DE | FR
International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
FILE - In this Oct. 11, 2009 file photo, Chinese workers build a wall at a housing project funded by the Algerian government and built by a state-owned Chinese firm near Algiers, Algeria. U.S. direct investment in Africa has flat-lined while China and Europe have poured money into a region they see as rich with natural resources and economic potential. (AP Photo/Alfred de Montesquiou, File)

Chinesische Bauarbeiter in Algerien.  Bild: AP/AP

Diese 7 Grafiken zeigen, wie wichtig China in Afrika geworden ist

Daniel Huber, Lea Senn



Im Jahr 1433 brach eine chinesische Flotte unter dem berühmten Admiral Zheng He von der ostafrikanischen Küste auf und kehrte nach China zurück. Es war für viele Jahrhunderte der letzte Besuch einer chinesischen Expedition auf dem afrikanischen Kontinent. Zur gleichen Zeit, da die Chinesen sich zurückzogen, stiessen die Portugiesen an der afrikanischen Westküste vor – Vorboten der europäischen Kolonisierung des Schwarzen Kontinents. 

Heute, Jahrzehnte nach dem Ende der Kolonialzeit, ist China zurück in Afrika. Die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt ist seit 2009 Afrikas grösster Handelspartner. Das Handelsvolumen stieg bis 2014 nahezu unablässig auf über 200 Milliarden Dollar an. Nach einem Einbruch in den beiden Folgejahren nimmt es seit Anfang 2017 wieder kräftig zu.

Grafik: Chinas Handel (Export und Import) mit Afrika, 2002-2016

China ist mittlerweile der bedeutendste Handelspartner der afrikanischen Staaten.  Grafik: watson / quelle: sais-cari.org/data-china-africa-trade

Die Chinesen liefern vornehmlich Maschinen und Elektronik und importieren dafür Rohstoffe wie Eisenerz, Kupfer, Mineralien, Kohle und Erdöl. Der Wert der chinesischen Importe von Erz und Mineralien stieg allein von 2000 bis 2009 um das rund Zwanzigfache; von 350 Millionen Dollar auf 7 Milliarden Dollar. Mehr als 40 Prozent davon stammte aus der Demokratischen Republik Kongo. 

Grafik: Exporte diverser afrikanischer Länder nach China

Aus diesen sieben afrikanischen Staaten importierte China 2016 auf den Wert bezogen am meisten. Grafik: watson / quelle: sais-cari.org/data-china-africa-trade/

Grafik: Importe verschiedener afrikanischer Länder aus China

Diese sieben afrikanischen Staaten importierten 2016 auf den Wert bezogen am meisten aus China.  Grafik: watson / quelle: sais-cari.org/data-china-africa-trade/

Mit Blick auf den enormen Rohstoffhunger der chinesischen Wirtschaft wird dem Reich der Mitte gern vorgeworfen, es gehe ihm lediglich um die Ausbeutung der afrikanischen Bodenschätze. Besonders die westliche Welt betrachtet die chinesische Präsenz in Afrika mit Argwohn. Doch Peking importiert nicht nur Rohstoffe, sondern investiert mittlerweile auch in grossem Massstab – vor allen Dingen in Infrastrukturprojekte, aber auch in die verarbeitende Industrie. 

Grafik: Chinesische Kredite an afrikanische Länder, 2000-2015

Chinesische Kredite an afrikanische Länder haben seit der Jahrtausendwende enorm zugenommen.   Grafik: watson / quelle: sais-cari.org/data-chinese-loans-and-aid-to-africa

Grafik: Chinesische Kredite, hauptbegünstigte afrikanische Länder

Kredite der chinesischen Exim-Bank an afrikanische Staaten (2000-2015).  Grafik: watson / Quelle: AFKInsider

Der Bergbau macht nur noch etwa 20 Prozent des chinesischen Engagements in Afrika aus; ungefähr denselben Anteil nimmt die Verarbeitungsindustrie ein. Dienstleistungen – inklusive Infrastrukturprojekte – kommen dagegen auf rund 60 Prozent. Chinesische Firmen bauen nicht weniger als 50 Prozent der auf dem afrikanischen Kontinent international ausgeschriebenen Projekte. 

Karte: Chinesische Projekte in verschiedenen afrikanischen Staaten

Anzahl chinesische Projekte in afrikanischen Staaten (1998-2012). Karte: watson / quelle: AFKInsider

Die internationale Beratungsfirma Ernst & Young in London schätzt, dass die Volksrepublik seit 2005 mehr als 66 Milliarden Dollar in Afrika investiert und so über 130'000 Jobs geschaffen hat. Nach Angaben der UNO sind allein 2016 mehr als 36 Milliarden Dollar an Direktinvestitionen von China nach Afrika geflossen – mehr als aus der EU oder den USA. Das macht Peking zum grössten Investor in Afrika. Dabei hatten die chinesischen Kredite bis 2015 nie die Grenze von 17 Milliarden US-Dollar überschritten. 

Im Gegensatz zu den westlichen Staaten verfolgen die Chinesen bei ihrem Engagement in Afrika eine Politik der «Nicht-Einmischung in innere Angelegenheiten». Das heisst, dass Peking die Vergabe von Krediten nicht an Bedingungen wie Einhaltung von Menschenrechten, «good governance» oder Entwicklung der Demokratie knüpft.

Zugleich bemüht sich die Volksrepublik, parallele Finanzierungs-Institutionen neben Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank zu etablieren. Und im Rahmen dieser «Süd-Süd-Kooperation» unterstützt das ehemalige Entwicklungsland China die afrikanischen Staaten in internationalen Organisationen. 

Neben dem chinesischen Staat und seinen riesigen Betrieben suchen allerdings auch zunehmend private Unternehmer aus dem Reich der Mitte ihr Glück in Afrika. Gemäss Schätzungen der Unternehmensberater-Firma McKinsey dürften es mittlerweile gegen 10'000 sein. Im Schlepptau der Firmen ist auch eine grosse Zahl von Arbeitern aus China nach Afrika gezogen. Insgesamt leben heute schätzungsweise mehr als eine Million Chinesen auf dem Schwarzen Kontinent. 

Grafik: Chinesische Arbeiter in Afrika, 2009-2015

Gemäss offiziellen chinesischen Zahlen arbeiteten 2015 mehr als eine Viertelmillion Chinesen in afrikanischen Ländern. Schätzungen gehen dagegen von mehr als einer Million chinesischer Arbeiter in Afrika aus.  Grafik: watson / quelle: sais-cari.org/data-chinese-workers-in-africa

Ihr Verhältnis zur einheimischen Bevölkerung ist nicht unproblematisch. Viele – vornehmlich jene, die nur für eine bestimmte Zeit nach Afrika gekommen sind – empfinden den Kontinent als fremd. Entsprechend findet in vielen Fällen kaum eine sprachliche und kulturelle Anpassung statt. Viele Chinesen suchen zudem Anschluss an Landsleute, die aus derselben chinesischen Region stammen. 

Chinesische Arbeiter in Afrika

Dafür ist das chinesisch-afrikanische Verhältnis unbelastet von einer kolonialen Vergangenheit. Freilich ist China längst kein Entwicklungsland mehr, und es gibt in Afrika auch Stimmen wie jene des damaligen nigerianischen Notenbankchefs Lamido Sanusi, der China 2013 vorwarf, es spiele auf dem afrikanischen Kontinent heute die Rolle des Kolonialisten

abspielen

Doku: «Made in China goes Afrika | Galileo | ProSieben». Video: YouTube/Galileo

Gleichwohl ist das chinesische Image in Afrika nicht schlecht. 2016 bezeichneten 24 Prozent der Befragten in einer Umfrage in 36 afrikanischen Staaten das Reich der Mitte als Modell für die nationale Entwicklung ihres jeweiligen Landes. Nur die USA schnitten mit 30 Prozent besser ab, während die ehemaligen Kolonialmächte mit 13 Prozent und Südafrika mit 11 Prozent das Nachsehen hatten.

In drei von fünf afrikanischen Regionen lag China sogar vor den USA. Insgesamt sagten 63 Prozent der Befragten, China übe einen «einigermassen» oder «sehr» positiven Einfluss auf ihr Land aus. 

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Biden verschärft Kurs gegen Riad

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

China präsentiert neues Transportsystem

Video: watson/Nico Franzoni

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Über 6500 Menschen starben bei Bauarbeiten zur WM 2022 in Katar

Atemberaubende Stadien, neue Strassen und Flughäfen, teure Hotels: Für die WM 2022 in Katar wird viel gebaut. Doch die Lebensumstände für die Gastarbeiter sind unwürdig. Die Zahl der Toten ist schockierend hoch.

Mehr als 6500 Gastarbeiter sind im Rahmen der Vorbereitungen für die WM 2022 in Katar von 2010 bis 2020 gestorben. Das meldet der «Guardian» nach Berechnungen verschiedener Daten. Unter anderem verzeichnet allein die pakistanische Botschaft in Katar 824 Tote Gastarbeiter aus ihrem Land in diesem Zeitraum.

Vor allem in den engen Wohnräumen mangelt es an Hygiene, Sauberkeit und Sicherheit. Acht Personen auf wenigen Quadratmetern sind in Katar Alltag. Die Lebensbedingungen sind unwürdig. Immer …

Artikel lesen
Link zum Artikel