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Ein Selfie mit dem Dalai Lama. Dafür ist er gern zu haben – der buddhistische Mönch, der seine Mission nicht erfüllen kann.
Ein Selfie mit dem Dalai Lama. Dafür ist er gern zu haben – der buddhistische Mönch, der seine Mission nicht erfüllen kann.Bild: Keystone
Sektenblog

Der Dalai Lama füllt das Hallenstadion wie ein Rockstar – nur leider nützt ihm das nichts

23.07.2016, 15:13

Was haben der Dalai Lama und Rod Stewart gemeinsam? Das ist keine Frage aus einem Kreuzworträtsel, sondern eine Kuriosität aus der Welt der Unterhaltung. Die Lösung: Der Dalia Lama, Gott-König des Tibets, lächelt neben dem Rockstar Rod Stewart vom Ticketcorner-Newsletter.

Tatsache ist: Der Dalai Lama füllt den gleichen Unterhaltungstempel wie Rod Stewart, nämlich das Hallenstadion. Jawohl, Ticketcorner verkauft Billette für die Veranstaltung mit dem weltweit berühmtesten Mönch. Im Fan-Report weist dieser 4,7 von 5 Punkten auf. Alle Achtung.

Der Grad an Glaubwürdigkeit ist beim Dalai Lama ungleich höher als beim Papst.

Wie ein Rockstar tourt er um die Welt

Am 14. Oktober gibt sich Seine Heiligkeit in Zürich die Ehre. Dort, wo sonst Pucks über das Eis sausen oder Rocksound die Bauchdecke der Besucher zum Vibrieren bringt, wird der Dalai Lama Tausende seiner Schüler unterrichten.

Der Schauspieler Richard Gere ist einer der grössten Fans des Dalai Lama.
Der Schauspieler Richard Gere ist einer der grössten Fans des Dalai Lama.Bild: Keystone

Es ist nicht das erste Mal, dass Tendzin Gyatsho, der 14. Dalai Lama, auf seiner Welttournee in Zürich gastiert. Der 81-jährige Mönch jettet wie ein Superstar durch die westliche Welt und wird selbst von hochrangigen Politikern mit grossen Ehren empfangen.

Der Dalai Lama ist eine der bekanntesten Personen weltweit. Möglicherweise besitzt er den höchsten Grad an Glaubwürdigkeit überhaupt. Mit Sicherheit aber überragt er darin den Papst, und zwar um Längen.

Applaus, wo er ihm wenig nützt

Trotzdem ist er eine tragische Figur, denn die Bilanz seiner unermüdlichen Mission ist mager. Sein Volk lebt weiterhin in Unfreiheit oder ist zerstreut auf der halben Welt.

Tragisch ist auch, dass der Applaus ihm dort entgegenbrandet, wo er ihn nicht wirklich sucht und wo er ihm wenig nützt. Nämlich in der westlichen Welt, die ihm eigentlich als dekadent erscheinen muss. Schliesslich besteht sein Lebensziel als Mönch darin, seine spirituelle Entwicklung bis zur Meisterschaft voranzutreiben.

Eine kleine Unterbrechung gefällig? Nach der Slideshow geht's weiter ...

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Doch ausgerechnet von den westlichen Wohlstandsmenschen, die die buddhistische Lehre als Religionsersatz (miss-)brauchen, wird er wie ein Heiliger und Märtyrer verehrt.

Westliche Fans fürs Geld

Daraus ergibt sich ein weiteres Paradox, unter dem der Dalai Lama leiden dürfte: Er braucht die westlichen Fans des schnöden Mammons wegen. Um seine Aktionen und Projekte finanzieren können, wirft er seine Popularität in die Waagschale.

So bekommen für ihn weltliche Aspekte eine Bedeutung, die ihm eigentlich höchst zuwider sein müssten. Der Vertriebene muss sich wie im falschen Film vorkommen. Als Gefangener seiner unmöglichen Mission, sein Volk zu befreien.

Dafür muss er in Kauf nehmen, dass die westlichen spirituellen Sucher ihre übersinnlichen Hoffnungen und Sehnsüchte hemmungslos auf ihn projizieren. Ein Teufelskreis für einen Greis, dessen Lebenswerk, sein Volk zu befreien, als gescheitert betrachtet werden muss.

Privatjet statt Rikscha

Statt sich von der Welt abzukehren und sich ganz auf seine übersinnliche Bestimmung zu konzentrieren, muss er seine Rikscha mit einem Privatjet tauschen und sein Kloster mit Stadien und Eventhallen.

So wurde er zur Galionsfigur der westlichen spirituellen Sucher, deren Personenkult peinlich wirkt. Eine verhängnisvolle Symbiose, die auch den Dalai Lama zum Gefangenen seiner selbst macht.

Lacht der gute Mann vielleicht deshalb oft so unmotiviert und irritierend vor sich hin? Man könnte es verstehen.

Hugo Stamm
Glaube, Gott oder Gesundbeter – nichts ist ihm heilig: Religions-Blogger und Sekten-Kenner Hugo Stamm befasst sich seit den Siebzigerjahren mit neureligiösen Bewegungen, Sekten, Esoterik, Okkultismus und Scharlatanerie. Er hält Vorträge, schreibt Bücher und berät Betroffene.
Mit seinem Blog bedient Hugo Stamm seit Jahren eine treue Leserschaft mit seinen kritischen Gedanken zu Religion und Seelenfängerei.
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35 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Seralina
23.07.2016 17:06registriert Oktober 2014
Ein sehr frecher beitrag von ihnen!
In erster linie besucht der dalai lama länder wo sein volk leben muss.die stadien sind mit unzähligen tibeter und einzelnen nicht tibeter gefüllt! Für die tibeter ein geschenk ohne angst ihren dalai lama zu sehen und seine schulungen zu besuchen!
Ich werde ihn das dritte mal erleben dürfen in zürich,den mann mit dem wohl ehrlichsten und schönsten lachen der welt! Der dalai lama ist unglaublich weise,friedvoll und gibt acht zu seinem volk! Sie könnten viel von ihm lernen!!
Schämen sie sich!
Free tibet,lang lebe seine heiligkeit der 14. dalai lama❤️
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Shin Kami
23.07.2016 20:36registriert Juni 2016
Naja ist ja nicht so als würde kein Land der Welt den Tibetern helfen, weil alle damit beschäftigt sind China in den Arsch zu kriechen...

...Ach Moment genau so ist es ja!
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shubeedoo
23.07.2016 18:01registriert Juli 2016
Ist dies als Kritik oder Mitleid gemeint? So wie ich den Buddhismus immer verstanden habe, ist das höchste Ziel, frei von den Zwängen der eigenen Wünsche zu werden. Ich bin mir sicher, der Dalai Lama wünscht sich nach Tibet zurückkehren und das erreicht er nicht durch isolierte Askese, sonder u.a. mit Geld und Publicity. Völlig legitm mMn. Ausserdem bringt er anderen das buddhistische Gedankengut näher. Wie er damit umgeht, dass sein Wunsch nie in Erfüllung gehen wird, kann niemand von uns wissen, wird aber u.a. entscheiden, ob er denn den buddhistischen Prinzipien treu ist/war.
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