Wirtschaft
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Roboter

Der Fortschritt frisst Arbeitsplätze: Zunehmend smarte Roboter übernehmen immer mehr Jobs.
Bild: Shutterstock

Du arbeitest im Büro? Dann such schon mal einen neuen Job: So verändert sich unsere Arbeitswelt



Es ist eine eher düstere Prognose, die das Weltwirtschaftsforum (WEF) am Montag publiziert hat. Die «vierte industrielle Revolution», der Aufstieg der intelligenten Maschinen und smarten Fabriken, wird den Arbeitsmarkt umkrempeln – und Arbeitsplätze vernichten. 

5,1 Millionen Stellen werden innerhalb der nächsten fünf Jahre in 15 der grössten Volkswirtschaften verschwinden. Das prognostiziert der WEF-Bericht «Die Zukunft der Beschäftigung», der auf einer Umfrage unter den Topmanagern der 350 grössten Konzerne weltweit beruht. Insgesamt dürften gemäss den WEF-Experten sogar 7,1 Millionen Arbeitsplätze abgebaut werden, doch diesem Verlust sollen immerhin rund zwei Millionen neu geschaffene Jobs in verschiedenen Branchen gegenüberstehen. 

Diese Zahlen klingen alarmierend. Doch wenn man sie – wie es der britische Autor Tim Worstall im Wirtschaftsmagazin «Forbes» tut –  zur Gesamtzahl der Arbeitnehmer in den analysierten Volkswirtschaften in Beziehung setzt, ändert sich das Bild. Wie der Bericht selber festhält, betreffen seine Daten rund 1,86 Milliarden Arbeitnehmer, was nicht weniger als 65 Prozent der Werktätigen weltweit entspricht. 

WEF-Studie 2016, Karte

65 Prozent der Werktätigen weltweit arbeiten in den 15 grossen Volkswirtschaften, die in der WEF-Studie analysiert werden. 
Karte: wef-bericht «die zukunft der beschäftigung»

«Ein triviales Resultat ohne jede Bedeutung»

Der Rechtsausleger Worstall – er ist Mitglied der rechtspopulistischen UKIP und des rechtsliberalen Adam Smith Institute – nennt den Befund des WEF-Berichts deshalb «ein triviales Resultat ohne jede Bedeutung». Die Experten hätten etwas herausgefunden, was «unzweifelhaft bis zu einem gewissen Grad wahr» sei, aber kaum jemanden wirklich betreffe. 5,1 Millionen abgebaute Stellen weltweit entsprächen einer um nur gerade 0,3 Prozent gestiegenen Arbeitslosigkeit. Das Problem mit diesem Report sei, dass die beschriebenen Effekte mithin kaum ins Gewicht fielen.  

Worstall mag mit seinem Einwand recht haben. Dennoch ist jedem denkenden Menschen klar, dass der technologische Wandel und die fortschreitende Digitalisierung über kurz oder lang zahllose Jobs überflüssig machen werden. Ob neu geschaffene Stellen diese Verluste werden kompensieren können, steht dagegen in den Sternen. 

Es stellt sich allerdings nicht nur die Frage, wie viele Arbeitnehmer vom Stellenabbau bedroht sind. Es fragt sich auch, welche Bereiche der Arbeitswelt der digitale Wandel am stärksten beuteln wird. Ob die vierte industrielle Revolution die Benachteiligung der Frauen am Arbeitsplatz verringern oder gar verstärken wird. Und schliesslich, welche Länder am besten mit dem Wandel zurechtkommen werden. Hier gibt der WEF-Bericht Hinweise:

Welche Bereiche der Arbeitswelt sind am stärksten betroffen?

Im Gegensatz zu früheren Innovationswellen wird die vierte industrielle Revolution weniger die Arbeiter in den Fabrikhallen treffen – dort wurde in der Vergangenheit schon kräftig automatisiert. Diesmal frisst der Fortschritt die Arbeitsplätze in den Büros: Zwei Drittel der eingesparten Stellen werden voraussichtlich im Büro- und Verwaltungsbereich anfallen. 

WEF 2016, Grafiken

Rund zwei Drittel der Arbeitsplätze, die voraussichtlich durch die vierte industrielle Revolution vernichtet werden, stammen aus dem Bereich Büro und Verwaltung.  
Quelle: WEF-Bericht «Die Zukunft der Beschäftigung»

Potenzial haben laut den WEF-Experten dagegen Arbeitsplätze, die in Zusammenhang mit Mathematik, Computern (IT) oder Ingenieurtätigkeiten stehen. 

WEF 2016, Grafiken

Ingenieure und IT-Fachleute werden künftig noch mehr gefragt sein. 
quelle: wef-bericht «die zukunft der beschäftigung»

Gehören die Frauen zu den Gewinnern – oder verlieren sie?

Nach wie vor sind die technischen und naturwissenschaftlichen Berufe sowie die Informatik eine Männerdomäne, auch wenn die Frauen in letzter Zeit etwas aufgeholt haben. Genau diese Berufsbereiche dürften durch den digitalen Wandel an Bedeutung gewinnen, während ausgerechnet jene Bereiche, in denen Frauen übervertreten sind, besonders leiden werden: Büro, Verwaltung, Vertrieb. 

Die WEF-Experten rechnen denn auch damit, dass die Frauen durch die Stellenverluste besonders hart getroffen werden. Zwar verteilen sich die 5,1 Millionen Arbeitsplätze, die der Digitalisierung netto zum Opfer fallen werden, nahezu gleichmässig auf Männer (52%) und Frauen (48%). In Wahrheit bedeutet schon dies eine Benachteiligung der Frauen, da sie deutlich weniger als die Hälfte der Werktätigen stellen. 

Employees of Swiss health insurance company CSS are working in an open space office at CSS' Romandy branch in Lausanne, Switzerland, on September 12, 2014. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Des employes de la CSS travaillent dans un espace de travail open space au siege romandie de l' assurance maladie CSS, Chretienne Sociale Suisse, ce vendredi 12 septembre 2014 a Lausanne. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Bei Bürojobs – hier in einer Schweizer Krankenkasse – sind Frauen übervertreten.  
Bild: KEYSTONE

Frauen verlieren mehr als fünf Stellen für jede neu geschaffene

In absoluten Zahlen werden die Männer 4 Millionen Stellen verlieren, aber dafür 1,4 Millionen neu geschaffene dazugewinnen. Für je drei verlorene Jobs kommt so immerhin ein neuer dazu. Dagegen werden die Frauen 3 Millionen Arbeitsplätze verlieren, aber nur 0,55 Millionen hinzugewinnen. Das sind mehr als fünf verlorene Stellen für jede neu geschaffene. 

Zum Vorteil der Frauen könnte indes die weitere Automatisierung des Haushalts gereichen – eine Verringerung der gegenwärtigen Doppelbelastung könnte ihnen erlauben, ihre Fähigkeiten stärker in die Wirtschaft einzubringen, wie die WEF-Experten schreiben. 

Welche Länder sind für den digitalen Wandel gut aufgestellt?

Neben sieben Industrieländern – die USA, Japan, Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Italien und Australien – analysierten die WEF-Experten auch die Schwellenländer China, Indien, Brasilien, Mexiko, Südafrika und die Türkei sowie die Wirtschaftsräume der südostasiatischen Nationen (ASEAN) und des Golf-Kooperationsrates (GCC). Die Schweiz wurde nicht untersucht. 

Einige dieser Volkswirtschaften, namentlich der ASEAN-Verband, die USA, Japan und auch Mexiko, sind laut dem WEF-Bericht besser aufgestellt, um mit dem digitalen Wandel zurechtzukommen. Verloren gegangene Jobs können sie eher mit der Schaffung von neuen Stellen kompensieren.

In Ländern wie Deutschland, Frankreich oder Brasilien dagegen wird der Stellenabbau die Zahl neu geschaffener Arbeitsplätze übertreffen, wie die folgende Grafik zeigt:

WEF 2016, Grafik

China und Indien sind in dieser Aufstellung nicht berücksichtigt. 
quelle: wef-bericht «die zukunft der beschäftigung»

abspielen

Eindrückliches Video zum Thema Automatisierung (engl., dt. Untertitel): «Humans Need Not Apply».
YouTube/CGP Grey

Kollege Roboter

Menschen und Höhepunkte am WEF 2016

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33Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • blabarber 22.01.2016 14:15
    Highlight Highlight Das grosse Problem ist, dass Maschinen in Zukunft auch Hirn und nicht nur Muskeln haben werden.
    • dtk 23.01.2016 11:17
      Highlight Highlight und was soll daran das Problem sein?
    • blabarber 23.01.2016 14:04
      Highlight Highlight Dass dadurch, wirtschaftlich (und daher auch zynisch) gesehen, Maschinen, Roboter o.ä. vielen Menschen überlegen sind. Es lohnt sich nicht, z.B. Fahrer oder Kassierer anzustellen, wenn Maschinen billiger und effizienter sind. Durch die verbesserte KI werden noch viel mehr Jobs bedroht, vor allem im Dienstleistungssektor. All das existiert schon, und der Fortschritt wird schnell vorangehen. Da werden schon gesellschaftliche Probleme entstehen.
  • Retarded Wizard 22.01.2016 14:09
    Highlight Highlight Und die SVA schult immer noch fast jeden in das KV oder TK um. Hauptsache sie haben danach kein Anrecht mehr auf Leistungen und können sich ja einen Job suchen, auch wenn da keiner ist.
  • sheimers 22.01.2016 11:09
    Highlight Highlight In Ländern wo viele Maschinen stehen hat es wenig Arbeitslose, da wo man altomdisch viel von Hand macht hat es viele Arbeitslose.

    Die Erklärung ist ganz einfach: Es mangelt gar nicht an Arbeit, sondern am Geld um die Arbeit zu bezahlen. Und das verdient man mit Effizienzsteigerung und Automatisierung. Deshalb braucht man weder vor Maschinen noch vor Zuwanderern Angst zu haben. Beide fördern den Wohlstand.
    • Bruno Liechti 22.01.2016 19:20
      Highlight Highlight Die Geschichte lehrt uns Anderes: <<Die industrielle Revolution führte zu einer stark beschleunigten Entwicklung von Technik, Produktivität und Wissenschaften, die, begleitet von einer starken Bevölkerungszunahme, mit einer neuartigen Zuspitzung sozialer Missstände einhergeht. Daraus ergab sich als ein gesellschaftspolitisches Kernproblem die soziale Frage, verbunden mit wiederkehrenden Arbeiterunruhen und Bemühungen von Sozialreformern, die akute Not zu lindern und deren Ursachen zu bekämpfen.>>
  • marsupi 22.01.2016 10:09
    Highlight Highlight Diese Vorhersagen kann keiner wirklich treffen. Natürlich wird die Digitalisierung einiges verändern. Jedoch muss es nicht auf Kosten der eigentlichen Arbeitsplätze passieren, sondern nur deren Aufgabengebiet verändern. Hier spielen auch Moral und Ethik eine grosse Rolle. Es wird kaum eine Firma x-tausend Stellen streichen mit der Begründung, dass diese durch Maschinen ersetzt wurden. Ich denke eher dass die Arbeit auch angenehmer und stressreduzierter werden kann, wenn Maschinen bestimmte Arbeiten abnehmen. Da erkenne ich Chancen und keine Panik. Panik wirkt aber natürlich medienwirksamer.
  • Abnaxos 22.01.2016 09:54
    Highlight Highlight Das ist eine völlig logische Folge der Entwicklung. Rationalisieren ist nicht böse. Repetitive Arbeit macht dem Menschen keinen Spass, daher erfindet der Maschinen, die das tun. Es ist gut, Menschen nicht zu Arbeit zu zwingen, die sie nicht machen wollen. Es ist ein Erfolg von Wirtschaft und Technologie.

    Das Problem ist, dass unsere Gesellschaft nicht bereit für diesen Erfolg ist. Sie geht davon aus, dass jeder einen Job hat, dass jeder seine Existenz verdienen muss.

    Aber hier gibt es einen Lösungsansatz: Das bedingungslose Grundeinkommen. Das BGE muss Teil dieses Erfolgs werden.
    • StealthPanda 22.01.2016 10:24
      Highlight Highlight Und wer soll das berappen? Nur noch das Managment oder die Besser ausgebildeten Personen die nicht Automatisiert wurden?

      Und die anderen müssen nicht mehr Arbeiten da Grundeinkommen gesichert ist?

      Quelle Wiki: Das Konzept des BGE sieht eine Zuwendung für jedermann vor. Es würde weder eine sozialadministrative Bedürftigkeitsprüfung erfolgen, noch würde eine Bereitschaft zur Erwerbstätigkeit gefordert.

      Das soll die Zukunft sein? Geld bekommen und nicht mal versuchen müssen Arbeiten zu gehen...weil man keine Lust hat?
    • StealthPanda 22.01.2016 10:47
      Highlight Highlight Dies kommt von der Offiziellen Initiativ Seite von wegen Finanzierung:
      -Es bliebe ein Rest von einigen Milliarden im Jahr, welche nicht in bestehenden Einkommen enthalten sind, insbesondere für Menschen, die heute von weniger als 2’500 Franken leben. Ob ein Restbetrag durch Steuern oder durch eine Verlagerung im heutigen Staatshaushalt aufgebracht wird, muss politisch ausgehandelt werden.

      Zusätzlich Schreiben sie sogar selber das es zu einer Steigerung der Einwanderung führt dafür bekommen wir den Fortschrittlichsten Gesselschaftsvertrag.

      Ja Danke wieder mal so eine Sozialistische Utopie.
    • Abnaxos 22.01.2016 11:19
      Highlight Highlight Den ganzen Tag in der Hängematte zu liegen ist langweilig. Was der Mensch aber nicht gerne tut, ist langweilige, repetitive Arbeit. Daher hat er die Waschmaschine erfunden. Es gab da aber ein Problem: Waschaschinen zu bauen ist langweilige, repetitive Arbeit. Daher haben wir Maschinen erfunden, die Waschmaschinen bauen.

      Der Mensch ist nicht faul. Er mag einfach keine hirnlose, anstrengende Arbeit. Wenn wir dafür Maschinen bauen, können wir wieder einige Sklaven entlassen.

      Diese haben dann mehr Zeit, etwas zu Schaffen, was Spass macht. Dafür haben haben wir damals die Waschmaschine erfunden.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Wilhelm Dingo 22.01.2016 09:46
    Highlight Highlight Der Wandel ist seit langem im Gange und es sind eigentlich good news, denn mit immer weniger Arbeit können wir immer mehr machen. Der zentrale Punkt ist aber, wie wir es gestalten damit alle etwas vom Kuchen abbekommen.
  • Robert K. 22.01.2016 09:40
    Highlight Highlight Es ist geradezu ein Witz, dass immer wieder die gleichen Geschichten herumgeboten werden. Neue Technologien verändern die Arbeit der Menschen und die Beschäftigung steigt weiter, das war in jeder "Industriellen Revolution" so, letztes Beispiel "Computer nehmen die Arbeit im Dienstleistungssektor weg", gerade dieser Sektor ist am stärksten gewachsen auch in Bezug auf die Beschäftigung.
    • Jol Bear 22.01.2016 15:23
      Highlight Highlight Richtig, z.B. bevor es Autos gab, brauchte es viel mehr Pferdezüchter und Hufschmiede, Haferproduktion; Computer und Textprogramme reduzierten Sekretäre/-innen, kreierten aber mit Serienbriefen neue Möglichkeiten usw. Die Digitalisierung wird Bisheriges ablösen und andere neue Arbeitsplätze schaffen. Die Automaten müssen programmiert, weiterentwickelt, unterhalten und gewartet werden. Es braucht neuartige Ersatzteile, Produktions- und Vertriebssysteme, die ebenfalls geschaffen und unterhalten werden müssen. Pessimisten sind konservative Schwarzmaler, Optimisten sehen Chancen und packen an.
  • Scaros_2 22.01.2016 09:29
    Highlight Highlight Verlieren kann das Volk nur wenn die Regierung nicht begreifft das sie die Schulmodelle umstellen müssen. Ich muss sagen ich stehe tief in der Schuld meiner Eltern die so was ahnten. Zuhause wurde ich 2 Sprachig erzogen (De/EN) und mein Vater brachte mir als Kind das Programieren bei, nichts spezielles, Java, C++ usw. weil er der Meinung war, das Computersprachen irgendwann wichtiger sind als Sprachen und ich soll einen technischen Berufen erlenern und mich in der IT fotbilden. Gesagt getan, heute bin ich ihm Dankbar und kümmere mich um Data Governance Modelle! Ein Gebiet mit Zukunft!
    • StealthPanda 22.01.2016 09:36
      Highlight Highlight Bescheidenheit wurde nicht beigebracht?
    • Fumo 22.01.2016 11:07
      Highlight Highlight @StealthPanda
      Was ist daran unbescheiden seinen Eltern gegenüber Dankbarkeit zu erweisen?
      Ich lese in seiner Begründung keine Überheblichkeit heraus. Nur weil er, selbstbewusst, das schildert was er gelernt hat und was es ihm Heute für einen Nutzen bringt bedeutet es nicht zwangsläufig dass er damit angeben möchte.
    • Sagitarius 22.01.2016 11:12
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      Sarcasm off!
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