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Nach Foul vor den Richter gezerrt: 4.-Liga-Goalie wegen Foul verurteilt



Ein Torhüter hat bei einem 4.-Liga-Fussballmatch in Henau SG einen gegnerischen Stürmer am Knie getroffen und schwer verletzt. Der Einzelrichter des Kreisgerichts Wil verurteilte ihn am Mittwoch wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer bedingten Geldstrafe.

Der Richter sprach von einer «krassen Spielregelverletzung» des Torhüters. Indem er den heranstürmenden gegnerischen Spieler mit gestrecktem Bein mit den Stollen seines Fussballschuhs auf Kniehöhe getroffen habe, habe er seine Sorgfaltspflicht verletzt.

Zuschauer schauen von ihren Wohnungen das 1/16-Final des Schweizer Cup Spiels zwischen dem FC Koeniz und dem FC Lugano, am Sonntag, 17. September 2017, auf dem Sportplatz Liebefeld-Hessgut in Koeniz. (KEYSTONE/Manuel Lopez)

Vom Strafraum in den Gerichtssaal: Goalie verurteilt. Bild: KEYSTONE

Sport beinhalte immer Gefahren, erklärte der Richter. Mit dem Urteil gelte es aber eine Grenze zu setzen zwischen erlaubter Härte und dem nicht mehr Erlaubten. «Das nützt, wie ich hoffe, dem Fussball.» Die bedingte Geldstrafe legte der Richter auf zehn Tagessätze zu 30 Franken fest, bei einer Probezeit von zwei Jahren.

Dem verletzten Stürmer muss der Verurteilte gut 6000 Franken Schadenersatz zahlen, mit einem Nachklagevormerk für allfällige weitere Kosten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Eine allfällige Genugtuungszahlung wurde auf den zivilen Gerichtsweg verwiesen.

Gelbe Karte und Penalty

Die folgenschwere Szene hatte sich im Mai 2016 beim Spiel FC Henau 2 gegen den FC Wil 1900 (Breitensport) ereignet. Nach einem Konter prallten der Wiler Goalie und ein Stürmer des FC Henau im Strafraum heftig zusammen. Der Stürmer musste mit Knieverletzungen vom Platz getragen und ins Spital eingeliefert werden.

«Brutale Attacke im Kung-Fu-Stil»

Der Staatsanwalt

Der Schiedsrichter zeigte dem Torhüter die gelbe Karte und pfiff einen Elfmeter gegen Wil. Das Foul hatte ein juristisches Nachspiel: Der verletzte Stürmer, der am Knie operiert werden musste und mehrere Monate lang arbeitsunfähig war, zeigte seinen Gegenspieler wegen fahrlässiger Körperverletzung an.

Sein Anwalt sprach von einer brutalen Attacke «im Kung-Fu-Stil». Der Torhüter habe die Grenze eines «normalen» Fouls überschritten und die Spielregeln in grober Weise verletzt. «Jeder Hobbysportler und jeder Junior weiss, dass er seinen Gegner verletzten kann, wenn er so einsteigt», sagte der Anwalt.

Der Torhüter hätte dafür die rote Karte erhalten müssen. Dass der Schiedsrichter ihn nur mit einer gelben Karte verwarnt habe, sei irrelevant. Der gefoulte Spieler sei wegen der schweren Verletzung bis heute beruflich und in der Freizeit eingeschränkt, er könne nicht mehr Fussball spielen.

«Unglücklicher Zusammenstoss»

Der Verteidiger

Freispruch gefordert

Der Verteidiger forderte einen Freispruch und eine Abweisung der Ansprüche des Klägers. Er schilderte den Vorfall ganz anders: Es habe sich um einen «unglücklichen Zusammenstoss» gehandelt, dem Torhüter sei keine Fahrlässigkeit vorzuwerfen. Er habe nur das gemacht, was seine Aufgabe sei, nämlich Tore verhindern.

Die Aussagen der beteiligten Spieler, der Trainer und des Schiedsrichters seien widersprüchlich, sagte der Verteidiger. Der Angeklagte sei vor dem Tor flach über den Boden gerutscht, in den Ball und in seinen Gegner. Der Stürmer hätte stoppen müssen, denn er habe keine Chance gehabt, an den Ball zu kommen.

Solche Fouls und Verletzungen gehörten zum Grundrisiko des Fussballs, das die Spieler bewusst in Kauf nähmen. Eine Verurteilung würde dem Sport schaden, gab der Verteidiger zu bedenken. Man dürfe «die Jungen nicht unnötig kriminalisieren».

Der Staatsanwalt forderte zusätzlich zur bedingten Geldstrafe eine Busse von 100 Franken. Die Verletzung wäre vermeidbar gewesen, sagte er. Der Torhüter hätte mit den Händen voran in Richtung Ball hechten oder aber einen Torschuss zulassen können. Ein Freispruch wäre ein «Freipass für übelste Fouls». (sda)

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15Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • San_Fernando 19.10.2017 20:39
    Highlight Highlight Mit dem Stollen und gestreckt auf Kniehöhe???
    Sorry, ich verstehe das Urteil voll und ganz! So ein Foul ist Körperverletzung und hat mit gesunder Härte nichts mehr zu tun. Zudem sind wir hier in der 4. Liga... sollte das nicht eher Plauschliga sein?
  • asdf asdf 19.10.2017 18:41
    Highlight Highlight Zitat Mehmet Scholl über Jens Jeremies:"Einmal gegen Arsenal London, da hat der Jens Jeremies deren Franzosen Vieira umgetreten - aber übel! -, und als der wieder aufstand, hat der Jerry zu ihm gesagt: 'Siehst du die Mittellinie? Kommst du drüber, macht es aua! Hier drüben aua, da drüben gut!'"
    Nun meine Frage an die Juristen unter euch:
    Reicht das aus um mich abzusichern, falls ich mal einen Gegenspieler unglücklich verletze? ;)
  • asdf asdf 19.10.2017 18:38
    Highlight Highlight Was ist denn das für ein Staatsanwalt?!
    Diese Woche ist ein indonesischer Torhüter nach einem Zusammenprall wegen eines Genickbruchs gestorben, weil er, wie vom Staatsanwalt hier vorgeschlagen, mit den Händen/Kopf voran in den Ball gegangen ist.
    Jeder Unfall der auf dem Spielfeld passiert, ist einer zu viel. Jedoch weiss jeder Spieler bevor er das Feld betritt, was passieren kann.
  • Pasch 19.10.2017 11:18
    Highlight Highlight Ich würde den Verletzten (Kläger) auf Lebenszeit für Fussballspiele sperren lassen. So jemand hat auf dem Platz nix verloren. Echte Tätlichkeiten oder übelste verbale Entgleisungen sind da was anderes. Wer aber nach einem Zusammenstoss den Richter braucht der sollte lieber bei Minigolf bleiben!
    • John Smith (2) 19.10.2017 15:27
      Highlight Highlight Wenn ich den Artikel richtig gelesen habe, dann IST der Kläger bereits auf Lebenszeit gesperrt: Wegen der Verletzungsfolgen kann er nicht mehr Fussball spielen.

      Grundsätzlich hat man sich beim Sport an die Regeln zu halten. In der Hitze des Gefechts kann es auch mal zu einem Foul kommen. Wenn man aber so rücksichtslos einsteigt, dass man eine schwere Verletzung des Gegners in Kauf nimmt, dann ist eine Grenze überschritten. Auch das Fussballfeld ist keine rechtsfreie Zone. Für meinen Geschmack hätte schon viel früher mal jemand klagen müssen. So, und jetzt könnt Ihr blitzen.
    • Pasch 19.10.2017 16:18
      Highlight Highlight Zum einen brauchts immer 2, zum anderen hab ich oft genug erlebt das der Liegenbleibende nicht unbedingt das Unschuldslamm ist was er vorgibt zu sein.
      Man war halt nicht dabei.
      Ich vermute hier mal kein rechtliches sondern, wie vermehrt, ein versicherungstechnisches Phänomen!
    • miarkei 19.10.2017 23:53
      Highlight Highlight @Pasch also findest du es in Ornund, wenn jemand mit gestrecktem Bein auf Kniehöhe einsteigt und nicht bestraft wird. Dafür der verletzte Spieler lebenslang einen Schaden davonträgt? (Gemäss Infos im Artikel)
      Ich denke als Torhüter kann man auch mit den Füssen voran einsteigen, ohne gestreckte Beine auf Kniehöhe, dass ist aus meiner Sicht grobfahrlässig und gehört definitiv nicht zum normalen Sportrisiko.
  • sven_meye 19.10.2017 10:47
    Highlight Highlight "Der Torhüter hätte mit den Händen voran in Richtung Ball hechten oder aber einen Torschuss zulassen können." - Also könnte man auch sagen, dass der Stürmer gewusst haben muss, dass der Torhüter versuchen wird ein Tor zu verhindern und hätte somit stoppen können, um einen Zusammenstoss zu verhindern.

    Aber abgesehen davon finde ich, dass so etwas nicht vor Gericht gehört. Damit hat man nur einen Präzedenzfall geschaffen. Also Torhüter würde ich mir jetzt schon Gedanken machen. Im Sport kann so etwas passieren! Beide haben wohl alles gegeben, schlichtweg dumm gelaufen! Bestimmt keine Absicht
  • Proboi 19.10.2017 10:27
    Highlight Highlight Was für ein loyaler Verteidiger. Der versucht sogar im Gerichtssaal, die Gefahr vom Torhüter fernzuhalten ;)
    • Roman h 19.10.2017 12:49
      Highlight Highlight Ist ja auch sein job
      Den mit Verteidiger ist kein Fussballspieler gemeint sondern der Anwalt des Torhüters
  • Paul_Partisan 19.10.2017 08:35
    Highlight Highlight Als Breitensporttrainer und Torhüter finde ich dieses Urteil ein Hohn. Zusammenstösse und Fouls gehören zum Fussball. Als Torhüter wurde mir das Schlüsselbein gebrochen und ich erlitt zahlreiche weitere Verletzungen, nie wäre es mir in den Sinn gekommen, meine Gegenspieler anzuzeigen. Muss ich nun meinen Spielern sagen sie sollen bitte vorsichtig spielen, nur damit keiner eine Anzeige erhält? Lächerlich das Ganze!
    • Bongalicius 19.10.2017 20:57
      Highlight Highlight Vor dem Spiel von allen Gegenspielern eine Verzichtserklärung unterzeichnen lassen. Das dürfte reichen.
    • miarkei 19.10.2017 23:55
      Highlight Highlight Ich denke in diesem Fall geht es nicht nur um eine normale Sportverletzung, sondern um eine grobe Fahrlässigkeit. Wenn jemand so schwer verletzt wird, dass er beleibende Schäden davonträgt ist eine Grenze definitiv überschritten worden.
  • dgme 19.10.2017 08:23
    Highlight Highlight Die Aggressionen auf den Fussballplätzen, gerade in den untersten Ligen ist tatsächlich erschreckend. Man könnte meinen, die Herren vergessen am Wochenende vor dem Match, dass jeder am Montag wieder zur Arbeit muss. Aber Fouls gehören nunmal zum Fussball und dadurch auch die Verletzungen. Ich verstehe nicht, dass Fouls ohne böse Absicht strafrechtlich verfolgt werden. Anders Tätlichlichkeiten oder ähnliches wie grobe Unsportlichkeiten, aus meiner Sicht, dürfen diese gerne auch eine zivilrechtliche Klage mit sich ziehen.
  • Pisti 19.10.2017 07:08
    Highlight Highlight Ein Torhüter der gerade mit den Händen vorraus auf einen anstürmenden Spieler hechtet? Und dann Hirnerschütterung? Wäre dann der Stürmer vor dem Kadi?
    Verletzungen passieren im Fussball, finde solche Urteile traurig. Solches gehört auch nicht vor Gericht.

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