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Merkel spricht von Einigung – Ungarn dementiert: 5 Fakten zum Asylstreit



Kurz vor der Entscheidung im Asylstreit mit der CSU versucht die deutsche Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit überraschend weitgehenden Vorschlägen, eine Eskalation der Regierungskrise abzuwenden. Am Samstagabend fand ein Krisentreffen zwischen ihr und Innenminister Horst Seehofer statt.

epa06846354 German Chancellor Angela Merkel  sits on the government bench after her speech to the German Bundestag in Berlin, Germany, 28 June 2018. Merkel delivered a government declaration to the members of the German parliament Bundestag prior a meeting of the European Council on 28 and 29 June and the NATO summit on 11 and 12 July 2018.  EPA/CLEMENS BILAN

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel sprach von einer Einigung im Asylstreit. Bild: EPA/EPA

Nach gut zwei Stunden verliess CSU-Chef Seehofer das Bundeskanzleramt wieder. Ergebnisse des Gesprächs wurden zunächst nicht bekannt. Merkel hatte zuvor in einem Schreiben an die Partei- und Fraktionschefs der Koalitionspartner SPD und CSU eine Reihe von Massnahmen für einen schärferen Kurs aufgeführt – etwa bei Asylbewerbern, die in einem anderen EU-Land schon registriert sind.

Ankerzentren

Wie aus dem der Nachrichtenagentur DPA vorliegenden achtseitigen Schreiben Merkels hervorgeht, sollen anderswo in der EU registrierte Asylbewerber in den geplanten sogenannten Ankerzentren untergebracht werden. Sie sollen dort ein beschleunigtes Verfahren durchlaufen und einer erweiterten Residenzpflicht unterliegen – also Auflagen, damit sie sich nicht aus den Einrichtungen entfernen.

Vereinbarung mit Griechenland und Spanien

Mit Griechenland und Spanien hat Merkel darüber hinaus weitergehende Rückübernahmevereinbarungen getroffen. Beide Länder haben sich bereiterklärt, bei ihnen registrierte Flüchtlinge zurückzunehmen, die an der deutschen Grenze aufgegriffen werden. Dafür kündigte Merkel in dem Schreiben die Einrichtung «grenznaher Rückkehrmechanismen» an.

Verstärkung der EU-Aussengrenze

Als weitere Massnahmen nannte Merkel in ihrem Schreiben, Bundespolizisten zur Verstärkung der EU-Aussengrenze nach Bulgarien zu schicken – so soll es weniger Einreisen in den grenzkontrollfreien Schengen-Raum geben. Zudem schlägt Merkel vor, den Missbrauch von Schengen-Visa stärker zu bekämpfen. Mit einer strikteren Vergabepraxis «können wir den Visumsmissbrauch und damit die Zahl der Asylersuchen in Deutschland substanziell verringern».

Innenminister Seehofer

Offen war zunächst, wie CSU-Chef Horst Seehofer auf die Pläne reagiert. Seehofer will bis zu sechs Ankerzentren eröffnen, in denen Asylbewerber bis zum Ende ihres Verfahrens und einer möglichen Abschiebung wohnen sollen. Die meisten Bundesländer wollen aber keine Ankerzentren bei sich einrichten.

epa06810379 German Minister of Interior, Construction and Homeland Horst Seehofer sits on the government bench prior to a topical debate (Aktuelle Stunde) on the Master Plan refugee and integration politics at the German parliament in Berlin, Germany, 15 June 2018. Christian Democrats (CDU) and Christian Social Union (CSU) are arguing about their stances over the government's migration policy with German Minister of Interior, Construction and Homeland Horst Seehofer insisting on unilateral measures and German Chancellor Angela Merkel being focused on a longterm EU-wide strategy. The CSU claims parts of Seehofer's so-called 'Masterplan Migration' would fall into the direct responsibility of Seehofers' Interior Ministry and should therefore be implemented without waiting for an agreement at EU level.  EPA/CLEMENS BILAN

Der deutsche Innenminister Horst Seehofer ist mit Merkels Asylpolitik oftmals uneins.  Bild: EPA/EPA

Kern des erbitterten Streits ist, dass Seehofer anderswo in der EU registrierte Migranten notfalls im Alleingang an der deutschen Grenze zurückweisen lassen will. Merkel lehnt ein einseitiges Vorgehen weiter ab, wie sie in dem Schreiben noch einmal betont.

Länder dementieren Asyl-Zusagen

In dem Schreiben präsentiert Merkel ihre Ergebnisse vom EU-Gipfel in Brüssel und parallel von ihr geführter weiterer Verhandlungen mit einzelnen EU-Ländern. Demnach hat sie von 14 Ländern Zusagen für Verwaltungsabkommen zur beschleunigten Rückführung registrierter Asylbewerber erhalten – darunter Ungarn, Polen und Tschechien, die bisher als scharfe Kritiker von Merkels Flüchtlingspolitik gelten.

Der tschechische Ministerpräsident Andrej Babis erklärte allerdings am Samstag, diese Darstellung sei «völliger Unsinn». «Deutschland ist nicht an uns herangetreten, und in diesem Augenblick würde ich ein solches Abkommen auch nicht unterzeichnen», sagte er laut einer Mitteilung seiner Regierung.

Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban bestritt ebenfalls, Zusagen zur beschleunigten Rückführung gegeben zu haben. «Das ist eine gewöhnliche Zeitungsente, es ist zu keinerlei Vereinbarung gekommen», sagte der rechtsnationale Politiker der staatlichen Nachrichtenagentur MTI.

epa06847825 Hungarian Prime Minister Viktor Orban arrives for an European Council summit in Brussels, Belgium, 28 June 2018. EU countries' leaders meet on 28 and 29 June for a summit to discuss migration in general, the installation of asylum-seeker processing centers in northern Africa, and other security- and economy-related topics including Brexit.  EPA/NICOLAS LAMBERT

Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban bestreitet, dass es zu einer Einigung gekommen sei. Bild: EPA/EPA

Auch Polen bestritt, ein Abkommen mit Deutschland zur beschleunigten Rückführung von Flüchtlingen geschlossen zu haben. «Es gibt keine neuen Vereinbarungen, die Aufnahme von Asylsuchenden von EU-Ländern betreffend», sagte der Sprecher des polnischen Aussenministeriums, Artur Lompart, am Samstag.

Die deutsche Regierung nahm Babis' Dementi «bedauernd zur Kenntnis», wie ein Sprecher sagte. «Von tschechischer Seite war die Bereitschaft ausgedrückt worden, ein Verwaltungsabkommen über verbesserte Zusammenarbeit bei Rücküberstellungen (...) zu verhandeln.» Diese Abkommen hätten zum Ziel, die Effizienz der EU-Asylregeln zu erhöhen. (sda/dpa/reu/vom)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Billy the Kid 01.07.2018 15:36
    Highlight Highlight Die Rechten treiben munter die Spaltung von Europa voran und träumen noch mal von alter nationaler Grösse.
    Ungarn ist ökonomisch betrachtet ein lächerlicher Zwerg und Orban ist sein Mafiakönig. Polen ist ein Anhängsel der deutschen Industrie und aus Tschechien kenne ich vor allem gutes Bier und schöne historische Städte.
    Wieviele Flüchtlinge haben die Polen oder Ungarn bis jetzt aufnehmen müssen? Ein paar hundert? Und das ist denen schon zu viel?
    Angie sollte wissen, dass man mit solchen Typen nur schriftliche Verträge abschliesst und nicht auf das "Ehrenwort" vertraut - sehr naiv von ihr.
  • Angelo C. 01.07.2018 13:26
    Highlight Highlight Nach Ungarn, haben sich auch Tschechien und Polen inzwischen von diesen Vorhaben ganz unmissverständlich distanziert.

    Kommt hinzu (Teletext SF von heute), dass nebst Marokko, Algerien und Tunesien nun auch Ägypten solche Zentrallager auf ihrem Territorium kategorisch ablehnt...

    Und solche dem verarmten und von Migranten überquellenden Griechenland aufs Auge drücken zu wollen, ist zumindest schlechter Stil.

    Zu lesen gibt es neuerdings, dass man mit dem ebenfalls mausarmen EU-Kandidaten Albanien in Verhandlung sei, damit dieser solche Auffanglager betreibe.

    Alles reine Absichtserklärungen.
  • _kokolorix 01.07.2018 10:54
    Highlight Highlight Man muss sich schon ernsthaft Gedanken über die Zurechnungsfähigkeit diverser europäischer Staatschefs machen. Das ist ja wie im Kindergarten, jeder versucht verzweifelt das Problem jemand anderem unterzujubeln. Irgend jemandem. Dabei ist doch völlig klar, dass das Dublin Abkommen ein Blindgänger ist, da es die Grenzstaaten krass benachteiligt.
    Ob die Migranten leztlich in Afrika oder Europa interniert werden ist eigentlich egal. Entscheidend wird sein wie die Umstände in diesen Lagern sind. Bei der jetztigen Verdrängungsmentalität der Europäer muss man das Schlimmste befürchten
  • dorfne 01.07.2018 10:02
    Highlight Highlight Diese Ankerzentren in Deutschland für anderswo Registrierte werden dazu führen, dass Griechenland und Italien nicht mehr registrieren, weil sie wissen, dass dann alle wieder zu ihnen zurückgeschickt werden. Jetzt soll diese Hin- und Herschieberei innerhalb des Schengenraums also institutionalisiert werden. Das einzig Positive ist mMn der Ausbau von Frontex zum verstärkten Schutz der EU-Aussengrenzen. Entlang der Grenzen Auffangzentren in denen die Asylanträge geprüft werden. Das wärs. Von dort aus werden die Asylanten über einen Verteilschlüssel an die EU-Staaten verteilt.
  • amore 01.07.2018 09:18
    Highlight Highlight Deutschland spielt in der EU in vielen Fällen eine miserable Rolle.
  • Gender Bender 01.07.2018 08:23
    Highlight Highlight Helmut Schmidt: "Deutschland hat die nächsten 500 Jahre keinen Führungsanspruch anzumelden." Die ollen teutonenischen Wüteriche habens leider bereits vergessen und machen was sie am besten können. Diese Pseudokulturnation.
  • N. Y. P. D. 01.07.2018 07:18
    Highlight Highlight Von wegen Einigung. Da herrscht komplette Disharmonie in der EU. Ein Riesensaupuff.

    Wir schaffen das !

    Angela, dieser Satz war verhängnisvoll. Umgehend machten sich Menschen auf den Weg. Bis heute.

    Was aber schlimm ist. Der Norden der EU lässt den Süden mit ihren Flüchtlingen allein. Kein Wunder, hat die Rechte in Italien übernommen.

    Und jetzt also das Rückübernahmeabkommen mit Griechenland. Man schiebt die Menschen zurück nach Griechenland.

    Ja und dann?

    Die Situation ist ausser Kontrolle..
    • AdiB 01.07.2018 10:43
      Highlight Highlight natürlich ist die situation ausser kontrolle, wenn man kleine rotzlögfel wie orban hat. ich kann mir vorstellen dass sie erst zusagten und dann um merkel nur eins auszuwieschen jetzt alles dementieren. und es wäre nichts ein problem wenn sich gewiesse länder die selbst sehr viele wirtschaftsmigranten hervorbrachten (ungarn, polen) mal andere rein lassen. den ungarn und polen haben null flüchtlinge aufgenommen. ich persönlich schlage deutschland wie auch der schweiz vor, die polen und ungaren auszuweisen um platz für flüchtlinge zu machen.
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