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bild: watson

Von der Grinsekatze bis zu Mona Lisas Geheimnis: Eine kleine Geschichte des Lächelns

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«Schaust du mich aus deinen Augen
lächelnd wie aus Himmeln an,
fühl' ich's wohl, dass solche Sprache
keine Lippe führen kann.»

Joseph von Eichendorff​

Das Engelslächeln lächelt der Mensch bereits, wenn er noch ganz winzig ist. Allerdings handelt es sich dabei schlicht um einen angeborenen Muskelreflex. Nur die Mundwinkel des Babys werden hochgezogen. Es ist noch nicht das echte Lächeln, das Duchenne-Lächeln, bei dem auch die liebenswürdigen Krähenfüsse ums Auge tanzen. Das Reflex-Lächeln geschieht nicht bewusst, es ist noch niemandem gewidmet. Es legt sich ebenso auf die Gesichtlein von blinden Babys, die noch nie einen anderen Menschen haben lächeln sehen. 

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Das Vor- oder Engelslächlen eines sechs Tage alten Babys. Meist verzieht dieser angeborene Reflex das kleine Gesichtlein im Schlaf zu einem Lächeln. Ab der vierten Woche folgt das allgemeine Lächeln und schliesslich das bewusst gewählte, an bestimmte Personen gerichtete Lächeln. bild: shutterstock

Primatologen verfolgen dieses Lächeln über 30 Millionen Jahre zurück bis zu den «angstgrinsenden» Affen, die sich so dominanteren Mitgliedern der Gruppe unterwarfen oder Raubtieren ihre Harmlosigkeit signalisierten. 

Dieses Feindschaft vernichtende Reflexlächeln entwickelte der Mensch weiter – zum ersten bewussten Lächeln, das ein Kind seiner Mutter schenkt, zum strahlenden Lächeln eines Schwerverliebten, bis hin zum berufsbedingten Dauerlächlen der Flugbegleiterin.

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Im Englischen gibt es fürs gestellte Lächeln den Ausdruck «Pan Am Smile», nach der ehemaligen Pan American World Airways Fluggesellschaft benannt, deren Flugbegleiterinnen jeden Passagier auf dieselbe Art und Weise anlächelten. bild: luxurylaunches

Auch das gestellte Lächeln ist angeboren, wie eine Studie mit Judo-Olympia-Siegern ergeben hat. Sowohl sehende als auch blinde Teilnehmer zeigten das soziale Lächeln ohne Augenbeteiligung kurz nach dem verlorenen Kampf und ebenso, als sie auf dem Podest «nur» ihre Silbermedaillen entgegennahmen.

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Ein Lächeln kann alles bedeuten – und überall auf der Welt etwas anderes. In manchen Gebieten Asiens ist es Ausdruck von Scham oder emotionalem Schmerz. Wer in der Sowjetunion fremde Menschen in der Öffentlichkeit anlächelte, galt als höchst suspekt. Und selbst dort, wo ein Lächeln als Ausdruck der Freude gilt, kann sich dahinter alles andere als eine wohlwollende Absicht verbergen. 

Wenn Tiere ihre Zähne zeigen, ist das als Drohung aufzufassen, während Menschen fähig sind, andere mit einem müden Lächeln abzuspeisen oder mit einem falschen Lächeln zu verhöhnen. Womit wir schon beinahe beim Grinsen angekommen wären, dem provokanten Bruder des Lächelns. Oft ist es hämisch, fies und wird benutzt, dem Adressaten Verachtung entgegenzubringen.

Der Grinser erscheint zynisch bis arrogant, selten ist seine perfid verzogene Visage Ausdruck von Unsicherheit – was wir dann gemeinhin als «dümmliches Grinsen» wahrnehmen.

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Die Cheshire Cat (dt. Grinsekatze) aus Lewis Carrolls «Alice in Wonderland» in der Originalillustration von John Tenniels, 1865. Sie grinst dauernd und wenn sie plötzlich verschwindet, bleibt ihr Grinsen da. bild: wikimedia

Die Grinsekatze aus «Alice in Wonderland» ist weder eine böse noch eine dümmliche Figur, undurchsichtig ist sie aber zweifellos, gerade weil sie immer grinst. Andauerndes Lächeln wirkt unecht, nicht nur weil es irgendwann zum Wangenkrampf führt, sondern auch weil das echte Lächeln vielmehr eine spontane und flüchtige Reaktion auf etwas oder jemanden ist. 

Zudem ist ein Lächeln nicht immer angebracht. Weshalb der gemeine Psychopath in Filmen mit Vorliebe beim Morden lächelt. Vielleicht tut er das auch beim Abwasch, dann aber nur, weil er dabei an seinen maliziösen Tötungsplan denkt. Was ihn selbstredend erheitert – den kranken Mann, der kein Mitgefühl kennt.

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Javier Bardem als Anton Chigurh in «No Country for Old Men» der Coen Brothers, 2007. 

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Jack Nicholson als Jack Torrance in Kubricks «Shining», 1980.

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Anthony Perkins als Norman Bates in Hitchcocks «Psycho», 1960.

Der Psychopath bricht mit den Konventionen, sein Lächeln ist nicht mehr in der üblichen Weise lesbar. 

Das ist das eigentlich Unheimliche daran. Ein ähnliches Unbehagen können Clowns mit ihrem aufgemalten Lächeln auslösen. Was mag sich unter der Schminke verstecken?

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Der Clown in Stephen Kings «It» meint es beispielsweise weniger gut.

Das unlesbarste Lächeln der Geschichte ist allerdings für eine Frau reserviert. Einer in Öl gemalten Dame, deren Identität bis heute ungeklärt ist. 

Über da Vincis Mona Lisa sind schon abertausende Seiten geschrieben worden, doch keine einzige davon hat je das Geheimnis um ihr Lächeln gelüftet. Fast scheint es, als habe der italienische Meister sie eigens in einen nebligen Dunst eingehüllt, um Kunsthistoriker zu frustrieren. 

Mona Lisa lächelt seit ca. 1503 ihre Betrachter an. Seither gibt es nichts, was nicht in sie hineininterpretiert worden wäre. bild: wikimedia

Ist es eine Gesichtslähmung, die sie so lächeln lässt? Oder hat sie am Ende gar ihre Schneidezähne verloren? Im 19. Jahrhundert ergötzte sich der französische Autor Théophile Gautier an ihrem sinnlich schlangenhaften Eva-Mund, während der englische Essayist Walter Pater sabberte:

«Die Gestalt, die hier so seltsam neben den Wassern auftaucht, drückt die Erfüllung eines tausendjährigen Begehrens des Mannes aus.»

Walter Pater (1811–1872) 

Auf Porträtmalereien wurde über Jahrhunderte nicht gelächelt. Das lag aber nicht unbedingt daran, dass man sich seiner schlechten Zähne schämte, denn diese hatten alle und sie schmälerten die Attraktivität eines Menschen nicht. Es ging vielmehr darum, eine entspannte Mimik zu wählen, da man für ein Gemälde lange Zeit Modell stehen musste.

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Das Skandalöse an Caravaggios «Amor als Sieger» (1602) war nicht die Blösse des Jungen, sondern sein lüsternes Lächeln, das laut den Empörten die Homosexualität feierte. bild: wikimedia

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Die Frau, die sich lächelnd darstellte und damit einen Skandal heraufbeschwörte: Madame Vigée-Lebrun auf einem Selbstporträt mit ihrer Tochter, 1787. bild: wikimedia

Ein echtes Lächeln kann niemand lange halten, es ist eine Antwort auf etwas, kein eigenständiger Ausdruck an sich. Weshalb es selbst von der modernen Kamera niemals mit dem Befehl «Cheese» eingefangen werden kann. 

Auf den Bildern des 17. Jahrhunderts lächeln und lachen nur die Plebejer, die Armen, die Betrunkenen und Verrückten, die Künstler, die Unschuldigen und Narren. Wer adligen Geblüts war, zeigte keine Zähne. Das hätte die Etikette verletzt. 

«Es gibt Leute, die ihre Oberlippe so fest hochziehen, dass ihre Zähne dabei fast vollständig sichtbar sind. Das steht im völligen Widerspruch zum Decorum, der es ihnen verbietet, ihre Zähne freizulegen, da die Natur uns Lippen gegeben hat, um sie zu verbergen.»

Die Regeln des christlichen Decorum, 1703

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Die niederländischen Maler waren am vollen, blühenden Leben interessiert, das sich besonders in den unteren, weniger verkrampften Schichten zeigte. Deshalb findet man in ihren Bildern lächelnde Menschen: Links, das Geld zählende Mädchen und rechts, sie explizit anlächelnd, der glückliche Violinist von Gerrit Honthorst. Auf seinen Bildern gibt es keine Distanz mehr zwischen Maler, seinen Sujets und dem Betrachter. 

Ein Porträt war ein auf Leinwand verewigtes Ideal. Das Ziel war nicht, einen schönen oder lustigen Moment festzuhalten, man wollte vielmehr als moralisch integer, als tugendhafter Mensch erscheinen. Lächeln ist da nicht besonders hilfreich.

Auch für den 16. Präsidenten der Vereinigten Staaten nicht. Abraham Lincoln war für seinen Humor bekannt, doch die Sklaverei liess sich mit Witzen nicht abschaffen.

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Der ernste US-Präsident im berühmten Gettysburger Porträt von 1863 vs. der weniger ernste, onkelhafte und private Abraham Lincoln. bild: wikimedia

«Ein Foto ist ein sehr wichtiges Dokument, und es gibt nichts Vernichtenderes als ein dummes, närrisches Lächeln, das eingefangen und für immer festgehalten wird.»

Der ebenso humorvolle Mark Twain

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Vom 44. Präsident der USA haben wir unzählige Bilder, auf denen er herzhaft lacht. bild: ap

Heute ist ein Foto keine Rarität mehr, was auch den Umgang damit sehr viel entspannter gemacht hat. Man besitzt etliche ernste und lächelnde Bilder von sich, und die meisten haben inzwischen sogar äusserst vorzeigbare Zähne. 

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Das Zahnpasta-Lächeln gelächelt von leicht unheimlichen Kindern auf einer Crest-Werbekampagne aus dem Jahr 1959. bild: fluorideexposed/watson

Das Lächeln auf Fotos verschwindet nicht, nur wird es teilweise von irgendwelchen kurzlebigen Social-Media-Trends wie dem «Duckface» oder dem «Fish Gape»-Mund unterbrochen. 

Bloss einer lächelte sich ungebrochen durch die Jahrhunderte. Und das ist Buddha. Bereits auf den frühesten Darstellungen zeigt der Religionsstifter sein sanftes, heiteres Lächeln.

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Eine Darstellung von Buddha aus der Ming-Dynastie, China, 15. Jahrhundert. bild: pinterest

«Der Buddha lächelte und bunte Lichtstrahlen reichten von diesem Lächeln bis zu den Göttern im Himmel und zu den verschiedenen Höllen, wo Wärme den Leidenden in den kalten Höllen Erleichterung brachte, ebenso wie seine Kühle denjenigen in den heissen Höllen Erleichterung brachte.»
Legende des Königs Ashoka

Buddha hat alles Menschliche abgestreift, er ist nicht mehr länger an diese Welt gebunden. Er lächelt ein glückseliges Lächeln. Doch bleibt es für den Betrachter letztlich unergründlich.

Es ist dieses letzte Stück Geheimnis, das das Lächeln nicht preisgibt – und das uns so magisch anzieht. 

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