Schweiz
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ARCHIV - Raphael Costaz, gauche et Bladymir Corrales, droite, echange leurs alliances durant la ceremonie de leurs partenariat enregistre sur le plan federal, ce vendredi 25 mai 2007 a la Mairie des Eaux-Vives a Geneve. - Lesben und Schwule in der Schweiz sollen heiraten duerfen. Dafuer spricht sich in zwei Umfragen von

Schwule und Lesben sollen auch in der Schweiz endlich heiraten können. Bild: KEYSTONE

Kommentar

Die «Ehe light» ist gut – doch zuerst müssen wir die «echte Ehe» für Homosexuelle öffnen

Der Bundesrat prüft, eine «Ehe light» nach dem Vorbild des französischen Pacs einzuführen. Das ist zwar eine gute Nachricht – doch viel dringender wäre es, mit dem unwürdigen Herumeiern bei der Öffnung der Ehe für Homosexuelle aufzuhören.



«Liebe Verheiratete, Eingetragene, Konkubinätler, liebe Patchworker und Singles»: Mit diesen Worten begrüsste Bundesrätin Simonetta Sommaruga am Donnerstag die Teilnehmer der Veranstaltung zum Thema «Ein Pacs für die Schweiz?».

Die Anrede ist treffend gewählt: Längst vorbei sind die Zeiten, in denen die lebenslange Ehe zwischen Mann und Frau der Regelfall und Konkubinatspaare, die «in wilder Ehe» lebten, verdächtige Aussenseiter waren. Der Vielfalt der gelebten Familienmodellen muss die Politik Rechnung tragen.

Eine «Ehe light» nach Vorbild des französischen Pacs wäre ein gutes Angebot für Konkubinatspaare. Sie könnten damit die drängendsten Probleme regeln, die sich aus ihrem «vertragslosen» Zustand ergeben: Beistandspflicht, Besuchsrecht bei Spitalaufenthalten, Verbleib in der gemeinsamen Wohnung bei einem Todesfall.

Unwürdiges Herumeiern

Bei einer Mehrheit der aufgelösten Pacs-Partnerschaften in Frankreich ist der Grund für die Auflösung, dass sich die Partner für eine Heirat entschieden haben. Der Pacs untergräbt die Ehe nicht, vielmehr kann er als Vorstufe und Testlauf für diese dienen. Doch eine adäquate Antwort auf die Formenvielfalt des Zusammenlebens in der Schweiz bietet auch der Pacs nicht.

Viel dringender müsste die Politik die bestehende Institution der Ehe endlich für gleichgeschlechtliche Paare öffnen. 2013 haben die Grünliberalen eine parlamentarische Initiative für eine «Ehe für alle» eingebracht. Erst kürzlich wurde deren Umsetzung auf frühestens 2019 vertagt.

Dieses taktische Herumeiern des Parlaments ist unwürdig, und jeder Tag, an dem die Ehe gleichgeschlechtlichen Paaren vorenthalten bleibt, ein Schlag ins Gesicht von homo-, bi- und transsexuellen Männern und Frauen. Ihnen zu verunmöglichen, die engste aller Bindungen einzugehen, die unser säkularer Rechtsstaat zwischen zwei Menschen vorsieht, ist inakzeptabel.

Falsche Rücksichtnahme auf angeblichen Volkswillen

Justizministerin Simonetta Sommaruga ist eine gute Taktikerin, der es trotz schwierigen Dossiers immer wieder gelingt, durch ausgewogene Kompromisse politische Mehrheiten zu zimmern.

Homosexuellen Paaren die Ehe zu ermöglichen, ist keine ideologische Position, sondern ein Gebot der Vernunft und der Gleichbehandlung.

Gegenüber dem «Tages-Anzeiger» sagte sie im Dezember 2016 in einem Interview, das Parlament habe ein gutes Gespür dafür, was die Bevölkerung wolle. Mit ideologischen Positionen habe man in der Gesellschaftspolitik keinen Erfolg.

Homosexuellen Paaren die Ehe zu ermöglichen, ist keine ideologische Position, sondern ein Gebot der Vernunft und der Gleichbehandlung. Katholische Länder wie Irland, Frankreich und Spanien haben die «Ehe für alle» bereits eingeführt. Es würde dem Parlament gut anstehen, sich nicht hinter einer falschen Rücksichtnahme auf den angeblichen Volkswillen zu verstecken.

Die Politik muss dem Volk schnellstmöglich eine progressive Öffnung der Ehe zur Abstimmung unterbreiten. Ein Blick über die Landesgrenzen zeigt: Die Zeit ist längst reif dafür – auch in der Schweiz. Wer das Volk nicht dazu befragt, kann noch lange behaupten, es sei nicht bereit dafür. 

Bundesrätin Sommaruga zur «Ehe light» und der «Ehe für alle»

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68Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • AllIP 28.06.2017 11:18
    Highlight Highlight Ich warte dann mal bis man Kinder Heiraten darf...
    Dann ist die Katze aus dem Sack.

    #Gopferdaminonemol
  • Matthias Studer 26.06.2017 14:22
    Highlight Highlight Das ist sooo eine Schweizer Nummer.

    Das Auto gut, aber zuerst mimimi.

    Kann man nicht einfach akzeptieren, dass eigentlich beides gut ist und beides wird kommen? Klar wäre es mir lieber, wenn gleichgeschlechtiche Paare schon seit 20 Jahren heiraten dürfte, aber immer das einer Reihe nach... 😤
  • Liiv 26.06.2017 09:11
    Highlight Highlight Und dann soll nochmals jemand sagen, dass Heterosexuelle eine Pride brauchen.
    • Fabio74 26.06.2017 13:17
      Highlight Highlight Darf jeder an der Pride mitlaufen
    • Victarion 26.06.2017 14:00
      Highlight Highlight @Liiv ich bin auch dafür dass sie kein geburtstagsfest brauchen. Da darf ich nicht einmal teilnehmen. Bei der Pride dürfen sie gerne kommen, aber es zwingt sie niemand dazu. Falls sie jetzt sagen: mein geburtstagfest wird nicht durch steuern mitfinanziert. Das gleiche bsp geht auch mit dem sechseläuten, knabenschiessen etc
  • Hüendli 24.06.2017 22:49
    Highlight Highlight Die Ehe als Zivilstand ist überholt und bietet nur Angriffsfläche für eine Vereinnahmung. Nach der Einführung einer für alle Formen offenen Nachfolgelösung (ich nenne einen Menschen, der mich vertreten darf, meine Sachen steuerfrei erbt etc.) kann man sie genauso abschaffen wie das künstliche Konstrukt der eingetragenen Partnerschaft, da sich die Frage nach der Ungleichbehandlung nicht mehr stellt. Selbstverständlich stünde es weiter jedem Paar frei, diesen Schritt noch mit einer Zeremonie zu begleiten.
  • Asmodeus 24.06.2017 16:43
    Highlight Highlight "das Parlament habe ein gutes Gespür dafür, was die Bevölkerung wolle. "

    Die Bevölkerung sind nicht nur die reichen der Wirtschaft...
    • demian 24.06.2017 16:53
      Highlight Highlight Den Nagel auf den Kopf getroffen!
  • Angelo C. 24.06.2017 15:56
    Highlight Highlight Zitat Autor:

    "Die Politik muss dem Volk schnellstmöglich eine progressive Öffnung der Ehe zur Abstimmung unterbreiten. Ein Blick über die Landesgrenzen zeigt: Die Zeit ist längst reif dafür – auch in der Schweiz. Wer das Volk nicht dazu befragt, kann noch lange behaupten, es sei nicht bereit dafür."

    Na, dann machen wir das doch, wenn das Volk bereit dazu ist - und schauen, was dabei herauskommt 😉!

  • dath bane 24.06.2017 15:53
    Highlight Highlight Was ist denn mit polyamoureusen Beziehungen? Ist es nicht falsch, dass ich nicht zwei Frauen heiraten kann, wenn ich zwei liebe?
    • Asmodeus 24.06.2017 19:12
      Highlight Highlight Stimmt. Es ist falsch. Der Staat hat sich eigentlich nicht in die Liebe einzumischen wenn alle Beteiligten reif und in der Lage sind selbst zu urteilen.
    • Turi 24.06.2017 20:37
      Highlight Highlight Stimmt. So aufgeschlossen sind aber auch die selbsternannten Progressiven und Fortschrittlichen hin. Wo kämen wir da hin, wenn die Bürger was anderes machen, als Ihnen die Politik zugesteht...
    • JasCar 25.06.2017 02:30
      Highlight Highlight Ich wage zu behaupten, dass Jemand polyamoureuses sich nicht unbedingt auf Dauer festlegen möchte.
      Ich glaube, wer die Freiheit möchte, 3 Personen gleichzeitig "lieben zu dürfen", der möchte auch die Freiheit behalten, diese Personen bei Bedarf auswechseln zu können.
      Ich bin dafür, dass man die Institution Ehe lockert, Scheidungen vereinfacht und vorallem das Ganze nicht von einem Geschlecht oder einer Natinoalität abhängig macht.
      Die kirchliche Ebene soll von mir aus so bleiben wie sie ist, so haben Traditionalisten ihre Ehe vor Gott noch für sich alleine 😉
    Weitere Antworten anzeigen
  • Areus 24.06.2017 14:55
    Highlight Highlight Eine Ehe für alle bedeutet auch, dass die homosexuellen Paare nicht mehr vom Adoptionsverfahren ausgeschlossen sind! Klar ist man heute toleranter als vor ein paar Jahren, aber wenn es um Kinder geht ist das Volk noch extremst zimperlich. Zurecht auch.. Hättet ihr gerne ein homosexuelles Paar als Eltern?
    • atomschlaf 24.06.2017 16:48
      Highlight Highlight @CodeGreed: Ich hätte viele lieber zwei Elternteile, egal welchen Geschlechts, als nur eine alleinerziehende Mutter oder einen alleinerziehenden Vater!
    • meerblau 24.06.2017 17:01
      Highlight Highlight Ja.
    • Mbatatart 24.06.2017 17:07
      Highlight Highlight Ja, du etwa nicht?
    Weitere Antworten anzeigen
  • atomschlaf 24.06.2017 14:54
    Highlight Highlight Ein zentraler Nachteil der registrierten Partnerschaft ist das damit verbundene Zwangsouting in jeder Situation, wo der Zivilstand genannt werden muss.

    Wenn man meint, die Zeit sei noch nicht reif für die "Ehe für alle" (wobei ich diese Meinung nicht teile), dann wäre es doch eine pragmatische und vergleichsweise einfach umsetzbare Lösung, erst mal die registrierte Partnerschaft für heterosexuelle Paare zu öffnen.
    • Pumuckl96 24.06.2017 18:49
      Highlight Highlight Die Frage ist, ob die Öffnung der eingetragenen Parnterschaft für Heterosexuelle wirklich das zwangsouting verhindern würde. Klar bestünde dann die Möglichkeit, dass die in "eingetragener Parnterschaft" lebende Person heterosexuell sein könnte, aber wäre das wirklich die Annahme der Person, die den Zivilstand zu sehen bekommt?
    • atomschlaf 25.06.2017 10:56
      Highlight Highlight @Pumuckl96: Einverstanden. Das hängt natürlich davon ab, wie populär die eingetragene Partnerschaft unter Heteros wäre.
      Wenn es läuft wie in Frankreich mit dem PACS, wäre das Thema schnell vom Tisch.
  • Evan 24.06.2017 14:53
    Highlight Highlight Ist ja egal was zuerst kommt.
  • Zeit_Genosse 24.06.2017 13:49
    Highlight Highlight Die rechtliche Regelung von Lebensgemeinschaften aller Art, dass heisst auch der Reformwillen der klassischen Ehe, sollte von religiösen Ideologien befreit werden. Dann wären sehr viele Formen ausgehend von einem Rahmenvertrag möglich und allfällige Spezialitäten wären mit Beiwerken an die jeweiligen Realitäten anpassbar.
  • thompson 24.06.2017 13:30
    Highlight Highlight Ähm Nein. "DINKS" Homo Lobby hat euch gekauft?
    • #bringhansiback 24.06.2017 14:26
      Highlight Highlight Ist da jemand neidisch auf (uns) DINKS?
    • atomschlaf 24.06.2017 14:55
      Highlight Highlight @thompson: Was genau hast Du für ein Problem mit Schwulen?
    • Goldfish 24.06.2017 15:26
      Highlight Highlight Warum nein? Ergeben sich für Sie Nachteile, wenn Homosexuelle auch heiraten dürfen?
    Weitere Antworten anzeigen
  • -woe- 24.06.2017 13:29
    Highlight Highlight Es braucht keine "Ehe light"! Entweder man heiratet oder man heiratet eben nicht. Ein bisschen schwanger geht auch nicht.

    Die Ehe soll aber für alle Kombinationen Frau-Mann, Mann-Frau, Mann-Mann, Frau-Frau und alles dazwischen problemlos möglich sein. Mit allen identischen Rechten und Pflichten, auch Adoptionen!
    • Shlomo 25.06.2017 01:05
      Highlight Highlight Es ist eher umgekehrt die Ehe als solches sollte abgeschafft werden. Die Bevorteilung der Personen in einer Ehe gegenüber alleinstehenden, sei es bei den Steuern oder au beim Erbrecht, sind genauso eine Diskriminierung.
    • Robin der Schreckliche 26.06.2017 11:30
      Highlight Highlight @shlomo, es gilt diese ungerechtfertigten Ungleichheiten aus der Welt zu schaffen. Die Ehe und die daraus entstehden Rechtsfolgen bei Trennung und Tod z.B. sind aber durchaus vorteilhaft und überwiegen die Nachteile. Sie garantieren eine gewisse Sicherheit und verhindern leichtfertige Handlungen (v.a. bzgl. der Adoption). Ist die Absicherung doch gerade für die Kinder und deren zuständiger Teil der Mütter/Väter wünschenswert.
    • Shlomo 26.06.2017 15:47
      Highlight Highlight @Robin der Schreckliche: aber wiso soll eine Lebensform gegenüber einer anderen steuerlich bevorzugt werden?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Ökonometriker 24.06.2017 13:27
    Highlight Highlight Die Devise hier sollte lauten: das Eine tun und das Andere nicht lassen.

    Gut wäre auch, wenn es eine Form der Ehe auf Probe gäbe. Derzeit müssen binationale Paare (immerhin 40 Prozent aller Ehen) heiraten, wenn ein Partner aus einem Drittstaat kommt und sie zusammenleben wollen. Ein Ausprobieren ist nicht möglich. Das führt dazu, dass bei manchen Leuten die finanziellen Aspekte einer Ehe zu sehr in den Vordergrund rücken...
    • Ökonometriker 25.06.2017 08:51
      Highlight Highlight @Rendel: das ist genau das Problem. Die Ehe ist ein zu starres Konzept. Sie sollte in verschiedene Teile gesplittet werden, welche jeweils eigene Rechte und Pflichten umfassen:

      1) Recht zusammen zu leben
      2) Gegenseitige materielle Absicherung
      3) Gegenseitiges Besuchs- und Vertretungsrecht
      4) Adoptionsrecht

      Diese Rechte können an unterschiedliche Anforderungen gebunden sein. Die Paare können dann selbst entscheiden, in welchen Bereichen sie kooperieren wollen. Es macht keinen Sinn, den Leuten ein Gesamtpaket aufzuzwingen.
    • Ökonometriker 25.06.2017 14:42
      Highlight Highlight @Rendel: das ist schon heute so... würde sich nichts ändern. Man kann ja die heutige Regelung, dass der Partner bleiben darf wenn die Scheidung nach ein einer gewissen Anzahl Jahren erfolgt, beibehalten.
    • Ökonometriker 26.06.2017 06:43
      Highlight Highlight @Rendel: Genau, z.B. keine gegenseitige Unterhaltspflicht, wenn man mit seinem Partner zusammenleben oder ein Kind adoptieren will. Oder z.B. die Möglichkeit, sich gegenseitig Besuchsrechte einräumen ohne einen Pflichtteil des Vermögens vererben zu müssen.
      Einfach die Möglichkeit, die Beziehung mit dem Partner an die individuellen Bedürfnisse des Paares anzupassen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Shlomo 24.06.2017 13:24
    Highlight Highlight Anstelle der "Ehe für alle" sollte man lieber das ganze Konstrukt Ehe abschaffen. Denn nur dann kann die zum Himmel schreiende Ungleichbehandlung von sowohl homosexuellen als auch heterosexuellen nicht verheirateten Paaren überwunden werden.
  • stadtzuercher 24.06.2017 13:21
    Highlight Highlight Ein positiver Nebeneffekt der Ehe für gleichgeschlechtlichen Paare wird sein, dass sie die Diskriminierungen der Geschlechter in der klassischen Ehe entlarvt und in Frage stellt. Das ist gut so.
    • Spinoza 24.06.2017 13:57
      Highlight Highlight Inwiefern werden in der klassischen Ehe die Geschlechter diskriminiert?
    • atomschlaf 24.06.2017 14:57
      Highlight Highlight @Spinoza:
      z.B.
      - Generalverdacht gegen den Mann bei häuslicher Gewalt
      - Männerfeindliche Scheidungsurteile

      Heteros kennen sicher noch mehr Beispiele...
    • Turi 24.06.2017 20:40
      Highlight Highlight Witwenrente, Unterhaltsleistungen etc
    Weitere Antworten anzeigen
  • DerTaran 24.06.2017 13:17
    Highlight Highlight Unverständlich, dass es noch nicht zur Abstimmung gekommen ist. Ich bin überzeugt, dass die Ehe für alle eine überragende Mehrheit finden würde.
    • Roman h 24.06.2017 15:04
      Highlight Highlight Kann ich auch nicht verstehen.
      Die homosexuellen haben doch grosse Vereine.
      Wie schwer kann es da sein die paar Unterschriften zu bekommen.
      Sogar die Juso kann das und ich denke mal die haben weniger Mitglieder.
      Anstatt nur vorderen können die doch selber was auf die Beine stellen
    • Jason84 24.06.2017 16:29
      Highlight Highlight Diejenigen die diese Abstimmung hinauszögern und/oder blockieren haben wohl das selbe als Befürchtung.

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