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Man glaubt's kaum, aber ein Elektro-Töff soll mehr Benzin brauchen als jede GP-Maschine

Eine Kuriosität, beinahe unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Am vergangenen Wochenende sind erstmals Elektro-Renntöffs «im scharfen Schuss» getestet worden. Nun gibt es eine Frage, die eigentlich absurd ist.

Klaus Zaugg, Jerez



Und jetzt also die elektrische Töff-WM. Eine Idee, die elektrisiert. Elektrischen Fahrzeugen gehört die Zukunft. Und für eine elektrische Rennserie lassen sich im 21. Jahrhundert eher Sponsoren/Werbepartner finden als für die klassischen Rennen mit Verbrennungsmotoren. Die Formel E im Automobilrennsport, ausgetragen auf Stadtrundkursen, ist ja bereits ein riesiger Erfolg.

Also ist vom Motorrad-Weltsportverband FIM der «Coupe du Monde FIM MotoE» kreiert worden. 2019 werden im Rahmen von fünf Grand Prix sechs Rennen ausgefahren (je eines in Jerez, Le Mans, Sachsenring, Spielberg und zwei in Misano). In Jerez sind am letzten Freitag, Samstag und Sonntag die E-Bikes zum ersten Mal im «scharfen Schuss» offiziell von den künftigen WM-Fahrern getestet worden.

Die Erotik fehlt

Ein ungewohntes und zugleich faszinierendes Spektakel. Rein optisch unterscheiden sich die E-Bikes für einen Laien kaum von klassischen Rennmaschinen. Aber der Lärm, die Erotik des Motorsportes, fehlt. Nur ein seltsames, aber durchdringendes Pfeifen ist zu hören. Wahrscheinlich tönt es so, wenn ein Ufo im Landeanflug ist. Auf jeden Fall ein sehenswertes Spektakel.

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Impressionen der Tests in Jerez. Video: YouTube/Anagram

Das Feld der 18 Piloten ist bunt, hat aber bei weitem nicht die Qualität der Formel E im Automobilrennsport. Was damit zusammenhängen dürfte, dass diese elektrische WM in den inneren Zirkeln der «Macho-Welt» GP-Zirkus bei den wahren Haudegen eine ähnlich hohe Akzeptanz hat wie Frauen-Eishockey im «Macho-Sport» Eishockey.

Raffin wird eine gute Figur machen

Für diese elektrische WM sind vor allem ehemalige oder ausgemusterte GP-Stars wie Sete Gibernau (45), Alex De Angelis (34), Randy De Puniet (37) oder Mike Di Meglio (30) aus dem Ruhestand gescheucht worden. Mit der Spanierin Maria Herrera (22) wird auch eine Frau an den Start gehen. Sie hat sich bereits in der Moto3-WM bewährt und WM-Punkte geholt.

Mit Jesko Raffin (22) wird ein Schweizer diese Serie bestreiten. Für ihn ist es eine gute Zwischenlösung. Weil er in der Moto2-WM 2019 keinen permanenten Startplatz hat, ist er nun im Deutschen «Dynavolt»-Team Ersatz-Fahrer für Tom Lüthi und Markus Schrötter. Und er bestreitet für dieses Team die elektrische WM. Er wird eine gute Figur machen, hat Chancen auf Siege und Podestplätze. Bei diesen ersten Tests kam er in Jerez bereits auf Rang 12, obwohl er nur am ersten Tag fahren konnte. Er musste dann nach Valencia zum Finale der Moto2-EM abreisen, die er schon vor diesem letzten Rennen für sich entschieden hatte. Alles in allem dürfte Raffin von allen «Elektro-Piloten» wohl die beste Kombination aus Zukunft, Mut und Talent mitbringen.

Batterien sind gierige Stromfresser

Die E-Bikes wiegen rund 250 Kilo und sind damit fast 100 Kilo schwerer als eine MotoGP-Höllenmaschine. Jesko Raffin sagt, die Bikes seien trotz des Gewichtes gut zu fahren und auf über 200 km/h zu beschleunigen. Ein Problem ist allerdings die Energie. Die Batterien reichen für rund 40 Kilometer Test-, Trainings- oder Renndistanz. Dann müssen die Elektromotoren der 18 Bikes aufgeladen werden. Das ist in etwa anderthalb Stunden möglich.

Aber das gleichzeitige Aufladen von 18 Bikes frisst enorm viel Strom. So viel, dass die elektrische Versorgung der Rennstrecke in Jerez kurz vor dem Kollaps stand. Das Tages-Testprogramm musste geändert werden. Damit zwischen den Testsessions so viel Zeit blieb, dass nicht alle Maschinen gleichzeitig aufgeladen werden mussten.

Die sechs Rennen finden 2019 als Rahmenprogramm bei klassischen Grand Prix statt. Bei Grossveranstaltungen also, die mit den mobilen Werkstätten der Moto3-, Moto2- und MotoGP-Teams und dem Betrieb der ganzen Infrastruktur auf einem Gelände für bis zu 100'000 Zuschauer bereits viel elektrischen Strom verbrauchen.

Tatsache oder bloss Polemik?

Nun tauchte in Jerez die bange Frage auf, ob wohl an einem Grand Prix genug Strom vorhanden sein wird, um die Bikes gleichzeitig aufzuladen. Es wird nicht ausgeschlossen, dass dieselgetriebene Generatoren eingesetzt werden müssen, um ein Zusammenbruch des Stromnetzes zu vermeiden. Bereits ist die Frage diskutiert worden, ob dies beispielsweise auf dem Sachsenring notwendig sein wird.

Bild

Gewöhnungsbedürftiges Bild: Eine GP-Maschine an der Strom-Zapfsäule. bild: instagram/formulamotorsport

Das hätte dann zur Folge, dass wegen der elektrischen Töffrennen an einem GP-Wochenende mehr fossiler Treibstoff verbrannt würde als bei allen Trainings und Rennen (Moto3, Moto2, MotoGP) der klassischen Wettbewerbe zusammen. Ob das wirklich so sein könnte oder ob diese Diskussion ganz einfach eine boshafte Polemik gegen die E-Bikes ist, lässt sich noch nicht sagen. Höherer Spritverbrauch wegen Rennmaschinen mit Elektromotoren? Eigentlich absurd.

«Dä isch so gschiid wienes Glas Wasser»

Video: watson/Emily Engkent

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