Wie Paris die Ehe zu einem Luxusgeschäft gemacht hat
In Paris nehmen Heiratsanträge filmreife Formen an – von Cinderella-Kutschen über private Terrassen bis hin zu massgeschneiderten Szenarien. Diese Inszenierung der Liebe treibt einen lukrativen Markt an, der zum grossen Teil von ausländischen Kunden getragen wird. In der Nacht gleitet eine funkelnde Kutsche, gezogen von einem weissen Pferd, über die prestigeträchtige Place Vendôme im Herzen des Viertels der Luxusjuweliere.
Philippe Delon, Kutscher und Besitzer der Kutsche, öffnet vor einem Paar eine rosa Schatulle, die einen gläsernen Schuh enthüllt: «Ich komme, um eine Prinzessin zu holen!» Das Paar steigt ein und fährt durch die eleganten Viertel bis zum Eiffelturm. Unter den Klängen eines Geigers geht der Mann auf ein Knie und bittet seine Partnerin um die Hand.
Er hat im November die Agentur ApotéoSurprise kontaktiert, um dieses Szenario «in der Cinderella-Kutsche» zu organisieren.
Seine Verlobte, Shirley Wijgaarts, 40 Jahre alt, in einem schwarzen Ballkleid, dachte, sie würde einfach ein Überraschungswochenende in Paris verbringen. «Damit habe ich nicht gerechnet! Und natürlich habe ich ‹Ja› gesagt. Er ist mein Prinz», erzählt sie. Durch die sozialen Medien beflügelt, ist der Heiratsantrag «à l’américaine» zu einem eigenen Ereignis geworden, das in der Stadt der Lichter inszeniert wird.
Spektakuläre Inszenierung
An den Ufern der Seine bieten die Agenturen zunehmend für Instagram inszenierte Kulissen an: riesige Buchstaben «Marry Me», Seidenblumen und herzförmige Ballons. Eine fotografierte Leistung kostet zwischen 300 und 700 Euro. «Vor fünf Jahren gab es drei Agenturen, heute sind es 25, mit Angeboten für jedes Budget», schätzt Florian Perrault, Gründer der Paris Proposal Agency. Sein Schwerpunkt: Dachterrassen und private Boote, für etwa 1800 Euro.
Die Luxushotels, wie das Shangri-La, reservieren ihren Gästen Terrassen mit Blick auf den Eiffelturm. «Wir organisieren alles für sie: Blumen, Kerzen, Fotograf, Abendessen mit privatem Butler», erklärt Mélanie Tessier, Leiterin der Gästebetreuung des Hotels. Diese spektakuläre Inszenierung sorgt dafür, dass die Gäste treu bleiben und später für Geburtstage oder Familienaufenthalte zurückkehren, betont sie.
Für ein wohlhabenderes Publikum entwickeln einige Premium-Agenturen vollständig massgeschneiderte Inszenierungen. «Wir versuchen, die Persönlichkeit des Paares zu verstehen, um etwas Einzigartiges zu schaffen», erklärt Chantelle Marie Streete, Geschäftsführerin von Kiss Me in Paris.
Auf Wunsch eines zukünftigen Ehemanns entwarf die Agentur ein Szenario namens «Mission Impossible» für eine junge, «abenteuerlustige» Frau: Ein am Morgen geliefertes iPad startet eine Schnitzeljagd durch Paris, zuerst im Seitenwagen und dann mit dem Boot. Anschliessend transportiert ein Hubschrauber das Paar zu einem privat gemieteten Schloss. Budget: mehrere zehntausend Euro.
Ein unvergesslicher Moment
Die Kunden sind hauptsächlich Geschäftsleute und Unternehmer im Alter von 35 bis 55 Jahren aus den USA, Australien, England, den nordischen Ländern, Singapur oder dem Nahen Osten. Neben Paris und New York entwickelt sich dieser Markt der Romantik auch in Venedig, an der Amalfiküste bei Neapel, in Kappadokien, auf Santorin oder auch in Australien.
«Man braucht keinen Vertrag mehr, um zusammenzuleben, aber wenn sie sich entscheiden zu heiraten, soll der Antrag ein unvergesslicher Moment sein», kommentiert Cengiz Ozelsel, ehemaliger Banker an der Wall Street wie seine Frau Chantelle, bevor sie Kiss Me in Paris gründeten. Hinzu kommt ein sozialer Druck: «In einer bestimmten Einkommensklasse sind die Erwartungen noch höher. Und sie wollen diesen Moment stolz ihrem Umfeld erzählen können», erklärt Chantelle Streete.
Es sei laut Chantelle Streete inzwischen entscheidend, zu zeigen, dass man sich Mühe gegeben hat. In einem anderen Szenario besucht ein Paar eine Kunstgalerie.
Ein unter einem Schleier verborgenes Gemälde wird vom Galeristen enthüllt. Die zukünftige Braut entdeckt darauf ein Werk, das sie genau in diesem Moment zeigt. Wochen zuvor hatte der zukünftige Ehemann ihre Kleidung ausgewählt, die Szene geplant und das Gemälde anfertigen lassen. «Sie dreht sich um, er ist auf ein Knie gegangen, sie ist sehr bewegt», beschreibt Chantelle Streete.
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