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Janka im Super-G von Lake Louise am Sonntag: Rang 15. Bild: EPA

Warum die Ex-Champions Carlo Janka und Patrick Küng nicht resigniert haben

Carlo Janka und Patrick Küng wollen im Kreis der besten Speed-Fahrer der Welt wieder Fuss fassen. Der Glaube an die Rückkehr lässt sie den steinigen Weg der kleinen Schritte ertragen.

Publiziert: 29.11.18, 14:44 Aktualisiert: 30.11.18, 10:41
David Bernold, beaver creek

Sie waren einmal ganz oben. Weltmeister waren sie, Lauberhorn-Sieger. Der eine gewann ausserdem olympisches Gold und den Gesamtweltcup. Es waren glorreiche Zeiten. Es waren nicht Tage wie diese, die bei Carlo Janka und Patrick Küng im Zeichen des Versuchs stehen, den Anschluss an die Besten wiederherzustellen.

Die Karriere von Carlo Janka

2006: Carlo Janka gewinnt an der Junioren-WM Bronze. Weltmeister Stefan Guay holt später im Weltcup nur ein einziges Mal Punkte, Silbermedaillen-Gewinner Petteri Kantola gelingt dies bei bloss fünf Weltcupstarts nie. AP CP / JACQUES BOISSINOT
2007: Noch sind die Autogramme von Daniel Albrecht (oben) und Marc Berthod (unten) begehrter als jene von Janka. KEYSTONE / ALESSANDRO DELLA VALLE
2008: Der erste Podestplatz im Weltcup. In der Abfahrt von Lake Louise profitiert Janka davon, dass das Wetter je länger das Rennen dauert, desto besser wird. So fährt er mit Startnummer 65 auf Rang 2. EPA / MIKE STURK
2008: Der erste Weltcupsieg. In Val d'Isère gewinnt Janka einen Riesenslalom. KEYSTONE / JEAN-CHRISTOPHE BOTT
2009: Die erste WM-Medaille. In Val d'Isère fährt Cuche zu Bronze in der Abfahrt, hinter Weltmeister John Kucera aus Kanada und Teamkollege Didier Cuche. AP / LUCA BRUNO
2009: Das WM-Gold. In Val d'Isère rast Janka zum Weltmeistertitel im Riesenslalom. AP / ALESSANDRO TROVATI
2009: Der Hattrick. In Beaver Creek gewinnt Janka drei Weltcuprennen in drei Tagen: Eine Super-Kombination, einen Riesenslalom und eine Abfahrt. EPA / HELMUT FOHRINGER
2010: Der Heimsieg. Carlo Janka gewinnt die Lauberhorn-Abfahrt in Wengen und geniesst das Bad in der Menge. KEYSTONE / ALEXANDRA WEY
2010: Der Olympiasieg. Janka gewinnt vor den beiden Norwegern Kjetil Jansrud und Aksel Lund Svindal die Goldmedaille im Riesenslalom. AP / Sergey Ponomarev
2010: Der Sieg im Gesamtweltcup. Mit einem Sieg im Riesenslalom von Garmisch-Partenkirchen sichert sich Carlo Janka die grosse Kristallkugel. EPA / STEPHAN JANSEN
2010: Strahlen um die Wette. Janka und die Gesamtweltcup-Siegerin der Frauen, Lindsey Vonn. AP / Giovanni Auletta
2011: Der «Comeback»-Sieg. Nur zehn Tage nach einer Operation am Herzen gewinnt Janka den Riesenslalom in Kranjska Gora. EPA / ANTONIO BAT
2012: Die lange Zeit des Grübelns. Janka kommt während drei Jahren kaum mehr auf keinen grünen Zweig. KEYSTONE / PETER KLAUNZER
2015: Die Erlösung. Janka gewinnt am Lauberhorn die Super-Kombination und wird tags darauf Dritter in der Abfahrt, hinter Hannes Reichelt aus Österreich und Beat Feuz (links). KEYSTONE / JEAN-CHRISTOPHE BOTT
2016: Fast aus dem Nichts gewinnt Janka auf der Olympiastrecke von 2018 in Jeongseon den Super-G und das mit überwältigendem Vorsprung. Schon bei der traditionellen Abfahrt in Kitzbühel hatte er es aufs Podest geschafft. AP/AP / Mark Schiefelbein
Es ist bis dato Jankas letzter Sieg: Immer wieder schnupperte er danach an der Weltspitze, mehr als ein paar Podestplätze lagen aber nicht mehr drin. AP / Gabriele Facciotti

Die Tage, die geprägt waren von quälenden Zweifeln und unbeantworteten Fragen, sind Vergangenheit. Janka und Küng sehen Licht am Ende des Tunnels. Der Bündner verweist auf die wiedergewonnene Möglichkeit, das rechte Knie in Training und Wettkampf schmerzfrei und ohne Einschränkung belasten zu können. Die Hoffnung des Glarners auf Besserung beruht auf dem Wechsel des Ausrüsters, der nicht mehr Salomon, sondern Fischer heisst.

Trotz erfreulicher Tendenzen sind die beschwerlichen Tage noch nicht ausgestanden. Der lange Weg zurück erfordert weiter Geduld. Der Nachhall eines nicht operativ behandelten Kreuzbandrisses lässt sich ebenso wenig mit einem Schlag aus der Welt räumen wie das unbefriedigende Zusammenspiel zwischen Athlet und Material.

Die mentale Seite

Janka macht die mentale Verarbeitung nach wie vor zu schaffen. Der Kopf ist noch nicht so weit wie der Körper. Das Vertrauen nach dem im Oktober vergangenen Jahres erlittenen Kreuzbandriss ist noch nicht zu 100 Prozent wiederhergestellt. «Es braucht Zeit, das Trauma zu verarbeiten. Aber die Richtung stimmt.» Einen weiteren Teil des Vertrauens hat sich Janka am vergangenen Wochenende in Abfahrt und Super-G in Lake Louise zurückgeholt, in Beaver Creek sollen in den kommenden Tagen weitere Schritte folgen.

Immer noch erfolgshungrig: Janka vor der Saison. Bild: KEYSTONE

Jankas Glaube daran, noch einmal zum Kreis der Besten gehören zu können, ist ungebrochen. «Sonst wäre ich nicht mehr hier», sagt er im Mannschafts-Hotel in Beaver Creek. «Ich mache alles, um nochmals konstante Leistungen abrufen zu können.» Seinen Fokus hat er primär auf den Speed-Bereich gelegt. Der Realist weiss, dass es ihm im Riesenslalom nicht mehr reichen wird, dorthin zu kommen, wo er einmal war.

Falls überhaupt, wird Janka die einstige Domäne erst wieder bei erreichten 500 Weltcup-Punkten in seine Überlegungen miteinbeziehen. Zudem müsste er sein Niveau anheben. «Während der Vorbereitung waren meine Leistungen nicht allzu gut.»

Der thematisierte Rücktritt

«Nicht allzu gut» erging es auch Patrick Küng in den vergangenen zwei Wintern. Das fehlende Vertrauen war bei ihm keine Kopfsache, sondern bedingt durch die stete Suche nach der optimalen Materialabstimmung. Das Gefühl auf den Ski war weg – und mit ihm der Spass und vor allem die Sicherheit. «Unter diesen Umständen wird es in der Abfahrt gefährlich.»

Verdienter Schluck aus der Pulle: Patrick Küng wird 2015 Abfahrts-Weltmeister. Bild: EPA/KEYSTONE

Küng sah lange keinen Ausweg aus der Krise. Der Rücktritt wurde zum Thema. Nach dem Renn-Wochenende in Kvitfjell im März brauchte er Zeit für sich. Er wollte mit sich ins Reine kommen, «die Sachen ordnen», wie er es nennt. «Aufhören war sicher ein Punkt. Nach der Rückkehr aus Norwegen hatte ich nicht mehr allzu grosse Lust.»

Gefühl, Spass, Sicherheit und Lockerheit – mittlerweile ist alles wieder da. «Es macht wieder mehr Freude, den Berg runterzufahren.» Den Berg runter rast Küng vorab in der Abfahrt. Der Super-G hat im Moment keine Priorität. Selbst teamintern hat Küng in dieser Disziplin schlechte Karten. In den aktuellen Aufgeboten mit neun Fahrern ist für ihn kein Platz.

Küng in der Abfahrt von Lake Louise: Rang 32. Bild: AP/The Canadian Press

Küng ist sich trotz Fortschritten in der Abfahrt bewusst, dass es auch nach dem Materialwechsel keine Garantie für die erhoffte Wende gibt. Der Auftakt in Lake Louise mit Platz 32 warf keine hohen Wellen. Immerhin verleihen die in den zwei Abfahrtstrainings in Lake Louise erbrachten Leistungen Zuversicht. In schwierigen Zeiten dienen selbst kleine Strohhalme dazu, sich daran festzuklammern.

Patrick Küngs Hoffnung lebt weiter. Die Gedanken an die Vergangenheit helfen dabei. An die Zeit, in der er ganz oben war. (sda)

Schweizer mit mehr als 10 Weltcupsiegen

MÄNNER: Pirmin Zurbriggen: 40 Weltcupsiege (10-mal Abfahrt, 10-mal Super-G, 7-mal Riesenslalom, 2-mal Slalom, 11-mal Kombination). EPA DPA / STR
Peter Müller: 24 Weltcupsiege (19-mal Abfahrt, 2-mal Super-G, 3-mal Kombination). KEYSTONE / STR
Michael von Grünigen: 23 Weltcupsiege (23-mal Riesenslalom). KEYSTONE / LUKAS LEHMANN
Didier Cuche: 21 Weltcupsiege (12-mal Abfahrt, 6-mal Super-G, 3-mal Riesenslalom). KEYSTONE / EDDY RISCH
Franz Heinzer: 17 Weltcupsiege (15-mal Abfahrt, 2-mal Kombination). KEYSTONE / STR
Beat Feuz: 15 Weltcupsiege (12-mal Abfahrt, 3-mal Super-G). AP/AP / John Locher
Carlo Janka: 11 Weltcupsiege (3-mal Abfahrt, 1-mal Super-G, 4-mal Riesenslalom, 3-mal Kombination). X90072 / DENIS BALIBOUSE
Bernhard Russi: 10 Weltcupsiege (9-mal Abfahrt, 1-mal Riesenslalom). KEYSTONE / STR
FRAUEN: Vreni Schneider: 55 Weltcupsiege (20-mal Riesenslalom, 34-mal Slalom, 1-mal Kombination). KEYSTONE / STR
Lara Gut: 32 Weltcupsiege (11-mal Abfahrt, 16-mal Super-G, 4-mal Riesenslalom, 1-mal Kombination). (Stand: 03.03.2021) AP/CP / Jeff McIntosh
Erika Hess: 31 Weltcupsiege (6-mal Riesenslalom, 21-mal Slalom, 4-mal Kombination). KEYSTONE / STR
Michela Figini: 26 Weltcupsiege (17-mal Abfahrt, 3-mal Super-G, 2-mal Riesenslalom, 4-mal Kombination). KEYSTONE / ANONYMOUS
Maria Walliser: 25 Weltcupsiege (14-mal Abfahrt, 3-mal Super-G, 6-mal Riesenslalom, 2-mal Kombination). KEYSTONE / STR
Lise-Marie Morerod: 24 Weltcupsiege (14-mal Riesenslalom, 10-mal Slalom). KEYSTONE / STR
Marie-Theres Nadig: 24 Weltcupsiege (13-mal Abfahrt, 6-mal Riesenslalom, 5-mal Kombination). KEYSTONE / EPU
Sonja Nef: 15 Weltcupsiege (13-mal Riesenslalom, 2-mal Slalom). KEYSTONE / OLIVIER MAIRE

«Glühwein ist sch**sse»

Video: watson/Emily Engkent

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