Maradona, Zelli und der Papst: Wessen Rückennummer nie mehr vergeben wird
Es ist eine ganz besondere Ehre: Wenn du bei einem Fussballklub so tiefe Spuren hinterlassen hast, dass das Trikot mit deiner Nummer nie mehr ein Spieler des Vereins tragen wird. Zahlreiche Ikonen des Spiels durften sich über diese Auszeichnung freuen – und auch andere, wie gleich das erste Beispiel zeigt:
1 Papst Johannes Paul II.
🇵🇱 KS Cracovia
Der polnische Geistliche mit bürgerlichem Namen Karol Wojtyla war bekennender Fan des Klubs und spielte in jungen Jahren als Torhüter selber Fussball. Als der Papst im Jahr 2005 das Team seines Lieblingsklubs zu einer Privataudienz in den Vatikan einlud, revanchierte sich KS Cracovia mit der Geste, die Nummer 1 nie mehr zu vergeben. In dieser Saison tragen die Goalies im Kader deshalb die Rückennummern 13, 27, 33 und 99.
2 Massimo Ceccaroni
🇨🇭 FC Basel
Seine gesamte Junioren- und Profikarriere bestritt der Verteidiger für den FCB. Ceccaroni war kein Künstler, er arbeitete Fussball und wurde nach rund 400 Profi-Einsätzen für Rot-Blau nicht zuletzt deshalb Kult, weil ihm in der Nationalliga A kein einziges Tor gelang. Die vielleicht beste Chance vergab Ceccaroni, als er gegen Peter Jehle einen Penalty treten durfte – und gegen den blutjungen GC-Goalie scheiterte.
3 Paolo Maldini
🇮🇹 AC Milan
902 Pflichtspiele machen den Verteidiger zum Rekordspieler der Rossoneri. Paolo Maldini wurde mit Milan sieben Mal Meister und gewann fünf Mal die Champions League. Schon sein Vater Cesare Maldini, späterer italienischer Nationaltrainer, war eine Milan-Legende. Paolos Sohn Daniel sorgte 2022 dafür, dass die dritte Generation der Familie Maldini den Scudetto mit der AC Milan gewinnen konnte.
4 Javier Zanetti
🇮🇹 Inter Mailand
Beinahe zwei Jahrzehnte lang hielt der argentinische Verteidiger für Inter seine Knochen hin. Mit 858 Spielen ist er der Rekordhalter des Klubs, Zanetti gewann 16 Titel, darunter fünf Meisterschaften und die Champions League.
5 Franz Beckenbauer
🇩🇪 Bayern München
Der «Kaiser» stand angeblich vor einem Wechsel zu 1860 München, doch weil er sich in einem Spiel gegen die Sechzger eine Watschn fing, änderte er seine Meinung. Beckenbauer ging zu Bayern München, wo er mit Sepp Maier, Uli Hoeness und anderen eine Ära prägte. Später steuerte Beckenbauer lange Jahre als Präsident die Geschicke des Klubs.
6 Bobby Moore
🏴 West Ham United
Die «Hammers» waren in Englands Weltmeisterteam 1966 tonangebend. Bobby Moore war wie im Klub der Captain, seine Mannschaftskollegen Geoff Hurst (drei Treffer, darunter das berühmt gewordene Wembley-Goal) und Martin Peters schossen beim 4:2-Sieg gegen Deutschland die Tore im Final. Mit West Ham hatte Moore in den zwei Jahren zuerst den FA Cup und anschliessend den Cupsieger-Cup gewonnen.
7 Marius Lacatus
🇷🇴 Steaua Bukarest
Das Leben kann so einfach sein, wenn man noch ein Kind ist. Marius Lacatus war bloss deshalb einer meiner Lieblinge im Panini-Album der WM 1990, weil sein Name klingt wie der eines römischen Legionärs bei Asterix – und er dazu eine Frisur hatte, die aussieht wie der Helm eines römischen Legionärs. Bei Steaua fallen die zehn Meistertitel und der Triumph im Meistercup 1986 womöglich stärker ins Gewicht.
8 Karel Poborsky
🇨🇿 Dynamo Budweis
Es gibt Tore, die vergisst man nie. So wie Karel Poborskys Lob an der EM 1996 gegen Portugal, als Tschechien bis in den Final vorstiess. Der Mittelfeldspieler wurde danach Meister mit Manchester United, spielte bei Benfica und Lazio Rom. Den Anfang und das Ende seiner Profikarriere bestritt Karel «Steve» Poborsky in Budweis – wo sie seine Nummer 8 nie mehr vergeben.
9 Giorgio Chinaglia
🇺🇸 New York Cosmos
Der italienische Stürmer galt als extravagant, offenherzig und extrovertiert – Eigenheiten, die bestens nach New York passen. Chinaglia brachten seine viele Tore für Lazio Rom dorthin, bei Cosmos spielte er gemeinsam mit Pelé und Beckenbauer. Später gehörte ihm der Klub und als die New York Cosmos 2014 neu gegründet wurden, zogen die neuen Besitzer Chinaglias Nummer 9 zurück.
10 Diego Maradona
🇮🇹 SSC Napoli
Maradona ist womöglich die Nummer 10 der Fussballgeschichte. Den Aussenseiter Napoli machte der göttliche Argentinier zum italienischen Meister, wofür sie ihm bis heute und in alle Ewigkeit zu Füssen liegen. Nicht nur seine Rückennummer wird in Neapel nie mehr vergeben: Nach seinem Tod wurde das Stadio San Paolo in Stadio Diego Armando Maradona umbenannt.
11 Luigi Riva
🇮🇹 Cagliari
Als der frühere Stürmer Anfang 2024 im Alter von 79 Jahren starb, trauerte ganz Sardinien um seinen «König». Riva war 1970 etwas schier Unmögliches gelungen: Er schoss den krassen Aussenseiter US Cagliari zum einzigen Meistertitel der Klubgeschichte. Dass der Nationalspieler mit dem hammerharten Schuss (42 Spiele, 35 Tore) trotz lukrativer Angebote der reichen Klubs aus dem Norden Cagliari immer treu blieb, liess die Liebe der Tifosi ins Unermessliche steigen. Zumal Riva gar nicht von der Insel stammte, sondern vom Lago Maggiore.
12 Recep Tayyip Erdogan
🇹🇷 Basaksehir Istanbul
Der türkische Meister von 2020 (mit dem Schweizer Gökhan Inler) ist eng mit dem Staatspräsidenten verbunden. Basaksehir trägt daher den Übernamen «Erdogan-Klub» – und steht bezüglich Popularität weit hinter den Istanbuler Grossklubs Fenerbahce, Galatasaray und Besiktas.
13 Davide Astori
🇮🇹 Fiorentina und Cagliari
Im März 2018 herrscht Trauer im italienischen Fussball. Am Morgen des Auswärtsspiel in Udine wird Fiorentina-Captain Davide Astori tot im Hotelzimmer gefunden. Er starb 31-jährig an einem Herzstillstand. Um an ihn zu erinnern, zogen Cagliari, für das er die meisten seiner Spiele bestritten hatte, und die Fiorentina Astoris Nummer 13 zurück.
14 Johan Cruyff
🇳🇱 Ajax Amsterdam
Es gibt viele Legenden mit der 7, der 9 oder der 10. Aber bei der 14 denken wohl die allermeisten Fussballfans zuerst an Johan Cruyff. Der Niederländer gilt als einer der besten Offensivspieler der Geschichte, Ajax, Barcelona und das Nationalteam mit dem «Voetbal totaal» prägte er. Die Geschichte, wie Cruyff zur 14 kam, geht so: Eigentlich stürmte er mit der 9, doch sein Teamkollege Gerrie Mühren fand sein Trikot mit der 7 nicht. Cruyff bot ihm die 9 an, nahm selber die 14 und blieb dabei. An der WM 1974 hatten die Oranje die glorreiche Idee, ihre Spieler alphabetisch zu nummerieren, weshalb Goalie Jan Jongbloed die 8 trug. Cruyff behielt als einziger Spieler seine übliche Nummer 14.
17 Marc Zellweger
🇨🇭 FC St.Gallen
Mit 20 Jahren war «Zelli» noch Stürmer beim viertklassigen FC Seuzach, dann gab ihm der FC St.Gallen eine Chance. Er packte sie – und wie. Als stürmender Aussenverteidiger mit wehender Mähne wurde Zellweger auf dem Espenmoos zum Fan-Liebling, zum Schweizer Meister 2000 und zum Nationalspieler. Nach einem Wechsel zum 1. FC Köln und einem Kurzabstecher nach Wil kehrte der Winterthurer zum FCSG zurück, für den er insgesamt über 500 Spiele bestritt.
20 Diogo Jota
🏴 FC Liverpool
Eben noch war Diogo Jota mit dem FC Liverpool Meister geworden und hatte mit Portugal die Nations League gewonnen. Doch im Sommer 2025 starb er 28-jährig an der Seite seines Bruders bei einem Autounfall. Gemäss den Ermittlern sass Jota am Steuer des Lamborghini, der nachts beim Überholen von der Strasse abgekommen und in Brand geraten war.
22 Jude Bellingham
🏴 Birmingham City
Bei den «Blues» erkannten sie das aussergewöhnliche Talent Bellinghams schon früh. Mit 16 Jahren gab er sein Debüt für den englischen Zweitligisten, später wurde er zum jüngsten Torschützen von Birmingham City. Als Bellingham mit 17 Jahren zu Borussia Dortmund wechselte, beschloss sein Ausbildungsklub, die Rückennummer 22 nie mehr zu vergeben.
27 Sanel Kuljic
🇦🇹 SV Ried
Der Stürmer ballerte die SV Ried in die Bundesliga und wurde dort mit überragenden 34 Treffern Torschützenkönig. Dafür wurde Kuljics Nummer 27 «heiliggesprochen». Fromm war er jedoch nicht. Einige Jahre nach seiner Zeit in Sion (22 Spiele, 12 Tore) wechselte er vom Rasen ins Gefängnis: Kuljic stand im Zentrum eines Wettskandals und kassierte eine fünfjährige Haftstrafe. Wieder auf freiem Fuss wurde er erneut festgenommen, dieses Mal wegen Kokainhandels.
