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epa05437824 A man from Hazara minority reacts after a suicide bomb attack that targeted a demonstration of Hazara minority in Kabul, Afghanistan, 23 July 2016. According to reports at least 20 people were killed and more than 150 injured when a bomb exploded as thousands of people from Hazara minority were protesting the proposed route of the Turkmenistan, Uzbekistan, Tajikistan, Afghanistan, and Pakistan (TUTAP) power line, calling on the government to re-route the line through Bamiyan province which has a majority of Hazara population. The government says the proposed route saves millions of dollars in cost.  EPA/HEDAYATULLAH AMID ATTENTION EDITORS: PICTURE CONTAINS GRAPHIC CONTENT

Trauer und Verzweiflung in Kabul: Der Doppelanschlag von Samstag fordert mindestens 80 Tote.  Bild: HEDAYATULLAH AMID/EPA/KEYSTONE

Grosses Entsetzen über «IS»-Doppelanschlag in Kabul – mindestens 80 Menschen kommen ums Leben



Der Anschlag mit mindestens 80 Toten in der afghanischen Hauptstadt Kabul hat international Entsetzen ausgelöst. Die USA sprachen von einer «feigen Attacke». Dass sie sich gegen friedliche Demonstranten gerichtet habe, mache sie noch verabscheuungswürdiger.

Die USA und die internationale Gemeinschaft stünden im Kampf gegen «Kräfte, die Afghanistans Sicherheit, Stabilität und Wohlstand bedrohen», weiter fest an der Seite des afghanischen Volkes und der Regierung, hiess es in einer Erklärung des Weissen Hauses.

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte den Terroranschlag als «verabscheuungswürdiges Verbrechen», das sich gegen Bürger gerichtet habe, die friedlich für ihre Grundrechte eingetreten seien. Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden, hiess es in seiner Stellungnahme vom Samstag in New York weiter.

EU-Vertreter drückten den Familien und Freunden der Opfer ihr Mitgefühl und ihre Solidarität mit dem afghanischen Volk aus. «Wir rufen alle Afghanen auf, geeint zu bleiben, um die Bemühungen im Kampf gegen diese globale Bedrohung zu unterstützen», teilte ein Sprecher der EU-Aussenbeauftragten Federica Mogherini mit.

Der deutsche Aussenminister Frank-Walter Steinmeier sprach von einem «furchtbaren Terroranschlag». Es sei augenscheinlich das Ziel Attentäter gewesen, möglichst viele Menschen in den Tod zu reissen und zu verletzen. «Besonders in diesen Situationen ist es wichtig, dass das Land geeint dem Terror die Stirn bietet», hiess es in einer Erklärung weiter.

«IS»-Bekenntnis im Umlauf

Zwei Selbstmordattentäter hatten sich bei einer Demonstration von Schiiten in die Luft gesprengt. Dabei kamen mindestens 80 Menschen ums Leben, 231 wurden verletzt, wie das afghanische Innenministerium am Samstag mitteilte.

Nach Angaben des «IS»-Sprachrohrs Amak bekannte sich die Terrormiliz «Islamischer Staat» (IS) zu der Tat. Laut der Organisatoren der Demonstration hatten sich mehr als 10'000 Menschen auf einem zentralen Platz versammelt, um gegen die Verlegung einer geplanten Hochspannungsleitung zu demonstrieren.

Demonstrators from Afghanistan's Hazara minority attend a protest in Kabul, Afghanistan July 23, 2016. REUTERS/Omar Sobhani

Rund 10'000 Personen demonstrierten gegen die Verlegung einer Hochspannungsleitung.
Bild: OMAR SOBHANI/REUTERS

Zwei Attentäter zündeten nach Behördenangaben ihre Sprengstoffgürtel inmitten der Demonstration. Laut einem Geheimdienstmitarbeiter habe es noch einen dritten Selbstmordattentäter in der Menschenmenge gegeben, es gab aber keine Informationen über dessen Verbleib. Ein Demonstrant sagte, dass seiner Beobachtung nach ein dritter Täter von Sicherheitskräften getötet worden sei, als dieser auf eine Gruppe Frauen zurannte.

Der Anschlag mache ihn «tieftraurig», erklärte Afghanistans Präsident Ashraf Ghani am Samstag. Unter den Opfern seien auch afghanische Sicherheitskräfte, fügte er hinzu. Regierungsgeschäftsführer Abdullah Abdullah verurteilte den Anschlag auf Twitter: «Es zeigt, dass Terroristen und ihre Verbündeten keinen Respekt vor Menschenleben haben.»

Premiere in Afghanistan

Die Demonstration in Kabul hatte sich gegen die Verlegung der Route eines wichtigen Stromprojekts gerichtet. Ursprünglich hatte die geplante Überlandstromtrasse über die zentralafghanische Provinz Bamian verlaufen sollen. Nach einem späteren Gutachten wurde die Route aus Sicherheits- und technischen Gründen aber verlegt.

epa05438536 Afgans light candles during a memorial for the victims of a suicide bomb blast, in Kabul, Afghanistan, 23 July 2016. According to reports, at least 80 people were killed and more than 550 injured when a bomb exploded as thousands of Afghans gathered to protest against a government electricity project that excludes a province of the Hazaras, who are mostly followers of the Shiite branch of Islam. So-called Islamic State (IS) has claimed responsability for the attack.  EPA/JAWAD JALALI

Passanten und Angehörige zünden am Abend in Kabul Kerzen an.  Bild: JAWAD JALALI/EPA/KEYSTONE

Viele Demonstranten waren Mitglieder der Hasara, die grösste ethnische Minderheit des Landes, die mehrheitlich die Bevölkerung von Bamian ausmacht. Sie protestierten gegen die wirtschaftliche Benachteiligung und fortgesetzte Diskriminierung ihrer schiitischen Ethnie.

Die sunnitische Terrormiliz «IS» hat wiederholt brutale Anschläge auf Schiiten in Syrien und im Irak verübt. Die Attacke am Samstag ist die erste gegen eine ethnische Minderheit in Kabul. (cma/sda/dpa)

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