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Disney, Nestlé und Epic Games werben nicht auf Youtube

Nach Kinderporno-Vorwurf: Disney, Nestlé und Epic Games werben nicht mehr auf Youtube

21.02.2019, 20:5022.02.2019, 07:24
Max Biederbeck / watson.de
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YouTube hat ein Problem mit Pädophilie und bekommt das jetzt im Geldbeutel zu spüren. Internationale Marken wie «Nestlé», «Disney» und «Epic Games» haben ihre Werbung auf der Video-Plattform gestoppt. Sie wollten damit verhindern, vor Kinder-Videos aufzutauchen, die von Pädophilen ausgenutzt werden, berichtet die New York Times.

Anfang der Woche war durch den Youtuber «MattsWhatItIs» bekannt geworden, dass sich YouTube ohne grosse Probleme in eine Art «Soft-Kinder-Porno»-Plattform verwandeln lässt. Auch wir bei watson haben den Fehler überprüft und kamen zu den selben Ergebnissen wie Matt. Über die Trendsuche kommt man in wenigen Schritten in einen Bereich, in dem YouTube einem ausschliesslich Videos von kleinen Kindern anbietet.

  • Die Account-Namen der Uploader tragen dabei oft kryptische Namen, laufen in vielen Fällen auch in russischer Sprache. Es handelt sich eindeutig nicht um Uploads durch die Urheber der Videos selbst, sondern um sogenanntes «Republishing», bei dem fremde Inhalte durch anonyme Accounts einfach neu hochgeladen werden.
  • Besonders abstossend ist der Missbrauch der sogenannten «Time Stamps»-Funktion – User können damit bestimmte Momente im Video per Link markieren. Im Fall der Kinder-Videos führen sie genau zu Momenten, in denen ein Kind sich streckt oder möglichst nackt zu sehen ist.

Schon 2017 sorgte der YouTube-Algorithmus für Negativschlagzeilen. Damals tauchten tausendfach und automatisch generierte Kinder-Videos mit verstörenden Inhalten auf YouTube auf. Sie hatten das Ziel, ohne viel Aufwand eine möglichst grosse Reichweite zu erzeugen, um mit der geschalteten Werbung Geld zu verdienen. Sie liefen unter Schlagwörtern, die Kinder bei der Suche nach ihren Lieblings-Cartoons wie «Spider Man» oder «Peppa Wutz» in die Suchmaske eingaben.

Kritik am Werbemechanismus

Das Problem: In den wahllos zusammengeschnittenen Videos tauchten auch immer wieder gewalttätige und sexuell anstössige Inhalte auf. Löschte YouTube einen Clip, uploadeten neue Accounts an anderer Stelle sofort neue Videos. Menschliche Mitarbeiter kommen da nicht mehr hinterher, selbst wenn User ein schlimmes Video melden.

Damals wie heute betonen Kritiker, dass das Werbe-Konzept von YoutTube auf Basis von Klickzahlen und In-Video-Ads die Inhalte unterstütze. Auch vor die aktuell diskutierten Kinder-Videos schaltet die Plattform Werbung.

Deswegen hat unter anderem Nestlé seine Werbung zurückgezogen. Laut einem Bloomberg-Bericht ebenso Walt Disney. Bei YouTubes Problemen vor zwei Jahren gab es einen ähnlichen Boykott, nach kurzer Zeit schlossen sich damals hunderte von Unternehmen an.

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22 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Heinz Schmid
21.02.2019 22:33registriert Mai 2018
Ich bin platt. Nestlé macht sich Sorgen um den Ruf?
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YB98
21.02.2019 22:32registriert Februar 2016
Immer dieses Möchtegern-Moral Getue. Das juckt die Firmen nicht im geringsten, aber es ist gute Werbung...
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Adumdum
21.02.2019 21:46registriert Juli 2014
Gegen das Erstellen immer neuer Konten die gegen die Regeln verstoßen hat Google Ads ja ganz gut funktionierende Mechanismen (bin ex-Googler) - die könnte man auf YouTube übertragen, kostet halt nur etwas Geld...

Man kann erstmal Posts von neuen Konten beschränken, man kann cookie/IP/Passwort usw. basierte Analysen fahren die neue Konten mit alten illegalen in Verbindung stellen.

Man kann persönliche Identifizierung verbessern.

Man kann soviel mehr tun - schmälert halt nur etwas den Profit und die Aktienbesitzer sind erstmal nicht so happy.
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