Leben
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Schluss mit Rüebli und Co. – Willkommen am Rande des Gemüse-Mainstreams!



Ziemlich ratlos sitze ich mit meiner Mitbewohnerin vor einer «weissen Möhre». Als wäre es eine Kippe, die wir uns teilen, reichen wir das «Ding» herum, führen es an unsere Nasen, in der Hoffnung, einen vertrauten Geruch ausfindig zu machen. Aber nein, nichts. Wir können das Ding nicht benennen. Und das ärgert mich.

Denn ich esse fast ausschliesslich Gemüse. Ich sollte eigentlich ein Gemüse-Gourmet sein, sowas wie ein Metzger, einfach für «Nicht-Fleisch». Ich esse Tomaten – viele Tomaten – und Zucchetti, Karotten, Gurken und Lauch. In den Salat kommen Früchte rein – und ein Senf/Honig-Dressing ran. Mit Sesamöl, verdammt! Ja, so einer bin ich! Und jetzt – jetzt ist da auf einmal diese blasse Möhre, die ich nicht einordnen kann.

Der unbekannte Karotten-Rettich-Hybride

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bild: shutterstock

Ich hole mein Handy hervor. «Google». «Weisse karotten gemüse». «Bilder». Und da, ha! Da guckt mir dasselbe schrumplig-blasse Ding entgegen. Ich lande auf einer Kochseite, die mir erklärt: «Lange vor Rüebli und Kartoffel kamen hierzulande Pastinaken auf den Tisch.»

Aha. Es gibt also mehr als nur Rüebli und Kartoffel.

Und wo dieses (mir) unbekannte Gemüse herkommt, gibt's noch viel mehr. Begeben wir uns nun also an den Rand des Gemüsemainstreams, fernab von Rüebli und Co., und schauen mal, was es dazu für Rezepte gibt.

Den Anfang machen gegrillte Pastinaken – so einfach geht's:

Pastinaken waschen, schälen und in fingergrosse Stifte schneiden.

Auf einem grossen Backblech verteilen, mit Oliven-Öl und Limettensaft beträufeln, mit Salz, Pfeffer und Kreuzkümmel bestreuen.

Etwa 30 Minuten lang bei 180 °C im Ofen grillen, bis die Dinger aussen eine Kruste bilden.

Bild

bild: pinterest

Welche Gemüsesorten zu welcher Zeit als saisonal gelten, war mir vor einigen Wochen noch fremd. Tomaten habe ich gekauft, auch wenn sie gar nicht danach schmeckten, nach nichts schmeckten, aus Gewohnheit. Broccoli und Blumenkohl waren meine Grundnahrungsmittel durchs ganze Jahr hindurch.

Ich war ein vom Gemüse-Mainstream beeinflusster Gluschtkäufer. Ich war der Fjällräven-Rucksackträger unter den Gemüsekonsumenten.

Bis wir uns in der WG ein Gemüseabo angeschafft haben.

Unser Gemüse-Abo in der Kiste:

Bild: jovin barrer

Und jetzt liegt da auf einmal Wirz drin. «Grünes Ding, das man höchstens zu Suppe verarbeiten kann», dachte ich mir noch zu Beginn des Winters. Bis ich das Zeugs mal in die Bratpfanne haute …

Probier's auch du aus: Warmer Wirz-Salat

Die äusseren Blätter des Wirzes abschälen, die inneren Blätter gut waschen und anschliessend in feine Streifen schneiden.

Eine gehackte Knoblauchzehe zusammen mit einer Chilischote in Olivenöl anbraten. Den Wirz hinzugeben und bei hoher Hitze mitanbraten bis er leicht braun ist.

Mit Soja- oder Worcestersauce ablöschen, mit Salz, Pfeffer und Zucker würzen. Wer's gerne etwas sauer mag, kann einen Esslöffel Apfel- oder Weissweinessig hinzufügen.

Hitze reduzieren und solange köcheln lassen, bis der Wirz durch ist. Wobei der Kern bis am Schluss noch etwas Biss haben soll.

Wer eher auf Deftiges abfährt, kann die Wirzblätter auch mit Reis und Hackfleisch füllen.

Ich begann allmählich zu merken, dass an dem Mantra «Gemüse schmeckt nur gut, wenn saisonal» tatsächlich was dran ist. Und so waren dann auch mal Randen dran. Randen. Die ich eigentlich nicht mag. Ich habe trotzdem versucht, etwas Geniessbares daraus zu machen.

Bild: shutterstock

Bis anhin kannte ich Randen bloss als dunkelviolette Würfel, die mir unverständlicherweise als Salat verkauft wurden. In der Rekrutenschule in den Tessiner Alpen war der Randensalat die prominenteste aller Beilage. Aus der Dose, versteht sich – schlimme Zeit. Gerüstet, geschält und in Orangensaft gekocht, verwandelte ich die schrumpligen Knollen in eine unglaublich leckere Pasta.

Randen-Pasta

Vier Randen in mittelgrosse Würfel schneiden. Koriander und Kreuzkümmel hacken und mit Olivenöl andünsten.

Randen mit andünsten, mit Orangensaft ablöschen und dann ca. 15 Minuten köcheln lassen.

Rahm, Schnittlauch und Gewürze hinzugeben. Die bissfest gekochte Pasta noch tropfnass in die Sauce geben und alles zusammen mischen.

Unwiderstehliche Gewohnheiten

Ich würde lügen, würde ich behaupten, dass mir das marktfrische Wintergemüse jeglichen Appetit auf meinen sonst ach so geliebten mediterranen Gemüseeintopf mit reichlich Tomaten, Peperoni und Zucchini ganz abspenstig gemacht hat.

Natürlich nicht. Ich ging der Gemüsekiste seit unserer ersten Begegnung schon zwei Mal fremd.

Zwei Mal habe ich verdächtig glänzendes Obst aus dem Ausland gekauft und zwei Mal hat es total fade geschmeckt.

Mit einer regelrechten Wunderwurzel hat sich unsere Kiste aber schliesslich vollends meine Treue gesichert.

bild: shutterstock

Topinambur. Es klingt wie ein alchemistisches Elixir – oder doch wie eine halluzinogene Naturdroge? Auf jeden Fall schmeckt die Erdbirne, wie dieses Knollengewächs sonst auch genannt wird, besser, als es sein Name vermuten lässt. Im Grunde ist Topinambur eine etwas schärfere Süsskartoffel.

Topinambur-Chips

Topinambur schälen, in sehr dünne Scheiben hobeln.

Einen Liter Öl (am besten geschmackloses Pflanzenöl) in einem Topf erhitzen und die Topinambur darin frittieren.

Die frischen Chips mit einer Schaumkelle herausheben und auf ausgelegtem Küchenpapier abtropfen lassen. Zum Schluss mit etwas Salz, Paprika oder Chiliflocken würzen.

Wer keine Lust auf's Frittieren hat, kann die Chips auch in der Mikrowelle zubereiten

Was in dieser Zusammenstellung auf keinen Fall fehlen darf: Federkohl.

Bild: shutterstock

An einem der Lustlosigkeit verfallenen Sonntag habe ich ein Fertig-Nudelgericht mit Federkohl kombiniert. Und für alle, die jetzt denken: «Wie ‹unfancy› tönt denn Federkohl?» – Verwendet stattdessen einfach die Trendbegriffe «Kale» oder «Rimbalzo».

Fresh Kale meets Lazy Sundays

Kale und soba noodles
pinterest

Sobanoodles mit Federkohl. Ein Aufwand von sieben Minuten. bild: pinterest

Federkohl mit Instant Noodles

Die Instant Noodles nach den Verpackungshinweisen in der Bratpfanne zubereiten.

Mit fein geschnittenem Federkohl, Knoblauch und Zwiebeln anreichern. Eventuell frische Pilze und Sesamsamen dazugeben.

Mit Sojasauce und Reisessig würzen. 

Eins ist klar: Nicht alles, was in der Gemüsebox ist, sieht gleich appetitlich aus. Vorbildlich wäre es natürlich, hätte man Ende Woche das ganze Gemüse restlos verwertet. Trotzdem: Drei Wochen lang blieb eine Papiertüte mit «schmutzigem» Inhalt unbeachtet liegen.

Das war drin: Schwarzwurzeln

Schwatzwurzel
shutterstock

bild: shutterstock

Aber alles hat ein Ende. Das Ende der Schwarzwurzeln kam, als im Kühlschrank nur eine angefangene Flasche Milch und ein paar Eier lagen. Da war er, der «Moment of Fame» für die Schwarzwurzeln:

Schwarzwurzel-Wähe

Ein halbes Kilogramm Schwarzwurzeln rüsten. Zwiebeln, Lauch und Knoblauch hacken und einen runden Kuchenteig bereit legen.

Die Zutaten auf dem Teig verteilen. Für den Guss drei Eier, 2 1/2  Deziliter Milch, Salz, Pfeffer und Petersilie vermischen und über den belegten Teig giessen.

Ca. 40 Minuten bei 200 °C backen.

Dieses Obst und Gemüse kauft man besser immer BIO!

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