International
Religion

Ehemann von freigesprochener Christin bittet um Asyl

Pope Francis meets the husband of a Pakistani Christian woman, Asia Bibi, who was convicted of blasphemy by a Pakistani court, Ashiq Masiq and her daughter Eisham, right, at the end of his weekly gene ...
Im Jahr 2015 traf Ashiq Masih den Papst.Bild: AP/L' Osservatore Romano Pool

«Wir sind nirgendwo sicher»: Ehemann von freigesprochener Christin bittet um Asyl

04.11.2018, 14:4404.11.2018, 15:08

Nach dem Freispruch einer wegen Gotteslästerung verurteilten Christin in Pakistan hat ihr Ehemann westliche Staaten um Asyl gebeten. Er fürchte um das Leben seiner Frau, sagte er in einem Interview mit der Deutschen Welle.

Asia Bibi war am Mittwoch nach acht Jahren in der Todeszelle vom Obersten Gericht in Islamabad freigesprochen worden. Daraufhin hatte die radikalislamische Gruppe Tehreek-e-Labaik Pakistan (TLP) landesweite Strassenproteste organisiert.

Die Proteste endeten nach einem Abkommen der TLP mit der Regierung. Demnach will Islamabad einen Revisionsantrag gegen die Entscheidung des Obersten Gerichts zulassen und Bibi am Verlassen des Landes hindern.

«Wir sind nirgendwo sicher.»
Ashiq Masih

«Ich bitte die Premierministerin des Vereinigten Königreichs uns zu helfen und uns, soweit möglich, Freiheit zu gewähren», sagte Ashiq Masih laut dem britischen Sender BBC in einer Videobotschaft am Samstag. In dem Video habe er auch Kanada und die USA um Hilfe gebeten, hiess es.

Der Deutschen Welle sagte Masih: «Wir sind nirgendwo sicher.» Das Abkommen habe ihn erschauern lassen. Dazu hätte es nie kommen dürfen. «Meine Familie hat Angst, meine Verwandten haben Angst, und auch meine Freunde haben Angst», sagte Masih dem Sender.

Pakistans Informationsminister Fawad Chaudry sagte der BBC, das Abkommen mit den Islamisten sei notwendig gewesen, «um die Situation gewaltlos zu lösen». Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz Bibis seien erhöht worden. Ihr Leben sei nicht in Gefahr.

Die 51-jährige Bibi befindet sich demnach weiter im Gefängnis. Pakistanische Medien hatten in den vergangenen Tagen gemutmasst, sie könne das Land bereits verlassen haben.

Anwalt ausser Landes

Der Christin Bibi war vorgeworfen worden, sich bei einem Streit mit muslimischen Frauen in ihrem Dorf abfällig über den Propheten Mohammed geäussert zu haben. Die fünffache Mutter war 2009 festgenommen und im Jahr darauf nach einem umstrittenen Blasphemiegesetz in dem vorwiegend muslimischen Land zum Tode verurteilt worden.

Bibis Anwalt Saiful Malook hatte Pakistan bereits am Samstagmorgen verlassen, da er um sein Leben und das seiner Familie fürchte. Er werde aber zurückkehren, um Bibi vor Gericht zu verteidigen, wenn das Militär ihm Sicherheit gewähre.

Die gewaltsame Reaktion der Islamisten auf das Urteil sei «traurig, aber nicht unerwartet», sagte Malook. «Schmerzhaft» sei allerdings die Antwort der Regierung. «Sie können nicht einmal ein Urteil des Obersten Gerichts des Landes umsetzen», bedauerte er.

Kritik in den Medien

Auch pakistanische Medien kritisierten die Vereinbarung zwischen Regierung und Islamisten. «Eine weitere Regierung hat vor den gewalttätigen religiösen Extremisten kapituliert, die weder an die Demokratie noch an die Verfassung glauben», hiess es im Leitartikel der Zeitung «Dawn» vom Samstag.

Blasphemie ist im streng konservativ-islamischen Pakistan ein folgenschwerer Vorwurf. Wegen entsprechender Anschuldigungen verbüssen dort derzeit rund 40 Menschen nach Schätzungen eines US-Ausschusses zur Religionsfreiheit lebenslängliche Gefängnisstrafen oder warten auf ihre Hinrichtung. Immer wieder kommt es zu Lynchmorden wegen Vorwürfen der Gotteslästerung. (viw/sda/dpa/afp)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Netanjahu macht Wahlkampf mit Bild von Atompilz über Tel Aviv
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat zwei Tage vor der Parlamentswahl mit einer drastischen Illustration von der Gefahr durch eine iranische Atombombe gewarnt. Auf sozialen Medien veröffentlichte der 77-Jährige eine Darstellung, die eine nukleare Explosion über der Küstenmetropole Tel Aviv zeigen soll.
Dazu zitierte er den IT-Unternehmer Yuval Bloomberg, der von einer «realen und konkreten existenziellen Bedrohung» durch den Iran sprach. Sollten die Iraner Atomwaffen erhalten, werde nichts anderes mehr von Bedeutung sein, hiess es in dem Zitat. Netanjahu bekräftigte zudem die Einschätzung, Israel habe unter der Regierung von US-Präsident Donald Trump noch zwei Jahre Zeit, um der iranischen Bedrohung zu begegnen. Teheran bestreitet Pläne zur nuklearen Aufrüstung.
Zur Story