Trump ist besessen von fossilen Energien – doch die Banken sehen das zunehmend anders
Nein, das Thema Klimawandel, geschweige denn Investieren in dieses Feld, ist gerade nicht «in». Oder wie es ein Bloomberg-Journalist leicht überspitzt beschreibt:
Zu «verdanken» haben wir diesen Umstand zu einem grossen Teil dem US-amerikanischen Präsidenten. Denn gemeinsam mit globalen Zöllen und dem US-Imperialismus holt Donald Trump ein entscheidendes Merkmal aus den 1980ern wieder hervor: die Bewunderung, manche sprechen gar von Besessenheit von fossilen Energieträgern. Zeugnis davon war nicht nur sein «Drill, baby, drill!»-Ausruf während des Wahlkampfes 2024, sondern jüngst auch sein Angriff auf Venezuela. Nach der Entführung von Nicolás Maduro hat Trump überraschend offen kundgetan, es gehe ihm ums Erdöl.
Doch die grössten Banken der Wall Street gehen zunehmend den anderen Weg: Sie verdienen mittlerweile deutlich mehr an erneuerbaren Energien als an fossilen.
Grüne Anleihen sind lukrativer
Die grössten Wall-Street-Banken erzielten 2025 gemäss Daten, die Journalisten von Bloomberg zusammentrugen, Einnahmen in Höhe von rund 3,7 Milliarden US-Dollar aus klimabezogenen Krediten und Anleiheemissionen – verglichen mit etwa 2,9 Milliarden US-Dollar aus Öl, Gas und Kohle.
2025 war nicht das erste Jahr, in dem Banken mit klimabezogenen Krediten und Anleihen mehr Geld generierten. Vielmehr ist dies bereits das vierte Jahr in Folge der Fall. Im vergangenen Jahr war der Abstand zu den Krediten im Zusammenhang mit fossilen Energien jedoch am deutlichsten. 2025 zementierte damit den Trend, der sich erstmals 2021 zeigte. Es ist eine deutliche Kehrtwende gegenüber 2020, als Banken noch fast doppelt so hohe Gebühren von Unternehmen der fossilen Brennstoffindustrie einnahmen wie von grünen Initiativen.
Was diese Zahlen zeigen: Es gibt eine stark steigende Nachfrage nach Kapital in Zusammenhang mit der Energiewende. Und die Banken verdienen immer mehr daran, solche Kredite und Anleihen zu vergeben. Gleichzeitig sanken die Gebühren für die Fremdfinanzierung von Projekten im Bereich fossiler Brennstoffe von 3,9 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024 auf 2,9 Milliarden US-Dollar im letzten Jahr – ein mehr als deutlicher Einbruch. Im ersten Jahr der zweiten Amtszeit von Trump gab es also weniger Fremdfinanzierungen für fossile Brennstoffe als in fast jedem Jahr der Amtszeit von Biden.
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Europäische Banken sind US-Banken voraus
Was die Zahlen allerdings auch zeigen: US-amerikanische Banken sind in diesem Bereich (noch) keine Wachstumstreiber. Vielmehr sind es die europäischen Banken, die die Finanzierung grüner Vorhaben vorantreiben: Die französischen Grossbanken BNP Paribas SA und Credit Agricole SA sowie die Deutsche Bank AG waren im vergangenen Jahr die führenden Emissionsbanken für sogenannte Green Bonds, während die US-amerikanischen JPMorgan Chase & Co., Citigroup Inc. und Bank of America Corp. laut Daten von Bloomberg die führenden Herausgeber von Anleihen für Unternehmen aus dem Bereich fossiler Brennstoffe waren.
Dafür, dass Investoren dem Emittenten der Anleihe Geld leihen, erhalten sie einen Zins. Mit dem Kredit können Firmen etwa neue Maschinen kaufen oder in die Forschung investieren. Green Bonds unterscheiden sich von anderen Anleihen, in dem sie zweckgebunden sind: Die Kredite dürfen nur gezielt für Umwelt- und Klimaschutz-Projekte verwendet werden. Deshalb ist auch von Klimaanleihen oder Climate Bonds die Rede.
Green Bonds stehen aber auch immer wieder in der Kritik, wobei sich der Vorwurf meist auf «Greenwashing» konzentriert. Kritiker weisen dabei auf die mangelnden Standards und Regulierungen hin und zweifeln an der tatsächlichen Umweltwirkung der finanzierten Projekte. Um dem Greenwashing im Finanzmarkt vorzubeugen, streben Regulatoren wie die EU, aber auch die Schweiz, gleichzeitig laufend schärfere Regeln an.
Kein Aufatmen, aber eine klare Richtung
Die Zahlen sind dennoch erstaunlich, wenn man den Druck bedenkt, der derzeit von der US-amerikanischen Regierung gegen erneuerbare Energien ausgeht.
Dieser Druck machte sich 2025 in den USA denn auch bemerkbar: Der wachsende Energiekonsum konnte durch das wachsende Angebot an Erneuerbaren nicht gedeckt werden. In die Bresche sprang dabei ausgerechnet Energie aus Kohle. Und weltweit dominieren noch immer die fossilen Energien (also Kohle, Öl und Gas zusammengenommen): Der Verbrauch steigt zwar nicht weiter und stagniert derzeit, aber die fossilen Energien sind noch immer präsent. Das ist viel länger, als es für unser Klima gesund wäre.
Dennoch ist die Richtung klar: Im ersten Halbjahr 2025 wurde global gesehen zum ersten Mal mehr Strom aus erneuerbaren Quellen wie Sonne, Wind oder Wasser produziert als aus Kohle. Chinas CO₂-Ausstoss wird 2025 aller Voraussicht nach seinen Peak erreicht haben – das sind fünf Jahre früher als von der chinesischen Regierung geplant. Wie das Energie-Think-Tank Ember in seinem Jahresbericht festhält, hielten «Solar- und Windenergie (...) nicht nur mit dem weltweiten Wachstum des Strombedarfs Schritt, sondern übertrafen ihn erstmals über einen längeren Zeitraum hinweg, was darauf hindeutet, dass saubere Energie nun die Richtung des globalen Energiesystems bestimmt».
Das zeigt sich auch an den Finanzmärkten, wo definitiv nicht in erneuerbare Projekte investiert wird, weil es cool wäre – sondern weil das Geld dort schlicht am meisten gebraucht wird. Bereits 2024 waren die Investitionen in die Energiewende fast doppelt so hoch wie die Investitionen in fossile Brennstoffe. Und laut Bloomberg erreichte die weltweite Emission von Green Bonds im vergangenen Jahr einen Rekordwert von 947 Milliarden US-Dollar. Morgan Stanley, eine der grössten Investmentbanken der Welt, verkündete jüngst, dass der Zuwachs an Solarenergie und Batteriespeicher im Jahr 2026 gar «positiv überraschen» könnte.
Die US-amerikanische Regierung mag also ihr Geld auf die fossile Karte setzen – und möglicherweise wird sie damit auch noch eine ganze Weile lang reicher werden. Das Geld aus der Finanzbranche nimmt derweil, langsam aber sicher, den anderen Weg.
