Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Lugano’s goalkeeper Elvis Merzlikins , left, celebrate the victory with Lugano’s player Gregory Hofmann, right, during the fifth match of the playoff final of the National League of the ice hockey Swiss Championship between the HC Lugano and the ZSC Lions, at the ice stadium Resega in Lugano, Switzerland, Saturday, April 21, 2018. (KEYSTONE/Ti-Press/Alessandro Crinari)

Zuhause können sie jubeln, aber können sie es auch am Mittwoch im Hallenstadion? Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Eismeister Zaugg

Der «Betriebsunfall», der Lugano den Titel kosten kann

Das wahre Lugano ist besser als die wahren ZSC Lions. Die Zürcher waren in Lugano chancenlos und verloren 0:4. Sie können am Mittwoch trotzdem Meister werden. Aber sie können nur noch am Mittwoch Meister werden.



Kann es sein, dass die bessere Mannschaft nach fünf Finalspielen 2:3 zurückliegt? Ja, das kann sein. Was heisst besser? Der Zweck des Spiels ist der Sieg. Die letzte Wahrheit steht also oben auf der Resultattafel. Das ist die unromantische Realität. Die Zürcher führen im Finale mit 3:2-Siegen. Also sind sie besser. Punkt.

Es gibt auch eine hockeyromantische Sicht der Dinge: Lugano spielt das spektakulärere Hockey. Das schnellere Hockey. Das elegantere Hockey. Das dynamischere Hockey. Aber nur das wahre Lugano kann die wahren ZSC Lions besiegen.

Wir haben erst am Samstagabend zum ersten Mal in diesem Finale das wahre Lugano von der ersten bis zur letzten Minute gesehen. Und zum ersten Mal waren die ZSC Lions in diesem Finale chancenlos. Bereits nach 27 Sekunden trifft Gregory Hofmann zum 1:0. Dabei bleibt es zwar bis zur 43. Minute. Erst dann doppelt der gleiche Stürmer zum 2:0 nach. Obwohl das Resultat so lange Zeit knapp war, obwohl die Zürcher noch einen Schuss an die Torumrandung beklagten – eine Siegeschance hatten sie nie.

Zurich's goalkeeper Lukas Flueeler, left, fights for the puck with Lugano’s player Alessio Bertaggia, right, during the fifth match of the playoff final of the National League of the ice hockey Swiss Championship between the HC Lugano and the ZSC Lions, at the ice stadium Resega in Lugano, Switzerland, Saturday, April 21, 2018. (KEYSTONE/Ti-Press/Davide Agosta)

Luganos Alessio Bertaggia kämpft gegen den Zürcher Goalie Lukas Flüeler. Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Das «wahre» Lugano wird nur zu Hause sichtbar

Und so wird der Heimvorteil das besondere Merkmal dieser Finalserie. Dabei spielt der Heimvorteil im Finale keine zentrale Rolle. Seit Einführung der Playoffs (1986) ist der Titel 1986 1989, 1990, 1991, 1992, 1996, 1997, 1998, 1999, 2001, 2002, 2004, 2009, 2011, 2012, 2014, 2015, 2016 und 2017 auf fremden Eis gefeiert worden. Eher Heimnachteil als Heimvorteil.

Nun erleben wir die «Renaissance des Heimvorteils». Das wahre Lugano haben wir bisher nur in Lugano gesehen. Am eindrücklichsten am Samstag beim 4:0. Luganos Philippe Furrer zelebriert jetzt das beste Hockey seiner Karriere (am Samstag mit einer 4:0-Bilanz). Wenn er vom Titel spricht, dann redet er nicht einfach daher, wie jeder reden muss – es kann ja keiner sagen, er wolle nicht Meister werden.

Philippe Furrer ist durch und durch davon überzeugt, dass es Lugano schaffen kann. «Wir haben bereits beim letzten Spiel im Hallenstadion 25 Minuten lang das wahre Lugano gesehen.» Am Ende gab es trotz einer 2:0-Führung eine 2:3-Niederlage in der Verlängerung. Nun gehe es darum, am Mittwoch in Zürich 60 Minuten lang wie das wahre Lugano aufzutreten.

Lugano’s player Philippe Furrer celebrates the 3-0, during the fifth match of the playoff final of the National League of the ice hockey Swiss Championship between the HC Lugano and the ZSC Lions, at the ice stadium Resega in Lugano, Switzerland, Saturday, April 21, 2018. (KEYSTONE/Ti-Press/Alessandro Crinari)

Philippe Furrer zeigte am Samstag, was er kann. Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Tatsächlich hat Lugano ja alles, um erstmals seit 2006 die Meisterschaft zu gewinnen. Mit Elvis Merzlikins den besseren Torhüter. Mit Maxim Lapierre den besseren ausländischen Leitwolf. Mit Philippe Furrer den kompletteren, den besseren Verteidigungsminister. Mit Gregory Hofmann den abschlussstärksten Schweizer Stürmer.

Lugano konnte bisher in Zürich nicht gewinnen

Und doch könnten die Zürcher am Mittwoch Meister werden. Es wäre einer der erstaunlichsten Titel und für Lugano eine bittere Finalniederlage. Noch zehn Jahre lang würden sich die Tessiner ärgern und sagen: «Aber damals, 2018, hätten wir einfach Meister werden müssen. Wir hatten die bessere Mannschaft.»

Lugano war bisher nur auf eigenem Eis, mit Europas temperamentvollstem Hockey im Rücken das wahre Lugano. Das schnelle, dynamische, mutige, leidenschaftliche, begeisternde Lugano.

Die Zürcher sind im eigenen Stadion mutiger, schneller, und bissiger.

Im Hallenstadion hat Lugano diese Saison noch nie gewonnen. Einerseits, weil bisher der Mut fehlte, das wahre Gesicht zu zeigen, das wahre Lugano zu sein. Und andererseits, weil die Zürcher im eigenen Stadion mutiger, schneller, bissiger sind.

Die Zuercher jubeln im vierten Eishockey Playoff-Finalspiel der National League zwischen den ZSC Lions und dem HC Lugano am Mittwoch, 18. April 2018, im Zuercher Hallenstadion. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Spielen zu Hause besser: Der ZSC jubelte im vierten Playoff-Finalspiel im Hallenstadion. Bild: KEYSTONE

Weil sie im eigenen Stadion die scheibenführenden Gegenspieler und die Scheibe jagen. Weil sie im eigenen Stadion den spielerisch besseren Gegner mit ihrem Forechecking am entfalten seines Talentes hindern. Weil sie nur im eigenen Stadion den Mut haben, die wahren ZSC Lions zu sein. Das erklärt, warum die Zürcher in diesem Finale im Hallenstadion bisher in zwei Partien 8 Treffer erzielt haben – und in Lugano in drei Spielen nur einen einzigen.

Verliert ZSC am Mittwoch, sind sie in Lugano chancenlos

Gegen das wahre Lugano haben die Zürcher keine Chance und immer mehr zeigt sich: ein Betriebsunfall kann Lugano den Titel kosten. Die 0:1-Heim-Niederlage im ersten Finalspiel war für Lugano eine vermeidbare, ja im Rückblick erst recht eine unverzeihliche Niederlage. Lugano auf eigenem Eis nicht das wahre Lugano. Ein Betriebsunfall. Kein Problem. Können wir korrigieren. Die letzte Chance zur Korrektur folgt am Mittwoch.

Die ZSC Lions müssen am Mittwoch im Hallenstadion den Titel holen. Verlieren sie, dann werden sie im 7. Spiel am Freitag in Lugano chancenlos sein. Weil wir dann in Lugano das wahre Lugano sehen werden. Und gegen das wahre Lugano haben selbst die wahren ZSC Lions keine Chance.

Die grossen Playoff-Wenden im Schweizer Eishockey

So sieht es aus, wenn NLA-Teams Frauen anflirten

Video: watson

Eishockey Saison 2017/18

Hoffnung für Hockey und Fussball – Kurzarbeit wird bald möglich sein

Link zum Artikel

Profisportler kaufen für Ältere ein oder bieten sich als Babysitter an

Link zum Artikel

«Als würde man zum Geburtstag keinen Kuchen kriegen» – das sagt der ZSC zur Playoff-Absage

Link zum Artikel

Solange man ins Stadion durfte, war Eishockey so populär wie nie

Link zum Artikel

Simon Sterchi kommt – was für eine schauderhafte SCB-Transferbilanz

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel

Die WM ist abgesagt – was die Folgen sind und wie es beim Verband weitergeht

Link zum Artikel

Gaëtan Haas: «Das Spiel in der NHL ist nicht schneller, es sieht nur schneller aus»

Link zum Artikel

Wegen Corona-Krise: Bleibt René Fasel ein Jahr länger Hockey-Welt-Präsident?

Link zum Artikel

Nichts, einfach nichts – ein Wochenende ohne Sport und der Anfang einer neuen Zeitrechnung

Link zum Artikel

Die NHL pausiert, aber «gespielt» wird trotzdem – Goalie wehrt 98 Schüsse ab

Link zum Artikel

Keine Eishockey-WM – Patrick Fischers verlorener Traum

Link zum Artikel

Das banale Ende aller Träume – kein Meister, keine Dramen

Link zum Artikel

So sieht der neue Gästesektor in Fribourg aus (es ist ein «Käfig»)

Link zum Artikel

Der Star aus der Hundehütte – wie Kevin Fiala vom Mitläufer zum Teamleader gereift ist

Link zum Artikel

6 grosse Schweizer Hockey-Karrieren, die durch das Coronavirus vorzeitig beendet wurden

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Eismeister Zaugg

Davos ist Transfersieger – warum das wichtig für unser Hockey ist

Der HCD segelt in ruhigen sportlichen Gewässern und die Mannschaft für nächste Saison steht. Nun hat HCD-Sportdirektor Raëto Raffainer mehr Zeit für die internationale Hockeypolitik. Kann er die Lücke, die René Fasel hinterlassen wird, wenigstens ein klein wenig füllen?

Eine Krise ist auch eine Chance. HCD-Sportdirektor Raëto Raffainer hat sie zur Erneuerung seiner Mannschaft genützt. Fabrice Herzog wechselt zu Zug, Samuel Guerra zügelt nach Lugano, Luca Hischier hat er bereits gegen Biels Valentin Nussbaumer eingetauscht und Dario Meyer nach Kloten abgeschoben.

Neu kommen Julian Schmutz (von Langnau), Raphael Prassl und Axel Simic (von den ZSC Lions) sowie Thomas Wellinger von Lugano. Nun wartet er noch auf die Antwort von Rappis «Verteidigungsminister» …

Artikel lesen
Link zum Artikel