International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa06908039 British Prime Minister’s Europe Adviser Oliver Robbins arrives for talks with members of parliament (MPs) in London, Britain, 24 July 2018. Robbins was scheduled to appear before a select committee session and be heard by MPs on the Exiting the European Union ('Breixt') Committee on the withdrawal negotiations progress.  EPA/ANDY RAIN

Chefunterhändler Oliver «Olly» Robbins war ein wenig leichtsinnig. Bild: EPA/EPA

Theresa Mays Brexit-Strategie geleakt – von ihrem Unterhändler in einer Bar 🤔

Theresa May hat das Parlament einmal mehr um Geduld in Sachen Brexit gebeten. Einiges deutet darauf hin, dass die britische Premierministerin einen Entscheid in letzter Minute anstrebt: Mein Deal, oder der EU-Austritt wird verschoben.



Der Plot könnte aus einem billigen Krimi stammen. Und doch soll es sich so zugetragen haben: Olly Robbins, Theresa Mays Chefunterhändler in Sachen Austritt aus der Europäischen Union, soll spätabends in einer Brüsseler Bar die Strategie der Premierministerin für den Brexit-Showdown ausgeplaudert haben. Und ein Reporter des Fernsehsenders ITV belauschte ihn dabei.

So berichtet es die Zeitung «Guardian». Robbins – der höchste in den Brexit-Prozess involvierte britische Beamte – habe demnach angedeutet, May wolle auf Zeit spielen und die Abstimmung im Unterhaus bis Ende März hinauszögern, also bis zur letzten Minute. Denn der Austritt wird am 29. März fällig. Die Abgeordneten sollen die Wahl haben zwischen zwei Optionen.

In this image taken from video, Britain's Prime Minister Theresa May gives a statement about progress on Brexit talks to members of parliament in the the House of Commons, London, Tuesday Feb. 12, 2019. Theresa May was urging restive lawmakers Tuesday to

Theresa May bat am Dienstag im Unterhaus einmal mehr um Geduld. Bild: AP/House of Commons via PA

Die eine ist der Austrittsvertrag, den May mit der EU ausgehandelt hat und der im ersten Anlauf im Unterhaus deutlich durchgefallen ist. Die zweite ist eine Verschiebung des Brexit, womöglich auf unbestimmte Zeit. Dies müsse man den Abgeordneten «einreden», soll Olly Robbins laut dem ITV-Reporter gesagt haben. Man gehe davon aus, dass Brüssel die Verschiebung akzeptieren werde.

Hardliner im Visier

Die Strategie ziele auf die Brexit-Hardliner in Mays konservativer Partei, schreibt der «Guardian». Sie sträuben sich bislang gegen den EU-Deal wegen des umstrittenen Backstop für die irische Grenze. Gleichzeitig fürchten sie, dass der Brexit scheitern könnte, wenn es zu einer Verzögerung kommt. Deshalb sollen sie ihren Widerstand gegen den Deal aufgeben, so das Kalkül.

Ein Sprecher der britischen Regierung sagte dem «Guardian», man habe nicht vor, «sich zu angeblichen Bemerkungen aus einem privaten Gespräch zu äussern». Nachvollziehbar aber ist das Szenario allemal, denn bei den «Realos» in der konservativen Partei setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass ein No-Deal-Brexit verheerende Folgen für die Wirtschaft haben dürfte.

«Wir wollen die EU mit einem Deal verlassen», bekräftige Handelsminister und Brexit-Befürworter Liam Fox am Montag bei seinem Besuch in Bern. Theresa May sagte am Dienstag im Unterhaus, man dürfe «jetzt nicht die Nerven verlieren». Die Gespräche seien in einer entscheidenden Phase, sie brauche aber noch Zeit und Unterstützung für Änderungen am Brexit-Abkommen.

Video: srf

Als neue Deadline nannte die Regierungschefin den 26. Februar. Die Aussagen von Olly Robbins in der Brüsseler Bar aber deuten darauf hin, dass May die entscheidende Abstimmung erst nach dem EU-Gipfel vom 21. März ansetzen könnte, also kurz vor dem Austrittsdatum. Sie würde das Parlament damit unter maximalen Druck setzen, ihr Abkommen zu genehmigen.

Widerstand im Kabinett

Labour-Chef Jeremy Corbyn warf May am Dienstag vor, sie wolle Zeit schinden in der Hoffnung, «dass die Abgeordneten sich erpressen lassen, für einen zutiefst mangelhaften Deal zu stimmen». Eine Gruppe von Parlamentariern aus allen Parteien plant für die nächste Brexit-Debatte am 27. Februar einen Antrag, der die Regierung verpflichten will, einen vertragslosen Austritt zu verhindern.

Auch im Kabinett soll Theresa Mays Zocker-Strategie auf Widerstand stossen. Ihre Kritiker fürchten, dass jeder zusätzliche Tag Unsicherheit die Risiken für Jobs und Unternehmen in Grossbritannien erhöht. Mehrere Staatssekretäre würden laut dem «Guardian» den Rücktritt erwägen für den Fall, dass die Premierministerin ihr Zeitspiel über Ende Februar hinaus fortsetzen will. (pbl)

Diese 20 Cartoons fassen das Brexit-Chaos perfekt zusammen

Brexit

So könnte ein Ausweg aus dem Brexit-Chaos aussehen

Link zum Artikel

Juncker zum Brexit: «Es reicht jetzt mit dem langen Schweigen»

Link zum Artikel

Diese 5 Politiker bestimmen jetzt über Grossbritanniens Zukunft

Link zum Artikel

«The Uncivil War»: Ein Dokudrama erzählt die wahre Geschichte des Brexit

Link zum Artikel

Chaos in London – so könnte es jetzt mit dem Brexit weitergehen

Link zum Artikel

Diese Grafik verschafft dir im Brexit-Chaos den Überblick 

Link zum Artikel

Warum britische Banker ihre Liebe zu einem Sozialisten entdecken

Link zum Artikel

Schottische Regierungs-Chefin will Unabhängigkeit – 2020 soll Referendum kommen

Link zum Artikel

«Kein Brexit ohne Parlament!» John Bercow sagt Johnson in Zürich den Kampf an

Link zum Artikel

Was Boris Johnsons «Einknicken» beim Brexit für die Schweiz bedeutet

Link zum Artikel

Johnson will britisches Parlament beurlauben, Queen gibt Okay

Link zum Artikel

Brexit: Noch gibt es Auswege aus dem No-Deal-Albtraum

Link zum Artikel

Politiker schmeisst genervt den Bettel hin: Was nach dem Brexit-Votum sonst noch passierte

Link zum Artikel

Brexit, Sex und Korruption: Diese Affären verfolgen Boris Johnson

Link zum Artikel

Brexit: Boris Johnsons grosser No-Deal-Bluff

Link zum Artikel

Warum die Briten nochmals über den Brexit abstimmen müssen

Link zum Artikel

Boris Johnson verliert wegen eines Überläufers die Mehrheit und ist jetzt in argen Nöten

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Bye-bye, Britain! Diese Karikaturen bringen den endgültigen Brexit auf den Punkt

Seit Neujahr ist Grossbritannien aus dem EU-Binnenmarkt raus. Damit ist die Scheidung zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich auch wirtschaftlich vollzogen. Wir zeigen den Brexit nochmals im Spiegel der Karikaturisten.

Grossbritannien hat den finalen Bruch mit der Europäischen Union besiegelt und ist seit dem Jahreswechsel auch aus dem EU-Binnenmarkt und der Zollunion ausgetreten. «Dies ist ein grossartiger Moment für dieses Land. Wir haben die Freiheit in unseren Händen, und es liegt nun an uns, das Beste daraus zu machen», sagte Premierminister Boris Johnson in seiner Neujahrsansprache.«Wir werden wieder die Kontrolle übernehmen», versprach Johnson.

Grossbritannien war nach 47 Jahren Mitgliedschaft bereits …

Artikel lesen
Link zum Artikel