Digital
Elektroauto

Wechsel an der Spitze: Das sind die weltweit grössten E-Auto-Hersteller

Wang Chuanfu, BYD Elon Musk
Wang Chuanfu ist Chef von BYD, dem Unternehmen, das Elon Musks Tesla als grössten Hersteller von E-Autos überholt hat.Bild: AP/Keystone

Wechsel an der Spitze – das sind neu die weltweit grössten E-Auto-Hersteller

Während Tesla mit Imageproblemen und sinkenden Verkäufen kämpft, setzen die chinesischen Autohersteller zum Überholmanöver an. Aber auch Europas grösster Autobauer kommt in Schwung.
30.01.2026, 18:5330.01.2026, 20:03

Nach zwei Jahren in Folge mit sinkenden E-Auto-Verkäufen ist Tesla erstmals seit Jahren nicht mehr der grösste Elektroauto-Hersteller. Der Marktführer heisst neu BYD. Der chinesische Elektroauto- und Akkuhersteller lieferte 2025 fast 2,3 Millionen E-Autos aus. Das waren über 600'000 vollelektrische Modelle mehr als Tesla.

Das stärkste Wachstum verzeichnete aber der Geely-Konzern, ebenfalls aus China, der mit seinen E-Autos erstmals die Millionenmarke knackte und neu die Nummer drei ist – vor Volkswagen mit knapp einer Million Stromer.

Den bisherigen Höhepunkt hatte Tesla 2023 mit etwas über 1,8 Millionen ausgelieferten Fahrzeugen erreicht. Geely (Volvo, Polestar) holt rasch auf.

Geely jagt Tesla

Am meisten Stromer verkauft Geely im Heimatmarkt China mit bei uns kaum bekannten Marken wie Zeekr. Zum schnell wachsenden Automobilkonzern gehören aber auch bei uns bekannte Marken wie Volvo, Polestar und Smart. 2026 bringen die Chinesen mit Lynk & Co eine weitere Marke in die Schweiz. Die Stromer von Lynk & Co werden in Kooperation mit Volvo in Schweden entworfen und in China gebaut.

Auch in der Schweiz ist Geely bereits die Nummer drei im E-Auto-Segment und kurz davor, Tesla zu überflügeln.

Geely startet mit den Marken Volvo, Polestar, Smart, Lotus und ab 2026 Lynk & Co auch in der Schweiz durch.

Schweizer kaufen also sehr wohl chinesische E-Autos, am liebsten, wenn sie wie Volvo, Polestar oder Smart nicht als China-Stromer wahrgenommen werden.

VW steht unter Strom

Ebenfalls einen deutlichen Aufwärtstrend zeigt der VW-Konzern. Die Deutschen mussten sich zwar von Geely überholen lassen, steigerten ihre globalen E-Auto-Auslieferungen aber um über 30 Prozent auf fast eine Million Stromer. Das reichte 2025 für Rang vier. Der VW-Konzern mit den Marken Audi, Skoda, Cupra und Porsche wuchs schneller als der Gesamtmarkt und baute bei den Stromer-Auslieferungen den Vorsprung auf Hyundai-Kia, BMW und Mercedes aus.

Tesla zieht den Stecker

In den Top 5 ist Tesla der einzige Hersteller, der nicht mehr wachsen kann. Angesichts der sinkenden Verkäufe schwört Elon Musk den E-Auto-Pionier auf eine Zukunft mit Robotern und Robotaxis ein.

Tesla hat, mit Ausnahme des gefloppten Cybertrucks, seit Jahren kein neues Modell lanciert und kündigte diese Woche an, die älteren Modelle S und X einzustellen – angeblich um Kapazitäten für die Roboter-Produktion freizumachen. Fakt ist: Die Verkäufe beider Modelle gingen seit Jahren stark zurück. 2025 versuchte Tesla den alternden Modellen mit Facelifts neues Leben einzuhauchen – ohne Erfolg.

President Donald Trump and Tesla CEO Elon Musk speak to reporters in front of a red Model S Tesla vehicle on the South Lawn of the White House Tuesday, March 11, 2025, in Washington. (Pool via AP)
Tru ...
Auch Trumps PR-Stunt half nichts: Teslas Model S verkauft sich nicht mehr und wird eingestellt.Bild: keystone

Teslas Jahresgewinn für 2025 brach um 46 Prozent auf rund 3,8 Milliarden Dollar ein. Zu beachten ist, dass Teslas Erlöse aus dem CO₂-Zertifikatehandel 2,76 Milliarden Dollar betrugen. Diese Einnahmen werden künftig schrumpfen, da Donald Trump die Grenzwerte zum CO₂-Ausstoss der Autobranche lockerte. Andere Autohersteller müssen Tesla folglich weniger CO₂-Verschmutzungsrechte abkaufen.

VW startet grösste Modelloffensive der Konzerngeschichte

Auch bei Volkswagen gibt es Licht und Schatten: Der VW-Konzern ist in Europa mit einem satten Stromer-Wachstum von 66 Prozent die klare Nummer eins, verlor aber im schnell wachsenden E-Auto-Segment in China den Anschluss an die heimischen Autohersteller (minus 44 Prozent). Mit einer gross angelegten Modelloffensive will VW den Niedergang in China stoppen und dort zur Aufholjagd ansetzen. Mit 20 neuen Modellen allein in diesem Jahr, der Grossteil davon Elektroautos, will der Konzern den Absatz ankurbeln.

VW-China-Chef Ralf Brandstätter sprach von der grössten Modelloffensive der Konzerngeschichte. Ziel sei es, den dritten Platz, auf den VW bei den dortigen Neuzulassungen inzwischen abgerutscht ist, zu verteidigen – und bei E-Autos aufzuholen.

Im vergangenen Jahr war der Absatz des Konzerns auf seinem nach wie vor wichtigsten Markt erneut um acht Prozent auf unter 2,7 Millionen Fahrzeuge (Verbrenner und E-Autos) eingebrochen. Bei den Neuzulassungen rutschte der jahrzehntelange Marktführer auf Platz drei ab: Nach dem E-Auto-Hersteller BYD zog 2025 auch die Volvo-Mutter Geely knapp vorbei. «Wir wollen in den Top 3 bleiben. Und die Nummer eins unter den internationalen Herstellern», sagte Brandstätter.

Ende 2025 startete die Produktion des VW ID.Unyx 07. Das erste Modell von VWs neuer E-Auto-Generation, die komplett in China für China entwickelt wurde.
Ende 2025 startete die Produktion des VW ID.Unyx 07. Das erste Modell von VWs neuer E-Auto-Generation, die komplett in China für China entwickelt wurde.bild: vw

Erstes neues Modell «in China, for China» angelaufen

Helfen sollen dabei neue, in China speziell für den dortigen Markt entwickelte Fahrzeuge, die nun anlaufen. Das erste Modell, der VW ID.Unyx 07, ist gerade in Serie gegangen, weitere sollen im Laufe des Jahres folgen. Es handelt sich dabei um das erste VW-Modell, das komplett in China entwickelt wurde – inklusive der neuen Elektronik-Architektur. Weitere Modelle sollen folgen, allein 20 in diesem Jahr und 50 bis 2030.

VW setzt dabei auf lokale Partner wie das chinesische E-Auto-Startup Xpeng, um bisherige Software-Defizite auszubügeln. Xpeng gilt in China als führend beim autonomen Fahren. Die Kooperation soll insbesondere helfen, die Entwicklungszeit neuer E-Modelle massiv zu beschleunigen. Deshalb würden Entscheidungen vor Ort getroffen, in «China Speed».

Konzernchef Oliver Blume sprach von einem wichtigen «Meilenstein unserer Strategie ‹In China, for China›», die VW vor drei Jahren aufgestellt hatte. Statt in China nur zu produzieren, sollen Autos dort auch komplett entwickelt werden, angepasst auf den dortigen Markt. «Vor drei Jahren haben uns viele abgeschrieben», sagte Blume mit Blick auf den damals wegbrechenden Markt in China. «Doch wir haben uns mit einer klaren Strategie Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr zurückgekämpft.»

Entwicklung und Produktion finden also nun lokal statt, mit lokalen Zulieferern – was die Kosten senkt.

Neue Export-Märkte für VWs aus China

Der Ansatz eröffne auch neue Export-Chancen, sagte Blume. In die Region Nahost wird bereits aus China geliefert, Südamerika und Afrika könnten folgen. VW reagiert so auf chinesische Rivalen wie BYD, die primär in Asien, Südamerika und Afrika schnell Marktanteile gewinnen. «Auch das ist ein wichtiger strategischer Hebel für den Volkswagen Konzern», so Blume. Weiter ausgeschlossen wird dagegen ein Export der reinen China-Modelle nach Europa.

In China selbst wird der neue Kurs aber wohl erst im kommenden Jahr Früchte tragen, räumte Brandstätter ein. Schliesslich kämen die neuen Modelle erst nach und nach in den Handel. «2027 wird die Modelloffensive dann Wirkung zeigen.»

Ende des Preiskampfs in Sicht

Aufholen will VW vor allem bei den in China boomenden E-Autos. Bei den Verbrennern sind die Wolfsburger mit 22,6 Prozent Marktanteil weiter die Nummer eins. Bei Elektro-Modellen spielt der Konzern dagegen kaum eine Rolle. Den Markt dominieren einheimische Hersteller wie BYD, Geely und rund 100 weitere, die sich einen erbitterten Preiskampf liefern. «Der Wettbewerb ist hart», sagte Brandstätter. Doch mittelfristig werde sich die Spreu vom Weizen trennen.

Bei den Preisen sieht Brandstätter schon jetzt das Ende der Fahnenstange erreicht: «Bis 2025 hatten die Preise eigentlich nur eine Richtung gekannt: nach unten.» Brandstätter rechnet nicht damit, dass die Preise weiter fallen – steigen dürften sie ihm zufolge aber auch nicht.

VW sieht China als Taktgeber

«Wir haben unsere Kostenstrukturen konsequent auf dieses Umfeld ausgerichtet und wollen mit unseren neuen Fahrzeugen Geld verdienen», sagte Brandstätter. Dabei helfen die neue E-Auto-Plattform und Software-Architektur aus China, die die Kosten um bis zu 50 Prozent senken.

Konzernchef Blume sagte, in keiner anderen Region der Welt vollziehe sich der Umbruch der Branche so schnell, dynamisch und konsequent wie in der Volksrepublik. «In China entscheidet sich, wer in der Transformation vorne mitfährt», so der VW-Chef. «Nur wer in China besteht, wird auch woanders auf der Welt erfolgreich sein.»

Alle ausländischen Autohersteller stehen in China unter massivem Druck: Auch Tesla, Ford, Toyota oder BMW und Mercedes verlieren seit mehreren Jahren Marktanteile an aufstrebende chinesische Autobauer wie Leapmotor, Xpeng und Xiaomi. Als ehemalige Nummer eins in China hat VW aber am meisten zu verlieren.

(oli/awp/sda/dpa)

Elektroauto
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Die 20 meistverkauften E-Autos in der Schweiz 2025
1 / 22
Die 20 meistverkauften E-Autos in der Schweiz 2025

Rang 20: Volvo EX40 (729 Neuzulassungen).

Auf Facebook teilenAuf X teilen
Trump nennt Senator einen Loser – der schlägt zurück
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
37 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
N. Y. P.
30.01.2026 19:04registriert August 2018
Ich bin jetzt wirklich, wirklich masslos enttäuscht über Tesla. Ich hatte gehofft, dass die komplett abschmieren.. Ich will die Absatzzahlen im freien Fall sehen.
3015
Melden
Zum Kommentar
37
Die Zeit der Benzin-Autos läuft rasch ab
Ende 2025 wurden in der EU erstmals in einem Monat mehr E-Autos als Benzin-Autos gekauft. Der grosse Siegeszug der E-Mobilität ist dies aber noch nicht.
«Verkäufe von Elektroautos liegen in der EU erstmals knapp über denen von Benzinern», berichtete die Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag. Das mag erstaunen, vollelektrische E-Autos waren im vergangenen Monat aber tatsächlich zum ersten Mal minim populärer als Benzin-Autos.

Möglich wurde diese Premiere, da die E-Auto-Verkäufe im Dezember 51 Prozent über dem Absatz im Dezember 2024 lagen. Gleichzeitig brachen Benzin-Autos gegenüber dem Vorjahresmonat um 19 Prozent ein.

Grafisch sieht dies so aus:
Zur Story