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Josef Lang, Nationalrat Gruene, Heiner Studer, Praesident EVP, Chantal Gallade, Nationalraetin SP, Babette Sigg Frank, Praesidentin CVP Frauen Schweiz, von links, sprechen an der Medienkonferenz

Babette Sigg Frank ist seit 2009 Chefin der CVP-Frauen. Bild: KEYSTONE

Interview

Höchste CVPlerin: «Die Situation ist aus Frauensicht fatal»

Mit einem lauten Knall verabschiedet sich die Zürcher CVP-Nationalrätin Barbara Schmid-Federer aus der Politik. Auch andere Vertreterinnen kehren der Partei den Rücken. Babette Sigg Frank, die Chefin der CVP-Frauen, spricht im Interview über die Gründe. 



Frau Sigg, laufen der CVP die Frauen davon? Barbara Schmid-Federer tritt zurück – und auch Kathy Riklin und Viola Amherd scheiden nächstes Jahr aus dem Nationalrat aus. Mit Kampagnenleiterin Laura Curau und Generalsekretärin Béatrice Wertli haben zwei CVP-Frauen in Schlüsselpositionen gekündigt.
Babette Sigg Frank:
Die Frauen laufen uns nicht davon! Die Gründe für die Abgänge sind unterschiedlicher Natur. Aber natürlich ist die Situation aus Frauensicht fatal: Die beiden Zürcher Nationalrätinnen dürften durch Männer ersetzt werden. Der ohnehin schon tiefe Frauenanteil in der Fraktion schrumpft damit weiter. Dass mit Curau und Wertli zwei weitere Frauen gekündigt haben, ist wohl Zufall. Trotzdem senden wir damit gegen aussen ein schlechtes Signal aus.

Barbara Schmid-Federer verlässt die politische Bühne mit einem Knall: Im «Tages-Anzeiger» kritisiert sie Gerhard Pfister und den konservativen Kurs der CVP in ungewohnter Schärfe. Teilen Sie ihre Kritik?
Als reformierte Zürcherin gehöre ich selber nicht unbedingt zum wertkonservativen Flügel der CVP (lacht). Insofern kann ich ihre Bedenken nachvollziehen. Und ich weiss, dass Schmid-Federer vielen CVP-Frauen aus dem Herzen gesprochen hat. Gleichzeitig schätze ich Gerhard Pfister als Parteipräsidenten und Intellektuellen. Und ich rechne es ihm hoch an, dass er andere Meinungen in der Partei zulässt.

«Und wenn sich die CVP Schweiz zu stark an der Rechten orientiert, dann vergrault sie eben liberal-soziale Wähler in den Städten.»

Dennoch glauben Sie, dass die CVP ihr Wählerpotenzial mit einer sozial-liberalen Ausrichtung besser ausschöpfen könnte?
Natürlich haben urbane Wählerinnen in Zürich andere Bedürfnisse als konservative Wähler auf dem Land. Fakt ist jedoch, dass die Stimmbürger ihren Blick vermehrt darauf richten, wie sich eine Partei national positioniert. Und wenn sich die CVP Schweiz zu stark an der Rechten orientiert, dann vergrault sie eben liberal-soziale Wähler in den Städten. Dass sie dafür in ihren Stammlanden konservative Wähler anzieht, glaube ich nicht. Die sind längst zu anderen Parteien abgewandert und dort wohlig versorgt. Sie werden nicht zurückkommen.

Eine CVP-Frau schreibt auf Twitter, das Interview von Schmid-Federer «beschäme» sie. Es sei undankbar, sich beim Rücktritt so kritisch zu äussern. Einverstanden?
Ich kann mir vorstellen, dass sich gewisse Leute vor den Kopf gestossen fühlen. Allerdings hat Barbara Schmid-Federer nie einen Hehl daraus gemacht, was sie von der Neupositionierung der CVP hält. Ich finde ihre Aussage darum legitim.

«Bei uns CVP-Frauen war der Unmut über diesen Triumph des Patriarchats riesig.»

Auch Sie haben mehrmals die Konfrontation mit der Mutterpartei gesucht. So lasen Sie den CVP-Männern öffentlich die Leviten, nachdem diese die Lohngleichheitsvorlage zurückgewiesen haben. Wie reagierten die Herren Ständeräte?
Überhaupt nicht (lacht). Ich glaube, sie fielen in eine Schockstarre, weil sich so viele Frauen bei ihnen beschwert haben. Bei uns CVP-Frauen war der Unmut über diesen Triumph des Patriarchats riesig. Und wahrscheinlich auch bei vielen Wählerinnen. Ein paar Tage später waren in Zürich Wahlen – ich kann mir gut vorstellen, dass einige Frauen aufgrund dieses Entscheids davon abgesehen haben, der CVP ihre Stimme zu geben.

Schon in der Ära Darbellay legten sie sich immer wieder mit der Parteispitze an. Beispielsweise bei der Pädophileninitiative, beim Gripen, der zweiten Gotthardröhre oder der Asylgesetzrevision. Hat sich die Streitkultur verändert, seitdem Gerhard Pfister Parteichef ist?
Das Konfliktpotenzial ist derzeit eher kleiner. Das dürfte aber primär daran liegen, dass in den letzten zwei Jahren keine heiklen Themen diskutiert wurden, an denen wir uns hätten aufreiben können. Klar ist: Wir CVP-Frauen bieten jedem Präsidenten die Stirn, wenn es nötig ist.

«Wir fordern, dass die CVP bei der Leuthard-Nachfolge ein rein weibliches Zweierticket aufstellt.»

Ursprünglich wollten Sie an den Wahlen 2019 den Frauenanteil vergrössern. Daraus dürfte angesichts der vielen Rücktritte nichts werden. Wie sieht Ihre Strategie zur Schadensbegrenzung aus?
Ziel muss es sein, möglichst viele Frauen zu einer Kandidatur zu motivieren. Auch solche, die vielleicht noch gar nicht daran denken, auf Bundesebene zu politisieren.

Besonders akut stellt sich die Frauenfrage bei der Nachfolge von Doris Leuthard. Wird sie durch einen Mann ersetzt, hat die Schweiz nur noch eine weibliche Bundesrätin.
So weit darf es nicht kommen. Wir fordern, dass die CVP bei der Leuthard-Nachfolge ein rein weibliches Zweierticket aufstellt. Zunächst ist aber unser Wunsch, dass Doris Leuthard noch so lange wie möglich im Amt bleibt.

Dann laufen Sie aber Gefahr, dass Johann Schneider-Ammann zuerst abtritt. Wird er durch eine Frau ersetzt, nimmt der Druck auf die CVP ab, eine Frau zu portieren.
Keineswegs! Auch zwei Frauen im Bundesrat sind deutlich zu wenig. Das sollte im Jahr 2018 eigentlich jedem klar sein.

Welche CVP-Frau sähen Sie am liebsten im Bundesrat?
Mir kommen auf Anhieb mindestens fünf, sechs Frauen in den Sinn, die höchst qualifiziert wären für den Job. Aus Rücksicht auf die Arbeit der Findungskommission will ich aber noch keine Namen nennen.

Jetzt machen Sie es sich aber gar einfach.
Wissen Sie, es ärgert mich schon, wenn immer nur die gleichen zwei, drei CVP-Männer als Favoriten genannt werden. Aber es wäre nicht fair, nur Kandidatinnen ins Spiel zu bringen, die am Ende gar kein Interesse am Amt haben.

Dann nennt halt watson ein paar Namen:

So ist es als Frau im Bundeshaus #metoo

Video: Angelina Graf

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