Schweiz
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Automatischer Austausch: Steuerämter werden mit Zehntausenden von Dossiers geflutet



Im Rahmen des Automatischen Informationsaustauschs (AIA) hat die Eidgenössische Steuerverwaltung Zehntausende von Informationen über Steuerpflichtige an die Kantone weitergeleitet. Die Kontrolle dieser Dossiers wird Monate, möglicherweise gar Jahre beanspruchen.

Seit dem 1. Oktober gilt der Automatische Informationsaustausch (AIA) mit bisher 89 Staaten, bis 2020 oder 2021 sollen weitere 18 Staaten hinzukommen. Mit ihnen tauscht die Schweiz automatisch Informationen über Finanzkonten aus. Die Steuerverwaltungen kontrollieren künftig, ob die Steuerpflichtigen die ausländischen Konten deklariert haben. Falls nicht, drohen Strafverfahren.

Tausende von Selbstanzeigen

Tausende von Steuerpflichtigen haben von der bis Ende September 2018 möglichen straflosen Selbstanzeige Gebrauch gemacht, um bisher nicht deklarierte Konten zu melden.

«Der Automatische Informationsaustausch hat die Rolle eines Polizisten übernommen, und eine präventive Rolle»

Die Zahlen sind eindrücklich: In Zürich beispielsweise waren es 7250, in Genf 6192, 3460 im Kanton Bern oder 3098 im Kanton Tessin. Gegen 1000 Selbstanzeigen gab es auch in den Kanton Basel-Land oder St. Gallen. Die Waadt weist keine Jahreszahlen aus, seit 2010 sind beim Westschweizer Kanton jedoch 12'879 Selbstanzeigen eingegangen.

Dutzende Millionen Mehreinnahmen

Durch die Möglichkeit der straflosen Selbstanzeigen wurden in den letzten Jahren Vermögenswerte im Umfang von mehreren Milliarden Franken nachgemeldet. Für die Kantone führt dies zu zusätzlichen Steuereinnahmen in teilweise zweistelliger Millionenhöhe.

In den meisten Kantonen liegen die genauen Zahlen über die zusätzliche Einnahmen durch neu deklarierte Vermögenswerte noch nicht vor. Auch die Eidgenössische Steuerverwaltung verfügt über keine aktuellen Zahlen, wie es auf Anfrage hiess.

Herkulesaufagabe für die Kantone

«Der Automatische Informationsaustausch hat die Rolle eines Polizisten übernommen, und eine präventive Rolle», sagt Alain Mauron, Vorsteher der Freiburger Steuerverwalter, der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Auf die Kantone wartet nun eine Herkulesaufagabe: Sie müssen die einzelnen Dossiers überprüfen, die ihnen die Eidgenössische Steuerverwaltung zukommen liess.

Mehr Personal steht dafür kaum zur Verfügung. «Wir werden diese Fälle im Rahmen der normalen Steuerveranlagung prüfen», sagt beispielsweise Tanja Bertholet von der Berner Steuerverwaltung. Insgesamt hat der Kanton bisher über 92'000 Dossiers über Konten im Ausland von Berner Steuerpflichtigen von der Eidgenössischen Steuerverwaltung erhalten.

Grosse Fische haben Priorität

Wie viel Zeit die Überprüfung beansprucht, zeigen die Aussagen des Freiburger Steuerverwalters, der 26'000 Dossiers erhalten hat: «Wir werden einen Fall nach dem anderen behandeln, aber bei 15 Minuten pro Dossier würde das 812 Tage beanspruchen», rechnet Mauron vor.

Selbst bei einer Erhöhung der Effizienz wären noch fünf bis zehn Minuten Arbeit pro Fall nötig. Das würde bedeuten, dass eine bis zwei Personen pro Jahr in der Steuerverwaltung damit beschäftigt wären. Deshalb würden in erster Linie die grössten Dossiers genauer analysiert. «Denn es muss etwas dabei herausschauen», sagt er. (whr/sda)

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13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Feihua 09.02.2019 10:53
    Highlight Highlight Vielleicht kann man noch ein paar Sozialdetektive umschulen, ich vermute, die könnten bei den Steuerhinterziehern viel grössere Fische fangen als beim Thema "Sozialmissbrauch"
  • Bivio 09.02.2019 10:10
    Highlight Highlight Es scheinen nicht alle die Sache vollständig zu verstehen. Der AIA tönt super auf dem Papier ist jedoch in der Praxis untauglich, da die Steuerämter von den Banken einfach mit Akten zugespamt werden. Wenn selbst die effiziente Schweiz grosse Probleme hat, wie geht es denn Ländern wie Griechenladn oder Italien?
    Das alte System - auf erhärteten Verdacht - war wesentlich effizienter.
    @Nixnutz: Nein, man subventioniert keine Kriminellen. Die bekommen nichts geschenkt von ihren Steuern. Nur solche, welche zusätzliche Leistungen erhalten (IV, Soz.Hi) werden "subventionert".
    • Feihua 09.02.2019 11:18
      Highlight Highlight Nein, Bivio. Wer Steuern hinterzieht, begeht genau so Betrug bzw.Diebstahl am Staat und damit an uns allen, wie jemand, der z.B. eine Bank ausraubt.

      Oder denkst Du, Steuerhinterzieher nutzen keine Schulen, Strassen, Sicherheit, Zivilisation und damit ein funktionierendes, stabiles System, welches es ihm erst ermöglicht hst, reich zu werden?

      Wer seinen demokratisch legitimierten Steueranteil nicht bezahlt, ist ganz einfach ein Dieb an uns allen.
  • Schluch 09.02.2019 08:18
    Highlight Highlight Komisch, für Sozialdetektive gibt es Budget. Aber um die Kohle zu verbuchen, die auf dem Tisch liegt gibt's nix.
  • Schneider Alex 09.02.2019 06:56
    Highlight Highlight Der Beitrag zur Sanierung der öffentlichen Haushalte wäre über die Bekämpfung der Steuerhinterziehung via Aufhebung des Bankgeheimnisses auch in Inland zielführender als die Drangsalierung der Sozialhilfeempfänger.
  • DomKi 08.02.2019 20:34
    Highlight Highlight Kontrolle total, eine Frechheit
    • Der_Kommentator 09.02.2019 02:06
      Highlight Highlight Ich wünschte mir auch, dass die Leute ihre Steuern richtig deklarieren würden (ohne Kontrolle!). Aber wenn man sich die Zahlen anschaut, so scheint diese Kontrolle leider notwendig zu sein...
  • DerewigeSchweizer 08.02.2019 19:39
    Highlight Highlight "Mehr Personal steht dafür kaum zur Verfügung."

    ... Ach, es war doch so schön mit dem Steuergeheimnis und jetzt müsste man plötzlich schaffen.
  • MrJS 08.02.2019 18:56
    Highlight Highlight Diese 97 Staaten sollen den einseitigen Austausch mit der USA endlich aufkünden. Es ist eine Frechheit, dass die USA alle Staaten zum Austausch zwingt, aber selber nicht mitmacht!
  • Nixnutz 08.02.2019 18:41
    Highlight Highlight Die Dutzenden Millionen, welche jetzt sprudeln mussten die ehrlichen Steuerzahler über Jahre wenn nicht Jahrzehnte mehr bezahlen. Mir kommt bei dem Gedanken dass ich mit meinen zu hohen - weil ehrlich alles angegeben -Steuern jahrelang Verbrecher subventioniert habe die Galle hoch...
  • Lowend 08.02.2019 18:39
    Highlight Highlight So viel zur Steuerehrlichkeit der oberen Zehntausend.

    Ihr Vorteil ist es momentan noch, dass die SVP und die FDP ihnen helfen, den Staat, sprich uns alle, zu betrügen, indem sie mit dem Bankgeheimnis die schützende Hand über diese Steuerkriminellen hält.

    Das zu ändern haben die normalverdienenden Wähler im nächsten Herbst aber selber in der Hand!
  • DerewigeSchweizer 08.02.2019 17:24
    Highlight Highlight "Durch die Möglichkeit der straflosen Selbstanzeigen wurden in den letzten Jahren Vermögenswerte im Umfang von mehreren Milliarden Franken nachgemeldet."

    "Herkulesaufagabe für die Kantone"

    Ach... Wir wollten es doch gar nicht wissen ... (Ironie off)
  • Christian Mueller (1) 08.02.2019 16:32
    Highlight Highlight Was mich komisch dünkt: Es hiess doch immer: Die Schweizer hinterziehen doch keine Steuern. Das Bankgeheimnis dient 'nur' der Privatsphäre (die Privatsphäre, die sie den Sozialhilfeempfängern gerde erst verboten haben). Mehr als nur unschön an der Regelung ist auch: Die USA machen natürlich NICHT mit. Heuchler...

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