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Lugano gibt Fribourg auf's Maul. Bild: KEYSTONE

Lieber gehasst werden, als zu verlieren – wie das «neue Lugano» Fribourg zermürbt

Der HC Lugano führt in der Viertelfinal-Serie gegen Fribourg-Gottéron mit 3:1 – obwohl die Tessiner in jeder Partie weniger Schüsse hatten. Lugano hat sich selbst neu erfunden und spielt nicht mehr für das Spektakel, sondern für den Sieg. 

18.03.18, 12:09 18.03.18, 20:52

«Hockey unter Palmen», «Schönwettermannschaft», «zu viele Häuptlinge». Der HC Lugano sah sich seit dem letzten Meistertitel 2006 Jahr für Jahr mit den gleichen Begriffen konfrontiert. Obwohl Lugano in den letzten zwei Jahren immerhin einmal das Playoff-Final und einmal das Halbfinale erreichte, ist da noch immer dieses Gefühl von viel Talent und zu wenig Ertrag. 

Mit dem Ausfall der Schlüsselspieler Alessandro Chiesa, Dario Bürgler und Damien Brunner hat der HC Lugano auf die Playoffs viel seines Talents verloren – und musste sich deshalb selbst neu erfinden. In der Viertelfinal-Serie gegen Fribourg spielen die Tessiner konsequentes Defensiv-Hockey. So konsequent, dass Greg Ireland seinen talentiertesten Spieler Linus Klasen die ersten drei Spiele als überzähliger Ausländer auf die Tribüne schickte. 

Die Luganesi feiern den Auswärtssieg mit den mitgereisten Fans. Bild: KEYSTONE

Wie dieses «neue Lugano» funktioniert, zeigte sich in den Partien gegen Fribourg. Vier Spiele mit weniger Schüssen, dennoch drei davon gewonnen und das vierte erst in der Verlängerung verloren. Die Tessiner spielen kein offensives Abrakadabra-Eishockey mehr sondern besinnen sich auf eine starke Defensive. Aus Künstlern sind Arbeiter geworden.

Die Viertelfinal-Serie zwischen Lugano und Fribourg

Spiel 1:
Lugano-Fribourg 6:2
Torschüsse 22:26

Spiel 2:
Fribourg-Lugano 2:5
Torschüsse 27:21

Spiel 3: 
Lugano-Fribourg 3:4 n.V.
Torschüsse 42:50

Spiel 4:
Fribourg-Lugano 1:3
Torschüsse 30:25

Mit Effizienz und Merzlikins

Dass Maxim Lapierre nach dem Ausfall von Alessandro Chiesa das Captain-Amt der Tessiner übernommen hat, passt perfekt zu diesem «neuen Lugano». Der Kanadier ist zweifelsohne ein talentierter Spieler, sonst würde er die Skorerliste der Playoffs nicht mit 8 Punkten (4 Tore und 4 Assists) anführen. Aber Maxim Lapierre ist kein Scheibenvirtuose. Er ist ein Kämpfer, ein Provokateur, einer den die Gegenspieler hassen. Einer, der in jedem Stadion ausgepfiffen wird – und es geniesst. 

«Wir stellten uns hinten rein, haben gekontert und so unsere Tore geschossen»

Stefan Ulmer

Lugano will nicht mehr bewundert werden für seine offensive Spielweise und sein attraktives Eishockey. Lugano will Erfolg und ist bereit, dafür gehasst zu werden. Verlierer kriegen bloss Mitleid aber Gewinner die wahre Anerkennung: Neid und Hass. Lugano ist bereit, dem Ziel Siege einzufahren, alles unterzuordnen. Sollen die anderen doch sagen, es sei unverdient. 

Sind defensiv oft gefordert: Stefan Ulmer (mitte) und Torhüter Elvis Merzlikins. Bild: KEYSTONE

«Wir waren nicht die bessere Mannschaft, aber wir haben mehr gekämpft und mehr Schüsse geblockt», so Lugano-Verteidiger Stefan Ulmer nach dem Spiel im SRF-Interview. Ulmer ergänzte: «Sie haben uns klar dominiert, aber solche Spiele muss man eben gewinnen.» Schlechter sein und dennoch gewinnen. Es ist etwas, das Lugano vor einigen Jahren noch nicht konnte und wahre Champions auszeichnet.

Fast schon verzweifelt klingt es bei Gegner Fribourg. «Wir sind nicht weniger gut als Lugano. Ich weiss nicht, weshalb es nicht klappt mit dem Toreschiessen», sucht etwa Julien Sprungen nach Erklärungen. Bei Luganos Ulmer klingt die Taktik hingegen ganz simpel: «Wir stellten uns hinten rein, haben gekontert und so unsere Tore geschossen.»

Wie effizient dieses «neue Lugano» ist, zeigen einige Statistiken zu den bisherigen vier Partien:

Torverhältnis

Der HC Lugano hat hinter Bern (18) die zweitmeisten Tore erzielt (17). Dazu haben die «Bianconeri» bloss 9 Gegentreffer kassiert. Auch hier ist bloss Bern noch besser (7).

Schüsse

Der HC Lugano hat mit 110 Schüssen in vier Spielen am zweitwenigsten Schüsse aller Playoff-Teams abgegeben. Nur Davos hat noch weniger (104). Fribourg hat am drittmeisten Schüsse (133) abgegeben.

Schusseffizienz

15.45% der Lugano-Schüsse finden den Weg ins gegnerische Tor. Das ist eine ausgezeichnete Quote und deutlich die beste der Liga. Zum Vergleich: Bei Gegner Fribourg liegt die Quote bei 6.77%.

Lugano jubelt dank der hohen Effizienz regelmässig. Bild: TI-PRESS

Powerplay

Mit 22.22% hat der HCL eine gute Powerplay-Ausbeute, obwohl Davos (41.67%), der ZSC (29.41%) und Bern (23.53%) noch besser sind. Fribourg hingegen kommt bloss auf eine Ausbeute von 11.76%.

Gehaltene Schüsse

Mit Elvis Merzlikins hat Lugano einen Torhüter, der den Unterschied ausmachen kann. Der Lette mit Schweizer Lizenz hielt bisher 93.23% der Schüsse auf sein Tor. Besser ist bloss Leonardo Genoni mit 96%. Fribourg-Keeper Barry Brust hält hingegen bloss 85.32%.

Mit der überragenden Effizienz und dem hervorragenden Elvis Merzlikins hat Lugano zwei Bausteine, mit denen sie nicht nur Fribourg zermürben können. Die Tessiner haben gelernt, ihr Spiel anzupassen. Können sie das so durchziehen, werden sie am Dienstag ins Halbfinale ziehen. Und dann ist alles möglich. Das «neue Lugano» kann jeden schlagen. Auch wenn sie dafür halt etwas gehasst werden.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Professor Chaos 18.03.2018 21:44
    Highlight Lugano wird auch dieses Jahr nichts reissen. Wir sind ja hier nicht im Ballett 🤦🏻
    12 37 Melden
  • no-way 18.03.2018 20:16
    Highlight Lugano spielt auch konsequent mit 4 linien und die Spieler sind nicht dann totmüde beim schiessen.
    34 4 Melden
  • Geo6 18.03.2018 16:42
    Highlight Lugano ist ein möglicher favorit
    42 17 Melden
    • dho 19.03.2018 01:47
      Highlight Je weniger Brunner, desto mehr Favorit... 😁
      12 11 Melden
  • geistfrei 18.03.2018 16:39
    Highlight eine gute schusseffizienz ist natürlich hilfreich, gerade in den playoffs. im prinzip ist es aber die statistik, die am meisten mit dem faktor zufall (oder glück) zusammenhängt. wird sich einpendeln, aber dann wirds zu spät sein für fribourg.
    21 3 Melden
  • Dan Rifter 18.03.2018 16:11
    Highlight Brusts Fangquote ist in der Tat miserabel.. aber er kann nicht mal gross etwas dafür..

    Lugano hat unfassbares Glück .. sicher 3/4 der Tore sind reines Glück bzw. Pech für Gottéron.

    Das Pech manifestiert sich auch darin, dass es gestern drei mal "PING" gemacht hat, während der Linienpuck für Lugano ins Tor gehopst ist und bei Gottéron der Puck auf der Linie stehenbleibt.

    Dazu kommt diese unglaubliche Effizienz.. wie erwähnt wurde: Nicht nachhaltig.

    Ein Lugano mit so viel culo zu schlagen, ist schlicht unmöglich.
    41 57 Melden
    • Gelöschter Benutzer 19.03.2018 11:34
      Highlight Klassisches Gejammer eines Freiburger Fans. Mal ist es Pech, mal der Schiedsrichter. Oder beides zusammen.
      17 21 Melden
  • whatthepuck 18.03.2018 15:06
    Highlight Würde die Analyse gerne unterschreiben, da ich Lugano siegen sehen will. Für mich sieht's aber eher so aus, als ob die Luganesi gerade auf der Welle einer nicht nachhaltigen Schusseffizienz reiten, welche aus einer nicht nachhaltigen Goalieflaute bei Fribourg hervor geht. Bei allen anderen Statistiken bewegt sich Lugano im durchschnittlichen Bereich. Solche Zahlen gleichen sich über die lange Distanz ja meist an, aber hoffentlich reicht's noch für den einen benötigten Sieg.
    49 7 Melden
    • Macci 18.03.2018 20:50
      Highlight Es sind halt playoffs, da haben auch gute HCFG Torhüter gerne mal Unsicherheiten :(
      17 2 Melden
  • Pingurin 18.03.2018 13:33
    Highlight NIEMALS werde ich die bianconeri hassen. Uniti fieri bianconeri
    75 68 Melden
  • Wideblitz 18.03.2018 13:24
    Highlight "Die wahre Anerkennung - Neid und Hass"... Hey es geht um Sport! Bitte mässigen sie sich.
    26 75 Melden
  • chnobli1896 18.03.2018 12:27
    Highlight Die Anzahl geblockte Schüsse wäre noch interessant falls verfügbar, um die Aufopferungsbereitschaft der Spieler aufzuzeigen..
    64 3 Melden
    • Sandro Zappella 18.03.2018 12:36
      Highlight 1. ZSC 102
      2. Bern 65
      3. Biel 61
      4. Lugano 60
      5. Zug 52
      6. Davos 45
      7. Genf 35
      8. Fribourg 32

      Durchschnitt 56
      78 2 Melden
    • chnobli1896 18.03.2018 12:47
      Highlight Dankeschön! Hier wird der Unterschied in der Lugano-Fribourg Serie auch deutlich sichtbar..
      32 10 Melden
    • Leguan 18.03.2018 12:58
      Highlight Aussagekräftiger wären aber die geblockten Schüsse in %, es werden ja nicht überall gleichviele Schüsse aufs Tor abgegeben.
      70 2 Melden
    • Pascal Mona 18.03.2018 14:01
      Highlight @chnobli, wohl kaum, DER Unterschied in der Serie liegt viel mehr zwischen Merzlikins und Brust, leider...
      38 5 Melden
    • chnobli1896 18.03.2018 16:58
      Highlight @Pascal Mona: Einverstanden, wobei Elvis weniger oft eingreifen muss wenn fast doppelt so viele Schüsse geblockt werden ;-)
      4 7 Melden
    • Pascal Mona 18.03.2018 19:27
      Highlight Sorry nicht einverstanden. Ein geblockter Schuss zählt ja nicht als “Schuss aufs Tor“ und somit hat Merzlikins halt trotz mehr geblockten Schüssen noch mehr zu tun als Brust... irgendwie habe ich (Optimist) aber die Serie noch nicht abgeschrieben.
      21 1 Melden
    • chnobli1896 18.03.2018 20:11
      Highlight Ja aber wenn die Schüsse nicht geblockt werden würden dann würde er noch mehr zu halten haben. Odet etwa nicht?!
      1 6 Melden
    • Pascal Mona 18.03.2018 20:44
      Highlight Ohh jaja natürlich, trotzdem ist diese Statistik ziemlich wenig aussagekräftig. Es ist ja auch einfacher/wahrscheinlicher von 100 Schüssen, 10 zu blockieren als von 20 Schüssen?! Zudem ändern die geblockten Schüsse immer noch nicht das Total der “Schüsse aufs Tor“?! Und natürlich kommt es dann auch noch auf die Qualität der Abschlüsse an... Fazit: Nein, die Statistik der geblockten Schüsse zeigt nicht die Differenz in der Serie Lugano-Gotteron
      12 0 Melden
    • Larionov 18.03.2018 23:59
      Highlight Ich finde, die statistik der geblockten schüsse geben viel auskunft und ist ein wichtiger bestandteil einer intakten und erfolgreichen mannschaft! Wie erwähnt wird, opferbereitschaft! Stellungsspiel und taktik...!
      Zsc ist ein gutes beispiel. Nicht mal z fans haben mit dem gerechnet, dass sie nun 3:1 in führung sind! 37! Geblockte schüsse mehr als bern!!! Ausser biel sind die plätze 1-4 in der serie im vordertreff
      7 4 Melden
    • Hallo22 20.03.2018 07:12
      Highlight @Larionov wobei Zug vermutlich auch mehr aufs Goal schoss als Genf. Wenn dan sollte man in dieser Statistik die Viertelfinalgegner vergleichen und das immer mit dem tatsächlichen Stand im Hintergrund
      4 0 Melden

Das wären die Logos der Schweizer Klubs, wenn sie NHL-Teams wären

Die Eishockey-Sprache ist englisch: Crosscheck, Slot und Butterfly-Goalie, Boxplay, Icing und Emptynetter. Auch die Schweizer Ligen heissen nicht mehr Nationalliga A und B, sondern National League und Swiss League. Nur die Klubs haben immer noch ihre alten Namen.

Höchste Zeit, dass auch sie sich wandeln upgraden und ihre HC, SC und EV durch zeitgemässe Namen ersetzen!

* Update: User weisen darauf hin, dass der richtige Plural «mice» lautet. Das ist natürlich korrekt. Da ein kleiner Fehler zum …

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