International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Regierungskrise in GB kompakt: Das waren die Alten, das sind die Neuen

Neun Monate vor dem EU-Austritt steht die Regierung in London vor einem Scherbenhaufen: Aus Protest gegen den Brexit-Kurs der Premierministerin Theresa May sind zwei wichtige Minister zurückgetreten. Ein Überblick.



Alter Brexit-Minister:
David Davis 

epa06874460 (FILE) British Secretary of State for Exiting the European Union David Davis departs Downing Street following a cabinet meeting in London, Britain, 03 July 2018 (reissued 08 July 2018). According to media reports on 08 July 2018 British Brexit Secretary David Davis has resigned.  EPA/ANDY RAIN

David Davis missfällt die Brexit-Politk von Theresa May und tritt zurück. Bild: EPA/EPA

Der britische Brexit-Minister David Davis trat in der Nacht auf Montag zurück. Der «neue Trend» der Brexit-Politik und die Taktik mache es unwahrscheinlicher, dass Grossbritannien den Binnenmarkt und die Zollunion verlassen werde, begründete Davis den Schritt in seinem Rücktrittsschreiben an Premierministerin Theresa May in der Nacht zu Montag.

May hat Davis' Rücktritt angenommen. In einem Brief dankte May Davis «herzlich für alles», was er in den vergangenen zwei Jahren als Minister getan habe, um den Austritt des Landes aus der EU «zu formen».

Neuer Brexit-Minister:
Dominic Raab 

epa05236093 Conservative Member of Parliament and Justice Minister Dominic Raab delivers a speech at a 'Vote Leave' event at the Royal Horseguards Hotel, Central London, 30 March 2016. Raab's speech covered the implications for the security of the United Kingdom as well as encouraging Britons to vote to leave the EU on 23 June 2016.  EPA/WILL OLIVER

Dominic Raab ist neuer Brexit-Minister. Bild: EPA/EPA

Der bisherige Staatssekretär im Bauministerium, Dominic Raab, übernimmt die Aufgabe des Brexit-Ministers in London und Brüssel. Er ist ein überzeugter Konservativer: Raab tritt für Steuersenkungen, einen schlanken Staat, Meinungsfreiheit und harte Massnahmen im Anti-Terrorkampf ein.

Raab studierte Jura an der Universität Oxford und schloss das Studium an der Universität Cambridge ab. Zunächst als Anwalt in der Wirtschaftskanzlei Linklaters in London tätig, wechselte er im Jahr 2000 als Berater ins Aussenministerium.

Ab 2003 sammelte er Erfahrungen als Leiter eines Teams in Den Haag, das Prozesse gegen Slobodan Milosevic, Radovan Karadzic und Charles Taylor wegen Kriegsverbrechen vorbereitete.

Der konservative Premierminister David Cameron machte Raab 2015 zum Justizstaatssekretär. Nach Camerons Rücktritt und Mays Amtsübernahme als Premierministerin in der Folge des Brexit-Referendums kehrte Raab auf die Hinterbank des Unterhauses zurück. Im Juni 2017 wurde er unter May Staatssekretär für Gerichte und Justiz und im Januar Staatssekretär für Wohnungswesen.

Alter Aussenminister:
Boris Johnson 

epa06875655 (FILE) - Britain's Foreign Secretary, Boris Johnson delivers a speech during the Constervative Conference in Birmingham, Britain, 02 October 2016 (reissued 09 July 2018). Media reports on 09 July 2018 state that Boris Johnson resigns as British Foreign Secretary, following the resignation of Brexit Secretary David Davis the day before.  EPA/FACUNDO ARRIZABALAGA

Hat keine Lust mehr auf den «Scheisshaufen». Boris Johnson tritt zurück. Bild: EPA/EPA

Nachdem in der Nacht auf Montag Brexit-Minister David Davis seinen Rücktritt eingereicht hatte, gab am Nachmittag auch Aussenminister Boris Johnson sein Ausscheiden aus der Regierung bekannt.

Johnson galt als einer der Hauptkritiker Mays und hatte ihren Kurs für den Austritt Grossbritanniens aus der EU immer wieder als zu weich angegriffen – so auch nach der letzten Kabinettssitzung.

Am Freitag beorderte May ihr Kabinett zu einer Marathonsitzung auf den Landsitz Chequers nordwestlich von London. Am Abend verkündete sie, die Regierung habe sich auf eine neue Strategie für den EU-Austritt verständigt. May hatte sich mit ihrer Entscheidung für eine Beibehaltung einer engen wirtschaftlichen Anbindung an die Europäische Union durchgesetzt.

Doch die Einigung war nur unter grossem Druck zustande gekommen. Johnson soll während der Klausur Mays neue Brexit-Pläne Berichten zufolge als «Scheisshaufen» bezeichnet haben.

Neuer Aussenminister:
Jeremy Hunt

epa06865263 Secretary of State for Health and Social Care Jeremy Hunt arrives at Westminster Abbey for a service to mark seventy years of the NHS in London, Britain, 05 July 2018. The National Health Service is 70 on 05 July 2018.  EPA/ANDY RAIN

Jeremy Hunt wird neuer Aussenminister.  Bild: EPA/EPA

Premierministerin Theresa May hat den 51-Jährigen Jeremy Hunt vom Gesundheits- zum Aussenminister befördert.

Wo bisher der dickköpfige Brexit-Hardliner Boris Johnson der Regierungschefin das Leben schwer machte, übernimmt damit ein loyaler, manche würden auch sagen, übermässig angepasster Gefolgsmann.

Hunt kommt aus wohlhabendem Hause, besuchte eine angesehene Schule und studierte in Oxford – eine typisch britische Politiker-Karriere. Der verheiratete Vater eines Sohnes und zweier Töchter sitzt seit 2005 als Konservativer im britischen Unterhaus, er vertritt dort den südenglischen Wahlkreis South West Surrey. Im Brexit-Referendum setzte er sich – wie May – für den Verbleib Grossbritanniens in der EU ein, hat aber inzwischen die in der Volksabstimmung geschaffenen Fakten akzeptiert.

Skandalfrei war Hunts politische Karriere nicht. Vor Jahren war er sogar als möglicher Parteichef der konservativen Tories im Gespräch, dann stolperte er beinahe über den folgenreichen Skandal um enge Verbindungen britischer Politiker zum Medienzar Rupert Murdoch und den Bezahlsender-Anbieter BSkyB, der inzwischen nur noch Sky heisst. Das war 2012. Aber der damalige Premier David Cameron hielt zu Hunt, zu der Zeit Kultur- und Medienminister, und machte ihn wenig später zum Gesundheitsminister. (sda/dpa/reu/apa/vom)

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Über 700 Infizierte im Kanton Aargau – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

F/A-18-Absturz: Fehler von Flugverkehrsleiter

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

1
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen

Pandemie kann Grossbritannien schlimmer als Italien treffen

Das Coronavirus könnte in Grossbritannien besonders viele Menschenleben fordern – vielleicht sogar mehr als in Italien, fürchten Experten. Doch kann die anfangs zögerlich handelnde Regierung mit ihren Massnahmen die Gefahr noch abwehren?

Erste Kliniken weisen Patienten ab, Krankenschwestern schützen sich mit Müllbeuteln: In Grossbritannien spitzt sich die Coronavirus-Krise zu. «Wir wissen, was auf uns zukommt – und wir wissen, dass das gewaltig sein wird», zitierte der Fernsehsender Sky News am Wochenende einen Mediziner eines Londoner Krankenhauses, der anonym bleiben wollte.

Die Lage in Grossbritannien könnte ihm zufolge noch verheerender als in Italien werden. Aus Mangel an Kapazitäten und Ausstattung würden er und seine …

Artikel lesen
Link zum Artikel