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Was passiert, wenn du entschlackst und dein Chef die Redaktion verlässt

Entschlacken muss man durchziehen – auch wenn der Chef in derselben Woche verschwindet. Mein Ausflug in die Welt der Körnlipicker.  



Am Dienstag hab' ich meinen Chefredaktor verloren. Hat er sich verdünnisiert, der Hansi. Mal eben so: «Tschau zäme!»

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bild: giphy

So hat er ausgesehen. Sicher nicht ich!

Jedenfalls stand um zwölf Uhr der erste Pitcher Bier auf unserem Mittagstisch. Wir sassen so da, irgendwer hat Hansis letzte Worte vorgelesen, andere haben bitz ihre Pasta mit den Gabeln malträtiert und jeder hat auf sein Handy gestarrt – Branchenmagazine, Twitter und so («#HansiVoigt trendet!»). Freunde und Verwandte so:

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Bild: watson

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Oder auch so: 

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Bild: watson

Und die Sonne hat völlig pietätlos über das Ganze hinweggeschienen: 

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Bild: watson

Das war aber überhaupt nicht das Schlimmste an diesem Tag!

Es war auch nicht das Schlimmste, dass mein Kopf dröhnte, der Schmerz tief aus dem Nacken kam und in meinen ganzen Schädel strahlte. Das Schlimmste war, dass ich diesen schönen Pitcher voller Goldsprudel nicht mal anrühren durfte!

Ich entschlacke. Seit Montag. Säure-Basen-Kur. Die Kopfschmerzen kommen vom Koffein-Entzug. Sagt man. Die schlechte Laune wahrscheinlich vom Alkohol-Entzug. 

Jetzt sitze ich hier – prämenstruell, aber wenigstens entschlackt – und warte darauf, bis ich endlich mein Weisskohl-Curry mit Quinoa essen darf.

Quinoa! 

Birkensaft!

Leinsamen! 

Kokoswasser!

Es gibt Leute, die diesen Mist lieben. Ich bin dann eher so:

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bild: watson

Doch jetzt verzichte ich für zwei Wochen auf Zucker, Kaffee, Alkohol, Milchprodukte, Fleisch, Pasta, Brot, Reis und alles mögliche, das säuert – und Spass macht. Heisst also: Gemüse, Gemüse, Gemüse! Bio-Gemüse, versteht sich. Und ständig Zitronensaft.

Ich bin jetzt so eine, die noch kurz die Nährwert-Tabelle checken muss. So eine, die nachfragt, ob die getrockneten Feigen denn gezuckert sind. So eine, die beim Mittagessen die Teller der anderen angeilt.

Alles hat damit angefangen, dass ich mit Debbie zusammengezogen bin. Debbie ist so eine, die diesen Mist liebt. Am Wochenende hab' ich gesehen, wie sie im Laden ein neues «Green Detox»-Smoothie-Pulver anguckt, als wäre es das neue iPhone 7. Debbie ist die beste Mitbewohnerin, die ich je hatte. 

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Debbie. Im Bioladen. bild: watson

Am Samstag hat sie mich dann in die Geheimnisse der Körnlipicker eingeweiht. Die Gemeinschaft der Körnlipicker hat eigene Räume – Reformhäuser und Bioläden. «Hier kannst du auch einfach mal hin um dich inspirieren zu lassen», sagt Debbie.

Die Körnlipicker haben auch eigene Websites. Auf Zentrum-der-Gesundheit.de suchen wir Säure-Basen-Rezepte raus. «Wenn du so isst, wirst du spüren, was das Essen mit deinem Körper macht. Du wirst wissen, was gut für dich ist», sagt Debbie.

Die Körnlipicker haben Schriften, Foren und Mantras: «Du wirst eine Energie spüren, die du noch nie gekannt hast», sagt Debbie. Langsam kommt sie mir vor wie mein Guru. Und ich habe Lust mitzugehen. 

Also kochen wir frisch, plantschen zwei mal Pro Woche im Basen-Bad, messen unser Pipi auf pH-Wert (mein Pipi ist nie gut. Ich kann nicht auch noch sofort auf das Rauchen verzichten!), machen jeden Tag Sport um die Schlacken rauszuschwitzen und trinken morgens Birkenherb Aktiv und Leber-Gallen-Tropfen. 

Das Kur-Programm: 

Als ich Debbie das erste Tomaten-Basilikum-Salötli mit Quinoa an Pilzsauce mit Mandel-Sahne und Spargel serviere, ist sie stolz: «Du wirst noch zum Profi!»

Werde ich wohl nicht. Aber die Kur fühlt sich trotz allem gut an. Inspiration für neue Gerichte werde ich von der Körnlipicker-Gemeinde wohl mitnehmen. Und vielleicht ist es auch nur die Freude über meine eigene Selbstdisziplin, aber ich fühle mich in den letzten Tagen ausgeschlafener als auch schon, auch wenn ich tendenziell wie immer zu knapp schlafe. Ich habe keine Mühe beim Einschlafen und meine Haut sieht besser aus. Die Kopfschmerzen gehen nach drei Tagen tatsächlich weg.

Es ist geil, seine Gewohnheiten für einmal zu unterbrechen, einen Schnitt zumachen, etwas Neues auszuprobieren. Ich zieh' das jetzt noch mindestens zwei Wochen durch und denke nicht daran, aufzugeben – schon gar nicht nur weil mein Chef nicht mehr da ist. Besaufen kann ich mich ja später wieder. <3 

The. Show. Must. Go. On.
Und das wird sie.
Sowasvon. 

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