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Mit Schleier aber ohne Gott: Konfessionslose Hochzeiten sind im Trend

Mit Schleier, aber ohne Gott: Konfessionslose Hochzeiten sind im Trend

Weisses Kleid und Brautschleier, aber kein Pfarrer weit und breit – so sieht eine freie Trauung oft aus.bild: Nathalie Oderbolz.
Heiraten im weissen Kleid ja – Kirche nein? Immer mehr Paare wollen ohne Pfarrer heiraten, auf traditionelle Rituale aber nicht verzichten. Nun gibt es auch eine Ausbildung für die spezialisierten Zeremonienmeister. 
23.07.2017, 13:4724.07.2017, 06:31
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Vor 20 Jahren liessen sich in der Schweiz rund 60 Prozent aller Brautpaare in der Kirche trauen. Heute sind es gerade noch 20 Prozent. Auf eine traditionsreiche Hochzeit in Weiss wollen aber auch viele der anderen Heiratswilligen nicht verzichten. Viele solcher Paare entscheiden sich nun für konfessionslose Trauungen. Das heisst: Zeremonien wie in der Kirche, aber ohne Gott und Pfarrer. 

Nathalie Oderbolz hat sich vor einigen Monaten für eine solche Trauung entschieden. Sie sagt: «Hochzeiten in der Kirche sind wunderschön. Für mich und meinen Partner hätte es sich aber falsch angefühlt, in der Kirche zu heiraten, da Gott in unserem Leben keine grosse Rolle spielt.»

«Festlich, traditionell und mit dem persönlichen Touch, der auf dem Standesamt oft fehlt.»
Die frisch verheiratete Nathalie Oderbolz über freie Trauungen.

Ihre Märchenhochzeit in Weiss habe sie dank einer konfessionslosen Zeremonie trotzdem erleben können, so Oderbolz. «Unsere Hochzeit war so auch ohne Kirchengang festlich, traditionell und mit dem persönlichen und romantischen Touch, der auf dem Standesamt fehlte.» 

Für Nathalie und Stéphane hätte sich eine Hochzeit in der Kirche «falsch angefühlt». 
Für Nathalie und Stéphane hätte sich eine Hochzeit in der Kirche «falsch angefühlt». bild: Nathalie Oderbolz

Mit ihrem Wunsch nach Tradition ohne Religion ist Nathalie Oderbolz nicht alleine. Die Nachfrage nach Zeremoniemeistern für konfessionslose Hochzeiten ist derzeit gross, wie mehrere Anbieter bestätigen. Im Internet findet man mit ein paar Klicks eine ganze Palette von Ritualbegleitern. Es bieten unter anderem ehemaligen Pfarrer ihre Dienste an, sowie Sozialtherapeuten oder Esoteriker.

Boom der freien Trauungen

«Das formelle ‹Ja› auf dem Standesamt kann den romantischen Weg zum Altar für viele Paare nicht ersetzen», sagt Zeremoniemeisterin Marylin Rebelo von «A Lovely Day». Sie spricht von einem regelrechten Boom der ‹freien› Trauungen. «Ich selbst habe seit Januar bereits 40 solche Zeremonien durchgeführt.»

Immer weniger kirchliche Trauungen
Die Anzahl der zivilen Trauungen bewegt sich in der Schweiz seit Jahren im selben Bereich. Im Jahr 2016 haben 41'646 Paare auf dem Zivilstandesamt den Bund der Ehe geschlossen. Doch die Anzahl kirchlicher Trauungen ist laut dem schweizerischen Pastoralsoziologischen Institut zwischen 2011 und 2015 zurückgegangen. So heirateten im Jahr 2011 noch 28 Prozent der Katholiken vor einem Pfarrer, 2015 waren es nur noch 23 Prozent. Bei den Reformierten hat sich die Anzahl mit einer Abnahme von einem Prozent hingegen nur leicht reduziert.

Zeremoniemeister wie Rebelo sind im Gegensatz zu Heiratsplanern spezialisiert auf die verschiedensten Heiratstraditionen, leiten die ganze Zeremonie und halten auch eine oder mehrere Reden. Sie sind auch für den Ringtausch zuständig. 

Die ausserkirchlichen Rituale, die sie führen, fänden oft in einem ähnlichem Rahmen statt wie in der Kirche, so Rebelo. Mit einem Ring, der getauscht wird, mit dem Vater, der die Braut zum Bräutigam führt, und mit einem weissen Brautkleid. «Viele Menschen glauben weniger an Gott als früher, legen aber immer noch grossen Wert auf die hiesigen Traditionen und möchten diese auch an ihrem grossen Tag mit einfliessen lassen.» Oft werde für die Zeremonie ein Ort im Freien gewählt oder ganz klassisch ein Festsaal. 

«Sie dürften ja – selbst wenn sie es wollten – gar nicht in der Kirche heiraten.»
Zeremoniemeisterin Marylin Rebelo über Geschiedene, Homosexuelle oder Paare mit unterschiedlichen Religionen.

Die kirchliche Hochzeit ist nach wie vor nur einem Teil der Bevölkerung vorbehalten. So entscheiden sich laut Rebelo auch viele Paare mit verschiedenen Konfessionen, Geschiedene oder auch Homosexuelle für die weltliche Trauung entscheiden. «Diese Leute dürften ja – selbst wenn sie es wollten – gar nicht in der Kirche heiraten.» Die freie Zeremonie ersetzt jedoch keine standesamtliche Heirat. Sie ist rein rechtlich nicht verbindlich und wird von der offiziellen Kirche nicht anerkannt.

Lehrgang für konfessionslose Zeremonienmeister

Auch die Migros Klubschule springt nun auf den Trend auf. Ab Herbst wird in Genf zum ersten Mal ein Lehrgang angeboten, in dem Interessierte zu «officiants laics» (zu deutsch in etwa: laizistischer Zeremoniemeister) ausgebildet werden. Es handelt sich um ein Pilotprojekt. Ob es bald auch in der Deutschschweiz ein ähnliches Angebot geben wird, ist noch unklar. 

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60 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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The_ugly_truth
23.07.2017 14:07registriert April 2017
Toll zu sehen, wie sich die Gesellschaft zumindest in dieser Beziehung weiterentwickelt. Es ist eine wichtige Botschaft, dass man auch eine "traditionelle" Hochzeit erleben kann, ohne in der Kirche zu sein.

Damit gehen der Kirche langsam die Argumente aus, warum sich eine Mitgliedschaft lohnt. Immer mehr Menschen wenden sich von der Kirche ab. Gut so!
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Matthias Studer
23.07.2017 15:43registriert Februar 2014
Dann war ich vor über 20 Jahren ein richtiger Trendsetter.
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Gulash Ka None
24.07.2017 06:40registriert März 2017
Es gibt übrigens auch noch sehr viele und immer mehr Trauungen " Mit Schleier, Mit Gott, aber ohne sein heuchlerisches Bodenpersonal"

Glaube an Gott wenn du magst, aber lass Dir nicht von korupten, rückständigen und frauenfeindlichen Sekten Sand in die Augen streuen.
Dann klappt es vieleicht auch mit der Liebe und Treue.
AMEN
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