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Dieci Pizza

Rocco Delli Colli, Verwaltungsratspräsident des Pizza-Kuriers Dieci.

Vom Tellerwäscher zum grössten Pizza-Kurier der Schweiz: «Ich dachte, ich bin der King»

Rocco Delli Colli kam mit nichts aus Italien in die Schweiz und ist heute Chef des Pizza-Kurier-Imperiums Dieci. Noch immer ist er hungrig und will seine Kette in alle Landesteile ausweiten. Im Interview spricht der Einwanderer über Maradona, das Scheitern und erklärt das Dieci-Emblem. 

felix burch



Dieci heisst der grösste Pizza-Kurier der Schweiz. 24 Filialen zählt die Firma schon jetzt und sie wird weiter expandieren – in die Westschweiz und ins Tessin. Zum Erfolg gebracht hat das Unternehmen der italienische Einwanderer Rocco Delli Colli. Über ihn selber ist fast nichts bekannt. Deshalb traf ihn watson im Ristorante Dieci direkt am See in Rapperswil. 

Die Marke Dieci kennt heute jeder, die Erfolgsgeschichte jedoch nur wenige. Wie hat sie angefangen?
Rocco Delli Colli: Während meiner ersten Zeit in der Schweiz schlug ich mich als Elektromonteur durch. Im August 1981 ergab sich dann die Möglichkeit, eine Videothek mit italienischsprachigen Videos zu eröffnen. Das machte ich acht Jahre lang. Die Videothek Portabello war die erste in Rapperswil, mit der Zeit vertrieb ich auch deutschsprachige Videos. Am Schluss hatte ich 2000 Filme, ich konnte von diesem Geschäft leben. 

Warum wechselten Sie in die Gastronomie?
Ich fand einfach, dass in Rapperswil eine richtig italienische Gastronomie fehlte. Durch etwas Glück und Beziehungen bekam ich ein Lokal in Rapperswil, das ich mit Freunden umbaute. Am 3. November 1990 eröffneten wir die Dieci Bar & Pizza, wir starteten mit fünf Leuten, Sitzplätze hatten wir zwölf. Heute könnte man auf diese Art wohl kaum mehr ein Restaurant bewirtschaften. Allerdings schlugen wir ein, wie eine Bombe.  

«Pizza ist eigentlich Fastfood, das sagen zumindest viele Konsumenten. Ich behaupte das Gegenteil.»

Bekannt sind heute aber nicht die Pizzerias von Dieci, sondern die Pizza-Kuriere. Wie kam es dazu?
Mit der Pizzeria in Rapperswil machten wir in den ersten drei Tagen bereits die Hälfte des budgetierten Monatsumsatzes. Warum wir so viel Erfolg hatten, weiss ich nicht. Aber so begann die Story von Dieci. Gezwungenermassen fingen wir mit einem Pizza-Kurier an. Wir hatten stets eine Schlange vor der Pizzeria, unsere Kunden mussten lange warten. Also fingen wir an, die Pizzen auszuliefern. Das war keine strategische Überlegung, das war einfach ein Bedürfnis. Wir produzierten in unserem kleinen Lokal pro Tag über 150 Pizzen und waren schlicht überfordert damit. ​Deshalb eröffneten wir eine reine Pizza-Kurier-Filiale im Industriegebiet von Rapperswil. 

Das Pizza-Imperium Dieci

Dieci ist mit 24 Filialen der grösste Pizza-Kurier der Schweiz. Dazu kommen 5 Restaurants und 5 Gelaterias. Die Firma beschäftigt 750 Mitarbeiter (250 Vollzeit, 500 Teilzeit). Dieci verarbeitet pro Jahr 220 Tonnen Mehl, 180 Tonnen Pelati und produziert 1,6 Millionen Pizzen. Den Umsatz gibt die Firma nicht bekannt. Dieci will in den kommenden Jahren weiter expandieren. (feb)

Der Mann hinter Dieci

Der heute 54-jährige Rocco Delli Colli ist in Arpino, einem kleinen Dorf in der Nähe von Rom, aufgewachsen. Im Alter von 18 Jahren, im Jahr 1979, kam er in die Schweiz. Gemäss eigenen Angaben weil die politische Lage in Italien nicht ganz einfach war und weil er keinen Militärdienst leisten wollte. Zuerst arbeitet er hier als Elektromonteur, 1990 eröffnete er die erste Pizzeria. Heute ist Delli Colli Verwaltungsratspräsident von Dieci. Er ist verheiratet, Vater von zwei Kindern und wohnt in Rapperswil. Zudem bekleidet er das Amt des Präsidenten des FC Rapperswil-Jona. (feb)

Und Sie liessen sich in Sachen Auslieferung etwas damals neues einfallen ...
Genau. Zu dieser Zeit gab es ja noch fast keine Kuriere. Die, die schon im Geschäft waren, lieferten die Pizzen mit Mofas aus. Die hatten Taschen an den Mofas, in denen nicht viele Pizzen Platz hatten. ​Das wollte ich nicht. Deshalb lieferte ich von Anfang an mit Autos, mit Fiat Pandas aus. Dadurch konnte ich bis zu 60 Pizzen in einem Wagen transportieren und in einer Fahrt mehrere Adressen beliefern. Zu Beginn mussten wir Produkte wie Wärmehalteboxen für die Autos oder Pizzaschachteln im Ausland herstellen lassen. Das gab es in der Schweiz nicht.

Trotzdem ging es nicht immer nur aufwärts.
Das stimmt. Heute geht es dem Unternehmen zwar gut, wir sind gesund und stehen mit beiden Füssen auf dem Boden. Allerdings waren wir Mitte der 1990er-Jahre nahe daran, unsere Bilanz deponieren zu müssen. Das brachte uns aber weiter. 

Dass es Delli Colli immer weiter bringen will, er selten ruht, zeigt sich während dem Gespräch. Mehr als einmal klingelt das Telefon, alle wollen etwas von ihm. Delli Colli entschuldigt sich jedes Mal, spricht ins Smartphone und widmet sich dann wieder dem Interview.

Warum standen Sie am Abgrund? Was lief damals falsch?
Die ersten Jahre führten wir alle unsere Filialen selber. Erst als wir das Franchising-System  einführten, setzte der Erfolg ein.

Das alleine kann aber noch nicht der einzige Grund für die Trendwende sein.
2003 war die Seepromenade in Rapperswil veraltet; mit Plastiktischen und billigen Sonnenschirmen. Trotzdem mieteten wir ein Lokal direkt an der Promenade, bauten um und eröffneten im Frühling 2004 das Flagschiff von Dieci. Wir machten doppelt so viel Umsatz wie budgetiert und ich dachte, ich bin der King. Zwei Jahre später wollten wir Zürich erobern und eröffneten das Dieci-Restaurant beim Zoo. Wir merkten sofort, dass ein Restaurant zu kopieren nicht möglich ist. Damals sagten wir: Wir hören auf mit Restaurants und konzentrieren uns voll auf Pizza-Kuriere, denn solche sind multiplizierbar. Wir setzten auf Qualität, auf Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Professionalität. Ab 2002 explodierte das Kuriergeschäft, Restaurants führen wir seither nur noch an absoluten Top-Lagen. Weil wir damals klar definierten, wo wir expandieren wollen, kamen wir zurück zum Erfolg.

Dieci Pizza

Delli Colli: «Das Endziel sind zwischen 40 und 50 Filialen in der Schweiz.»

Ich fasse zusammen: Sie haben etwas salopp gesagt begriffen, dass Pizzen ausliefern in Pandas effizient ist und dass sie dies pünktlich tun müssen. Ist das das ganze Geheimnis von Dieci?
Pizza ist eigentlich Fastfood, das sagen zumindest viele Konsumenten. Ich behaupte das Gegenteil. Wenn Sie bei uns in eine Pizza-Kurier-Filiale spazieren, finden Sie Mehl, Mozzarella, frischen Schinken. Jeder einzelne Kurier stellt seinen Teig nach unserer Rezeptur her und schneidet den Schinken selber. Die Zutaten sind also frisch. Erst wenn der Kunde anruft, wird die Pizza gemacht. Beim Pizza-Kurier ist 50 Prozent die Pizza und die andere Hälfte die Auslieferung. Geschwindigkeit, Zuverlässigkeit, Freundlichkeit sind ebenso wichtig. 

Auf dem Nebentisch wird das Menü aufgetischt; Fleisch mit Pasta. Delli Colli findet, die Beilage passe nicht. Rasch geht er in die Küche und ordnet an, dass statt Pasta Reis serviert wird. Die Köche setzten es sofort um, Delli Colli führt das Gespräch weiter.

Franchising-System

Sämtliche Dieci-Filialen funktionieren nach dem Franchising-System. Die Filialleiter zahlen sich selber einen individuellen Lohn aus und bestimmen auch die Löhne ihrer Angestellten. Die meisten Angestellten sind temporäre Mitarbeiter. Alle gesetzlichen Bestimmungen und Mindestlöhne werden gemäss Dieci eingehalten. Die gesamte Buchhaltung jeder Filiale inklusive Lohnbuchhaltung und Personalmanagement wird zentral durch die Dieci-Verwaltung koordiniert, überwacht und administriert.​ (feb)

Sie scheinen noch lange nicht genug zu haben und expandieren weiter. Was ist das Ziel?
Bis im Jahr 2019 wollen wir in der gesamten Schweiz präsent sein mit Pizza-Kurieren. Das heisst, wir bauen in der Deutschschweiz aus, dann folgt die Westschweiz und das Tessin. Wir wollen pro Jahr vier neue Filialen eröffnen. Momentan sind es 24, das Endziel sind zwischen 40 und 50 Filialen in der Schweiz. 

Unser Emblem entstand in Sardinien am Strand. Dort schrieb ich es in den Sand.

Können Sie in allen Landesteilen die selbe Art von Kurieren aufbauen, funktionieren Ihre Pizzen auch in der Westschweiz?
Das ist ein ganz anderer Markt, eine ganz andere Kultur. Die Westschweizer haben ein anderes Verständnis von einer guten Pizza. Sie mögen amerikanische Pizzen ziemlich gut. Wir lassen uns überraschen. Zuerst müssen wir die Marke positionieren. Dieci kennt man dort noch nicht. ​

Warum verkaufen Sie Ihre vom Tellerwäscher-zum-Multimillionär-Story nicht aktiver?
Unsere Geschichte soll losgelöst von meiner Person funktionieren. Wir wollen, dass sich die Firmengeschichte lokal herumspricht, dass sich die Leute für uns interessieren, weil sie von uns gehört haben und zwar direkt, nicht über ein Werbeplakat.

Dieci

Wie ist eigentlich Ihr Emblem entstanden?
​Unser Emblem entstand in Sardinien am Strand. Dort schrieb ich es in den Sand. Mein Freund und Innenarchitekt Stephan Seiler zeichnete danach das Logo, wie es heute ist. Im Zentrum steht die Zahl 10 weil ich ein Fussballfan bin. All die Grossen – Baggio, Platini, Maradona – trugen die Rückennummer 10. Sie waren die Chefs auf dem Platz. Man kann es aber auch so sehen: Die 0 in unserem Emblem stellt einen Teller dar, daneben, die 1, eine Gabel, oben rechts ein Glas. ‹10vor10› kam nach uns, die haben uns abgeschaut. 

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