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Auch auf «Romance Scam» fallen Schweizer immer wieder herein.  bild: shutterstock

Kaum zu fassen, aber auf diese Tricks von Online-Betrügern fallen wir immer wieder herein

Stefania Telesca / ch media



Der «Romance Scam»

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Ein Spiel mit dem hungrigen Herzen. So umschreibt Markus Gisin, Abteilungschef Kriminalpolizei Aargau, jene Delikte, bei denen verliebte Männer und Frauen online um beträchtliche Geldsummen betrogen werden. Eines davon wird «Romance Scam» genannt. Die Zielgruppe sind vor allem Menschen, die sich online auf Kontaktplattformen anmelden, um andere Personen kennen zu lernen. Oft sind es Menschen, die sich seit langem nach einer Partnerschaft sehnen.

Die Strafanzeigen in diesem Bereich haben sich gegenüber dem Vorjahr verdoppelt, im Schnitt geht im Kanton Aargau alle ein bis zwei Wochen eine Anzeige ein. Die Dunkelziffer dürfte hoch sein, denn die Betroffenen empfinden oft Scham. Männer und Frauen seien gleichermassen betroffen, sagte Gisin. Die Betrugsmasche zahlt sich aus, allein im Jahr 2018 betrug die Deliktsumme 1.5 Millionen Franken.

Das Vorgehen ist dabei immer ähnlich: Die Betrüger bauen mit ihren späteren Opfern online so lange Kontakt auf, bis sie deren Vertrauen und Herz gewinnen. Wenn der Betrüger oder die Betrügerin sicher ist, dass die emotionale Abhängigkeit beim Opfer erreicht ist, machen sie eine plötzliche Notlage geltend. Sie schildern vermeintliche Unfälle, Krankheiten, Familienprobleme oder Schwierigkeiten mit Behörden. Die Opfer werden gebeten, so schnell wie möglich eine grosse Geldsumme zu überweisen. Zurück bleiben leere Konten und gebrochene Herzen.

Selbst bei aufgeflogenem Schwindel und abgebrochenem Kontakt finden die Liebesbetrüger noch Wege, um ihre Opfer um hohe Geldsummen zu erpressen. Nicht selten werden die vermeintlichen Angebeteten vor dem Vertrauensbruch überredet, intime Fotos oder anzügliche Videos zu schicken. Brechen die Opfer den Kontakt schliesslich ab, drohen ihnen die Betrüger mit der Veröffentlichung dieser Dateien, sollte der verlangte Betrag nicht beglichen werden.

«Romance Scam» im Video erklärt.  Video: © TeleM1

Den Strafverfolgungsbehörden sind bei dieser Art von Internetbetrug meist die Hände gebunden. «Da die E-Mails, Telefonnummern und Profile alle gefälscht, respektive anonymisiert sind und Zahlungen über Geldtransfer-Dienste wie Money-gram oder Western Union erfolgen, kann der Geldfluss nicht nachverfolgt werden», heisst es auf einem Informationsblatt der Schweizerischen Kriminalprävention. Der einzige Ratschlag: Man solle niemals Geld an Menschen überweisen, die man nicht persönlich kennt – egal, wie herzerwärmend deren Geschichte klingt.

Der «CEO-Betrug»

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Auch Firmen und Vereine werden immer wieder zum Ziel von Onlinebetrügern. Beim sogenannten «CEO-Betrug» ergaunerten diese im Kanton Aargau letztes Jahr in sieben bis acht erfolgreichen Fällen 405'000 Franken. Dabei kontaktiert die Täterschaft – die meistens aus dem Ausland agiert – insbesondere Mitarbeitende aus der Finanzabteilung oder Vereinskassiere und gibt sich mit einer gefälschten Emailadresse als Direktor der Firma oder Präsident des Vereins aus.

Unter einem Vorwand wie zum Beispiel der ausserplanmässigen Zahlung einer Rechnung wird der Mitarbeiter mit einer Überweisung ins Ausland beauftragt. In zwei Fällen gelang es den Ermittlern, Zahlungen von 200 000 Franken zu blockieren. Als Gegenmassnahme haben die Cyberermittler der Kantonspolizei gezielt Vereine aus dem Kanton Aargau angeschrieben und sie vor den Betrugsmaschen gewarnt.

Der Anruf des angeblichen Microsoft-PC-Supports

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«Besonders die Generation Z (18-23 Jahre) und Millennials (24-37 Jahre) werden Opfer solcher Betrugsversuche», zeigt eine Studie von Microsoft zu Tech-Scams. bild: microsoft

Auch die Betrugsmasche des Microsoft-PC-Supports hat im 2018 zugenommen. Dabei melden sich vermeintliche Mitarbeiter einer IT-Firma um ein angebliches Problem zu lösen. Sie verlangen Zugriff auf den PC, wobei eine Schadsoftware installiert wird. Sobald die angerufene Person ihr E-Banking öffnet, setzt die Täterschaft zu illegalen Transaktionen an. Die Kantonspolizei Aargau war letztes Jahr mit 180 solchen Fällen konfrontiert, zirka jeder dritte war erfolgreich. Dabei wurden Summen von einigen hundert, bis zu zehntausenden von Franken gestohlen.

Microsoft schreibt hierzu: «Wir führen unter keinen Umständen unaufgefordert Telefonanrufe durch, in denen angeboten wird, ein schadhaftes Gerät zu reparieren oder persönliche oder finanzielle Daten angefordert werden. Jegliche Kommunikation mit Kunden wird durch diese selbst initiiert. Microsoft kontaktiert Nutzer auch nicht ungefragt telefonisch, um über neue Sicherheitsupdates zu informieren.» 

Der Enkeltrick

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Jeden zweiten bis dritten Tag ging im letzten Jahr bei der Kantonspolizei eine Meldung über einen Enkeltrick-Betrugsversuch ein – also einen Fall, in dem vermeintliche Enkel oder sonstige Angehörige von Senioren diese überreden wollten, ihnen Geld zu schicken. Die registrierten Fälle hätten markant zugenommen, sagt Gisin. Dank der hohen Sensibilisierung in der Bevölkerung hätten die Täter selten Erfolg – dann sei die Schadensumme aber jeweils entsprechend hoch. Am meisten würden Menschen aus dem öffentlichen Telefonbuch angerufen, deren Vornamen «alt» klingen. Dabei seien Elisabeth, Ursula und Erika besonders beliebt.

Die Wahrscheinlichkeit im Netz von Kriminellen angegangen zu werden ist mittlerweile höher, als auf der Strasse angegriffen zu werden.

Dass sich die Kriminalität ins Internet verschiebt, hat Auswirkungen auf die Rekrutierung bei der Polizei: «Wir suchen gezielt IT-Spezialisten, die eine Ausbildung auf Hochschulniveau mitbringen», sagt Kommandant Michael Leupold. Die Wahrscheinlichkeit, im Netz von Kriminellen angegangen zu werden, sei mittlerweile höher, als auf der Strasse angegriffen zu werden, bestätigt Kriminalpolizei-Chef Gisin. Auch Regierungsrat Urs Hofmann sieht Handlungsbedarf: «Delikte im Cyberraum nehmen rasant zu. Auch die Aargauer Polizei muss hier aufrüsten, wollen wir nicht vor diesen neuen Kriminalitätsformen kapitulieren.»

Cyberattacken dürften 2019 weiter zunehmen

Das Thema Cybersicherheit sollte auch 2019 bei Schweizer Unternehmen ganz oben auf der Liste stehen. «Die Gefahr für Firmen steigt im laufenden Jahr nochmals massiv an», sagte die IT-Expertin Sonja Meindl vom Softwareunternehmen Check Point gegenüber der Nachrichtenagentur AWP.

Dies habe vor allem mit den generellen Markttrends im IT-Bereich zu tun. So erhöhe etwa die zunehmende Speicherung von Daten in der Cloud oder das Internet of Things (IoT) die Angriffsfläche: «Gerade im IoT-Bereich sind Endgeräte meist zu wenig geschützt und damit den Angriffen von Hackern ausgeliefert», erklärte Meindl.

Studien hätten zudem gezeigt, dass Cyberattacken mittlerweile von Unternehmen als grösstes Risiko eingeschätzt werden. Bemerkenswert dabei sei, dass zwar sehr viel Geld in die Abwehr solcher Angriffe gesteckt werde, die subjektive wahrgenommen Unsicherheit bei vielen Firmen aber steige.

Angesprochen auf die Art der Attacken benennt Meindl vor allem zwei Angriffsformen. Neben den bereits seit mehreren Jahren bekannten Erpressungsversuchen von Hackern mittels sogenannter Ransomware, habe im letzten Jahr insbesondere das Anzapfen von Rechenleistung zu den beliebtesten Formen von Cyberattacken gehört. Damit würde Hacker mit fremder Computerpower etwa Kryptowährungen wie Bitcoin günstiger «schürfen» können, erklärte die IT-Expertin Meindl.

Auch der Leiter der Finanzmarktaufsicht Finma, Mark Branson, ist sich den Risiken von Cyberangriffen durchaus bewusst. Angesichts der steigenden Anzahl von Attacken forderte er in einem Interview mit der «SonntagsZeitung» ein nationales Abwehrzentrum gegen Cyberkriminelle. Dem Finma-Chef bereiten verständlicherweise vor allem die Risiken für die Finanzbranche grosse Kopfschmerzen: «Der Finanzsektor wird technologisch immer vernetzter und damit immer verletzlicher», sagte er gestern gegenüber der «SonntagsZeitung». (sda)

(aargauerzeitung.ch)

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