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Frauen und Geld

Warum es für dein Geld Schnuppe ist, wer die US-Wahlen gewinnt

Bringen die Wahlen besondere Chancen oder Risiken? Oder macht das alles langfristig für dein Geld gar keinen Unterschied? 3 Dinge, die du jetzt mit deinem Geld lieber nicht machen solltest.

Olga Miler
Olga Miler



Wochenlang prangen sie jetzt auf den Titelseiten: die US-Wahlen. Und füllen zusammen mit Corona die Schlagzeilen, Artikel, Webinare, Umfragen und Detailanalysen von Finanzinstituten. Trump dies, Biden das. Ich habe gelesen und mich durch Debatten, Berichte und Webinare durchgeschaut. Trotz all der Information (oder vielleicht gerade deshalb?) habe ich zwar viel über die USA als Land gelernt, wesentlich schlauer in Bezug auf mein Geld bin ich aber nicht geworden.

Was heissen diese US Wahlen denn wirklich für das Geld von ganz normalen Menschen? Ergeben sich daraus neue Chancen? Und muss ich jetzt irgend etwas anders machen? Hier sind ein paar Ideen als Gedankenanstoss:

Das waren die Prognosen von Anlegern vor den Wahlen

Die Prognosen waren vielfältig, vor der Wahl glaubten z.B. 37% der Top-Vermögensberatungsfirmen im Panel des Medienhauses CNBC an Biden, 20% prognostizierten Trump als Sieger, ein grosser Teil war unentschlossen. Im globalen UBS Investor Sentiment wünschten sich weltweit 54% aller Befragten Biden als Sieger (in der Schweiz sogar mehr als 2/3 der Befragten), 46% Trump. Worüber sich alle Prognosen einig waren: Am unvorteilhaftesten ist andauernde Unsicherheit, z.B. wenn sich die Stimmenauszählung in die Länge zieht und es zu chaotischen Verzögerungen und Anfechtungen kommt, so dass lange kein Sieger bestätigt werden kann.

Welchen Einfluss haben die US-Wahlen längerfristig auf dein Geld?

Der Einfluss der US-Wahl ist längerfristig verschwindend klein. Studien z.B. von Vanguard zeigen, dass die Aktienmärkte nur kurzfristig auf die Wahlen reagieren. So waren 2016, bei den letzten US-Wahlen, die Schwankungen (Volatilität) 100 Tage vor den Wahlen bei 0,39%, 100 Tage nach der Wahl bei nur noch 0,04% und 200 Tage danach bei 0,02%.

Ein Vergleich über die letzten 150 Jahre zeigt auch, dass es langfristig fast keinen Unterschied für die Rendite macht, ob Demokraten oder Republikaner am Hebel sind. Im Vergleich hat das Musterportfolio 8,2% unter demokratischen Präsidenten und 8,4% unter republikanischen Präsidenten erwirtschaftet. 72% der Investoren im UBS Investor Sentiment gaben an, ihre Anlagen unabhängig vom Ausgang der US-Wahlen anzupassen. Betrachtet man die Daten, ist die ganze US-Wahl längerfristig eigentlich eher ein Geld-Non-Event.

Gibt es Sektoren, Geografien, Industrien, die jetzt vielleicht profitieren?

Wenn Biden das Rennen macht, könnte das zusammen mit einem weltoffeneren Amerika und basierend auf seinen Wahlversprechen frischen Wind bringen für Sektoren wie z.B. Gesundheit, nachhaltige Energie- und Energieinfrastruktur. Interessant bleibt es bei den Technologiekonzernen wie Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon und Facebook. Allein diese 5 Giganten machen ca. 20% des S&P 500 aus, zählt man alle Tech-Konzerne des S&P 500 zusammen, sind es fast 40% des Wertes.

Obwohl sich aus den Wahlen vielleicht kurz- und mittelfristige Möglichkeiten ergeben könnten, für den langfristigen Vermögensaufbau spielen die langfristig grossen Herausforderungen wie Corona und Wirtschaftsentwicklung eine viel grössere Rolle: wie sich die Fiskalpolitik entwickelt und welche Sicherheit ein weltweiter Impfstoff wann bringen kann. Bei den von UBS befragten Investoren setzen diese unabhängig von den US-Wahlen auf den Gesundheitssektor (66%), G5 und digitale Infrastruktur (62%) und nachhaltige Wirtschaft (56%). Geografisch ist es gemischt, 55% sehen Chancen im Heimatmarkt, 49% setzen auf die USA und 47% auf Entwicklungsmärkte.

Ist jetzt ein guter oder ein schlechter Zeitpunkt zum Investieren?

Den optimalen Zeitpunkt gibt es nicht. Klar gibt es vielleicht günstigere Momente wie dieses Jahr im März, aber wirklich eine Glaskugel zum voraussehen, selbst mit jeder Menge Daten, hat niemand. Wer langfristig Geld anlegen möchte, braucht einen Grundoptimismus an den ökonomischen Zyklus, den Glauben daran, dass sich in einer längeren Zeitspanne die Märkte immer erholen und positiv entwickeln, wie es bisher über mehr als 100 Jahre der Fall war.

Das Experiment mit der Katze

Wer ist der bessere Anleger: Studenten, Profis oder Orlando, die Katze?

Im Jahr 2012 bekommen drei Gruppen in England bekommen je £ 5,000, um 12 Monate zu investieren. Alle 3 Monate können sie die Investitionen wechseln. Jede Gruppe entwickelt ihre Methode, die Katze tauscht die Aktien aus indem sie einen Ball an die Wand wirft. Nach 12 Monaten gewinnt Orlando, die Katze, vor den Profis und den Studenten.

Klar ist das ein spielerisches Experiment, aber was es zeigt ist, dass die Märkte vorherzusagen sehr schwierig ist.

Für Interessierte, zwei Bücher zum Thema:·
Klaus W. Wellershoff: «Plädoyer für eine bescheidenere Ökonomie»
Burton Malkiel: «A Random Walk Down Wall Street»

Für den langfristigen Vermögensaufbau mit Wertschriften brauchst du vor allem eine optimistische Grundhaltung, Zeit (10+ Jahre), eine breit diversifizierte und vor allem kostengünstige Anlage. Und die notwendige Gelassenheit.

3 Dinge, die du jetzt nicht mit deinem Geld machen solltest

Eine der grössten Herausforderung beim Geldanlegen ist, dass du Entscheidungen treffen musst mit vielen Daten aus der Vergangenheit und wenig Information für die Zukunft. Der grösste Feind aller Anleger ist die Unsicherheit und der oft daraus resultierende Herdentrieb. Genauso ein unsicherer Moment ist die US Wahl, mit vielen Vermutungen und Spekulationen. Die 3 häufigsten Fehler die passieren:

1. Dem Herdentrieb verfallen

Wenn du schon angelegt hast, dann machen die US-Wahlen im Zeitverlauf keinen riesigen Unterschied. Wenn du noch darüber nachdenkst, dann kann dieser Zeitpunkt sogar sehr günstig sein. Z.B. gestaffelt jeden Monat einen Betrag zu sparen.

2. Zu viel hin und her wechseln

Gerade bei kleineren Beträgen kostet es im Verhältnis zum angelegten Betrag immer viel Geld, wenn du deine Anlagen wechselst, daher vorher Kosten durchrechnen. Wechseln solltest du, wenn die bestehende Anlage gar nicht mehr als Thema zu dir passt, du dein Portfolio ausbalancieren musst damit die Verhältnisse stimmen oder deine Anlage zu teuer ist. Die Einsparung bei den Gebühren, vor allem über längere Zeit, machen die Kosten des Wechselns wett.

3. Nur auf kurzfristige Gewinne setzen

Klar gibt es verschiedene kurzfristige Chancen, aber die gibt es öfter. Nur auf kurzfristige Gewinne zu setzen oder alle Eier in einen Korb zu legen bringt dich langfristig nicht unbedingt weiter. Es kann eine gute Ergänzung sein, in vielen Studien belegt ist, dass es vor allem die langfristige Disziplin ist, die zum Erfolg führt.

Die US-Wahlen sind zwar spannend, auf deine langfristigen Geldentscheide muss es aber keinen grossen Einfluss haben. Wie seht ihr das?

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Olga Miler ...

... war über zehn Jahre in verschiedenen Funktionen bei der UBS tätig, unter anderem hat sie dort das Frauenförderungsprogramm Unique aufgebaut. Jüngst gründete sie das Start-up SmartPurse, eine Plattform, auf der sie digitale Kurse, Workshops und Coachings zum Thema Finanzen für Frauen anbietet. Ab dem 27. Januar wird uns Miler im watson-Blog «Frauen und Geld» an ihrer Expertise teilhaben lassen.

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