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Inti Pestoni von Davosbeim Eishockey Meisterschaftsspiel in der Qualifikation der National League zwischen dem EV Zug und dem HC Davos vom Freitag, 28. September 2018 in Zug. (PPR/Urs Flueeler)

Inti Pestoni spielt momentan für den HC Davos – aber vermutlich nicht mehr lange.  Bild: PPR

Eismeister Zaugg

Dreht der SCB durch? Inti Pestoni kommt

Nun rockt der SCB doch noch den Transfermarkt. In den nächsten Tagen wird der tüchtige Sportchef Alex Chatelain den Zuzug von HCD-Topskorer Inti Pestoni (26) für zwei Jahre vermelden.



Die Nacht hat sich über Davos herabgesenkt. Die Eulenvögel haben ihr Gefieder geputzt und gestrafft, um unvorsichtige Mäuse im lautlosen Flug zu jagen.

Folgendes Zwiegespräch entwickelt sich in der Geisterstunde zwischen dem Chronisten und einem Herrn, der zwar beim SCB kein offizielles Amt bekleidet, aber sein Ohr immer tief im Fuchsbau der grössten Hockeyfirma der Schweiz hat. Sein Name ist mir keineswegs entfallen. Aber er würde es nicht schätzen, seinen Namen hier zu lesen.

Beginn des Zwiegespräches.

SCB-Insider

«Du solltest unseren Sportchef nicht ständig kritisieren.»

Chronist

«Mache ich nicht.»

SCB-Insider

«Doch, machst du. Und erst noch ganz perfide mit Andeutungen zwischen den Zeilen.»

Chronist

«Bejubeln kann ich ihn ja angesichts der SCB-Transferbilanz nicht.»

SCB-Insider

«Du solltest den Alex nicht unterschätzen. Er transferiert.»

Chronist

«So?»

SCB-Insider

«Ja, einen grossen Namen.»

Chronist

«Aha!»

SCB-Insider

«Ja, ja, einen Nationalstürmer.»

Chronist

«Oha!»

SCB-Insider

«Du solltest nicht spotten. Einen Topskorer eines Teams.»

Chronist

«Ja, und ich kandidiere bei den nächsten Nationalratswahlen auf der SP-Liste.»

SCB-Insider

«Ich meine es ernst. Wirklich ein guter Transfer. Er ist erst 26.»

Chronist

«Da bin ich aber gespannt.»

SCB-Insider

«Inti Pestoni. Mit einem Zweijahresvertrag.»

Chronist

«Potz Heilanddonner! Darauf wäre ich nun wirklich nicht gekommen.»

Ende des Zwiegespräches.

Nun kann ein Chronist nicht einfach in die Welt hinausposaunen, der Inti Pestoni wechsle auf nächste Saison für zwei Jahre zum SCB. Es wird nämlich immer wieder versucht, dem Chronisten Transfers und sonstige Bären aufzubinden. Ja, heute werden Chronisten sogar schamlos angelogen.

Aber der Chronist ist ein seriöser. Also macht er sich nun auf die Suche nach einer Bestätigung oder wenigstens starken Indizien. Beim SCB anfragen bringt in solchen Situationen nichts. Dort wird nur dementiert. Und Inti Pestoni äussert sich nicht zu seinen Zukunftsplänen. Wie es sich für einen Musterprofi gehört.

Mascotte Hitsch, back, and oc president Marc Gianola are pictured during the opening ceremony prior the game between Team Suisse and Dinamo Riga at the 91th Spengler Cup ice hockey tournament in Davos, Switzerland, Tuesday, December 26, 2017. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Marc Gianola. Bild: SPENGLER CUP

Der Chronist fragt nun Marc Gianola (er kümmert sich in diesen schwierigen Zeiten um die Verhandlungen beim HCD) ganz scheinheilig:

Chronist

«Sag mal, bleibt eigentlich der Pestoni?»

Marc Gianola

«Wir verhandeln während des Spengler Cups nicht.»

Chronist

«Ja, ist mir schon klar. Aber wie ist die Tendenz? Wollt ihr ihn behalten?»

Marc Gianola

«Wir haben eigentlich unser Kernteam beisammen.»

Chronist

«Also heisst das, dass Du nicht mit einer Vertragsverlängerung rechnest?»

Marc Gianola

«Wir werden sehen.»

Chronist

«Denkst Du, er wechselt zu Ambri? Das Gerücht geht ja schon lange um und du hast gute Beziehungen zu Ambri.»

Marc Gianola

«Lange Zeit glaubte ich auch, er werde nach Ambri wechseln. Aber inzwischen ist der Paolo (Anm. d. Red.: Paolo Duca – Ambris Sportchef) auch nicht mehr sicher. Ich glaube nicht, dass da schon etwas unterschrieben ist.»

Da Marc Gianola keine Interna verraten und keine polemischen Äusserungen gemacht hat, erlaubt sich der Chronist ausnahmsweise, bei einem Zwiegespräch Ross und Reiter zu nennen.

Der Chronist ist noch nicht zufrieden. Er weiss zwar jetzt, dass Inti Pestoni beim HCD noch nicht verlängert und in Ambri noch nicht unterschrieben hat. Also sehr, sehr starke Indizien, dass er vielleicht doch zum SCB wechseln wird. Indizien, die wahrscheinlich bei einem Indizienprozess fast für eine Verurteilung reichen würden.

SC Bern Cheftrainer Kari Jalonen reagiert im Eishockeyspiel der National League zwischen den ZSC Lions und dem SC Bern am Freitag, 21. September 2018, im Zuercher Hallenstadion. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Kari Jalonen. Bild: KEYSTONE

Aber der Chronist ist noch immer nicht sicher. Eine Bestätigung aus dem tiefen Inneren des SCB wäre schon hilfreich. Da ja jetzt beim HCD alles wieder in geordneten Bahnen läuft, hat er viel Zeit, sich während des Spengler Cups auch mal um ein interessantes SCB-Transfergerücht zu kümmern.

Er redet zwei Tage lang mit allerlei Exponenten, die ihren Namen an dieser Stelle nicht gerne lesen. Und eine Information ist ganz interessant. Sie kommt erstaunlicherweise von einem, der dem Chronisten ganz und gar nicht gut gesonnen ist, aber den SCB seit Anbeginn der Zeiten kennt. 

Informant

«Was fragst Du mich? Du hast ja gar keine Ahnung, was beim SCB läuft. Ständig schreibst du, der Kari befehle in Bern alles. Das ist Unsinn.»

Chronist

«So?»

Informant

«Ja, den Pestoni-Transfer haben die hinter seinem Rücken gemacht.»

Chronist

«Pestoni-Transfer? Machst Du Witze?»

Informant

«Nein. Ich konnte es auch fast nicht glauben. Ich habe mindestens zwan­zig­mal nachgefragt, aber es stimmt.»

Nun wollen wir nicht grübeln, ob am Ende der Haussegen zwischen SCB-Trainer Kari Jalonen und seinem Sportchef schief hängt. Das sparen wir uns auf.

So ganz nebenbei versuchte der Chronist auch herauszufinden, ob Inti Pestoni eigentlich ein guter Transfer wäre.

Die Meinungen sind recht interessant. Alle bestätigen, dass er ein freundlicher Musterprofi sei und sich in der Kabine immer tipptopp verhalte (also pflegeleicht sei). Sein Talent wird allenthalben gerühmt. Es sei einfach schade, dass er manchmal zu früh zufrieden sei (fehlender «Biss»). Aber der Kari könnte ihm ja Beine machen.

Inti Pestoni war in Ambri Topskorer, er scheiterte bei den ZSC Lions und jetzt ist er beim HCD in einer schwierigen Saison Topskorer. Der Chronist (ganz neutral und objektiv) denkt: Ja, das könnte ein guter Transfer sein.

SCB CEO Marc Luethi praesentiert die Bilanz der SCB-Eishockey AG der vergangenen Saison am Mittwoch, 5. September 2018, in der PostFinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Marc Lüthi. Bild: KEYSTONE

Allerdings gibt es auch Exponenten, die sagen, der SCB drehe durch. Die eigenen Junioren bekommen keine Chance und nun hole man auch noch den Pestoni, der doch schon beim ZSC keinen Fuss vor den anderen gebracht habe. Ein reiner Verzweiflungstransfer. Und sicherlich teuer. Dabei jammere der Marc Lüthi ständig über hohe Löhne.

Einer solch polemischen Beurteilung stimmt der Chronist nicht zu. Sie ist respektlos. Er bleibt dabei: Inti Pestoni wäre zumindest ein hoch interessanter Transfer.

Nun hat der geneigte Leser also erfahren, wie der Chronist beim Spengler Cup einem interessanten Gerücht nachgegangen ist und schliesslich nach reiflicher Überlegung dazu kommt, die Meldung in die Welt zu setzten, Inti Pestoni werde zum SCB wechseln.

Sollte Inti Pestoni nicht zum SCB wechseln, so hat der Chronist immerhin den Beweis geliefert, dass er seine Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen gemacht hat.

22 HCD-Jahre unter Arno Del Curto:

Video: srf

Alle NL-Topskorer der Qualifikation seit 2002/2003:

1 / 21
Alle NL-Topskorer der Qualifikation seit 2002/2003
quelle: keystone / urs flueeler
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