DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Z am Park, Zürich, Café

Auf Facebook kursiert das Gerücht, dass eine Frau im Z am Park des Ladens verwiesen wurde – weil sie stillte. Das Café dementiert die Vorwürfe.  watson

Streit in Zürcher Café – wie offensiv darf man in der Öffentlichkeit stillen?

Das Zürcher Café Z am Park soll eine stillende Mutter aus dem Lokal gewiesen haben. Sagt die Frau. Das Café sieht das anders: Man habe die Frau nur darum gebeten, etwas «dezenter zu stillen». Ein Fall, der zeigt: Öffentliches Stillen sorgt auch 2017 für Diskussionen.



Stillen ist laut Weltgesundheitsorganisation eine gute Entscheidung. Sie empfiehlt, ein Baby bis zum sechsten Monat ausschliesslich auf diese Weise zu ernähren. Das Kind sei besser vor Infektionen geschützt und entwickle sich motorisch besser.

Aber Stillen in der Öffentlichkeit? Nach wie vor sorgt das Thema für gespaltene Meinungen – und führt zu unschönen Zwischenfällen, wie am Montag im Zürcher Café Z am Park.

Vorwürfe auf der Facebook-Seite des Cafés

Auf der Facebook-Seite des Cafés werden dem Z am Park nämlich happige Vorwürfe gemacht. Eine Frau sei aus dem Café verwiesen worden, weil sie ihr Kind stillte. «Begründung: Die Leute seien am Essen und müssten sich das nicht anschauen», steht im Post geschrieben.

Auf die empörte Reaktion der Frau habe man ihr vorgeschlagen, nicht mehr herzukommen. Auf Nachfrage von watson erklärt die Post-Verfasserin, Pascale Schreibmüller – eine Bekannte der stillenden Mutter –, dies käme einem höflichen Hausverbot gleich.

Bild

Eine Freundin der stillenden Frau teilte ihren Unmut über die Wegweisung auf der Facebook-Seite von Z am Park. screenshot facebook

Um «diskretes» Stillen gebeten

Von einem etwas anderen Hergang berichtet das Café. Die Frau habe ihr Kind offen gestillt. «Einige Gäste haben sich dort schon gestört gezeigt», erklärt Vania Kukleta, Geschäftsführerin des Z am Park. Als die Frau ihr Kind dann erneut zum Stillen anlegte, habe man sie lediglich darum gebeten, dies etwas diskreter zu tun und die Brust abzudecken. 

Daraufhin sei die Frau aufgestanden und habe mit einem «Nachspiel» gedroht. Dass die Frau aus dem Café weggewiesen wurde, dementiert Kukleta vehement:

«Niemand hat die Frau weggewiesen oder gar ein Hausverbot ausgesprochen.»

Vania Kukleta, Z am Park

Wieso die Frau oder ihre Bekannte nun auf Facebook solche Unwahrheiten verbreite, könne sie daher nicht verstehen. Kukleta hält fest: «Wir sind kinderfreundlich, haben auch Spielsachen und Kinderstühle hier. Statt über das Stillen zu streiten, würde ich gerne über die Gesprächskultur diskutieren: Die Frau ist gegangen, ohne mit uns eine Lösung zu suchen. Stattdessen wird nun gegen uns Stimmung gemacht.»

Auf Facebook geht der Streit weiter

In der Tat entbrannte am Folgetag eine Diskussion auf der Facebook-Seite des Cafés. Das Café nannte Schreibmüllers Beschwerde einen «antifeministischen Shitstorm, den sie hier anzuzetteln» versuche, und der ein «ziemlich armseliges Zeichen für die Art, wie Menschen heutzutage miteinander kommunizieren» sei.

Die Freundin der Frau macht ihrem Ärger auf der Seite des Z am Park Luft. facebook

Pascale Schreibmüller, die das Z am Park anprangerte, konterte, dass es darum gehe, dass stillende Frauen «tagtäglich zurechtgewiesen und auch verwiesen» werden, was schlussendlich aufs Gleiche hinauslaufe. «Ihr könntet ja den Spiess umdrehen und die Gäste, die sich gestört fühlen, darauf hinweisen, dass Stillen ein Grundrecht für Frauen und Kinder ist». 

Stillende würden ständig diskriminiert

Gegenüber watson erklärt Schreibmüller, wieso sie den Post verfasst habe. Als Hebamme wisse sie von ihren Klientinnen, dass Stillen in der Öffentlichkeit nach wie vor kritisiert werde und zu regelmässigen Zurechtweisungen oder Wegweisungen führe. Dabei sei die weibliche Brust in einem nicht-sexuellen Kontext nach wie vor stigmatisiert:

«Dass eine stillende Frau als anstössig empfunden wird, hängt mit einer anerzogenen Sexualisierung der Frauenbrust zusammen. Die Frauenbrust ist ein öffentliches Tabu und darf nicht gezeigt werden.»

Pascale Schreibmüller, Hebamme

Auch schwierig findet es Schreibmüller, wenn Stillen zwar toleriert, aber nicht unterstützt werde. «Wie der aktuelle Fall zeigt, wird der Stillenden keine Alternative – wie etwa ein Nebenraum – angeboten, sondern sie ist diejenige, die mit dem Abdecken ihrer Brust ein öffentliches Ärgernis beseitigen soll. Es ist nicht der Gast, der sich reflektieren muss und gegebenenfalls den Platz wechselt, wenn er sich von einer Stillenden gestört fühlt, sondern die Stillende, die reagieren soll.»

Fakten oder Politik?

Dass das Z am Park die Frau nicht der Lokalität verwiesen und kein Hausverbot ausgesprochen habe, spielt für Schreibmüller keine Rolle: «Für mich sind die Details nicht vordergründig. Für mich ist wichtig, dass meine Bekannte sich gedemütigt und diskriminiert fühlt. Wenn eine Umgebung suggeriert, dass Stillen stört und Unbehagen auslöst, kommt dies einer Wegweisung gleich», so Schreibmüller gegenüber watson.

Für Kukleta ist dies unverständlich. Dass nun ihr Café für stillpolitische Propaganda herhalten muss, ärgert sie. «Zumal wir nie jemanden weggeschickt oder ein Hausverbot ausgesprochen haben, sondern nur der Meinung sind, dass sich bei uns alle wohl fühlen sollen», so Kukleta.

Wie stehst du zum Thema Stillen in der Öffentlichkeit?

Frauen in den 1920ern

Das könnte dich auch interessieren:

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Kreml reagiert mit Ausweisungen auf Sanktionen

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Zürcher «Gucklöchli»-Fahrer zeigt, wie man bei diesem Wetter NICHT unterwegs sein soll

Die Zürcher Stadtpolizei hat einen «Guckloch»-Fahrer der übleren Sorte erwischt. Die Staatsanwaltschaft wird sich mit seiner unzureichenden Eiskratztätigkeit beschäftigen müssen.

Es ist kalt. Füdlikalt. Bei den Temperaturen, die zurzeit in der Schweiz herrschen, mag sich niemand wirklich gross draussen anstrengen. Schon gar nicht Autofahrerinnen und Autofahrer, die am Morgen früh die Frontscheiben enteisen dürfen. Sie müssen es aber. Denn so will es die Vernunft und das Gesetz.

Diese Grundregel hat am Freitagmorgen ein Autofahrer nicht befolgt. Er oder sie stieg heute früh in den Mercedes, ohne sich um den Eis und den Schnee auf der Karre zu kümmern. Das sah dann von …

Artikel lesen
Link zum Artikel