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Ein Doppelhalter für den «König von Rom». Bild: Andrea Staccioli/freshfocus

Die ewige Stadt huldigt dem ewigen König: Mille grazie, Francesco Totti!

Abgedroschen, aber einfach wahr: Der Fussball schreibt immer noch die schönsten Geschichten. Francesco Totti ist bei der AS Roma auf dem Abstellgleis. Aber auch als 39-jähriger Einwechselspieler überstrahlt die Ikone noch alles.

21.04.16, 08:53 21.04.16, 10:27

Viel Fussball gestern Abend. Der FC St.Gallen siegt endlich wieder einmal. Dortmund ballert sich in den Pokalfinal gegen Bayern München. Liverpool fegt im Derby Everton vom Platz. Und Barcelona schiesst La Coruña die Bude voll, Luis Suarez holt beim 8:0-Sieg sieben Skorerpunkte.

Aber es ist eine andere Meldung, die aufhorchen lässt. Die sentimental macht. Die jeden Fussballfan in seinem Herzen berührt. Zumindest jeden, der kein Anhänger von Torino oder Lazio ist. Die Schlagzeile lautet: «Eingewechselter Oldie Totti dreht Spiel für die Roma». Tatsächlich, er hat es wieder einmal getan!

Totti, der gefeierte Held nach dem Siegtreffer gegen Torino.
Bild: EPA/ANSA

Drei Minuten für zwei Tore

Francesco Totti wird im Herbst 40 Jahre alt. Er spielt seit 23 Jahren bei der AS Roma. Nie trug er als Profi ein anderes Dress als dieses markante weinrot-dunkelgelbe. Aber der Zahn der Zeit nagt selbst an einem, den sie in der ewigen Stadt als König verehren. Trainer Luciano Spalletti setzt nicht mehr auf Totti. Er ist nur noch Ergänzungsspieler, darf immer seltener auf den Rasen des Stadio Olimpico.

Aber wenn es Spalletti ihm erlaubt, dann gelingen dem Weltmeister von 2006 immer noch magische Dinge. So wie gestern. Im Heimspiel gegen Torino kommt Totti erst in der 86. Minute ins Spiel, die Roma liegt mit 1:2 zurück. Es dauert nur Augenblicke, dann gleicht Totti die Partie aus.

Und es kommt noch besser. In der 89. Minute gibt es Penalty für die Roma. Totti schnappt sich die Kugel, Totti holt Anlauf, Totti versenkt, Totti schenkt seinem Klub mit der «Doppietta» einen 3:2-Sieg.

Die beiden Totti-Tore gegen Torino. Logo, dass der Reporter kaum mehr kann!
streamable

Bald heisst es «Arrivederci!»

Es ist der zweite grosse Auftritt innert weniger Tagen. Denn schon am Sonntag rettete der Joker sein Team vor einer Niederlage. Totti kam in Bergamo nach 78 Minuten aufs Feld und schoss sieben Minuten später den Ausgleich zum 3:3-Endstand.

Es gibt sie immer noch, diese magischen Totti-Momente. Aber sie werden seltener. Die aktuelle Saison ist wohl Francesco Tottis letzte in Rom. Bald sagt der König «Arrivederci!» Und wir sagen schon jetzt: «Mille grazie, Francesco Totti!» Für Momente, die uns daran erinnern, weshalb wir diesen Sport so lieben.

Drei wichtige Punkte

Dank dem späten Sieg und der gleichzeitigen Niederlage von Inter hat die Roma auf Rang 3 nun sieben Punkte Vorsprung auf die Verfolger aus Mailand. Die Teilnahme an den Playoffs zur Champions League scheint den Hauptstädtern vier Runden vor Schluss sicher zu sein. Vielleicht liegt gar noch die direkte Qualifikation drin: Mit einem Sieg am Montag im Direktduell gegen Napoli würde die Roma die Lücke zu Platz 2 auf zwei Punkte verringern.

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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  • elDoctor 21.04.2016 20:50
    Highlight tottis trikot verkauft sich mehr als alle anderen der roma zusammen
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  • Aufblasbare Antonio Banderas Liebespuppe 21.04.2016 11:47
    Highlight Unglaublich. Ich kenne kaun einen Stürmer der in diesem Alter noch auf solchem Niveau spielt. Respekt
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  • Luca Brasi 21.04.2016 09:28
    Highlight Oldie but goldie. Totti ist ein Phänomen.
    40 1 Melden
    • stef2014 21.04.2016 10:43
      Highlight Keine Frage, das ist er. Aber seine Zeit ist vorbei. Er wird für immer in der Clubgeschichte bleiben. Er sollte jetzt wirklich seinen Hut nehmen und in Würde abtreten. Der ganze Zirkus der momentan in Rom abgeht ist nicht gut für den Club. Das unterscheidet Rom von z.B. Juve. Del Pieros Abgang war auch schmerzlich, aber die Clubleitung hatte im Interesse des Erfolges einen klaren Strich gezogen entgegen der breiten Meinung im Fanlager. Sentimentalitäten sind schön und gut, aber Erfolg bringen sie nicht. Meine Meinung.
      13 6 Melden
    • riqqo 21.04.2016 11:01
      Highlight trotzdem hat er gestern als joker drei punkt gebracht, stef2014 ;-)
      24 2 Melden
    • stef2014 21.04.2016 11:18
      Highlight Das habe ich auch nicht bestreitet. Wirklich eine schöne Geschichte gestern. Ändert aber nur wenig an seinem Alter und seiner allgemeinen Effizienz über eine gesamte Saison gesehen. Er würde auch mit 50 noch die eine oder andere Kiste machen. Aber so funktioniert erfolgreicher Fussball nunmal nicht.
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    • Hopper 21.04.2016 13:15
      Highlight In 287 SerieA Minuten hat Totti 4 Tore erzielt und 3 vorbereitet. Das sind Traumwerte! Ist seine Zeit wirklich vorbei?!
      12 1 Melden
    • branchli1898 21.04.2016 15:00
      Highlight manchmal sollte sich ein Club auch fragen, um welchen Preis man Erfolg haben will. Durch raus ekeln von Clubikonen verspielt man viele Sympathien beim harten Kern des Publikums. Wenn man Erfolg hat, schön und gut, dass Stadion ist voll, geht der Schuss jedoch nach hinten los und man macht eine harte Phase durch, fehlt dann genau dieser harte Kern den die "Erfolgsfans" sind dann nicht mehr da. Beispiel: da Costa -FCZ oder Casillas - Real
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Klasse Einstand für Schmidt gegen Bayern – die Walliser können eben auch anders

Der Walliser Neo-Wolfsburg-Trainer Martin Schmidt hext seine Mannschaft zu einem 2:2-Unentschieden gegen Bayern München und entführt damit einen Punkt aus der Allianz Arena. Es besteht Hoffnung für den Walliser Fussball!

Mit seiner komplett defensiven Einstellung geriet der Walliser mit seinen «Wölfen» zunächst mit 0:2 in Rückstand. Angesichts des übermächtigen Gegners aus dem Süden war dies keine grosse Überraschung.

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