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Gal Gadot sprintet 2017 als «Wonder Woman» zum Mega-Welterfolg.
Gal Gadot sprintet 2017 als «Wonder Woman» zum Mega-Welterfolg.Bild: AP/Warner Bros. Entertainment
Kommentar

Es lebe die Superheldin! Steckt euch euren «Feminismusscheiss» sonstwohin

Es gibt Kommentare, ihr Lieben, die haben wir satter als satt. Zum Beispiel diese hier.
07.03.2019, 13:2208.03.2019, 09:21

Kollege Scherrer sorgt sich. Um seine Mitmänner. «Jedes Mal, wenn ich was zu (Superhelden-)Filmen mit weiblichen Stars schreibe, kommt garantiert so ein dummer ‹Scheissfeminismus›-Kommentar», schreibt er. Konkreter Anlass: «Captain Marvel» mit Brie Larson in der Hauptrolle. Die sich auch noch gewünscht hatte, bei der Promotour ihres Films nicht nur von weissen Männern interviewt zu werden.

Man könnte auch «Wonder Woman», «Lara Croft», «Ghostbusters», «Ocean's Eight», «Annihilation», «Widows» oder die neue Staffel «Doctor Who» nehmen. Filme, in denen es nun mal um Frauen geht und nicht wirklich um Männer, und in denen die Frauen sich auch nicht über bevorstehende Hochzeiten, in Citys Herumhühnern oder das zufällige Erlangen von Adelstiteln definieren.

Filme, in denen Frauen kampfstark, böse, gewalttätig, mächtig, schlau, verschlagen, derb und elektrisierend sexy sind.

Ich seh schon, spätestens an dieser Stelle möchte der Erste in die Tasten greifen und geifern: «Frau Meier, dieses Argument ist wieder so 90er! Aber typisch: Sie sind eine Feminazi-Kampflesbe! Nein: ein bauch-stalinistischer Transgender! Hören Sie auf damit! Dann kann man Sie vielleicht lesen.» Ich kann Kollege Scherrer trösten, sowas krieg ich bei ungefähr ... jedem Artikel. Seit zwanzig Jahren. Also seit den 90ern.

Solche Frauenfilme («Sex and the City») stören unsere Kommentatoren logischerweise nicht, sie würden sich sowas eh nicht ansehen.
Solche Frauenfilme («Sex and the City») stören unsere Kommentatoren logischerweise nicht, sie würden sich sowas eh nicht ansehen. Bild: Warner Bros.

Nein, nicht ganz, damals befand sich das Wort «Transgender» noch nicht im Sprachbewusstsein eines Leserbriefschreibers. Damals stiess ich dafür eines Morgens beim Warten auf das Tram auf einen Mann, der mir ins Gesicht sagte: «Frauen in der Politik finde ich total überflüssig. Ist die Welt etwa besser geworden? Scheissfeminismusscheiss.»

Typen, darum gehts nicht! Frauen waren noch nie bessere Menschen! Frauen waren einfach immer auch schon Menschen. Genau so gut oder schlecht sein wie Männer.

Einverstanden, dieses Argument ist so alt, das ist nicht einmal mehr 90er, das ist total 1791. Damals schrieb nämlich die französische Schriftstellerin Olympe des Gouges die revolutionäre «Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin» und verkündete der erstaunten Leserschaft die Gleichberechtigung der Geschlechter.

«Doctor Who» mit Jodie Wittaker bricht alle ZuschauerInnenrekorde, ist aber natürlich ein scheissfeministisches Verbrechen am Erbe der Serie.
«Doctor Who» mit Jodie Wittaker bricht alle ZuschauerInnenrekorde, ist aber natürlich ein scheissfeministisches Verbrechen am Erbe der Serie.Bild: BBC

Alle Argumente und Gegenargumente sind uralt. Die Zeitspanne allerdings, in der die Argumente ihre Wirkung entfalten, ist noch immer sehr kurz. Seit wann gibt es in der Schweiz das Frauenstimmrecht? Seit 1971. Schon klar, dass sich da noch immer ein paar daran gewöhnen müssen.

Doch zurück zu den Filmen, die Männer so hässig machen. Den Filmen, in denen Frauen wagen, sich wie Männer aufzuführen oder diese gar unhinterfragt abzulösen. Nerven sie etwa, weil sie so irre schlecht sind? Anders gefragt: Sind alle «Bond»-Filme gut? Oder etwa eher nur die Hälfte? Alle Männer-«Ocean's»? Wirklich die ganze «Bourne»-Reihe? Jeder Spider-, Bat- und Superman? Muss ich das echt fragen?

Geht gar nicht!!! «Captain Marvel» mit Brie Larson.
Geht gar nicht!!! «Captain Marvel» mit Brie Larson.Bild: AP/Disney-Marvel Studios

Nein, die Frauenfilme nerven natürlich vor allem, weil sie DA sind. Weil sie JETZT DA sind. ENDLICH DA sind. Plötzlich mit Macht und Marktpräsenz behaupten, auch Mainstream zu sein. Und damit auch noch Kasse machen! Wie ist das denn möglich, wird sich der alte weisse Mann denken, der gerne Sean Connery in «Diamonds Are Forever» wäre, oder der nicht so alte INCEL.

In «Annihilation» ist Natalie Portman mit einem Frauenteam in einem Paralleluniversum unterwegs.
In «Annihilation» ist Natalie Portman mit einem Frauenteam in einem Paralleluniversum unterwegs.Bild: netflix

Wenn wir uns Hollywood betrachten, so ist diese selbstverständliche Präsenz der Superfrauen natürlich kein ideologischer, sondern ein rein wirtschaftlicher Entscheid.

Schliesslich ist Hollywood die TraumFABRIK. Die FilmINDUSTRIE. Und bedient als solche auch nur eine Nachfrage.
«Alien» war 1979 ein visionärer Wurf: Da wurde die Sache mit der selbstverständlichen Heldin ganz einfach in die Zukunft projiziert. Dorthin, wo alles möglich ist.
«Alien» war 1979 ein visionärer Wurf: Da wurde die Sache mit der selbstverständlichen Heldin ganz einfach in die Zukunft projiziert. Dorthin, wo alles möglich ist. bild: imdb

Diese Nachfrage ist allerdings nicht zuletzt auf dem fruchtbaren Selbstermächtigungs-Kompost der letzten Jahrzehnte gewachsen. Nicht nur dem der Frauen in der vermeintlichen Männerwelt, auch dem der Schwarzen oder Asiaten in der vermeintlich weissen US-amerikanischen Welt. Und hat nun eben Blockbuster wie «Black Panther», «Crazy Rich Asians» oder «Wonder Woman» hervorgebracht.

Die Wirtschaft, die in allem den Profit wittert, begreift schneller als andere, wann eine sogenannte Minderheit ihre Minderwertigkeitskomplexe ablegt und zur Mehrheit erstarkt.
«Black Panther». Und plötzlich sagt keiner mehr was. Wird auch mit den Superheldinnen bald so sein.
«Black Panther». Und plötzlich sagt keiner mehr was. Wird auch mit den Superheldinnen bald so sein.Bild: AP/Disney

Gewöhnt euch dran, ihr unzufriedenen Kommentarschreiber. Und auch wenn ihr Filme wie «Captain Marvel» gerade mit aller Macht auf Foren wie «Rotten Tomatoes» aus der Welt zu voten versucht – ihr werdet es nicht schaffen. Mit dem Scheissfeminismusscheiss macht man eben nicht nur Kampfemanzen glücklich, nein, damit macht man jetzt auch Kasse. Und dies ist am Ende das unschlagbarste Argument von allen.

Und gewöhnt euch auch an die Idee, dass der nächste Bond schwarz, asiatisch oder eine Frau sein könnte. Die Dämme sind gebrochen, die Träume, die das Kino widerspiegeln muss, um Erfolg zu haben, sind andere als eure. Grössere.

Steff la Cheffe: "Ja, ich bin eine Feministin. Punkt."

Video: undefined/Keystone

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204 Kommentare
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Mooncat
07.03.2019 13:49registriert Dezember 2015

Witzig. Mein erster Gedanke beim Lesen war: wann kommt Jane Bond? Dann gleich: ach nein, bitte nicht.
Das nicht, weil ich gegen eine coole weibliche 007 bin - oder einer anderen Ethnie oder sonstigen Menschengruppe - aber weil ich finde, anstatt bekannte Rollen mit aller Kraft in zeitgemässe Formate zu quetschen, schafft neue Identifikationsfiguren. Bringt 009 Xenia Aston oder 008 Lamar Willoby statt 007, eine Figur die nun einmal von Ian Flemming sehr genau entworfen wurde.
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Stinkender Wookie
07.03.2019 13:47registriert Dezember 2014
Also was mich wirklich stört, ist mit Scheissfeminismus-rufer in einen Topf geschmissen zu werden. So war zum Beispiel der neue Ghostbuster einfach ein grotten schlechter Film (meine Meinung). Das liegt aber nicht daran, dass nun Freuen die Rollen spielen, sondern weil das Drehbuch und andere Aspekte des Films schlecht sind. Trotzdem heisst es dann, der Film werde schlecht bewertet, weil zu viele Männer es nicht ertragen können starke Frauen auf der Leinwand zu sehen. Die Geschlechter / Hautfarben etc. sollten auf die Berwertung keine Auswirkung haben. Weder positiv noch negativ.
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JC Rappe
07.03.2019 13:56registriert Oktober 2018
Ironisch und traurig ist dass hier jemand sich für den Feminismus einsetzt (was ich gut finde) aber gnadenlos in die Hollywood Monetarisierungsfalle tappt und sich selber als Marionette der Industrie missbrauchen lässt.
Genau die Aussage dass "Filme mit starken weiblichen Figuren eine Neuheit seien" , zeigt wie gut der Plan funktioniert.
Ich bin ein Kind der 90er und wuchs mit starken Heldinnen auf, die man nicht künstlich vor Kritik schützen musste, weil die waren stark genug der Kritik selber standzuhalten ohne die Sexismus Keule zu schwingen.
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