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Rapperswils Head Coach Jeff Tomlinson, rechts, waehrend dem Meisterschaftsspiel der National League, zwischen den SCL Tigers und den SC Rapperswil-Jona Lakers, am Freitag 21. September 2018 in der Ilfishalle in Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Der Lakers-Trainer Jeff Tomlinson wird nach dem Spiel sagen, Langnau habe die Fehler eiskalt ausgenützt, in dieser Liga gehe eben alles schneller. Bild: KEYSTONE

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Die zerbrochenen Flügel der Schmetterlinge – wie lange halten die Lakers das aus?

Lange Zeit schien es, aus könnte aus einem Kartenhaus ein Schloss werden. Aber am Ende verloren die Lakers ein Spiel in Langnau 2:5, das sie niemals hätten verlieren dürfen.



Sie flogen übers Eis, scheinbar federleicht wie Schmetterlinge. Die Lakers überraschten mit ihrem optimistischen, schnellen, intensiven, frechen Tempohockey. Den Hockeygöttern gefiel es, also machten sie mit. Es gelingt dem Aufsteiger, einen frühen Rückstand (0:1 nach 59 Sekunden) bis zur 19. Minute in eine 2:1-Führung zu verwandeln. Mit dem Beistand der Hockeygötter. Der erste Treffer gelingt in Unterzahl, der zweite im Powerplay und beide hätte Ivars Punnenovs eigentlich verhindern können.

Alles läuft für den Aussenseiter. Es ist angerichtet für eine Überraschung. Es scheint möglich, mit diesem hoch riskanten Vorwärtsspiel den Gegner zu überraschen. So wie letzte Saison. Als die Lakers, noch in der zweithöchsten Liga, im Cup gleich drei NLA-Titanen (Zug, Lugano, Davos) vom Eis gefegt haben. Davos im Finale gar mit 7:2.

Rapperswils Steve Mason, Matthew Gilroy, Sven Berger, Topscorer Antonio Rizzello, von links, jubeln waehrend dem Meisterschaftsspiel der National League, zwischen den SCL Tigers und den SC Rapperswil-Jona Lakers, am Freitag 21. September 2018 in der Ilfishalle in Langnau. (PPR /Marcel Bieri)

Im ersten Drittel jubeln die Lakers noch. Bild: PPR

Wird nun im ersten Spiel nach der Rückkehr in die höchste Liga aus diesem taktischen Kartenhaus ein Schloss, das nun im zweiten und dritten Drittel bei einer heftigen gegnerischen Reaktion dem Druck standhalten wird? Kann Aufstiegsheld Melvin Nyffeler den Neuling auch auf höchstem Niveau zum Sieg hexen? Nach 20 Minuten ist angerichtet für die Sensation.

Aber gegen Mitte des Spiels verebbt das Tempo. Wohl nur ein drittes Tor (zum 3:1) hätte den Schwung erhalten. Roman Schlagenhauf vergibt die beste Gelegenheit.

Plötzlich geht alles ganz schnell

Die Langnauer machen kurzen Prozess. Sie brauchen nicht einmal ganz drei Minuten, um das Spiel zu drehen und zu entscheiden. Zwischen 34:59 Min. und 37:49 Min. machen sie aus einem 1:2 ein 3:2. Am Ende steht es 5:2 und Melvin Nyffeler wird mit einer «Lotter-Fangquote» von 85,71 Prozent zum besten Spieler der Lakers gekürt – das sagt uns, wie sehr er von seinen Vorderleuten im Stich gelassen, ja zeitweise «verraten» worden ist.

Cheftrainer Jeff Tomlinson wird nach dem Spiel sagen, Langnau habe die Fehler eiskalt ausgenützt, in dieser Liga gehe eben alles schneller. Eine gewisse Nervosität sei wohl der Grund für ungewohnte Fehler in der eigenen Zone gewesen. Im Cup habe man letzte Saison die Gegner noch überraschen können. Doch das sei jetzt nicht mehr möglich. Dazu ist zu sagen: Eine Qualifikationspartie ist eben eine seriöse Sache und keine Operetten-Veranstaltung wie ein Cupspiel. Es ist jedenfalls eine kluge Analyse. Der kanadische Cheftrainer der Lakers sucht gar keine Ausreden.

Tigers Yannick Blaser, links, jubelt waehrend dem Meisterschaftsspiel der National League, zwischen den SCL Tigers und den SC Rapperswil-Jona Lakers, am Freitag 21. September 2018 in der Ilfishalle in Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Langnau feiert zum Auftakt einen komfortablen Sieg. Bild: KEYSTONE

Die SCL Tigers haben «Heinz Ehlers-Hockey», eiskaltes Zweckhockey, in Vollendung zelebriert. Sie liessen sich nie aus der Ruhe bringen und machten aus statistisch fast gleich vielen Spielanteilen (30:28 Torschüsse) einen komfortablen Sieg. Sie waren nicht einmal auf die vier ausländischen Stürmer angewiesen. Die trafen erst, als die Schweizer die Arbeit schon erledigt hatten, zum 4:2 und 5:2.

Bei den Langnauern gibt es nach diesem Auftakt keine offenen Fragen. Sie haben genau so gespielt, wie es alle erwartet haben. Aaron Gagnon sass, wie erwartet, als überzähliger Ausländer auf der Tribune. Ivars Punnenovs riss sich, wie erwartet, nach der ersten Pause zusammen und liess keinen Treffer mehr zu. Auch wenn es heute nicht gelingt, das Derby in Bern zu gewinnen, wird vorerst alles seinen gewohnten Gang nehmen.

Heinz Ehlers – ein kluger Hexenmeister

Kein Wunder, wollte kein Chronist mit Trainer Heinz Ehlers reden. Es wussten ja sowieso alle, was er gesagt hätte: Er sei ganz und gar nicht zufrieden, so werde es in Bern nicht reichen, man habe viel zu viele Fehler gemacht.

Der Däne ist eben ein psychologisch kluger Hexenmeister der sogenannten «antizyklischen Spielanalyse». Er sagt genau das Gegenteil von dem, was erwartet wird. Er kritisiert nach Siegen mit säuerlicher Miene und lobt nach Niederlagen frohen Mutes. Sollte Langnau Meister werden, wird er fünf Minuten nach dem letzten Finalspiel griesgrämig darauf hinweisen, wie schwierig nun die Titelverteidigung werde. Möge er heute nach dem Derby schlecht gelaunt sei.

Tigers Head Coach Heinz Ehlers waehrend dem Meisterschaftsspiel der National League, zwischen den SCL Tigers und den SC Rapperswil-Jona Lakers, am Freitag 21. September 2018 in der Ilfishalle in Langnau. (KEYSTONE /Marcel Bieri)

Heinz Ehlers' Urteil fiel nach dem Sieg sicher streng aus. Bild: KEYSTONE

Item, zum ersten Mal seit dem Wiederaufstieg von 2015 hat Langnau die Saison mit einem Sieg begonnen. 2015 setzte es in Bern ein 1:7 ab und sieben der acht ersten Partien gingen verloren. 2016 begann die Saison wiederum mit einer Niederlage in Bern (2:6) und insgesamt 9 Pleiten in Serie – Scott Beattie musste sein Amt schliesslich an Heinz Ehlers übergeben. Und im letzten Herbst ging die Startpartie gegen die ZSC Lions nach einer 3:1 Führung in der Verlängerung 3:4 verloren und der erste Sieg folgte erst in der 5. Runde.

Die SCL Tigers sind also endlich einmal aus den Startlöchern gekommen. Der Optimist sagt deshalb bereits nach der ersten von 50 Qualifikationspartien: Wir segeln auf Playoff-Kurs. Ohne übertriebenen Optimismus reicht es nämlich nicht für die Playoffs.

Die Lakers haben im Schmetterlingsstil begonnen, sind hoch geflogen und am Ende mit gebrochenen Flügeln gelandet und haben ein Spiel verloren, das sie niemals hätten verlieren dürfen.

Was halten die Schmetterlings-Flügel aus?

Wenn ein Neuling so gut in die erste Saisonpartie startet, wenn in einem Spiel fast bis zur «Halbzeit» so sehr alles für den Aussenseiter läuft, dann ist die Niederlage viel gefährlicher als ein schmähliches, sang- und klangloses 0:10.

Die Frage ist nun, wie lange es dauert, bis sich Melvin Nyffeler im defensiven Durchzug erkältet. Wie oft die Lakers das Zerbrechen der offensiven Schmetterlings-Flügel verkraften. Wie lange sie ihrem spektakulären, erfrischenden Vorwärtsstil treu bleiben, wenn am Ende doch alle Herrlichkeit in eine Niederlage mündet.

So lange sie ihre Leichtigkeit des offensiven Seins zu bewahren vermögen, sind sie eine Bereicherung der Liga. Mit besten Chancen auf regelmässige Überraschungen und den Ligaerhalt.

Sobald sie auf realistisches «Heinz-Ehlers-Hockey» umstellen – und die Versuchung wird mit jeder Niederlage grösser – sind sie verloren.

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