Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Luzian Franzini, Co-Präsident der Jungen Grünen, und Andri Silberschmidt, Präsident der Jungfreisinnigen, beim Streitgespräch zur Rentenreform/ Altersvorsorge 2020

Luzian Franzini (Junge Grüne) und Andri Silberschmidt (Jungfreisinnige) kämpfen beide gegen das Geldspielgesetz, allerdings in unterschiedlichen Komitees. bild: watson.ch

Kampf gegen Internet-Sperren: Jungparteien droht eine Bruchlandung

Gleich drei Komitees sammeln Unterschriften gegen das neue Geldspielgesetz, das Netzsperren für ausländische Casino-Anbieter vorsieht. Ob sie es rechtzeitig über die Ziellinie schaffen, ist aber fraglich.



Die Festtage kamen für die Gegner des neuen Geldspielgesetzes ungelegen. Vor Heiligabend fehlten noch mehrere tausend Unterschriften für das Referendum – und zwischen Weihnachten und Neujahr sammelt es sich in der Regel schlecht.

«Es wird sehr knapp», bestätigt Andri Silberschmidt, der als Präsident der Jungfreisinnigen an vorderster Front gegen das neue Gesetz kämpft. Bis am 18. Januar müssen 50’000 beglaubigte Unterschriften her. Zwar schafften es die Komitees auf den letzten Drücker, die magische Grenze zu knacken. Erfahrungsgemäss fallen bei der Beglaubigung aber zehn bis fünfzehn Prozent wieder weg. «Uns fehlt darum ein Polster von einigen tausend Unterschriften», so Silberschmidt.

Das Problem: Die Beglaubigung dauert in gewissen Gemeinden rund zwei Wochen. «Wir geben morgen nochmals Vollgas, danach brechen wir die Zelte fast überall ab», so der Jungpolitiker. Unterschriften, die später gesammelt würden, könnten wohl nicht mehr rechtzeitig beglaubigt werden.

«Eingriff in die Freiheit des Internets»

Das Geldspielgesetz, das National- und Ständerat Ende September verabschiedet haben, sieht vor, dass einheimische Casinos künftig Online-Spiele wie Poker, Black Jack oder Roulette anbieten dürfen. Dies im Gegensatz zu ausländischen Anbietern: Sie sollen mit einer Internet-Sperre belegt werden – ihre Seiten könnten in der Schweiz also nicht mehr aufgerufen werden.

Die Befürworter begründen die Netzsperren damit, dass sich die Schweizer Online-Casinos an strenge Auflagen halten müssten – etwa zur Bekämpfung von Spielsucht und Geldwäscherei. Indem ausländische Anbieter ausgeschlossen würden, könne sichergestellt werden, dass die geltenden Gesetze eingehalten werden.

Für die Gegner stellen die Sperren hingegen einen «Eingriff in die Freiheit des Internets» dar. Sie befürchten, dass es zu einem Dammbruch kommt und bald noch weitere nicht genehme Seiten blockiert werden, etwa im Bereich Film- oder Musikstreaming. Im «Komitee gegen Internetzensur und digitale Abschottung» kämpfen neben den Jungfreisinnigen auch die Jungen Grünliberalen und die Junge SVP.

abspielen

Video: watson

Junge Grüne im Alleingang

Daneben sammeln noch zwei weitere Komitees Unterschriften für das Referendum: Eines stammt aus dem Umfeld der Jungen Grünen, das zweite setzt sich aus verschiedenen Netzorganisationen zusammen. «Wir sammeln separat, weil wir im Gegensatz zu den bürgerlichen Jungparteien finanziell unabhängig und transparent bleiben wollen», sagt Luzian Franzini, Co-Präsident der Jungen Grünen.

Denn zu den Unterstützern des bürgerlichen Komitees um Silberschmidt gehört unter anderem das Unternehmen Pokerstars – der grösste ausländische Player auf dem Online-Glücksspiel-Markt.

Die Jungen Grünen stossen sich neben der Netzsperren auch an dem «zu schwachen Präventionsgedanken» im Geldspielgesetz. Das Parlament habe es verpasst, wirksame Massnahmen zum Schutz der Spieler zu ergreifen, findet Franzini. Wie Silberschmidt ist aber auch er zuversichtlich, dass es trotz des knappen Sammelresultats für eine «Punktlandung» reichen könnte.

Kleine Pokerturniere erlaubt

Mit dem neuen Gesetz verfolgte der Bundesrat das Ziel, die Geldspiele in der Schweiz «kohärent und zeitgemäss» in einem einzigen Gesetz zu regeln. Gewinne aus Lotto und Online-Casino-Spielen müssen künftig ab einer Höhe von einer Million Franken versteuert werden. Neu werden zudem kleine Pokerturniere ausserhalb von Spielcasinos erlaubt. Dies unter der Voraussetzung, dass sie in einem öffentlichen Lokal veranstaltet werden, dass die Teilnehmerzahl begrenzt ist und dass eine Bewilligung vorliegt.

Das könnte dich auch interessieren:

Mit diesen 10 Apps pimpst du dein Smartphone zum Büro für unterwegs

Link zum Artikel

Weshalb die Ära Erdogan jetzt schneller vorübergehen könnte, als du denkst

Link zum Artikel

Christian Wasserfallen nicht mehr FDP-Vize – wegen der Klimafrage?

Link zum Artikel

Das sind die besten Rekruten der besten Armee der Welt

Link zum Artikel

9 «Ratschlag»-Klassiker, die du dir in Zukunft einfach mal sparen kannst

Link zum Artikel

Holland ist aus dem Häuschen, weil diesem Schwimmer gerade Historisches gelang

Link zum Artikel

Wer in Europa am meisten Dreckstrom produziert – und wie die Schweiz dasteht

Link zum Artikel

25 Bilder von Sportstars, die Ferien machen

Link zum Artikel

Schneider-Ammanns Topbeamter gab vertrauliche Infos an Privatindustrie weiter

Link zum Artikel

Alle gegen Trump: Demokraten treten an zum ersten TV-Duell

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

12
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
12Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Ökonometriker 04.01.2018 05:07
    Highlight Highlight Schade dass es nicht einmal drn Jungparteien gelingt, sich auf eine Position zu einigen - auch wenn sie grundsätzlich einer Meinung sind. Jeder möchte der/die Wichtigste sein, Sachpolitik zählt immer weniger. Am Schluss verliert so das Volk auf Grund der Eitelkeit einzelner.
  • Platon 03.01.2018 16:43
    Highlight Highlight Freisinnig, wohl eher sinnbefreit. Wen interessierts wenn jetzt ein paar Spielsüchtige nicht mehr ihre Lieblingsseite aufsuchen können? Kümmert euch um Dinge, die den Leuten auch tatsächlich helfen und nicht um ausländische Internetseiten, die Dummensteuern eintreiben!
    • Laggi 03.01.2018 17:45
      Highlight Highlight Es geht nicht primär um das Angebot der Website, sondern um das Prinzip „Freies Internet“.
    • Snowy 03.01.2018 18:11
      Highlight Highlight Hast Du den Artikel überhaupt gelesen oder einfach nicht verstanden?

      Es geht um die Essenz des freien Internets, um einen bevorstehenden Dammbruch: Es kann nicht sein, dass ein Staat missliebige Websites sperren kann/darf.
  • Hugo Wottaupott 03.01.2018 16:30
    Highlight Highlight Vielleicht besser mal zuerst die EU fragen ob man das überhaupt darf!
    • Fabio74 04.01.2018 21:05
      Highlight Highlight besser endlich in Bildung in diesem LAnd investieren.
  • pedrinho 03.01.2018 15:59
    Highlight Highlight wie nennt man das nun "verborte ideologie" oder wie...?

    das gleiche ziel, doch ja nicht zusammen agieren,

    Gegenseitig konkurenzieren, da freut sich doch der urheber der vorlage.
  • DerTaran 03.01.2018 15:58
    Highlight Highlight Hoffen wir, dass es reicht.
  • Widmer 03.01.2018 15:03
    Highlight Highlight Es schadet nichts, wenn dem freisinnigen Jungspund Silberschmidt einmal die Flügel gestutzt werden.
    • oXiVanisher 04.01.2018 07:46
      Highlight Highlight Ich gebe dir nicht unrecht, aber ist dies wirklich der Verlust des freien Internets wert?
  • TanookiStormtrooper 03.01.2018 15:03
    Highlight Highlight Die einen sind einfach gegen Netzsperren und die (Jung)Freisinnigen sind wie immer der Lakai irgend einer Lobby. Die arbeiten nur wenn was rausspringt, der Bürger ist denen egal.


    #lina4weindoch
    • Bits_and_More 04.01.2018 09:17
      Highlight Highlight Es ist ganz normal, dass nach dem Schliessen einer Parole oder dem Beschluss zu einem Referendum Partner gesucht werden. Ein Abstimmungskampf kostet doch einen ganzen Haufen Geld und JEDE Partei ist hier auf Partner angewiesen.
      Ob das nun Umweltverbände, Gewerkschaften oder private Unternehmen sind, schlussendlich steckt überall eine Lobby dahinter (ja, auch Gewerkschaftsvertreter sind im Endeffekt nur Lobbyisten).
      By the way, Geld verdienen als Jungpolitker? Das kannst du gleich vergessen. Da steckt wahnsinnig viel unbezahlte Arbeit dahinter.

«Wissen ist kein Verbrechen. Es ging um den Austausch von Quellcode und Ideen»

Die im Tessin lebende IT-Spezialistin Stefania Calcagno verlor in den 80ern ihr Herz an einen revolutionären Heimcomputer. Und startete durch ...

Als junge Frau brachte sich Stefania auf einem Commodore C64 das Programmieren in Maschinensprache bei. Dann kam der Amiga – und sie machte sich in der «Demoszene» einen Namen.

Das war in den 80ern, heute arbeitet die gebürtige Italienerin als Chief Technology Officer im Tessin und engagiert sich leidenschaftlich für den Erhalt alter Computer.

Ende 2017 fragte ich Stefania für ein Interview an und erwähnte zum Einstieg, dass der Amiga «meine erste Liebe» gewesen sei. Doch leider habe die …

Artikel lesen
Link zum Artikel