Interview
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Alice Glauser, Nationalraetin SVP (VD), spricht an der Delegiertenversammlung der Schweizerischen Volkspartei (SVP), in Les Bugnenets, am Samstag, 23. Juni 2018. (KEYSTONE/Patrick Huerlimann)

Die 64-jährige Nationalrätin Alice Glauser setzt sich für die Frauenrechte ein. Nicht an vorderster Front – aber effektiv. Bild: KEYSTONE

Interview

«Es ist hart, für etwas zu kämpfen, das für die SVP nicht Priorität hat»

Alice Glauser sitzt seit drei Jahren für den Kanton Waadt im Nationalrat. In den Reihen der SVP kämpft sie für die Landwirtschaft – und für die Gleichstellung. watson hat Glauser gefragt: SVP und Feminismus, wie geht das zusammen?



Frau Glauser, weder die SVP noch die Westschweiz kann sich damit rühmen, viele Frauen in die Politik zu schicken. Sie sind die Ausnahme. Würden Sie sich als Feministin bezeichnen?
Alice Glauser: Wenn man sich für die Rechte der Frauen einsetzt, ist man wohl eine Feministin.

SVP und Feminismus, wie passt das zusammen?
Da ich selbst Landwirtin bin, ging es mir zu Beginn meiner Karriere in erster Linie um die Anliegen der Landwirtschaft. Später dann spezifisch um die der Bäuerinnen. Die SVP ist nicht antifeministisch. Aber der Feminismus interessiert sie nicht besonders.

Im Juni 2018 war Ihre Enthaltung ausschlaggebend für die Annahme der Frauenquote im Nationalrat. Sie ernteten dafür viel Kritik aus den eigenen Reihen ...
Die Reaktionen direkt nach der Abstimmung waren sehr stark. Einen Tag später hatten sich die Wogen aber bereits geglättet. Meine Parteikollegen haben gemerkt, dass ihre Reaktionen politisch nicht wirklich korrekt waren.

«Die SVP ist nicht antifeministisch. Aber der Feminismus interessiert sie nicht besonders.»

Alice Glauser

Hatten Sie nie das Gefühl, die falsche Partei gewählt zu haben?
Natürlich ist es manchmal hart, für etwas zu kämpfen, das für die SVP wenig Priorität hat. Ich habe auch immer wieder versucht, Klimafragen und eine nachhaltigere Lebensweise mehr ins Zentrum zu rücken. Das entsprach ebenfalls nicht immer streng der SVP-Linie. Auch deshalb habe ich mich öffentlich nie viel dazu geäussert. Die Aufmerksamkeit innerhalb der Partei hat mir gereicht. Aber ich habe es nie bereut, der SVP beigetreten zu sein. Ich bin Landwirtin und stolz darauf. Mit meinen Parteikollegen habe ich mich auch immer gut verstanden, ausser in den Momenten, wo ich sie ein bisschen genervt habe (lacht).

Der Nationalrat debattiert an der Sommersession der Eidgenoessischen Raete, am Donnerstag, 14. Juni 2018 im Nationalrat in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Wäre SVP-Nationalrat Roger Köppel anwesend gewesen und hätte Alice Glauser nicht auf «Enthalten» gedrückt, wäre die Abstimmung zur Frauenquote im Parlament gescheitert. Bild: KEYSTONE

Sie werden bei den Wahlen im Herbst nicht mehr antreten. Die SVP verliert damit, wenn man so will, ihr feministisches Aushängeschild. Wo sind Ihre jungen Kolleginnen?
Ich glaube, dass viele den Eindruck haben, dass der Feminismus obsolet geworden ist. Es sind häufig junge, unverheiratete und kinderlose Frauen. Sie können oft ohne Einschränkungen in einem 100-Prozent Pensum arbeiten und verdienen auch nicht weniger Lohn als ihre männlichen Kollegen. Mit der harten Realität wird man als Frau aber erst etwas später im Leben konfrontiert. Dann nämlich, wenn es an die Familienplanung geht.

«Natürlich ist es manchmal hart, für etwas zu kämpfen, das für die SVP wenig Priorität hat.»

Alice Glauser

Wie war das bei Ihnen?
Ich habe lange gedacht, wenn ich meinen Mann heirate und mit ihm zusammen den Hof führe, handle es sich dabei um unseren Betrieb. Erst mit der Zeit habe ich realisiert, das dem nicht so ist. Die Frauen übernehmen eine wichtige Rolle in der Landwirtschaft. Aber diese Rolle wird nicht anerkannt. Es fehlen die sozialen Versicherungen. Viele Bäuerinnen arbeiten gratis oder schwarz. Für die gleiche Arbeit erhalten Frauen nicht den gleichen Lohn. Das konnte und kann ich bis heute nicht akzeptieren. Es liegt in der Verantwortung des Gesetzgebers, sich darum zu kümmern.

Die SVP gehört zu den Parteien mit den tiefsten Frauenanteil überhaupt. 17 Prozent sind es im Nationalrat, 0 im Ständerat. Ist es schwierig, Frauen für eine bürgerliche Politik zu begeistern?
Es ist einfacher geworden. Als ich mit der Politik angefangen habe, war es schwieriger, Frauen zu finden. Damals dachten viele, die Herren werden das schon richten. Heute sehen auch viele bürgerliche Frauen, dass nicht alles so rund läuft. Sie wollen eine Familie, den Job behalten, Karriere machen – und merken: Halt, ich werde nicht gleich behandelt wie mein Mann. Die Männer verteidigen ihre Plätze aber vehement. Am Ende des Tages kämpft jeder für sich – oder man setzt sich für jüngere, männliche Kollegen ein.

Sie sagen also, dass männliche SVP-Politiker eher junge Männer anstatt junge Frauen fördern?
Ja, diesen Eindruck habe ich. Das sah man auch bei den letzten Parteiwahlen. Nicht viele Frauen konnten einen Platz ergattern.

«Ich hoffe, dass den Frauen aller politischen Couleur klar ist, dass es in unser aller Interesse ist, Frauen zu wählen!»

Alice Glauser

Sie engagieren sich derzeit bei der überparteilichen Bewegung «Helvetia ruft», um mehr Frauen zu motivieren, für die Wahlen im Herbst zu kandidieren. Wie viele Frauen werden bei der SVP auf der Liste stehen?
Für die Nationalratswahlen haben wir bis jetzt vier Kandidatinnen auf der Liste für den Kanton Waadt. Das ist natürlich noch lange kein ausgewogenes Verhältnis, aber besser als im Vergleich zu den Vorjahren.

Albert Roesti, Parteipraesident SVP, links, diskutiert mit Thomas Aeschi, Nationalrat SVP-ZG, waehrend einer Debatte im Nationalrat, waehrend der Fruehlingssession der Eidgenoessischen Raete, am Mittwoch, 13. Maerz 2019 in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Von Männern dominiert: Die SVP mit Parteipräsident Albert Rösti (links) und Nationalrat Thomas Aeschi. Bild: KEYSTONE

Was erhoffen Sie sich von den Wahlen im Herbst?
Ich wünsche mir mehr Frauen in der SVP und im National- und Ständerat. Und die eine oder andere Bäuerin darunter.

Wird Ihr Wunsch in Erfüllung gehen?
Ich bin zuversichtlich. Ich hoffe, dass den Frauen aller politischen Couleur klar ist, dass es in unser aller Interesse ist, Frauen zu wählen!


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    Alle Leser-Kommentare
  • seventhinkingsteps 21.05.2019 09:56
    Highlight Highlight Politisch und historisch komplett verwirrt die Frau...

    "Die SVP ist nicht antifeministisch."

    WTF, doch, das ist sie:

    - Gegen das Frauenstimmrecht 1971
    - Gegen das neue Eherecht (1988)
    - Gegen Vergewaltigung in der Ehe als Straftat (2004)
    - „Wie viele Gebraucht-Gegenstände, die älter als 30 Jahre sind, haben sie noch Zuhause?" Antwort: „Bei uns sind das nicht mehr viele, ausser natürlich die Frau, die den Haushalt schmeisst." - Ueli Maurer
    - Christian Gerig, Inhaber swissfuckers.ch, Zusammenarbeit mit Menschenhaendlern
    - Witze ueber KO Tropfen
    - Konstantes Hating gegen linke, junge Frauen
  • Hierundjetzt 20.05.2019 18:24
    Highlight Highlight Die Tamy Glauser der SVP. Ich bin für Frauenrechte aber enthalte mich der Stimme.

    Oder ich kämpfe fürs Klima, fliege aber mehr herum als 99% der Schweizerinnen.

    Trotzdem: Tolle Frau, die Alice Glauser, mit guten Gedanken und ehrlichem Anspruch fürs Gute. Leider in der komplett falschen Partei
  • sheimers 20.05.2019 17:31
    Highlight Highlight Sie setzt sich für Frauenrechte ein indem sie sich enthält. Sie setzt sich für Nachhaltigkeit ein indem sie öffentlich nicht viel dazu sagt. Unter mutiger Politik stelle ich mir etwas anderes vor.
  • ojama 20.05.2019 16:08
    Highlight Highlight Schade tritt sie nicht mehr an. Man sieht selten SVP Vertreter, die nicht ganz so auf den Kopf gefallen scheinen.
    • Rim 20.05.2019 16:29
      Highlight Highlight Ich habe null Verständnis für oder "Bedauern" mit dieser Frau. Wer zwingt sie denn, (als Alibifrau) in einer Partei zu politisieren die offensichtlich weder an ihr noch an ihren Themen/Anliegen interessiert ist? Niemand. Ok. (Heisst: Sie ist auch auf den Kopf gefallen ;-)
    • Beat-Galli 20.05.2019 22:42
      Highlight Highlight Nur verblendete haben aus dem Text herausgelesen, dass diese Frau Bedauern fordert.

  • DieFeuerlilie 20.05.2019 15:56
    Highlight Highlight «Es ist hart, für etwas zu kämpfen, das für die SVP nicht Priorität hat»

    Das glaube ich sofort.
    Zumal die SVP ja eher dafür bekannt ist, GEGEN etwas zu kämpfen..

    Sie fühlen sich vermutlich unwohl, wenn auf einem ihrer Plakate plötzlich “Ja“ statt des obligaten, vertrauten “Nein!“ stehen würde..
    • violetta la douce 20.05.2019 20:47
      Highlight Highlight Mal langsam. Was ist mit der MEI? Dafür! Was ist mit der DI? Oder der Hilfe vor Ort? Dafür!
      Die Genossen sind doch häufig dagegen.
      Gerade aktuell: Juso, Gewerkschaften GEGEN die Sanierung der AHV !
      🤷‍♂️
    • DasGlow 20.05.2019 21:13
      Highlight Highlight SVP steht halt für „Nein sagen aus Überzeugung“ egal um was es geht. Deswegen auch die Sonne! Oh Moment....
  • äti 20.05.2019 15:53
    Highlight Highlight Die Bauern haben sich mit der SVP verrechnet. Sie sind zum Stimmvieh geworden. Nicht die SVP hilft ihren Anliegen, sondern umgekehrt. In der BGB konnten die Bauern noch Ziele und Richtungen bestimmen. Heute zero. Personen, wie Ritter uvam könnten heute als unabhängige Partei jederzeit bessere Verbindungen mit anderen Parteien für verschiedene Projekte machen. Man hat sich verkauft und zahlt dafür.
    • El Vals del Obrero 20.05.2019 17:25
      Highlight Highlight Ich habe das Gefühl, die Bauern und "SVP-Burezmorge" etc. dienen einfach als Folklore-Element zur Bedienung der "Landliebe-Idylle-Sehnsucht" für die nicht-bäuerischen Wähler.
    • Sophia 20.05.2019 18:00
      Highlight Highlight Da kann ich dir nur zustimmen, äti! Und weil Bauern sehr treu sind, haben sie es zwar mitbekommen, dass sie mit der SVP angeschmiert sind, aber sie bringen es nicht übers Herz, sich eine andere Partei zu suchen, die Ihre Interessen besser vertreten würde.
    • Politikinteressierter 20.05.2019 18:04
      Highlight Highlight Ritter ist ein CVP'ler.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Clife 20.05.2019 15:45
    Highlight Highlight Wäre die Frau bei der SP, würde sie sehr viel Gehör erhalten. Als Mittelperson zwischen Links und Bauernschaft hätte sie früh schon ganz gross rauskommen können mit ihrer Ideologie. Stattdessen hat sie sich für den „Feind“ entschieden, die zwar dieselbe Interessengruppe vertritt, aber mit anderen Absichten. Dass sie trotzdem glücklich bei der SVP war, das kann ich irgendwie nicht nachvollziehen, zumal die SVP stur ihrer Parteilinie folgt, bis man Schiffbruch erleidet
  • Paradise 20.05.2019 15:39
    Highlight Highlight Dieser Beitrag wurde gelöscht. Bitte beachte die Kommentarregeln.
    • béast 20.05.2019 16:25
      Highlight Highlight Der Kommentar, auf den du Bezug nimmst, wurde bereits entfernt.
    • Fanta20 20.05.2019 16:35
      Highlight Highlight Der Kommentar, auf den du Bezug nimmst, wurde bereits entfernt.
  • crik 20.05.2019 15:28
    Highlight Highlight Warum setzt sich Frau Glauser für mehr Frauen im Nationalrat ein, tritt aber nach nur einer Legislatur nicht mehr an? Als bisherige bekäme sie sicher einen guten Listenplatz.

    Ich habe ihre Karriere nicht verfolgt, konnte sie ihre Ziele erreichen? Realistischerweise kann man/frau in der ersten Legislatur kaum etwas bewegen.
    • regen 20.05.2019 15:40
      Highlight Highlight @ crik: weil es vielleicht in einer rechts-populistischen einheitspartei einfach zu zermürbend und zu aufreibend ist, sich gehör zu verschaffen und akzeptiert zu werden? Hab ich so zwischen den zeilen gelesen....
    • Fanta20 20.05.2019 16:19
      Highlight Highlight Ein Rücktritt mit 64 Jahren ist sicher trotzdem nicht falsch. Es ist ja nicht so, dass Senioren in den Parlamenten untervertreten sind.
    • the Wanderer 20.05.2019 18:10
      Highlight Highlight @cirk

      Würdest Du als einigermassen vernünftig denkender Mensch für diese SVP im Nationalrat sitzen wollen?

      ...siehst Du....
  • Ciruzz 'O Milionar 20.05.2019 15:26
    Highlight Highlight Sehr interessantes Interview.
    Aber:
    "Die SVP ist nicht antifeministisch. Aber der Feminismus interessiert sie nicht besonders."
    Schade wird die SVP für diese Haltung von 50% der Stimmberechtigten nicht härter bestraft. Eigentlich schade in der heutigen Zeit.
  • regen 20.05.2019 15:22
    Highlight Highlight Schade, dass es im ganzen svp-männergruselkabinett nicht mehr solche frauen wie frau glauser gibt....🤔👍
  • Chili5000 20.05.2019 15:10
    Highlight Highlight Frauen für den Almännerverein zu rekurtieren wird nicht einfach werden. Ihre Weltansicht ist bekannt und wo Sie die Frauen darin sehen ebenso. Wieso sollte sich eine Frau oder Bäuerin für die SVP einsetzten. Diese tun nähmlich fast gar nichts für Bauern...
    • The Unseen Fenian Hand 20.05.2019 16:38
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