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Wurde Trump «übers Ohr gehauen» oder war er «grandios und einmalig»? So urteilen US-Medien

13.06.18, 07:45 13.06.18, 09:02


Der Nordkorea-Gipfel, eine Show ohne bleibenden Wert? Himmelweit gehen die Einordnungen in den USA auseinander. Es scheint kaum möglich, dass alle über dieselbe Veranstaltung sprechen.

Wie immer, wenn Donald Trump etwas gesagt oder getan hat, zerfallen in den USA die Reaktionen und Deutungen in zwei fast berührungsfreie Hälften. Wenn der US-Präsident an diesem Mittwoch vom Nordkorea-Gipfel zurück ist, werden er und die Seinen die Macht historischer Bilder weidlich ausschlachten wollen. Gegner und Kritiker werden darauf beharren, es sei ja gar nichts erreicht worden, und Singapur eine Show ohne Wert.

Lobpreisung, Nüchternheit, Abwarten, Enttäuschung: In diesem Geviert wird Trump sich bewegen, wenn er in die Mühen der politischen Ebenen zurückkehrt. Dabei geht es um dasselbe Nordkorea, das er mit nie da gewesenem Feuer und Zorn überziehen wollte. Dem er vor den Vereinten Nationen mit Auslöschung drohte. Nach Singapur erweckten manche US-Reaktionen den Eindruck, es gehe nun um ein anderes Land.

Fox News & Co. feiern

Fox News ist Trump sehr gewogen und sehr sicher: Des Präsidenten unbeirrbar starke Rhetorik habe Kim an den Verhandlungstisch gezwungen. Auf jeden Fall. Den ganzen Tag machte sich der Sender über Trumps Kritiker lustig. Nichts gönnten sie ihm. Keine Patrioten. Allein das Zustandekommen des Gipfels sei grandios und einmalig, bei den Details müsse man halt mal sehen. Jetzt erstmal feiern.

Trumps Basis, das kommt nicht überraschend, ist hingerissen. Endlich ein Präsident, der etwas reisse, der sich nichts bieten lasse. Auf ewig müssten seine Kritiker einsehen, wie meisterlich Trump verhandle – das ist die Quersumme viele Einträge bei Twitter, auf Facebook und in rechten Blogs. Der Rechtsaussen-Sender Newsmax TV: Trump stelle die Theorie auf den Kopf, dass Diplomatie nur nach Drehbüchern irgendwelcher Elite-Unis funktioniere. «Jetzt könnt Ihr mal sehen.»

Die besten Karikaturen zum Trump-Kim-Gipfel

«New York Times»: Trump wurde übers Ohr gehauen

Wie viele andere Trump-kritische Medien und Experten verwies die «New York Times» auf ein inhaltlich sehr dünnes Ergebnis von Singapur. Es errege tiefe Besorgnis, dass Trump gar nicht merke, wie schlimm er übers Ohr gehauen worden sei. Die USA hätten viele Positionen geräumt, ohne dafür mehr als vage Andeutungen zu erhalten. «Kein Krieg» in Korea sei ja super, meinte der Sender MSNBC: «Aber jetzt muss doch noch Fleisch an die Knochen dieses zaundürren Gerippes.»

Frühere Teilnehmer an harten Verhandlungen mit Nordkorea sortierten das in Singapur Erreichte nüchtern und enttäuscht ein. «Es ist weniger wert als die gemeinsame Erklärung von 1992, das Rahmenwerk von 1994 und die gemeinsame Erklärung der Sechs-Parteien-Gespräche von 2005», sagte Wendy Sherman. Sie hat für die Präsidenten Bill Clinton und Barack Obama mit Pjöngjang verhandelt.

Umfrage

Wer ist Gewinner des historischen Gipfels?

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3,818 Votes zu: Wer ist Gewinner des historischen Gipfels?

  • 5%Donald Trump
  • 71%Kim Jong Un
  • 24%Der Weltfriede

Zu dünn, zu wenig

Demokratische Senatoren wie Nancy Pelosi oder Chuck Schumer zeigten sich unzufrieden mit dem Gipfel. Zu dünn, zu wenig. Kritiker der Vereinbarung wie der Ex-Botschafter Bill Richardson fragten: Kim sei doch weiter ein Verbrecher und Diktator, der sein Volk knechte und nichts auf die Menschenrechte gebe, oder ob sich das geändert habe? Für die Republikaner im Senat nannte Mitch McConnell Singapur einen grossen Schritt, mahnte aber zur Vorsicht. Jetzt müsse Nordkorea Konsequenzen folgen lassen.

Auch in den USA dreht Politik so schnell, dass der Nordkorea-Gipfel nun schnell Teil neuer Bilderfluten und Getöse werden wird. Für Trump wird sich insgesamt nicht viel ändern. Wer für ihn ist, ist es jetzt noch mehr, und andersherum. In den USA spiegeln die Reaktionen auf Singapur eine politisch zerrissene Landschaft. Aus ihr sind Sachlichkeit und Diskursbereitschaft vielerorts ausgewandert. (whr/sda/dpa)

Kim trifft Trump in Singapur

Der Handschlag, der in die Geschichte eingeht

Video: srf

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

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    Alle Leser-Kommentare
  • swisskiss 14.06.2018 06:07
    Highlight Beides. Grandios und einmalig übers Ohr gehauen. Egal was die Fakten sind. Solange Trump seine Basis mit dieser Taktik befriedigt:

    Aus Trumps Buch "The Art of the Deal"
    "The final key to the way I promote is bravado. I play to people's fantasies. People may not always think big themselves, but they can still get very excited by those who do. That's why a little hyperbole never hurts. People want to believe that something is the biggest and the greatest and the most spectacular. I call it truthful hyperbole. It's an innocent form of exaggeration, and a very effective form of promotion"
    3 0 Melden
  • Bivio 13.06.2018 11:18
    Highlight Egal was Trump macht, es ist falsch. Redet er mit Kim, heisst es, er hofiert einen Diktator und vergrault Verbündete (SK & JP).
    Redet er nicht mit Kim heisst es, er verweigere sich dem Dialog.
    Ja, es ist noch zu früh um zu sagen, was wirklich dabei rauskommt. Was jedoch 100% sicher ist, dass es ein Anfang war und viel mehr, als alles Bisherige.
    Bezüglich den pol. Gefangenen. Prioritär ist die Denuklearisierung. Menschenrechte kommen an 2. Stelle. Das ist korrekt. Man muss die ganze Sache Schritt für Schritt angehen. Was wäre denn gemäss "Experten" die richtige Strategie gewesen?
    7 13 Melden
    • Cubbie 13.06.2018 13:40
      Highlight "dass es ein Anfang war und viel mehr, als alles Bisherige."

      Bivio, lies doch mal kurz diesen Artikel aus dem Jahr 2007 durch.

      http://www.spiegel.de/politik/ausland/gipfeltreffen-nordkorea-und-suedkorea-unterzeichnen-friedenserklaerung-a-509309.html

      Und jetzt erkläre mir, was noch nie Dagewesenes passiert ist, ausser, dass sich ein amtierender US-Präsident mit dem Nordkoreanischen Machthaber persönlich getroffen hat.

      Wie schon an anderer Seite geschrieben, das von Trump einseitig gekündigte Abkommen mit dem Iran, ist um einiges handfester, als der Wisch von gestern.


      13 1 Melden
    • Bivio 13.06.2018 17:20
      Highlight 1) Das nie Dagewesene bezieht sich auf ein Treffen/Abkommen zwischen den USA und NK. NK und SK haben bereits Abkommen in der Vergangenheit abgeschlossen, welche jedoch immer von NK (bzw. Kims Vater) gebrochen wurde mit dem Ziel mehr Hilfe zu erhalten.
      Die Tatsache, dass die USA bzw. der Präsident jetzt involviert sind eröffnet ganz neue Möglichkeiten für beide Seiten - Chancen, wie Risiken.
      2) Welcher Iran-Deal? Iran hat das Dokument weder unterzeichnet noch ratifiziert. Obama hat jedoch im Gegenzug die Hisbollah von der Justiz verschont (Kokainhandel u.a.) um den "Deal" nicht zu gefährden.
      2 5 Melden
    • Cubbie 14.06.2018 10:34
      Highlight Ach hör mir doch auf.
      Klar, wurde immer von NK gebrochen.

      Hat der Iran Kontrolleure der internationalen Atomenergiebehörde ins Land gelassen, oder nicht? – Ja, hat er.

      Hat der Iran die Anreicherung von Uran auf 20% limitiert? - Ja!

      Hat der Iran die Anzahl seiner Zentrifugen reduziert? – Ja

      War das Abkommen perfekt?
      Nein, aber, um es in deinen Worten zu schreiben: "es war ein Anfang." Und der war, oder ist, nicht so schlecht, wie ihn Trump und auch du machen.

      Des weiteren hatten auch immer die Schutzmächte ihre Finger im Spiel, wenn Nord-/ und Südkorea miteinander verhandelten.

      3 1 Melden
  • Fanta20 13.06.2018 11:17
    Highlight Inflationär verwendete Superlative und dümmlich-kindische Übertreibungen gehören genau so zu den USA wie der Grand Canyon, SUVs mit V8-Motoren, latenter Rassismus und Bigotterie. Solche Wortmeldungen aus Übersee sollten nie für bare Münze genommen werden.
    10 0 Melden
  • roger.schmid 13.06.2018 09:47
    Highlight Mit einem Tag Abstand kann man bilanzieren:

    - nach dem G7 weitere Verbündete vergrault (Japan und Südkorea)
    - Das Unterschriebene ist ein Witz im Vergleich zum Iran-Deal, den Trump mutwillig zerstört hat.
    - Einem weiteren Diktator wurde hofiert, während demokratischen Alliierten der Finger gezeigt wurde.
    66 37 Melden
  • Wenzel der Faule 13.06.2018 09:17
    Highlight Der Dealmaker 😎
    Hey, er hat ein Deal mit Kim gemacht und ihm nicht mit Höllenfeuer gedroht, ist doch schon ein Fortschritt.
    Der Loser hat mich überrascht😜
    16 13 Melden
  • lilie 13.06.2018 08:25
    Highlight Tja, was kann man da noch mehr dazu sagen, ausser dies: Der Singapore Summit war historisch, ja. Aber was wirklich daraus wird, können weder Kritiker noch Fans von Trump sagen. Und beide wissen in Wirklichkeit auch nicht mit Sicherheit, warum er eigentlich zustandegekommen ist.

    Die getroffenen Vereinbarungen sind dünn. Man kann etwas Gutes daraus machen. Oder es war alles nur heisse Luft.

    Wenn man Trump aber ein Kompliment machen will, kann man ja sagen: Er hats immerhin nicht komplett vermasselt.
    48 5 Melden

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