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Kommentar

Durch das Nein zur Hornkuh-Initiative öffnet sich eine Türe für findige Bauern

Die Hornkuh-Initiative ist am Ständemehr gescheitert. Inzwischen liegen mehr als 11.5 ablehnende Standesstimmen vor, eine Mehrheit ist nicht mehr möglich. Gemäss Hochrechnung sagt die Stimmbevölkerung mit 54 Prozent Nein.

Anna Wanner / ch media



ARCHIV -- ZU DEN EIDGENOESSISCHEN ABSTIMMUNGEN VOM SONNTAG, 25. NOVEMBER 2018, UEBER DIE HORNKUH INITITAVE, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG -- Eine Kuh der Rasse

Bild: KEYSTONE

Wäre es ein Märchen, es liesse sich kaum schöner erzählen. Da ist Bergbauer Armin Capaul, der im Berner Jura einen Hof mit Kühen, Ziegen, Schafen, Eseln, Hunden und Katzen betreibt. Seine Tiere müssen glückliche sein, er hört mit ihnen Beatles und tanzt auch dazu. Das Tierwohl ist für den Bauer prioritär. Selbstverständlich leben seine Tiere, wie die Natur sie schuf: Mit Hörnern.

Bei drei Vierteln der Schweizer Kühe werden diese entfernt. Capaul wollte das ändern, weil er der Meinung ist, die Tiere würden ein Leben lang unter der Enthornung leiden. Der eigensinnige Bauer hat seinen Tieren vor Jahren versprochen, etwas zu unternehmen. Nachdem er im Parlament kläglich scheiterte, ist er durch die Schweiz getourt und hat 100 000 Unterschriften für die Initiative gesammelt. Mehrere hundert tausend Bürger sind dem Anliegen gefolgt. Am Schluss reichte es knapp nicht. Und deshalb bleibt die Geschichte des Bauers, der gegen die Institutionen antrat und für seine Überzeugung kämpfte ein Märchen der direkten Demokratie. 

Dass die Initiative abgelehnt wurde, schmerzt im Hinblick auf das ausserordentliche Engagement des sympathischen Bauers. Doch gibt es freilich auch die weniger verklärte, unromantische Sicht auf Hörner: Sie verletzen die Bauern, die mit den Tieren arbeiten und sie verletzen sich in Rangkämpfen gegenseitig. Zudem führen Subventionen allzu oft zu Fehlanreizen: Weil die Rinder mit Hörner viel mehr Platz brauchen in den Laufställen, hätte es sicher auch Bauern gegeben, welche den platzsparenden Anbindestall vorgezogen hätten – was ein massiver Rückschritt in der Tierhaltung bedeuten würde. 

THEMENBILD ZUR EIDGENOESSISCHEN ABSTIMMUNG ZUR HORNKUHINITIATIVE VOM 25. NOVEMBER --- Mountain farmer Armin Capaul on a meadow with his cows, pictured on May 27, 2016, in Perrefitte near Moutier in the canton of Berne, Switzerland. Capaul contends for cows and goats with horns on Swiss pastures. (KEYSTONE/Manuel Lopez) ....Bergbauer Armin Capaul mit seinen Kuehen auf einer Wiese, aufgenommen am Freitag, 27. Mai 2016, in Perrefitte bei Moutier im Kanton Bern. Capaul kaempft fuer Kuehe und Ziegen mit Hoerner auf Schweizer Weiden. (KEYSTONE/Manuel Lopez)

FILE --- Mountain farmer Armin Capaul on a meadow with his cows, pictured on May 27, 2016, in Perrefitte near Moutier in the canton of Berne, Switzerland. Capaul contends for cows and goats with horns on Swiss pastures. Swiss voters decide on Sunday, 25 November about the cow horn initiative. he promoters decry the unnecessary suffering caused by dehorning. (KEYSTONE/Manuel Lopez)

Initiant Armin Capaul ist gescheitert. Bild: KEYSTONE

Doch da behornte Tiere die Herzen der Städter offenkundig höher schlagen lassen, ist das Thema nicht vom Tisch. Gewiefte Bauern müssen die Tierhaltung, die Hörner und die daraus entstehenden Produkte besser vermarkten. Das Interesse daran scheint nach dem heutigen Resultat gross. Nicht nur der Staat auch der Markt kann Anreize schaffen, die das Tierwohl fördern. 

Armin Capaul bleibt Hornkuh-Rebell

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Video: srf

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    Alle Leser-Kommentare
  • Gummibär 26.11.2018 00:19
    Highlight Highlight Kühe mit und ohne Hörner geben nur Milch wenn sie Kälber haben.
    Das Verarbeiten der Kälber zu Vitello tonnato scheint mir ein schwererer Eingriff in das Leben der Tiere als das Entfernen der Hörner. just sayin.
  • Jerry Cad 25.11.2018 20:47
    Highlight Highlight Kühe mit Hörner sind grossartig!
    Ich denke, wenn es nur um die Hörner ginge, wäre die Initiative gut durchgekommen. Die Bauern erhalten aber schon mehr als genug Subventionen vom Parlament.
  • TanookiStormtrooper 25.11.2018 15:50
    Highlight Highlight Tierwohl hin oder her, sowas muss jetzt wirklich nicht in die Verfassung.
    Kühe werden auch so gezüchtet, damit wir möglichst viel Fleisch und Milch von ihnen bekommen. Was wir heute in den Höfen sehen, hat auch nicht mehr viel mit einer Kuh von vor 200 Jahren zu tun.
    • _kokolorix 25.11.2018 16:20
      Highlight Highlight Das Argument mit der Verfassung ist jetzt wirklich nur noch dumm. Mit einer Initiative kann nun mal nur der Verfassungstext geändert werden, auf eine Gesetztesinitiative warten wir seit 30 Jahren. Vergeblich.
      Nach vergeblichen Anläufen in Parlament und Regierung blieb Capaul nur noch dieses Rechtsmittel übrig. 54% waren dafür, eigentlich eine Ohrfeige für JSA, der nicht bereit war auf das Thema auch nur einzutreten. Es zeigt exemplarisch wie der Bundesrat am Volk vorbei agiert
    • H. L. 25.11.2018 22:47
      Highlight Highlight Zum ersten Absatz:
      Es gab keinen anderen Weg. Das Argument ist deshalb untauglich.

      Zum zweiten Absatz: Mit einer solchen Überzeugung könnte man jegliche Form von Massentierhaltung rechtfertigen. Sogar Batteriehaltung wäre dann in Ordnung, da Nutztiere reine Mittel zum Zweck wären.
  • Caerulea 25.11.2018 15:34
    Highlight Highlight Ich will Milch und Käse von der glücklichen behornten Kuh! 🐄
    • plop 25.11.2018 16:16
      Highlight Highlight Kaufen Sie Demeter-Produkte... kosten zwar mehr, sind aber wirklich feiner als „normale“ Milchprodukte...
  • Skip Bo 25.11.2018 15:22
    Highlight Highlight Der Initiant hat es verpasst, das Tierwohl als Ganzes zu vermitteln. Das Tierwohl besteht nicht nur aus Hörnern. Bewegungsfreiheit, Auslauf und Freilauf gehören dazu. Seine Forderung hätte v.a. Tierhalter von angeketteten Tieren begünstigt.
    Hätte er die anderen Aspekte mit eingebracht und eine höhere Abgeltung für Tierwohl kombiniert mit Hörnern gefordert, hätte es eher gereicht.
    • Jol Bear 25.11.2018 21:02
      Highlight Highlight "Tierwohlbeiträge" für Auslauf, nicht anbinden usw. bekommen die Bauer bereits heute, Fr. 280.- pro Kuh resp. Grossvieheinheit.
    • H. L. 25.11.2018 22:43
      Highlight Highlight Das ist einfach falsch.

      Die Behauptung vonseiten Bundesrat war Angstmacherei, es gibt nicht eine seriöse Studie, die diesen Zusammenhang untermauert. Ausserdem ist sie nicht zu Ende gedacht, da die Bauern wohl kaum ihre BTS-Subventionen riskierten, welche wegfallen würden, wären ihre Tiere angekettet.

      Dass radikale Initiativen generell schlechte Erfolgschancen haben, sollte dir klar sein, oder? Ich wäre für ein komplettes Enthornungsverbot, aber eine solche Initiative würde Schiffbruch erleiden. Einen gewissen Realitätssinn sollte man schon haben.
    • Skip Bo 26.11.2018 07:16
      Highlight Highlight Jol, für RAUS (regelmässiger Auslauf) gibt's 180 Fr. pro GVE (Grossvieheinheit = 1 Milchkuh, 0,8 ist eine Mutterkuh, 0,4 ist ein Aufzuchtrind etc.).
      Für BTS (besondres tierfreundliche Stallhaltung) gibt's 90 Fr. Dieser Beitrag wird nur für Tiere in Laufställen (hohe Investitionen) bezahlt.
      Das macht total 270 Fr. pro GVE wenn RAUS UND BTS erfüllt werden.
      Anbindehalter bekommen nur RAUS Beiträge.
      Hleon, Ich habe grundsätzlich kein Problem mit einen Enhornungsverbot, wenn sämtliche Importe der gleichen Vorschrift unterliegen.

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