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Solche Bilder will  definitiv niemand sehen. bild: screenshot mysports

Eismeister Zaugg

Falsch verstandene Härte und zu milde Richter – im Hockey braucht es härtere Strafen

Niemand spricht von böser Absicht. Aber es braucht härtere Strafen, um die aufkommende Brutalität in unserem Hockey einzudämmen.



Zugs Garret Roe taumelt bereits nach einem Zweikampf. Da braust Berns Tristan Scherwey heran und streckt den Amerikaner mit einem Check nieder. Die Hockeygötter sind gnädig. Garret Roe bleibt unverletzt.

Zugs Trainer Dan Tangnes kommentiert nach dem Spiel diese Szene nicht und sagt bloss resignierend, es habe in letzter Zeit so viele solcher Zwischenfälle gegeben, dass darüber kaum mehr ein Wort verloren würden.

Genau so ist es. Im neuen Jahr häufen sich die Zwischenfälle. Servettes Eric Martinsson droht nach einem Bandencheck von Marc Wieser das Saisonende. Luganos Maxim Lapierre benützt bei einem Stockschlag gegen Zürichs Chris Baltisberger sein Werkzeug eher wie eine Waffe. Zugs Raphael Diaz erwischt Lausannes Torrey Mitchell mit dem Ellenbogen am Kopf. Zugs Johan Morant checkt Berns Thomas Rüfenacht kopfvoran in die Bande. Das alles in nicht einmal zwei Wochen.

Wieser vs. Martinsson:

Lapierre vs. Baltisberger:

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Video: streamable

Diaz vs. Mitchell:

Morant vs. Rüfenacht:

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Video: streamable

Diese Zwischenfälle sind alle unterschiedlicher Natur. Ausser beim üblen Stockfoul von Maxim Lapierre kann keinem Spieler Absicht unterstellt werden. Im juristischen Sinne ist es die «Inkaufnahme» einer Verletzung bei einem Check. Der entscheidende Punkt ist ein anderer, nicht juristischer Natur und nicht einklagbar: Es geht um den Respekt vor dem Gegenspieler.

Dummes Geschwätz von Ewiggestrigen

Das Problem ist theoretisch längst erkannt. Es gibt sowohl beim internationalen wie beim nationalen Verband seit Jahren zahlreiche «Respect»-Aktionen. Eishockey ist ein gefährliches Spiel. Auch ohne jedes Fehlverhalten kann es zu schweren Unfällen kommen. Wie beim Sturz in die Bande von Zugs Carl Klingberg im Spiel in Langnau. Versicherungstechnisch ist der Beruf des Eishockeyspielers längst dem Extremsport mit entsprechend hohen Prämien gleichgesetzt. Prämien, die die Klubkassen arg belasten.

Umso wichtiger ist es, Unfälle zu verhindern, die verhindert werden können. In dem die Spieler aus Respekt vor dem Gegenspieler auf gefährliche Aktionen verzichten. Auf Checks wie jener von Tristan Scherwey gegen Garret Roe oder jener von Johan Morant gegen Thomas Rüfenacht. Der Stockschlag von Maxim Lapierre gehört in eine andere Kategorie. Hier ist die böse Absicht erkennbar.

Tigers Topscorer, Harry Pesonen, rechts, fliegt über die Bande, nach dem Check von Zugs, Rapahel Diaz, links, waehrend dem Meisterschaftsspiel der National League, zwischen den SCL Tigers und dem EV Zug, am Freitag 4. Januar 2019 im Ilfisstadion in Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Korrekter Check: Zugs Diaz befördert Tigers-Topskorer Pesonen über die Bande. Bild: KEYSTONE

Die neuen Regeln sind klar und klug: Sogenannte «Late Hits», also «verspätete» Checks, wenn der Spieler nicht mehr im Besitz der Scheibe ist, sind verboten. Grundsätzlich ist der Körperangriff (der Check) nur im Kampf um die Scheibe erlaubt. Aber nicht, um ihn einzuschüchtern. Und «blinde» Checks, die der Spieler nicht erwarten oder kommen sehen kann, sind sowieso verboten.

Diese Regeln sind wichtig für die Gesundheit der Spieler. Das Spiel ist heute viel schneller geworden. Die Aufprallenergie steigt im Quadrat zum Tempo. Der Begriff der Härte bedarf einer Revision und kann nicht mehr in den Massstäben des letzten Jahrhunderts gemessen werden. Checks haben heute eine ungleich grössere Wucht und Wirkung als noch vor 15 Jahren. Deshalb steigt die Zahl der Gehirnerschütterungen.

Das Geschwätz von Ewiggestrigen (oft sind es ehemalige Spieler), die eine archaische Härte kultivieren und ein Fehlverhalten des gefoulten Spielers monieren, muss aufhören. Der Ansatz zur Lösung des Problems sind die Täter. Nicht die Opfer.

Es braucht längere Sperren

Die Regeln sind das eine. Sie durchzusetzen das andere. Nach wie vor fehlt gewissen Klubs die Einsicht, übertriebene Härte des eigenen Personals zu missbilligen. Etwa in Bern, wo diese Saison gegen eine gerechtfertigte Sperre Rekurs einlegt wurde und dafür auch noch Geld ausgegeben wurde sowie Ex-Hockey-Einzelrichter Reto Steinmann als Fürsprecher verpflichtet worden ist. Auch auf dieser Ebene ist Umdenken notwendig.

Die «Selbstjustiz», die einst in der guten alten Zeit in der NHL zelebriert worden ist – der Sünder kassierte Prügel – gibt es heute nicht mehr. Sie ist auch nicht mehr wünschenswert.

From left, Lugano's player Maxim Lapierre and Zug's player Jesse Zgraggen, during the preliminary round game of National League Swiss Championship 2018/19 between HC Lugano and EV Zugo, at the ice stadium Corner Arena in Lugano, Switzerland, Tuesday, October 23, 2018. (KEYSTONE/Ti-Press/Pablo Gianinazzi)

Lapierre kann einstecken, aber noch besser austeilen. Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Unsere Hockeyjustiz arbeitet gut und pflückt auch die Sünder heraus, welche die Schiedsrichter übersehen haben. Was noch fehlt, ist die erzieherische Wirkung der Strafen. Drei oder vier Spielsperren während der Qualifikation kümmern eigentlich keinen Spieler und selbst die Klubs können das gut verschmerzen. Unsere Hockeyrichter sind zu milde.

Es braucht für klare Fälle härtere Strafen. Wer ganz offensichtlich die Gesundheit eines Gegenspielers durch eine vermeidbare illegale Aktion gefährdet, gehört für sieben bis zehn Spiele gesperrt. Spätestens im zweiten Wiederholungsfall für den Rest der Saison.

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