Schweiz

Model des Projekts «Clean Space One». Bild: EPFL / Jamani Caillet

Diese 10 Innovationen aus der Schweiz haben die Welt verändert – oder werden es noch tun

07.08.17, 11:08 10.08.17, 11:49

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Wenn der Weltuntergang kommt, so behauptet ein alter Witz, muss man in die Schweiz gehen – dort geschieht nämlich alles zehn Jahre später. In gewissen Dingen, man denke an das Frauenstimmrecht, ist das sogar eine Untertreibung. Doch die Schweiz kann auch anders. Eine Vielzahl von Innovationen und Erfindungen beweisen, dass in diesem Land nicht nur Kühe und Bankkonten gedeihen.

Comics

Vergiss Disney. Vergiss sogar Wilhelm Busch oder «Little Nemo» von Winsor McCay: Lange vor ihnen gab es Rodolphe Töpffer. Der Genfer zeichnete schon 1827 komische Bildgeschichten, die ab 1833 publiziert wurden und über die Goethe sagte: «Es ist wirklich zu toll! Es funkelt alles von Talent und Geist! Einige Blätter sind ganz unübertrefflich!» 

«Monsieur Cryptogame»: Eine der Figuren aus dem frühen Comic-Universum von Töpffer.  Bild: Wikimedia

Töpffer verwendete als einer der ersten Panels, er entwickelte die Bildsprache des jungen Mediums weiter und experimentierte mit Bildgrössen und Speedlines. Zusammen mit dem schottischen Magazin «The Glasgow Looking Glass», das 1825 erstmals erschien, ist Töpffer der Begründer der Comic-Tradition. 

Turbolader

«Turbo» – das Kurzwort verheisst Leistung und Schnelligkeit. Und es steht für eine Schweizer Erfindung, die schon über 100 Jahre alt ist: 1905 meldete der Ingenieur Alfred Büchi ein Patent für den Turbolader an. Diese «Gleichdruck- oder Stauaufladung» kam in den 30er-Jahren erstmals in Strassenfahrzeugen zum Einsatz.

Leistungssteigerndes Mittel: Turbolader am Motorblock eines Lastwagens. Bild: Wikimedia

Der Turbo, wie er bald umgangssprachlich genannt wurde, macht die Abgase eines Verbrennungsmotors nutzbar, indem sie eine Turbine antreiben, die wiederum einen Verdichter antreibt, der die angesaugte Luft vorverdichtet. Damit steigt der Wirkungsgrad des Motors deutlich.

Gleich geht's weiter mit den Schweizer Innovationen, vorher ein kurzer Hinweis:

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Und nun zurück zu unseren Erfindungen ...

Kaba-Schlüssel

Schon 1862 stellte Franz Bauer in Zürich-Unterstrass feuerfeste Geldkassen her. Ab 1918 produzierte die Firma nach diversen Turbulenzen und Übernahmen in Wetzikon Sicherheitsschlösser. Die entscheidende Innovation aber kam 1934: Kaba 8. Erfinder dieses Schlüssels ohne Bart und Zacken, der sich auch umgedreht ins Schloss einführen liess, war der Werkleiter Fritz Schori.

Schliesstechnik revolutioniert: Schlüsselproduktion in Wetzikon.  Bild: KEYSTONE

Der Wendeschlüssel mit Senkbohrung machte nach dem Zweiten Weltkrieg aus der mittelständischen Firma einen börsennotierten Konzern mit tausenden von Mitarbeitern weltweit. Erfinder Schori erlebte diesen Erfolg nicht mehr mit – er starb 1945. 

Stewi

Vielleicht erfand Walter Steiner den Wäscheschirm Stewi (das Kurzwort steht für «Steiner Winterthur»), weil er als Junge seiner Mutter mühsam die Wäscheleine aufspannen und mit Stangen stützen musste. Auf jeden Fall wurde aus der Wäschespinne, die Steiners 1947 gegründete Firma herstellt, ein Kultobjekt.

Zieren die Gärten in der ganzen Schweiz: Stewis. Hier in Wolfenschiessen NW. Bild: KEYSTONE

«Stewi bringt der Hausfrau gute Laune», so lautete der Werbeslogan, und tatsächlich steht das praktische Ding heutzutage in den Gärten fast der gesamten Schweiz. Ab 1962 kam der Wäscheständer für drinnen dazu. 

«Pascal»

Eine ganze Generation von Programmierern ist mit «Pascal» gross geworden. Entwickelt hat die Programmiersprache Niklaus Wirth. Der Elektroingenieur und Informatiker lehrte an der ETH, baute «Lilith», den ersten Personal Computer (PC) der Schweiz, und bildete die erste Generation von Informatikern aus.

Diese Sprache versteht der Rechner: In Pascal verfasster Programmiercode. Bild: Wikimedia

Bereits während seines Studiums an der Universität von Kalifornien in Berkeley entwickelte Wirth mit «Algol W» eine Programmiersprache, 1970 folgte dann «Pascal». Diese heute noch verwendete Programmiersprache brachte ihm Weltruhm und ein Dutzend Ehrendoktortitel ein. Auch nach seiner Pensionierung hat Wirth weiter an Programmiersprachen gearbeitet – zuletzt an einer Neufassung von «Oberon», das er schon 1988 entwickelt hatte. 

Kaffeekapseln

Kaffeekapseln sind ein Wachstumsmarkt: Mittlerweile beträgt ihr Anteil 17 Prozent an den Verkäufen. Dabei hatte das System einen schlechten Start: 1976 patentiert, aber erst zehn Jahre später auf den Markt geworfen, waren die Kapseln zunächst ein Flop. Als der Erfinder Eric Favre seinen Vorgesetzten beim Nahrungsmittelkonzern Nestlé das neue System vorführte, waren diese alles andere als begeistert. «Sie hatten Angst, dass das Produkt dem Nescafé Konkurrenz machen würde», erinnert sich Favre.

Revolution in der Kaffeewelt: Mittlerweile gibt es neben den Nespresso-Kapseln eine ganze Reihe von Konkurrenzprodukten.  Bild: Shutterstock

Obwohl man ihm verboten hatte, weiter daran zu arbeiten, entwickelte Favre das Kapselsystem weiter – bis er die Konzernspitze davon überzeugen konnte. Der kommerzielle Erfolg stellte sich allerdings erst ab den 90er-Jahren ein, nachdem Nestlé Favre ausgebootet hatte. Der gründete flugs sein eigenes Kaffeekapsel-Unternehmen. Mittlerweile teilt sich eine ganze Reihe von Kapselanbietern den Markt auf. 

Rastertunnelmikroskop

Seit 1981 kann man einzelne Atome beobachten. Das verdanken wir dem Rastertunnelmikroskop, das damals erfunden wurde. Gerd Binnig und Heinrich Rohrer vom IBM-Forschungslabor in Rüschlikon bauten das Gerät, um damit Unregelmässigkeiten in dünnen Oxidschichten auf Metalloberflächen zu studieren. 1986 erhielten die beiden für ihre Erfindung den Nobelpreis für Physik.   

Nobelpreiswürdig: Das erste Rastertunnelmikroskop von Binnig und Rohrer.  Bild: Wikimedia/J Brew

Das Rastertunnelmikroskop kann Unregelmässigkeiten einer Oberfläche im Nanobereich messen, indem eine elektrisch leitende Spitze in einem Raster über die ebenfalls leitende Probe gefahren wird. Der Abstand ist dabei so klein, dass die Elektronenwolken der Atome sich berühren. Elektronen können daher von der Probe zur Spitze fliessen («tunneln»). Der schwache Strom, der dabei fliesst, ist messbar; seine Stärke hängt von der Distanz zwischen Spitze und Probe ab. Aus den einzelnen Linien des Rasters kann dann ein dreidimensionales Bild zusammengesetzt werden.  

Doodle

Michael Näf wollte mit seinen Freunden zusammen essen gehen, aber die Suche nach einem Termin, der allen genehm war, gestaltete sich schwierig. Da erfand der Informatiker kurzerhand einen Online-Terminplaner, mit dem die Nutzer sich schnell und unkompliziert über einen gemeinsamen Termin abstimmen können. Das war 2003.

Vom Hobby-Projekt zur Firma: Der Online-Terminplaner Doodle. Bild: KEYSTONE

Als gut drei Jahre später bereits 200'000 Nutzer pro Monat auf den Dienst zugriffen, machte Näf aus seinem Hobby-Projekt eine Firma. 2007 gründete er mit dem Elektroingenieur Paul Sevinç die Online-Plattform Doodle (zu deutsch «Gekritzel»). 2015 griffen pro Monat bereits 20 Millionen Menschen auf Doodle zu. Heute gehört die Firma mehrheitlich der Tamedia AG. 

Clean Space One

Ein Schweizer Putzdienst fürs All – wäre es nicht wahr, man würde glauben, es sei ein Witz. Aber tatsächlich sind Forscher des Swiss Space Center an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (EPFL) in Lausanne damit beschäftigt, eine Mission ins All vorzubereiten, die dort mal tüchtig aufräumen soll. Denn im Orbit um die Erde kreisen mittlerweile gewaltige Mengen Weltraumschrott, der für die Raumfahrt zunehmend eine Gefahr darstellt.

Clean Space One: Mit einem Netz auf Satellitenfang im All.  Video: YouTube/École polytechnique fédérale de Lausanne (EPFL)

«Clean Space One», wie der Mini-Satellit heisst, soll nach seiner Lancierung im Jahr 2018 zunächst zwei kleine Schweizer Forschungssatelliten einfangen, die am Ende ihrer Lebensdauer angelangt sind. Bei Erfolg könnten dann weitere Missionen folgen. Der Mini-Orbiter ist nur wenig grösser als seine mit 28'000 Kilometer pro Stunde durchs All rasende «Beute». Nachdem er diese mit einer Art Netz eingefangen hat, erfolgt ein kontrollierter Absturz und die beiden Flugkörper verglühen in der Atmosphäre. 

Rotes Kreuz

Das Rote Kreuz ist so schweizerisch geprägt, dass es sogar unsere Nationalfahne übernommen hat – einfach als Negativ. Begründer der ältesten und wichtigsten humanitären Organisation der Welt war der Genfer Geschäftsmann Henry Dunant.

Henry Dunant: Eine Büste des Rot-Kreuz-Gründers vor der Fahne der Hilfsorganisation. Bild: KEYSTONE

Er rief 1863, traumatisiert von den Schrecken, die er bei der Schlacht von Solferino erlebte, das «Internationale Komitee der Hilfsgesellschaften für die Verwundetenpflege» ins Leben, aus dem das «Internationale Komitee vom Roten Kreuz» (IKRK) entstand. Obwohl seit 1993 auch Nicht-Schweizer im Komitee Einsitz nehmen dürfen, ist dessen Mehrheit nach wie vor solide schweizerisch. 

Passend dazu: Warum zum Henker haben diese 23 Erfindungen die Welt nicht im Sturm erobert?

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Brikne, 20.7.2017
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  • Dantus 12.08.2017 15:25
    Highlight Die Programmiersprache Pascal wird heute praktisch nicht mehr verwendet und obwohl sie natürlich einen gewissen Einfluss auf andere Programmiersprachen hatte, ist es etwas weit hergeholt zu behaupten, sie habe die Welt verändert.
    0 4 Melden
  • pedrinho 09.08.2017 15:10
    Highlight es sind die "kleinen erfindungen", die meine kleine welt versüssen
    22 0 Melden
  • Ürsu 08.08.2017 08:37
    Highlight riri der Reissverschluss
    18 2 Melden
    • velolove 08.08.2017 22:56
      Highlight Nein, den Reissverschluss hat ein Amerikaner Erfunden. Riri war nur der erste erfolgreiche Produzent.
      7 0 Melden
  • Liberté 08.08.2017 07:26
    Highlight Interessant!
    7 0 Melden
  • IchHabeAuchNeMeinung 07.08.2017 22:55
    Highlight Ricolaaaaaa!!!
    13 2 Melden
  • jayjay325 07.08.2017 20:44
    Highlight Naja... dann seht mal was die Israelis in ihrem erst 70 jährigen bestehen alles erfunden haben! und dann keine unbedeutenden inovationen!!! und die einwohnerzahl ist identisch. und das ganze in ständiger Krisenzeit...
    12 95 Melden
    • _helmet 10.08.2017 09:19
      Highlight was denn?
      3 0 Melden
  • CASSIO 07.08.2017 19:20
    Highlight eine der wichtigsten, wenn nicht die wichtigste "erfindung" ging vergessen: das conchieren! danke an rudolphe lindt und ein hoch auf ihn!
    50 2 Melden
  • α Virginis 07.08.2017 17:16
    Highlight Da fehlt meiner Meinung nach auch noch Albert Einstein. Immerhin hat er in seinen "Schweizer Jahren" (1895-1914) die Ausbildung (Aarau) und das Polytechnikum Zürich absolviert. 1901 wurde ihm die Schweizerische Staatsangehörigkeit gewährt, seine berühmte Formel E = mc² wurde 1905 postuliert und auch der langen Weg von der speziellen zur allgemeinen Relativitätstheorie fand hier in der Schweiz statt. Naja, Puristen würden sagen, dass Einstein kein gebürtiger Schweizer war, aber er WAR Schweizer, zwar eingebürgert, aber das sind wir schlussendlich irgendwie alle.
    28 8 Melden
    • velolove 08.08.2017 22:58
      Highlight ja aber hat ja aber entdeckt, nicht erfunden...!?
      5 1 Melden
  • undduso 07.08.2017 16:13
    Highlight Zum Turbolader: "Damit steigt der Wirkungsgrad des Motors deutlich."
    Der Wirkungsgrad eines Verbrennungsmotors, insbesondere beim Dieselmotor, kann, bei richtiger Dimensionierung, durch den Einsatz eines Turboladers tatsächlich ein wenig gesteigert werden. Jedoch wird ein Turbolader mehrheitlich für eine deutliche Leistungssteigerung bei gleichbleibender Motorengrösse ei gesetzt. Wieso sollte es ansonsten, in Zeiten in denen eine möglichst hohe Effizienz angestrebt wird, noch Autos ohne Turbo geben?
    29 7 Melden
  • Guetzli 07.08.2017 15:03
    Highlight Fondue!
    24 5 Melden
    • Hoppla! 07.08.2017 20:41
      Highlight Da ist man sich etwas uneinig.
      9 6 Melden
  • Hempoli 07.08.2017 14:58
    Highlight Den Robidog habt ihr vergessen ^^ Wenn ich mich zwar umsehe scheint seine Zeit auch vorbei.
    45 1 Melden
  • Samuel Polley 07.08.2017 14:47
    Highlight The next big key revolution is also happening in Switzerland with the Stealth Key. It is a cool 3D printed key which can not be 3D scanned and printed.
    6 5 Melden
    • amIsanta 08.08.2017 23:45
      Highlight Und du arbeitest da, wie?
      5 1 Melden
  • LarsBoom 07.08.2017 13:38
    Highlight Wo bleibt der Klettverschluss? Der ist in der heutigen Welt wirklich nicht mehr wegzudenken.
    68 2 Melden
  • El-Flaco 07.08.2017 12:59
    Highlight LSD ..?
    141 3 Melden
  • BoomBap 07.08.2017 12:54
    Highlight Saurer war doch auch weltführend in der Dieselmotorenentwicklung für NFZ oder nicht?

    PS: Dank Heinrich Rohrer hat Buchs SG einen Nobelpreisträger 💪
    33 4 Melden
  • pasch013 07.08.2017 12:45
    Highlight Und was ist mit dem birchermüesli?
    60 5 Melden
  • Walter Sahli 07.08.2017 12:21
    Highlight Die Liste ist aber unvollständig. Wir haben noch viel mehr erfunden. Z.Bsp. das hier:
    22 9 Melden
  • Kopold 07.08.2017 11:38
    Highlight Stewi ist erfolgreich und hierzulande allgegenwärtig.
    Erfunden hat Herr Steiner das Ding aber nicht, nur weiter entwickelt.
    Die Australier und Briten streiten sich um die Erfindung, aber auf jeden Fall ist das erste Britische Patent dazu etwa gleich alt wie Herr Steiner...
    35 3 Melden
    • Hempoli 07.08.2017 19:23
      Highlight Doch wir Schweizer haben den Stewi erfunden. So wie Apple das Smartphone erfunden hat ^^
      22 2 Melden

Die vergessenen Jahre des Terrors: In den 70ern und 80ern zogen Terroristen eine Blutspur durch Europa

Weltweit gab es seit 1970 über 156'000 Terroranschläge. In der Schweiz ist seit 20 Jahren niemand mehr einem Attentat zum Opfer gefallen. Doch in den 70er- bis 90er-Jahren ermordeten Terrorgruppen teils Hunderte Menschen jährlich in Westeuropa. Eine Übersicht von 1970 bis Manchester 2017.

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