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5 Spiele, bei denen du die Regeln in drei Minuten checkst

Bei vielen Spielen muss man sich zuerst durch viele Regeln arbeiten, die man dann vielleicht doch nicht versteht. Hier kann das aber nicht passieren. 



Viele Leute fürchten Spielregelhefte wie der Teufel das Weihwasser, und sie spielen nicht, weil sie sich vorher durch diese Regelhefte kämpfen müssten. Und viele gute Spiele werden nicht gespielt, weil die Regeln kompliziert sind. Es gibt aber Spiele, die haben so kurze Regeln und sind derart klar und elegant strukturiert, dass man sie in drei Minuten komplett verstanden hat.

Ich habe einige wie «Qwirkle», «6 nimmt!», «Geistesblitz» oder «Anno Domini» schon früher vorgestellt. Für diese kleine Auswahl hier habe ich aber nur Spiele genommen, die zwar leicht erklärt sind, dann allerdings trotzdem eine intellektuelle Leistung und etwas Grips benötigen, um am Ende als Sieger dazustehen. Spiele also, die zwar einfache Regeln haben, aber nicht einfach zu gewinnen sind. 

«Set»

Set Schachtel

Bild: Amigo Spiele

Es gibt im Leben eines Spielers Partien, die haben sich derart in die eigne Erinnerung gebrannt, dass sie einem auch Jahrzehnte später noch so vorkommen, als hätten sie erst gestern stattgefunden. «Set» ist bei mir so ein Fall. Als die erste Auflage von diesem Spiel vor rund 30 Jahren (damals noch in einem anderen Verlag) erschien, spielte ich es mit ein paar damaligen Journalisten-Kollegen.

Während alle fleissig Karten sammelten, brachte mein Kollege Pascal keinen einzigen Punkt zustande, obwohl er sich extrem anstrengte. Dabei wäre die Aufgabe theoretisch eigentlich völlig simpel. Es geht jedoch vor allem auch um Schnelligkeit und Konzentration: Bis zu zwölf Symbolkarten liegen offen aus. Wer ein Set aus genau drei Karten entdeckt, bei denen jede der vier Eigenschaften Farbe, Form, Füllung und Anzahl entweder dreimal genau gleich oder dreimal vollkommen unterschiedlich vorkommt, schreit laut «Set» und nimmt sich die drei Karten. Dann wird die Auslage wieder aufgefüllt.

Wer zum Schluss am meisten Karten hat, gewinnt. Für die einen ist es eine schöne visuelle Konzentrationsübung, für die anderen Frust pur. Aber keine Angst, man kann es trainieren und wird dadurch schnell besser.

Von Marsha J. Falco für 1 bis 8 Spieler ab 8 Jahren, etwa 20 Minuten, Amigo, etwa 17 Franken. 

«Blokus»

Blokus Spielsituation

Bild: Mattel

Es gibt Spiele, die verdanken ihre Existenz dem Zufall. Der Künstler und Ingenieur Bernard Tavitian wollte eigentlich einen originellen Rahmen für ein Gemälde kreieren. Dafür pröbelte er mit geometrischen Figuren herum, weil solche auch auf dem Gemälde abgebildet waren. So entstand «Blokus».

Die Spielregeln sind äusserst knapp: Jeder Spieler besitzt 21 Steine mit geometrischen Figuren. Es gilt, möglichst viele davon auf einem Spielplan unterzubringen. Jeder beginnt mit einer Farbe in einer Ecke. Gleichfarbige Steine müssen dann über Ecken an bereits liegende Steine angelegt werden und dürfen diese auch nur an Ecken berühren. Nur bei andersfarbigen Steinen ist das Legen an Seitenflächen erlaubt. Die Spieler versuchen dabei, sich gegenseitig die Räume zu blockieren und das Ausbreiten der gegnerischen Farben zu verhindern. Eine Partie endet, wenn niemand mehr legen kann. Wer am meisten eigene Quadrate auf dem Spielfeld untergebracht hat, gewinnt.

Überraschend ist oft, wie kurzweilig sich die Herausforderungen entwickeln. Dabei sollte man aber nicht so vorgehen wie eine meiner Nichten vor Jahren, die mich zu einer Partie «Blokus» einlud, davor aber ihre grösseren Teile fein säuberlich in kleinere Teile zerbrochen hatte, die natürlich viel leichter auf dem Spielfeld unterzubringen gewesen wären. Ich weiss heute noch nicht, ob sie dabei wirklich gedacht hat, dass ich das nicht merke.  

Von Bernard Tavitian für 2 bis 4 Spieler ab 8 Jahren, etwa 20 Minuten, Mattel, etwa 45 Franken.  

«Ubongo»

Ubongo Spielmaterial

Bild: Kosmos

Auch bei «Ubongo» sind lange Regelerklärungen unnötig. Hier sieht man ja schon gleich, was zu tun ist, wenn man das Spiel ausgepackt hat: Wie bei «Tetris» sollen geometrische Figuren möglichst kompakt in begrenzte Flächen gepuzzelt werden. Dazu gibt es viele verschiedene Legetafeln. Das Ganze geschieht dann allerdings unter Zeitdruck, während eine Sanduhr läuft und die Gegner gleichzeitig im Wettbewerb dasselbe versuchen. Wer es geschafft hat, seine Legefläche exakt mit den Teilen zu belegen, ohne dass etwas hervorsteht, schreit «Ubongo!» (ja, heute wird ziemlich viel herumgeschrien in dieser Kolumne).

Das Spiel hat seit Jahren eine grosse Fangemeinde und ist sehr erfolgreich, so dass es inzwischen viele verschiedene Versionen und Erweiterungen davon gibt, auch solche mit Sechseckformen und dreidimensionalen Teilen. «Ubongo» bietet für Schnell-Puzzler mit räumlicher Vorstellungskraft einen lang anhaltenden Spielspass.

Von Grzegorz Rejchtman für 2 bis 4 Spieler ab 8 Jahren, 20 bis 30 Minuten, Kosmos, etwa 50 Franken.

«Bausack»

Bausack, Spiel mit Material

Bild: Zoch

Dieses Spiel ist etwas für Ästheten mit einem grossen Geldbeutel. Da «Bausack» viele, viele massive rote und weisse Holzformen enthält, ist der Preis dafür auch relativ hoch. Der Zoch-Verlag rühmt sich, mit «Bausack» 1987 das erste taktische Bauspiel der Welt geschaffen zu haben. Tatsächlich wurde die erste Auflage des Spiels einfach in einem Sack und nicht in einer Schachtel verkauft.

Es braucht ein ruhiges Händchen, um die zum Teil recht unförmigen Bauteile aufeinanderzustapeln. Eigentlich kann man sogar losbauen, ohne irgendwelche Regeln zu kennen. Das Grundspiel ist aber fies und trickreich: Man versucht den Gegnern Teile unterzujubeln, die sie unmöglich im Turm weiterverbauen können. Die Spielregel bietet zusätzlich noch zahlreiche weitere Varianten an. Wenn die Bauwerke mit viel Gerumpel zusammenkrachen, sind allerdings tolerante Nachbarn gefragt.  

Von Klaus Zoch für 2 bis 6 Spieler ab 8 Jahren, 30 Minuten, Zoch, etwa 80 Franken.

«Usgrächnet Bünzen»

Schachtel Usgrächnet Bünzen

Bild: Gamefactory

Und hier haben wir wieder ein Spiel aus der Schweiz. Es ist allerdings keine Schweizer Erfindung, sondern die nationale Adaption eines erfolgreichen deutschen Geographiespiels, das «Ausgerechnet Buxtehude» heisst und auch noch in einer Uppsala-Ausgabe (Europa) und einer Honolulu-Ausgabe (Welt) erhältlich ist.

Ausgehend von einer Stadt legen die Spieler in «Usgrächnet Bünzen» möglichst korrekt neue Ortstafeln, Bergnamen oder Schauplätze touristischer Attraktionen in nördlicher, westlicher, südlicher oder östlicher Richtung an. Dabei kann geblufft und angezweifelt werden. Fürs richtige Legen oder Anzweifeln gibt es Punkte. Auf den Rückseiten der Karten sind die Koordinaten sowie Fakten zu den Orten vermerkt. Es wurden viele sehr ausgefallene Ortsnamen verwendet wie Dicken, Hosenruck, Chessel, Mies, Mund oder Lustdorf, die keiner wirklich kennt, aber alle tatsächlich existieren.

Wer in Geographie eine Pfeife ist, wird zunächst einmal einfach verlieren, kann dabei aber viel lernen.  

Von Bernhard Lach und Uwe Rapp für 2 bis 6 Spieler ab 10 Jahren, Gamefactory, etwa 20 Franken.

Tom Felber …

... war Vorsitzender der internationalen Kritiker-Jury «Spiel des Jahres» und veröffentlicht seit 1985 Spiele-Rezensionen in verschiedenen Medien. Hier stellt er regelmässig Brett- und Kartenspiele vor.

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bild: zvg

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