3 Schweizer erhalten die Bestnote – wie bewertest du die Nati-Akteure nach der Heim-WM?
Leonardo Genoni
Goalie
7 Spiele, 4 Gegentore, 97,03 % Fangquote
Leonardo Genoni ist in der Gruppenphase der gewohnt verlässliche Rückhalt. Im Startspiel gegen die USA hält er den Schweizer Sieg fest, gegen Deutschland in einem schwierigen Startdrittel die Null. Er ist ruhig, unaufgeregt und trotzdem wieselflink. Dank dreier Shutouts gegen Österreich, Ungarn und Norwegen ist er in dieser Sparte an der WM nun alleiniger Rekordhalter. Kassiert auch im WM-Final in der regulären Spielzeit kein Tor. An ihm lag es nicht, dass es erneut nur Silber ist.
Reto Berra
Goalie
2 Spiele, 3 Gegentore, 92,5 % Fangquote
Berra verpasst den Start in die WM wegen der Folgen einer Lungenentzündung. Der Freiburger Meistergoalie erhält erst zur Mitte der Gruppenphase gegen Grossbritannien seinen ersten Einsatz und kassiert beinahe den Flop des Turniers. Das Eigentor in der Schlussphase wird glücklicherweise annulliert. Gegen Finnland zum Abschluss der Vorrunde darf sich Berra auch noch gegen einen Topgegner beweisen. Er bewährt sich und hext die Schweiz zum Gruppensieg.
Sandro Aeschlimann
Goalie
1 Spiel, 2 Gegentore, 91,30 % Fanguote
Der HCD-Goalie darf an der WM nur einmal ran. Gegen Lettland lässt er sich zwei Mal bezwingen, wobei es auch von seinen Vorderleuten eines der schwächsten Spiele des Turniers war. Trotzdem hat sich Aeschlimann nicht zwingend dafür empfohlen, nach der Ära von Genoni und Berra eine WM-Nummer-1 zu sein.
Roman Josi
Verteidiger
10 Spiele, 5 Tore, 7 Assists, +15, 22:14 TOI/Spiel (Eiszeit)
Der Captain ist der Leader und Antreiber im Schweizer Spiel. Er kurbelt mit seinen Läufen die Offensive an und ist auch in der eigenen Zone ein sicherer Wert. Je länger das Turnier dauert, desto besser und dominanter wird Josi. Schreibt gegen Ungarn mit dem schnellsten Hattrick der Eishockey-WM-Geschichte. In der K.o.-Phase ist er der Leader, der sein Team nach vorne peitscht – auch im Final. Aber auch er kann nicht verhindern, dass die Nati im dritten Endspiel in Folge ohne Tor bleibt. Wird zum zweiten Mal nach 2013 zum WM-MVP gekürt. Dafür kann es nur die Bestnote geben.
Janis Moser
Verteidiger
10 Spiele, 5 Assists, +11, 21:06 TOI/Spiel
Wenn J.J. Moser auf dem Eis steht, passieren im Normalfall gute Dinge für die Schweizer Nati. Der Bieler Verteidiger hat die beste NHL-Saison seiner Karriere hinter sich und hat diese Form auch an die WM mitgenommen. Moser hat ein gutes Gespür dafür, wann er in die Offensive gehen kann und wann er hinten besser absichert. An der Heim-WM ist er auch einer der physischsten Schweizer Verteidiger, der keine Scharmützel scheut. Sein offensiver Einfluss war auch schon grösser. Er steht beim Gegentor der Finnen in der Verlängerung auf dem Eis.
Dean Kukan
Verteidiger
10 Spiele, 1 Tor, 3 Assists, +8, 16:21 TOI/Spiel
In Anwesenheit von Roman Josi offensiv nicht ganz so auffällig wie an anderen Weltmeisterschaften. Doch Dean Kukan zementiert grundsätzlich seinen Status als einer der besten Verteidiger Europas. Er lenkt die zweite, ebenfalls brandgefährliche Powerplay-Formation der Schweizer souverän. Und für einen Verteidiger noch wichtiger: Er macht praktisch keine Fehler – zumindest bis im Viertelfinal gegen Schweden. Dort erlaubt sich Kukan einen Crosscheck ins Gesicht des Gegners und kassiert dafür eine 5-Minuten-Strafe mit Restausschluss. Das hätte der Nati die Halbfinal-Qualifikation kosten können. Immerhin wird er nicht gesperrt und zeigt für den Rest des Turniers die gewohnt sicheren Leistungen.
Tim Berni
Verteidiger
10 Spiele, 1 Assist, +4, 16:50 TOI
Eine derart grosse Rolle spielte Berni an einer WM noch nie. Im ganzen Turnier kommt er an der Seite von NHL-Verteidiger Moser zum Einsatz. Schaltet sich ab und an auch in die Offensive ein, weiss aber, dass er vor allem keine Fehler machen darf. Das gelingt ihm über weite Strecken sehr gut. Ab und an nimmt er es auf dem Eis etwas gar gemächlich oder riskiert etwas viel.
Christian Marti
Verteidiger
10 Spiele, 2 Assists, +10, 14:52 TOI/Spiel
Christian Marti ist am besten, wenn du ihn ausser vielleicht bei einem kernigen Check nicht oft bemerkst. An der WM ist dem ZSC-Verteidiger genau das gelungen. Er bringt seine Physis ins Spiel, bleibt aber sonst oft unauffällig. Das bedeutet für ihn, dass er die kleinen Dinge in der eigenen Zone richtig macht und kaum Fehler begeht. Die offensiven Aktionen überlässt er weitgehend seinen Verteidigerkollegen.
Dominik Egli
Verteidiger
10 Spiele, 4 Assists, +7, 16:04 TOI/Spiel
Erstmals spielt Dominik Egli eine komplette WM und kommt zumeist an der Seite von Superstar Roman Josi zum Einsatz. Dort ist seine Rolle grundsätzlich eine defensivere, als er sich das vom Klub gewohnt ist. Trotzdem zeigt der künftige HCD-Verteidiger eine solide WM. Zu Beginn leistet er sich noch den einen oder anderen Fehler, steigert sich aber zunehmend und zeigt, dass er sich mittlerweile auch physisch auf diesem Niveau durchsetzen kann.
Sven Jung
Verteidiger
10 Spiele, 3 Assists, +5, 8:19 TOI/Spiel
Oft steht der HCD-Verteidiger nur als siebter Verteidiger in der Aufstellung. Seine Rolle ist eine ähnliche wie die Martis: Physis ins Spiel bringen und defensiv unauffällig, fehlerfrei spielen. Das gelingt Jung über weite Strecken sehr gut. Seine Rolle ist klein mit nur neun Minuten Eiszeit pro Spiel, aber er erledigt seinen Job souverän. Aber klar ist auch: Wenn es wichtig ist, steht Sven Jung nicht mehr auf dem Eis.
Lukas Frick
Verteidiger
1 Spiel, 6:25 TOI
Spielt an dieser WM kaum eine Rolle. Schaut die Spiele oft als überzähliger Spieler von der Tribüne aus oder kommt als siebter Verteidiger auf dem Matchblatt kaum zum Einsatz. Trotzdem murrt Frick nie, akzeptiert seine Rolle und sorgt so für gute Stimmung im Team.
Sven Andrighetto
Stürmer
10 Spiele, 4 Tore, 11 Assists, +12, 17:10 TOI/Spiel
Andrighetto ist der beste Skorer der WM. Das ist umso erstaunlicher, als seine Teilnahme an der Heim-WM erst kurz vor Turnierbeginn feststeht. Der ZSC-Stürmer schlägt sich noch lange mit den Folgen einer Hirnerschütterung aus den Playoffs herum. Doch «Ghetto» wird rechtzeitig fit und läuft an der Heim-WM gross auf. Im Powerplay ist er von der rechten Seite eine Waffe. Mit ZSC-Sturmpartner Denis Malgin versteht er sich blind. Speed, Aggressivität und Schussgewalt – Andrighetto bringt alles mit. Einziger Makel: In der K.o.-Phase verschwindet seine Dominanz etwas.
Nico Hischier
Stürmer
Nico Hischier, 6 Tore, 5 Assists, +10, 18:46 TOI/Spiel
An der letzten WM verletzt er sich im Vorrundenspiel gegen Deutschland. Nun ist Hischier wieder voll mit dabei. Er ist der Alleskönner im Schweizer Sturm. Der Captain der New Jersey Devils schiesst Tore, bereitet sie vor, spielt in Unterzahl und gewinnt viele wichtige Bullys. Mit sechs Treffern ist er der erfolgreichste Schweizer Torschütze an diesem Turnier. Leider zieht er ausgerechnet im WM-Final seine schwächste Partie ein. Hischier agiert zögerlich, spielt Fehlpässe. Ist er (noch) nicht der Mann für die grossen Momente?
Timo Meier
Stürmer
9 Spiele, 3 Tore, 8 Assists, +10, 17:42 TOI/Spiel
In der NHL lief es dem Appenzeller überhaupt nicht nach Wunsch. Doch an der Heim-WM haben wir wieder den wahren Timo Meier gesehen: einen wuchtigen Powerstürmer mit Torriecher und Spielintelligenz. Anders als in New Jersey kommt er am rechten statt am linken Flügel zum Einsatz. Dort kann er sich besser entfalten. Manchmal ist er fast zu wuchtig: Im Viertelfinal gegen Schweden hat er Glück, dass er nach einer brutalen Kniecharge gegen Oscar Sundqvist nicht unter die Dusche geschickt wird. Verpasst den Halbfinal gesperrt. Dürfte mit seinen Chancen noch etwas effizienter umgehen. Doch im WM-Final ist er einer der wenigen Schweizer mit viel Zug aufs Tor.
Denis Malgin
Stürmer
10 Spiele, 5 Tore, 8 Assists, +12, 16:50 TOI
Malgin ist der kongeniale Sturmpartner von Sven Andrighetto. Der ZSC-Center ist ein genialer Spielmacher, der mit seinen schlittschuhläuferischen Fähigkeiten allen davonlaufen kann. Malgin ist aber auch kaum von der Scheibe zu trennen, obwohl er nicht der Grösste ist. Er kann sich auch in Zweikämpfen an der Bande durchsetzen. Ebenfalls etwas unterschätzt: wie gut er am Bullypunkt ist. Im WM-Final fehlt ihm dann etwas die Durchschlagskraft.
Pius Suter
Stürmer
5 Spiele, 1 Tor, 3 Assists, +3, 13:46 TOI
Der NHL-Stürmer der St.Louis Blues fällt nach dem Gruppenspiel gegen Deutschland und einem harten Check von Marc Michaelis aus. Zuvor ist er der Dritte im Bunde der «Zürcher Linie» mit Malgin und Andrighetto. Suter eröffnet das WM-Fest mit einem schnellen Tor gegen die USA. Während Malgin und Andrighetto zaubern, wühlt er vor dem Tor, stochert nach oder nimmt den Torhütern die Sicht. Auch er ist defensiv verlässlich (auch in Unterzahl) und stark am Bullypunkt. Hat im WM-Final zwei Mal den Sieg auf dem Stock und kann nicht verwerten.
Calvin Thürkauf
Stürmer
10 Spiele, 3 Tore, 4 Assists, +9, 13:50 TOI/Spiel
Nach Suters Ausfall und einem kurzen Intermezzo übernimmt Calvin Thürkauf die Rolle an der Seite von Andrighetto und Malgin. Er bringt ein ähnliches Spielerprofil mit wie Suter, vielleicht fast noch etwas physischer. Thürkauf hat an dieser WM gezeigt, wie wertvoll er für die Nati sein kann. Er ist vielseitig einsetzbar und überzeugt als Teil einer defensiven Energielinie genauso wie als offensiver Produzent. Leider fehlt es ihm teilweise an Disziplin. Der Lugano-Stürmer bringt die Nati immer wieder mit dummen Strafen in Bedrängnis.
Damien Riat
Stürmer
10 Spiele, 5 Tore, 3 Assists, +6, 14:31 TOI/Spiel
Weil er in Lausanne spielt, wird Damien Riat in der Deutschschweiz wohl immer noch unterschätzt. Der Flügelstürmer ist ein Leader (Captain in seinem Klub), defensiv verlässlich, kann auch mal etwas Härte ins Spiel bringen und vor allem hat er besonders feine Hände. Dies beweist er immer wieder im Powerplay, wo er Pucks innert Sekundenbruchteilen annimmt, weiterverteilt oder abschliesst. Er ist an diesem Turnier einer der besten Schweizer Torschützen. Im WM-Final wird seine Linie öfter von den Finnen eingeschnürt.
Simon Knak
Stürmer
Simon Knaks Entwicklung ist erstaunlich: Innert weniger Jahre hat er sich vom «Hinterbänkler» in der National League zum wertvollen WM-Stammspieler entwickelt. Als Teil der Energielinie mit Ken Jäger und Damien Riat sorgt er für genau das: Energie. Knak ist ein Powerstürmer, der viele Zweikämpfe gewinnt, auf den Aussenbahnen «fräst» und Scheiben erobert. Zudem hat auch er die Technik und die läuferischen Fähigkeiten, um mal einen Gegner aussteigen zu lassen. Im WM-Final wird seine Linie öfter von den Finnen eingeschnürt.
Christoph Bertschy
Stürmer
10 Spiele, 3 Tore, +0, 13:12 TOI/Spiel
Nicht ganz 100! Der WM-Final ist das 99. Spiel von Christoph Bertschy in dieser Saison: Regular Season, Playoffs, Spengler Cup, Olympische Spiele und nun die WM. Doch der Freiburger ist trotz Mammutprogramm noch kein bisschen müde. Als Teil der 3. Linie ist er vor allem dafür besorgt, defensiv sauber zu spielen und gegnerische Linien zu neutralisieren. Aber mit seinem Tempo und seinem Biss sorgt er auch immer wieder für Torgefahr. Hätte sich im WM-Final noch öfter getrauen dürfen, den Abschluss zu suchen, wie er das im Halbfinal gegen Norwegen gemacht hat.
Nino Niederreiter
Stürmer
10 Spiele, 2 Tore, 3 Assists, +0, 14:58 TOI/Spiel
Es war keine einfache Saison für Nino Niederreiter. Wegen Knieproblemen musste sich der Stürmer der Winnipeg Jets während der Saison einer Operation unterziehen. Er schaffte den Aufbau, um rechtzeitig für die WM fit zu sein, doch zu Beginn merkt man ihm die fehlende Spielpraxis etwas an. Seine Rolle ist entsprechend auch etwas kleiner als auch schon: Auch er ist Teil der 3. Sturmlinie und sorgt für defensive Ordnung. Je länger das Turnier dauert, desto besser kommt der Churer in Form und kann sich auch offensiv mehr entfalten. Aber es ist auch offensichtlich, dass ihm mittlerweile das Tempo fehlt, um auf diesem Niveau entscheidend zu sein.
Ken Jäger
Stürmer
10 Spiele, 4 Tore, 3 Assists, +6, 15:17 TOI
Er ist so etwas wie die National-League-Ausgabe von Nico Hischier: Ein guter Allround-Center, halt einfach nicht auf NHL-Niveau. Aber Jäger ist für diese Nati wertvoll. Der Lausanne-Stürmer geht dorthin, wo es wehtut, lenkt vor dem Tor ab und stochert nach. Er spielt in jedem Drittel die ersten Bullys, ist wie Hischier defensiv äusserst verlässlich. So gesehen ist es eine brutale Ironie des Schicksals, dass er in der Verlängerung des Finals einen Schritt zu spät ist und den Siegtreffer der Finnen nicht verhindern kann.
Attilio Biasca
Stürmer
10 Spiele, 1 Tor, 2 Assists, +6, 8:39 TOI/Spiel
Startet die WM nur als 13. Stürmer und kommt in den ersten Spielen auf gar keine oder nur wenig Eiszeit. Als der Ausfall von Pius Suter die Aufstellung durcheinanderwirbelt, landet er bald einmal in der ersten Linie an der Seite von Nico Hischier und Timo Meier. Der junge Powerstürmer zeigt, dass er dort durchaus seinen Platz hat. Er bringt Physis und noch mehr Zug aufs Tor in diese Linie und erzielt dann im letzten Gruppenspiel gegen Finnland auch noch sein erstes WM-Tor.
Theo Rochette
Stürmer
10 Spiele, 3 Tore, 3 Assists, +4, 8:40 TOI/Spiel
Sechs Punkte aus zehn Spielen sind für einen WM-Debütanten eigentlich eine gute Ausbeute. Trotzdem ist Rochette auf gewisse Art und Weise einer der Verlierer dieser WM. Er startet in der 1. Linie mit Hischier und Meier, doch je länger das Turnier dauert, desto kleiner wird seine Rolle. In den K.-o.-Spielen ist er noch 13. Stürmer, der fast ausschliesslich im Powerplay zum Einsatz kommt. Aber der Lausanner murrt nicht, akzeptiert seine Rolle und erfüllt sie, so gut er kann.
Nicolas Baechler
Stürmer
5 Spiele, 1 Assist, +2, 9:06 TOI/Spiel
Baechler kommt nur in der Hälfte der Schweizer Spiele zum Einsatz. Er versucht, seine Physis ins Spiel einzubringen, doch sein Einfluss bleibt oft überschaubar.
Jan Cadieux
Trainer
Die Aufgabe war für Jan Cadieux nicht einfach. Früher als erwartet muss er als Cheftrainer in der Nati übernehmen, nachdem Patrick Fischer über seine Zertifikat-Affäre gestolpert ist. Der Westschweizer löst die Aufgabe mit Bravour. Er formt die Mannschaft zu einer Einheit. Jeder Spieler akzeptiert seine Rolle ohne zu murren. Als der Nati-Coach auf Verletzungen oder Sperren reagieren muss, funktionieren seine Anpassungen problemlos. Er verpasst dem Schweizer Spiel zudem die Härte, die es auf internationalem Niveau benötigt. Einziger Wermutstropfen: Auch er schafft es nicht, den Spielern im Final die Nervosität wegzunehmen. So gibt es auch für ihn abermals nur Silber.
