische Ökonom Guy Standing in seinem gleichnamigen Buch beschreibt. (Mehr dazu in Kürze.) Die in der Regel unschuldig in diese misslichen Verhältnisse geworfenen Menschen beginnen sich zu wehren.

Das Politmonster für die Neoliberalen

Die sozialen und wirtschaftlichen Probleme lassen sich mit immer tieferen Steuern und Löhnen nicht mehr in den Griff kriegen. Donald Trump ist der beste Beweis dafür: Er ist zum Helden des neuen Prekariats geworden und lässt sich nicht mehr in die neoliberalen Standard-Rezepte einbinden. Deswegen ist er den republikanischen Strategen aus dem Ruder gelaufen. «The Donald» ist so zu einem Polit-Monster geworden, das sich die Neoliberalen selbst gebastelt haben.

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