Wirtschaft
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Donald Trump Zombie

Der Präsident als Zombie. Im Weissen Haus herrscht Chaos. Bild: shutterstock.com/watson

Kommentar

Dank Trump: Hollywoods Polit-Thriller-Horror-Show wird Realität

Ein anonymer Gastkommentar in der «New York Times» macht klar: Im Weissen Haus sitzt ein Irrer, der die USA in die schlimmste Krise seit Menschengedenken gestürzt hat.



Im Polit-Thriller «The Manchurian Candidate» versucht eine ehrgeizige Mutter, ihren Sohn mit Hilfe von mächtigen Geldgebern ins Präsidentenamt zu hieven. Der Plot scheitert im letzten Moment. Im Streifen «Sieben Tage im Mai» wollen US-Militärs den Präsidenten stürzen, weil dieser einen Abrüstungsvertrag für Atomwaffen unterzeichnen will.

Bild

Burt Lancaster in «Sieben Tage im Mai». In diesem Film planen die Generäle einen Militärputsch.

Polit-Thriller dieser Art gibt es wie Sand am Meer. Hollywood liebt es, uns zunächst zu erschrecken, um dann diesen Schrecken in einem Happy End aufzulösen. Nun aber wird die Fiktion von der Realität eingeholt. Gestern hat die «New York Times» einen Gastkommentar eines ranghohen Mitglieds der amerikanischen Regierung veröffentlicht. Es liest sich wie ein Drehbuch zu einem Polit-Thriller.

Hier ein paar Kernaussagen:

Der anonyme Schreiber gibt sich als konservativer Republikaner zu erkennen. Als sein Vorbild bezeichnet er den kürzlich verstorbenen Senator John McCain. Und er ist nicht allein: «In der Regierung gibt es eine heimliche Widerstandsgruppe von Menschen, die beschlossen haben, die Interessen des Landes an erster Stelle zu setzen», heisst es am Ende des Kommentars.

epa06990534 The casket of Senator John McCain, is carried down the steps of the US Capitol after the Memorial Service for Senator John McCain in Washington D.C., 01 September 2018. McCain died 25 August, 2018 from brain cancer at his ranch in Sedona, Arizona, USA. He was a veteran of the Vietnam War, served two terms in the US House of Representatives, and was elected to five terms in the US Senate. McCain also ran for president twice, and was the Republican nominee in 2008.  EPA/Marvin Joseph / POOL

Wurde mit militärischen Ehren zu Grabe getragen: John McCain. Bild: EPA/The Washington Post POOL

In den USA hat dieser Kommentar eingeschlagen wie eine Bombe. Nicht weil er etwas Neues enthüllt hätte, sondern weil er bestätigt, was alle schon wussten: Die Regierung von Donald Trump ist chaotisch, unfähig und korrupt.

«Wir alle haben das vom ersten Tag an gewusst», erklärt etwa der republikanische Senator Bob Corker. «Deshalb müssen wir alle fähigen Leute dazu ermuntern, im Umfeld des Präsidenten zu bleiben.» Corker tritt nicht mehr zur Wiederwahl an.

Gleichzeitig ist die Enthüllung erschreckend. Der Historiker Douglas Brinkley stellt in der «Washington Post» fest: «Dass jemand aus dem Inneren des Weissen Hauses erklärt, es gebe eine Widerstandsgruppe, die verhindern will, dass der Präsident irrationale und gefährliche Dinge tut, ist unglaublich.»

A copy of Bob Woodward's

Heisst «Angst» und verbreitet Angst: Das neue Buch von Bob Woodward. Bild: AP/AP

Unglaublich, aber wahr. Tags zuvor hat Bob Woodward in einem Vorabdruck seines Buches «Fear» Gleiches berichtet. So hat etwa Trumps ehemaliger Wirtschaftsberater Gary Cohn einen Brief vom Pult im Oval Office entfernt, um einen Handelskrieg mit Südkorea zu verhindern. Verteidigungsminister Jim Mattis hat derweil den Befehl, den syrischen Präsidenten Assad zu ermorden, schlicht ignoriert.

Mehr zum Inhalt des Buches:

Seit der Kommentar veröffentlicht worden ist, wird wild über den anonymen Verfasser spekuliert. Es handelt sich auf jeden Fall um eine hochrangige Persönlichkeit, wahrscheinlich aus dem Aussenministerium oder dem Sicherheitsbereich. Einem Handelsattaché in der Schweiz oder einem CIA-Bürochef in Chile hätte die «New York Times» niemals Anonymität gewährt.

Als mögliche Kandidaten werden UN-Botschafterin Nikki Haley, Aussenminister Mike Pompeo oder Sicherheitschef Dan Coats genannt. Selbst Mike Pence steht auf der Liste der Verdächtigen, weil im Kommentar der Begriff «lodestar» (Leitstern) vorkommt, ein Ausdruck, den der Vize gerne verwendet.

This image released by NBC shows Rachel Maddow, host of

TV-Moderatorin Rachel Maddow: «Es fühlt sich an wie das Ende von etwas.» Bild: AP/MSNBC

Zuerst das Begräbnis von John McCain als Anti-Veranstaltung zu Donald Trump. Dann das Buch von Woodward und jetzt der anonyme Kommentar in der «New York Times»: Die Amerikaner reagieren mit einer Mischung aus Schock und Ungläubigkeit. Typisch die Aussage von Rachel Maddow, der Starmoderatorin des TV-Senders MSNBC: «Es fühlt sich an wie das Ende von etwas, nur weiss ich nicht, was nun passieren wird.»

Trump selbst tobt und dementiert. Alles seien Fake News der «failing ‹New York Times›». Getweetet hat er «TREASON». Gleichzeitig verlangt er ultimativ, dass im Namen der nationalen Sicherheit die Identität des Schreibers umgehend bekannt gegeben wird.

Seine Gegner diskutieren derweil erneut über den 25. Zusatz der Verfassung. Dort wird festgehalten, dass ein Präsident gestürzt werden kann, wenn er nicht mehr in der Lage ist, sein Amt auszuführen. Klar ist: Die Situation ist unhaltbar geworden ist und muss bereinigt werden. «Auf die eine Art oder die andere», wie der anonyme Kommentator warnt.

«Schuldig» – Mit Licht und Worten gegen Trump

Video: srf

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